Madame Lazare
(Irischer Bestseller, ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Europäischen Union. Deutsche Erstübersetzung durch Elvira Veselinović, perfekt als Einstimmung für den Irland-Urlaub)
Seit sie denken kann, ist Levana stolz auf ihre jüdische Herkunft, die Generationen jüdischer Frauen, von denen sie abstammt, auf ihre Großmutter, Hana Lazare, die als Einzige in ihrer Familie die Shoah überlebt hat – und es nie geschafft hat, darüber zu sprechen. Bis Hana, die zunehmend den Bezug zum Hier und Jetzt verliert, plötzlich anfängt, Wörter in einer Sprache zu murmeln, die Levana vollkommen fremd ist. Als sie beginnt, die Bruchstücke zusammenzufügen, die aus Madame Lazares Erinnerung emporgespült werden, löst sich vor ihren Augen alles, was sie über das Leben ihrer Großmutter weiß, in Nichts auf. Die Spur führt sie von Paris und Brüssel bis ans Ende der Welt, eine kleine Insel vor der irischen Atlantikküste, zu einem jungen Mädchen, das sich nicht mehr vom Leben wünscht, als alt werden zu dürfen auf dieser Insel, wo der Wind ihr das Haar zerzaust, beim Klang der Wellen und dem Geruch von Seetang, beim Geschichtenerzählen am Torffeuer – bis etwas ihr Leben für immer ändert.»Die Raffinesse des Plots und die Erzählkunst erinnern den Leser an die großen Werke von Balzac oder Thomas Mann.« (Irish Times) – Man muss gar nicht so weit ausholen: Auch für sich genommen ist Tadhg Mac Dhonnagáins Madame Lazare ganz große Kunst und ganz sicher ein Straßenfeger.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
12.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich berührende Geschichte, die lange nachhallt
Madame Lazare von Tadgh Mac Dhonnagáin und ganz wundervoll übersetzt von Elvira Veselinovic ist dieses Jahr bisher mein absolutes Lieblingsbuch.
Der Roman spielt in verschiedenen Zeitebenen, an unterschiedlichen Orten und man erlebt die Geschichte gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven, was dem Ganzen jede Menge Tiefe schenkt und mir trotz vieler Wechsel wirklich sehr gut gefallen hat.
Ganz besonders wohlgefühlt habe ich mich im Setting der Aran Inseln vor der Westküste Irlands in den 1940er Jahren. Diese Zeit, in der die alten Geschichten durch die Schulkinder Irlands aufgezeichnet und für die Nachwelt bewahrt wurden, fasziniert mich seit jeher. Ganz oft habe ich mich bereits durch diese Aufzeichnungen gelesen und mir vorgestellt, wer diese Geschichten wohl aufgeschrieben hat und generell, wie das Leben in Irland zu dieser Zeit wohl war. In meinen Augen, ist genau dieses Setting und diese Zeit, das Herz der Geschichte.
Das große Lebensgeheimnis, um das sich alles dreht und das nach und nach aufgedeckt wird, bewegt mich auch noch ein paar Wochen, nachdem ich das Buch beendet habe. Was für ein Schicksal, was für ein Leben, was für eine unglaubliche Geschichte.
Ich kann das Buch wirklich von ganzem Herzen empfehlen.
Bewertung
5/5
19.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schon auf Irisch grandios!
Selten habe ich mich so sehr auf eine Übersetzung gefreut wie diese. Zum ersten Mal habe ich von „Madame Lazare“ gehört, als es eine irische Youtuberin als ihr Lieblingsbuch bezeichnet hat. Wenig später war es in Auszügen Teil eines Irischkurses, den ich belegt hatte. Da ich Familiensagas auf mehreren Zeitebenen liebe, habe ich mir letztes Jahr in Galway das irische Original gekauft und mich erfolgreich durchs Buch gekämpft. Ich wusste schon, als ich es auf Irisch las, dass es gut war, aber um jede Nuance auszukosten, war mein Irisch nicht gut genug (und ist es immer noch nicht).
Umso mehr hat es mich gefreut, dass es besagte deutsche Übersetzung nun gibt (und dass sie gut ist!). Ich habe das Buch bereits am Erscheinungstag gelesen und seitdem immer und immer wieder (und manchmal dann auch das irische Original aufgeschlagen) und jedes Mal entdecke ich neue kleine Nuancen.
Zum Inhalt:
In der Gegenwartsebene ist Levana vor kurzem mit ihrem Partner Armand nach Brüssel gezogen. Ihrer noch in Paris wohnenden Großmutter Hana geht es zunehmend schlechter, sie wird dement und beginnt, französische Wörter zu vergessen und in einer anderen Sprache zu sprechen. Neugierig geworden, da ihre Oma sich immer geweigert hat, über ihre Herkunft zu sprechen, lässt Levana die Worte übersetzen und fängt Recherchen an.
Im Paris der Neunzigerjahre bekommen Hana und Samuel Lazare (beide nicht sonderlich orthodoxe Juden) von ihrer krebskranken Tochter Brigitte vor ihrem Tod den Auftrag, ihre Enkelin Levana (Brigittes einziges Kind) im jüdischen Glauben aufzuziehen. Besonders Hana tut sich damit im Laufe der Jahre immer schwerer und wird zunehmend abweisender.
Wieder in der Gegenwartsebene: Gearailt ist von Dublin in die Connemara-Gaeltacht gezogen und hält sich mehr oder weniger mit Teilzeitdozentenstellen an der Universität von Galway über Wasser. Seine große Leidenschaft: die Volkskunde, insbesondere die mündliche Überlieferung in Connacht. Auf der Suche nach einem besser bezahlten Job nimmt er eine Stelle als Übersetzer bei der Europäischen Kommission an - zwar gut bezahlt, aber nicht sonderlich spannend. Umso interessanter findet er es, als ihm seine Kollegin eine Aufnahme einer alten Frau zuleitet, die Connacht-Irisch spricht.
In den Dreißigerjahren lebt Muraed zusammen mit ihrer älteren Schwester Bríd (Bid) und ihrem geistig behinderten Zwillingsbruder Páraic auf Inis Mór (einer der Aran-Inseln, die zum County Galway gehören, dort wird ein Dialekt des Connacht-Irischen gesprochen). Ihre Mutter ist schon lange verstorben, ihr Vater Tadhg (Timín) ein einfacher Fischer, der eine Vielzahl von traditionellen Gedichten, Geschichten und Liedern kennt, die er auch seinen Kindern beibringt. Umso mehr freut es Muraed, als jedes irische Schulkind Volksgut sammeln muss. Begeistert macht sie sich ans Werk…
Ehrlich gesagt war ich am meisten gespannt darauf, wie die Übersetzerin mit den zahlreichen eingestreuten französischen, hebräischen und englischen Wörtern umgeht – zu meiner Freude wurden sie größtenteils unübersetzt gelassen und im ausführlichen Glossar erklärt bzw. übersetzt (allerdings hat sie leider das wunderschöne Connacht-Irische „Deaide“ in „Daddy“ eingeenglischt, aber gleichzeitig Mémé und Pépé in Französisch belassen). Besagtes Glossar enthält auch Aussprachehilfen für Menschen, die mit der irischen Sprache noch keine Berührungspunkte hatten. Ebenso wurde das Nachwort des Autors, sowohl seine Danksagung nicht übersetzt - das ist allerdings Jammern auf höchstem Niveau!
Übrigens: Schulkinder in Irland mussten tatsächlich in den Dreißigerjahren Volksgut sammeln – die entsprechenden Sammlungen (teilweise Irisch, teilweise Englisch, je nach Gebiet) sind mittlerweile frei online verfügbar und großteils transkribiert – ein Punkt, worauf auch Gearailt aufmerksam macht.
Insgesamt eins meiner absoluten Lieblingsbücher – auch wenn ich sagen muss – wer Irisch zumindest halbwegs lesen kann, kann gerne auch mal mit der deutschen Übersetzung daneben, ins irische Original hereinspitzen, denn selbst die beste Übersetzung kann nicht alle Nuancen (wie beispielsweise die deutlich dialektreicheren Passagen der Árainn-Kapitel) wiedergeben.
Absolute Leseempfehlung meinerseits!
Buecherheidrun
aus Horb
5/5
06.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn eine Lebenslüge alles ins Wanken bringt
Wie das ist, wenn eine Lebensgewissheit, die einen mit Stolz und einem Wertegefühl erfüllt, plötzlich ins Wanken gerät, um dann mit Getöse in sich zusammenzustürzen, das erlebt Levana. Sie holt ihre in Paris lebende Großmutter Hana Lazare zu sich nach Brüssel, die zunehmend den Bezug zur Realität verliert und immer mehr in ihre schicksalhafte Vergangenheit gleitet, die sie den Erzählungen ihres bereits verstorbenen Mannes Samuel nach, als gebürtige jüdische Estin und Überlebende des Holocausts überstand. Denn über die prägenden Ereignisse ihrer Jugend legte Hana, selbst ihrer Enkelin oder ihrer Tochter Brigitte gegenüber, einen Mantel der absoluten Verschwiegenheit. Sie folgte lediglich dem drängenden Wunsch ihrer einem Krebsleiden erlegenen Tochter, Levana im jüdischen Glauben zu erziehen.
Doch was ihre eigentlich französisch sprechende Oma neuerdings nachts vor sich hinmurmelt, ist nach ersten Erkenntnissen gar kein Estnisch, sondern eine völlig andere Sprache, die Levana mit Hilfe eines Übersetzers als Irisch identifiziert. Um die Wahrheit über die Identität ihrer Großmutter herauszufinden muss Levana tief in deren Vergangenheit graben, als diese noch ein kleines Mädchen war, das Geschichten erzählen und seine Insel-Heimat nie verlassen wollte. Was sie schließlich aufdeckt, ist eine Lebenslüge von enormer Tragweite, die alles in Frage stellt.
Die Annäherung der Erzählstränge aus der Vergangenheit an die Gegenwart und ihre letztendliche Vereinigung in eine so berührende und emotionale Geschichte, ist schmerzhaft schön und am Ende sehr versöhnlich. Wie stark Vergangenes bis ins Jetzt reichen kann, wie schlimm der Verlust der Identität ist, wie groß eine Lüge werden kann und wie wichtig der Erhalt von Sprache und Kultur, insbesondere auch von Minderheiten, ist, wird unterhaltsam und eindringlich erzählt. Religiöse Gebräuche und kulturelle Traditionen verschiedener ethnischer Gruppen werden authentisch und informativ in die Erzählung eingebunden.
Große Empfehlung für diesen preisgekrönten Roman übers Suchen und Finden von Wahrheit, Herkunft und dem, was uns als individuellen Menschen definiert. Unbedingt lesen!
Eva
5/5
19.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausdruck weit über die Sprache hinaus
Der Klang des Gälischen singt in einer saalfüllenden Akustik von Melancholie, Sehnsucht, Geschichten am Feuer und alten Liedern.
Mit Madame Lazare durfte ich erneut auf die Aran Islands vor der Westküste Irlands reisen. Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum einen Ort so liebe wie Inis Mor, die größte der Inseln vor dem County Clare. Ich schlage das Buch auf, und schon rauscht der Atlantik um mich herum, sitze ich mit Muraed im Curragh und rudere in Richtung des irischen Festlands.
Madame Lazare erzählt die Geschichte von Muraed, die ihre Enkelin Levana unter dem Namen Hana kennt. Für Levana war Hana die jüdische Großmutter, eine Estin in Paris und die - so wurde es Levana erzählt - als Einzige in ihrer Familie den Holocaust überlebte. Zeitlebens weigerte sie sich, über ihre Vergangenheit zu sprechen.
Levana ist getrieben von einem unbändigen Wissensdurst. Sie fragt und fragt. Vergeblich. Bis Hana dement wird und in den Jahren vor ihrem Tod die französische Sprache vergisst und nur noch gälisch spricht, die Sprache ihrer Kindheit.
Dieser Roman ist getragen von Sprache. Der Erzählstil leuchtet trotz einer klaren Geradlinigkeit voller Liebe zur irischen Kultur, zum Klang des Irischen und der großen Kunst des Geschichtenerzählens. Aus diesem Gegensatz entsteht eine knisternde Spannung. Wer einmal gälische Lieder und Gedichte gehört hat, wird sich ihrer Magie kaum entziehen können. Levanas Freund Armand vertont sie im Roman zu einer Klangkomposition.
Sprachlosigkeit findet jenseits der Sprache einen Ausdruck, eingefangen in der erzählten Figur, im Original im Irischen, das seinen Ursprung in der mündlichen Überlieferung hat.
Fein entwickelt Tadhg Mac Dhonnagáin einen spannenden, komplexen Roman um eine Frau, für die ihre Insel und ihre Sprache Heimat bedeuten. Er setzt sich auseinander mit Glaubenssätzen, mit den Geschichten, die wir uns erzählen und der Bedeutung von Sprache für Identität und Zugehörigkeit. Das ist perfekt gelungen, über Generationen und Zeiten hinweg.
begine
aus Lemwerder
5/5
30.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was verbirgt Hana
Der irische Schriftsteller Tadhg Mac Dhonnagáin schreibt den Roman, Madame Lazare, eine bewegende Geschichte.
Raffiniert lässt er verschiedene Personen erzählen und wechselt schnell zwischen den Jahren.
Besonders intensiv schildert er das Leben auf einer Insel an der irischen Atlantikküste. Da erleben wir einen Vater und seine Tochter die die Geschichte in Gedichten, aus dem Gedächtnis immer weiter geben.
Dann geht es nach Paris ins 21. Jahrhundert. Die Großeltern ziehen ihre Enkeltochter Levana auf. Die Mutter starb jung und sie wollte, das Levana im jüdischen Glauben aufwächst. Die Großmutter hütet ein Geheimnis.
Als Hana immer mehr vergisst, fängt sie plötzlich in einer fremden Sprache an zu reden.
Levana gibt nicht auf und forscht , wo Hana herkommt.
Das hat der Autor gut umgesetzt und richtig spannend werden lassen.
So hatte der Roman einen Sog und ich ich gebe eine gute Leseempfehlung.
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