Wenn die Vergangenheit dunkle Schatten auf die Zukunft wirft, ist es Zeit, neue Wege zu gehen ...
München in den frühen 1950er Jahren: Die junge Margot ist stolz, als eine der wenigen Frauen einen Studienplatz für Mathematik an der LMU bekommen zu haben. Bei einer Vorlesung fällt sie durch außergewöhnlich kluge Fragen auf und erregt damit die Aufmerksamkeit eines Gasthörers, der für die Operation Gehlen, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, arbeitet. Aufgrund ihrer Begabung bietet er Margot eine Stelle in der Decodierungsabteilung an, welche sie voller Aufregung annimmt. Doch die Freude über die neue Aufgabe weicht bald Ernüchterung, denn in dieser für Margot vollkommen neuen Welt haben immer noch die Männer von früher das Sagen und es fällt ihr schwer, sich zu behaupten. Ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft scheinen vergebens und sie steht kurz davor, zu kündigen. Einzig ihre Freundin Sue bestärkt sie darin, ihren Weg zu gehen. Sie träumt von einem besseren Leben und davon, eines Tages als Journalistin für die Rechte der Frau zu kämpfen.
Gemeinsam besuchen die beiden jungen Frauen Diskussionsabende im Amerika-Haus, wo Margot auf den einfühlsamen und politisch aktiven Willi trifft. Doch ihre Aufgabe beim Geheimdienst macht es Margot nicht leicht, Privates und Berufliches zu trennen ...
Ein spannender und emotional bewegender Roman über eine junge Frau zwischen Pflicht und Freundschaft und über den Mut, seinen Träumen zu folgen.
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Träume erfordern Mut
Bewertung am 03.05.2026
Bewertungsnummer: 3127625
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Margot lebt mit ihrer Mutter im Haushalt ihrer Tante ,der Vater ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt.Sie studiert Mathematik,mit dem Ziel es bis zur Professorin zu schaffen.Abends hilft sie ihrer Mutter bei Näharbeiten, welche diese in Heimarbeit ausführt.Jasper ,ein junger Mann aus der Nachbarschaft,ebenfalls Student , begleitet sie morgens und abends auf ihrem Weg zur Universität, was der Wunsch von Margots Mutter ist. Er ist in Margot verliebt, was aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Seine dominante Art, In welcher er immer mehr Einfluss auf ihr Leben nehmen möchte, stößt sie regelrecht ab.
Margots beste Freundin ist Sue,die mit zwei jüngeren Schwestern und ihrem Bruder Richard ,zusammenlebt,der aufgrund einer schweren Kriegsverletzung stark traumatisiert ist.Sie arbeitet als Näherin ,um die kleine Familie über Wasser zu halten.Insgeheim träumt sie davon ,als Journalistin zu arbeiten.
Die beiden Frauen stehen im Mittelpunkt der Geschichte,sind sich sehr nahe und teilen alle Geheimnisse.
Margot hat ein besonderes Talent ,was sie bisher eher als Behinderung gesehen hat,sie kann Farben hören, Töne riechen und diese Sinneseindrücke miteinander verknüpfen ,dafür gibt es den Begriff Synästhesie.
Der Zeitpunkt,als man an der Uni auf ihre außergewöhnliche Begabung aufmerksam wird, ändert ihr bisheriges Leben von Grund auf. Der BND wirbt sie als Mitarbeiterin für die Dechiffrierung sensibler Daten an,eine Tätigkeit mit großer Verantwortung und absoluter Diskretion und Geheimhaltung gegenüber allen Menschen.Natürlich gibt es auch,wie beinahe in jedem Beruf,die üblichen Querelen.Margot lernt ,für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen und gewinnt dabei an Stärke.
Meine Meinung:
Ich habe durch dieses Buch viele neue Erkenntnisse gewonnen.Zwar war mir der Begriff Synästhesie bekannt,mir fehlte aber jegliches Hintergrundwissen.Da die Autorin auch über diese besondere Begabung verfügt,war es ihr möglich,dieses Wissen sehr genau weiterzugeben.
Die beiden Protagonistinnen stehen stellvertretend für viele starke Frauen,denen es mit sehr viel Energie und Enthusiasmus gelingt,ihren Platz in der von Männern dominierten Welt zu erobern und zu verteidigen.Ihr Werdegang wird sehr anschaulich geschildert ,ich habe die beiden sympathischen Frauen gerne ein Stück begleitet.
Dass es neben Beruf,Alltagsgeschehen und Politik auch noch eine sich anbahnende Liebesromanze gibt,ist sozusagen das Sahnehäubchen auf der Geschichte.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung und vergebe fünf Sterne.
Ein tolles Buch über eine faszinierende Frau
Claudia liest aus Swisttal am 28.01.2026
Bewertungsnummer: 3028095
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Buch spielt in der Nachkriegszeit im München der 50er Jahre. Die 20jährige Margot lebt dort mit ihrer Mutter im Haushalt einer Tante. Ihre Familie wurde bei der Flucht aus Pommern auseinandergerissen. Anfang der 50er Jahre war die Rolle der Frau auf Haushalt und Kindererziehung festgelegt. Und genau damit hat Margot gar nichts am Hut. Sie hat einen Studienplatz für Mathematik erhalten und genau das ist ihre Welt. Zahlen sind ihre Freunde und ganz besonders liebt sie die Kryptografie. Hierfür hat sie ein außergewöhnliches Talent, welches in den Vorlesungen immer wieder auffällt. Aufgrund dessen wird dann auch eine Institution, die gerade neu aufgebaut wird, auf sie aufmerksam. Sie wird vom BND angeworben und erhält ein wirklich verlockendes Angebot. Aber dafür müsste sie ihren großen Traum, Professorin zu werden, aufgeben.
Sue ist Näherin und versucht ihre jüngeren Schwestern nach dem Tod der Eltern durchzubringen. Ihr älterer Bruder ist ihr dabei keine Hilfe. Dieser ist beinamputiert aus dem Krieg zurückgekehrt und leidet unter seinen Erinnerungen. Sue arbeitet im gleichen Atelier wie Margots Mutter und so lernen die beiden sich kennen. Auch sie hat einen Traum. Sie möchte Journalistin werden und dann vor allem über die Unterdrückung der Frau und der Arbeiterklasse berichten. Was das angeht, hat sie eine sehr rigorose und kompromisslose Einstellung. Sie verachtet den Kapitalismus und hegt Groll gegen die Oberschicht.
Erzählt wird in zwei verschiedenen Strängen. Einmal aus der Sicht von Margot und einmal aus der Sicht von Sue. So erfährt man viel über die Beiden und erhält einen guten Einblick in Ihre Gedanken und Emotionen. Das ist besonders bei Margot wichtig. Sie hat nämlich eine seltene neurologisch bedingte Eigenschaft. Sie sieht Zahlen, Emotionen ja auch Wochentage und Monate in Farben. Dieses Phänomen nennt man Synästhesie. Sie versucht immer, das geheim zu halten und traut sich nicht, mit jemanden darüber zu sprechen. Sie glaubt, an einer Psychose oder ähnlichem zu leiden und ist so froh, als sie erfährt, dass es sogar einen Namen für dieses Art der Wahrnehmung gibt. Ein interessanter Punkt ist, die Autorin erzählt im Vorwort, dass sie ebenfalls diese Veranlagung hat.
Es war toll, zu lesen, wie sich die Freundschaft der beiden Frauen entwickelt. Sie merken schnell, dass sie sich gegenseitig guttun. Jede träumt „groß“ und das war damals nicht üblich. Er gehörte sich nicht. Ein Spruch, den viele Frauen wohl immer wieder zu hören bekamen. Vom gesellschaftlichen Stand her sind sie schon sehr unterschiedlich, denn Margot geht es finanziell erheblich besser als Sue. Das war für Sue nicht so einfach und man kann schon nachvollziehen oder verstehen, dass sie sich zwar mit Margot freut, aber manchmal auch neidisch auf Margot war. Doch das hat der Freundschaft der beiden keinen Abbruch getan. Sie unterstützen sich gegenseitig und geben sich Halt. Schwierig wird es für die beiden durch den neuen Job von Margot, der sie zu Geheimhaltung verpflichtet. Das führt so weit, das Margot sogar ihre sozialen Kontakte einschränkt. Kann sie sich aus dieser Zwickmühle befreien?
Ein weiterer Protagonist ist Jasper. Er macht Margot den Hof. Er war mir von Anfang an sehr suspekt. Ich finde, er hat narzisstische Züge. Er versucht auf perfide Art und Weise Margot zu manipulieren, ihr sein Weltbild aufzuzwängen. Und darin geht die Frau nicht arbeiten, sondern bekommt Kinder und kümmert sich um deren Erziehung und den Haushalt. Margot muss viel Kraft und auch Mut aufbringen, um sich gegen ihn zu behaupten. Sein Verhalten weckt bei Margot Erinnerungen, die sie lieber verdrängt. Das hängt mit ihrer Flucht zusammen, bei der sie ein traumatisches Erlebnis hatte.
Der Schreibstil von Hanna Aden gefällt mir ausgesprochen gut. Sie erzählt sehr eindringlich und transportiert so auch die Emotionen sehr deutlich. Die Überschriften der Kapitel haben mich zu Beginn irritiert. Die Nummerierung ergab zunächst keinen Sinn für mich, aber für Mathematiker dürfte die Erklärung kein Problem gewesen sein. Die Überschriften passen zum Thema Synästhesie.
Das Ende kam etwas plötzlich. Ich hätte z.B. gerne noch etwas mehr über Sue erfahren, oder wie es für Margot beruflich weitergeht. So hoffe ich doch auf eine Fortsetzung.
Das Buch hat mich wirklich gefesselt. Es ist eine faszinierende Geschichte über die Stellung der Frau in der Nachkriegszeit, über den Wert der Meinungsfreiheit und soziale Ungerechtigkeit. Für mich war es ein Highlight und ich empfehle es sehr gerne.
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