Für den Fußball wie das Leben gilt: Nicht immer gelangt das Runde ins Eckige. Und trotzdem ist beides wunderbar!Vor 25 Jahren durfte Joseph beim FC Seneca den Elfmeter schießen – und traf direkt in die Arme des gegnerischen Torwarts. Von da an gewinnt sein Heimatverein nie wieder. Panenka, wie er seit dem Vorfall spöttisch genannt wird, ist zum Außenseiter im lokalen Pub, sogar zum Sündenbock der ganzen Stadt geworden, was ihm unerträgliche Kopfschmerzen bereit – nicht nur im übertragenen Sinne. Einzig die Beziehung zu seiner Tochter, die nach einer Trennung bei ihm eingezogen ist, und seinem 8-jährigen Enkel Arthur geben ihm Trost.Dann trifft Panenka die sanftmütige Esther. Die neue Besitzerin des Friseursalons sieht seine Verletzungen, denn auch sie wurde vom Leben enttäuscht. Zaghaft entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft, durch die es Esther gelingt, einige von Panenkas selbst auferlegten Mauern niederzureißen.Ungekürzte Lesung mit Steffen Groth5h 57min
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Gela
Thalia Book Circle Community
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein einziger Moment kann ein ganzes Leben prägen
Was mich an diesem Roman besonders berührt hat, ist seine stille Intensität. Die Geschichte wirkt zunächst alltäglich, entfaltet aber eine enorme emotionale Wucht.
Ein verschossener Elfmeter beim FC Seneca vor 25 Jahren machte Joseph zum tragischen Sündenbock seiner Heimatstadt. Seither ist er nur noch ‚Panenka‘, gefangen in den Erinnerungen an einen Moment, der sein Leben für immer veränderte.
Während seine Ehe zerbricht und der Kontakt zu seiner Tochter abreißt, zieht sich Panenka immer weiter aus dem Leben zurück. Erst die Rückkehr seiner erwachsenen Tochter und sein Enkel Arthur bringt wieder Wärme in seinen Alltag. Und dann begegnet er Esther, die selbst gekonnt versteht, ihre Verletzungen zu verstecken. Zwischen den beiden entsteht vorsichtiges Vertrauen – doch Panenka trägt ein Geheimnis in sich, das ihre Nähe jederzeit zerstören könnte.
Man spürt Panenkas Einsamkeit, seine Schuld und seine Angst davor, den Menschen, die ihm wichtig sind, erneut weh zu tun. Seine Kopfschmerzen werden dabei zu einem eindringlichen Bild für all das, was er jahrelang verdrängt hat.
„Er hatte sich geschworen, seinen geliebten Mitmenschen nie wieder wehzutun. Nun, da man ihn gerettet hatte, wollte er nicht derjenige sein, der seine Retter danach mit sich in die Tiefe zog.“.
In der Kneipe von Vincent findet Panenka einen Zufluchtsort, der so unscheinbar ist wie das Leben selbst. Doch unter der Oberfläche des Alltäglichen schwingen viele ungesagte Worte und leise Schmerzen mit. Die Stammgäste tragen ihre eigenen Masken, aus Angst, ihre Zerbrechlichkeit zu zeigen und sich wirklich verletzlich zu machen.
Ich habe mit Panenka gelitten, gehofft und mich über jeden kleinen Moment gefreut, in dem er wieder ein Stück ins Leben zurückfindet. Besonders die spürbar warme Nähe zu seinem Enkel und die leise, sehr feine Freundschaft zu Esther haben mich sehr berührt. Dieser Roman macht traurig, aber er erinnert auch daran, dass selbst in den dunkelsten Tagen noch Licht zu finden ist – wenn man den Mut hat, sich wieder zu öffnen.
Eine leise, menschliche und sehr persönliche Geschichte über Schuld, Vergebung, Familie und die kostbaren Augenblicke, die man nicht auf später verschieben sollte.
Drei Gründe, warum du das Buch lesen solltest:
weil es zeigt, wie ein einziger Moment ein ganzes Leben prägen kann
weil Panenkas Entwicklung emotional und glaubwürdig erzählt wird
weil der Roman selbst schwere Zeiten mit Hoffnung und Wärme füllt
kerstin_aus_obernbeck
aus Ostwestfalen
5/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
wer "Leonard und Paul" mochte wird "Panenka" lieben
Panenka / Rónán Hession
Panenka: Ein Panenka ist eine besondere Art, im Fußball einen Strafstoß auszuführen. Der Schütze chippt den Ball sanft und mittig ins Tor und vertraut darauf, dass der Torwart in eine der beiden Ecken hechtet.
Seit seinem Rückzug aus dem aktiven Fußball mäandert der 50-jährige Joseph durchs Leben. Seine Ehe zu Lauren hat nicht gehalten, nun lebt er mit seiner Tochter Marie-Thérèse (28) und ihrem siebenjährigen Sohn Arthur zusammen und schlägt sich, von oftmals heftigen Kopfschmerzen geplagt, mal mehr und mal weniger gut durch.
„In seinem Leben hatte er viele Fehler gemacht, die tiefe Wunden im Leben seiner Mitmenschen hinterlassen hatten.“ (S.19)
Ein verschossener Elfmeter vor 25 Jahren sorgte nicht nur für das jähe Ende der Karriere bei seinem Heimatverein Seneca FC, sondern auch dafür, dass „als der Abpfiff die Konsequenzen seines Handelns für alle Zeiten besiegelte“ (S.111) sein Vorname verloren ging und er zu Panenka wurde.
Seitdem hat es das Leben nur so mittelgut mit ihm gemeint. Er verbringt viel Zeit in der Café Bar „Vincent’s“, die seinem gleichnamigen Noch-Schwiegersohn gehört. Dort trifft er seine Freunde Anthony, BABA und Teddy, um über Gott und die Welt zu philosophieren.
Und dann begegnet er auf der Suche nach einem Haarschnitt ganz unverhofft und zufällig Esther – und mit ihr kommt ein wenig Leichtigkeit zurück in sein Leben.
„Aber wenn man Liebe zulässt, geht es nicht genau darum, sein Leben zu öffnen für etwas, das größer ist als die Angst?“ (S.230)
Ist diese Leichtigkeit von Dauer und wird aus Panenka wieder Joseph?
„Jedes noch so einfache Leben bekam einen tieferen Sinn, wenn man bedachte, was sich dahinter verbergen mochte, oder eben nicht.“ (S.97)
Wie auch in „Leonard und Paul“ erzählt Rónán Hession in „Panenka“ eine Geschichte aus dem einfachen Leben, von Menschen, die die Sonnenseite des Lebens kennen, aber das Glück nicht festhalten konnten. Die ein wenig resigniert haben, manchmal nicht wissen, wie es weitergehen soll und dann doch mutig nach vorne blicken und nicht aufgeben.
Nicht nur Joseph hat seine Geschichte, seine großen und kleinen Momente. Auch die übrigen Figuren sind liebevoll erzählt, haben ihre Höhen und Tiefen, man versteht ihre Sorgen und freut sich mit ihnen über ihre Glücksmomente.
Ich mag es, dass der Autor unaufgeregt erzählt und die kleinen, leicht übersehbaren Momente aufgreift und sichtbar macht. Es ist nicht gefühlsduselig, mitunter findet sich rustikale Herzlichkeit, ein ehrliches Miteinander und man wünscht den Charakteren stets nur das Beste.
Die Übersetzung ist von Andrea O’Brien und ich nehme aus der Geschichte ein Wort mit, das ich bisher nicht kannte, jedoch ganz wunderbar finde.
„Tränen stiegen in ihm auf, so lebenswund, so traurig.“ (S.228)
Lebenswund. Nicht müde. Aber vom Leben verwundet.
Rónán Hession erzählt auf 238 Seiten eine warmherzige, wohltuende, leise und im besten Sinne unspektakuläre Geschichte, die mich berührt und die ich sehr gerne gelesen habe.
Herzliche Leseempfehlung!
Bewertung
3/5
11.07.2026
eBook (ePUB)
Ein gutes, aber schwermütiges Buch!
Nach "Leonard & Paul" und "Ghost Mountain" ist "Panenka" das dritte Buch von Rónán Hession. Alle mochte ich sehr gerne.
"Panenka" ist allerdings kein Buch, das man für längere Zeit auf die Seite legen sollte. Zumindest ging es mir so, dass mir die Charaktere nach längerer Lesepause fremd vorkamen und ich mich erst mal in die Geschichte wieder einfinden musste.
Alles in Allem ein schwermütiges, trauriges aber gleichzeitig auch sehr echts Buch.
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