Bessere Zeiten
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71,00 €
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
04.05.2026
Verlag
Secession Verlag BerlinSeitenzahl
1200
Maße (L/B/H)
20,8/13,7/8,7 cm
Gewicht
1300 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-96639-138-2
Ich bin jetzt sechsundsiebzig Jahre alt, Bessere Zeiten (die erste hier abgedruckte Erzählung) habe ich mit neunzehn geschrieben. Achtundfünfzig Jahre literarisches Leben. Kein erschriebener Himmel. Auch keine Höllen-, nicht einmal eine Wüstenfahrt. Leben – literarisch schreibend begleitet. Manche Geschichten habe ich vollkommen vergessen, in einem Fall zweifelte ich daran, dass der Text von mir ist (weil ich seinen Anlass nicht mehr wiederfand). Recherchen im Literaturarchiv haben es aber bestätigt. Diese Geschichten bin ich. Oft ist mir die Begebenheit hinter der Geschichte erst beim Lesen der Erzählung wieder eingefallen. Der Auslöser, das rohe Material, der Stein des Anstosses; auch die Person, der Andere, die Andere; der steinerne Gast, die Irrgästin, das Quickie. »Lange vor Abend kehrt bei dir ein, der den Gruss getauscht mit dem Dunkel ... Lange vor Tag wacht er auf ... und facht einen Schlaf an ... durchklungen von Schritten ... du hörst ihn die Fernen durchmessen ... und wirfst deine Seele dorthin.«
Ja, Zitate natürlich, erst literarisches Lesen gebiert literarisches Leben. Obsessionen! Literarische Obsessionen, sexuelle Obsessionen. Besessenheit kann man nicht in den Plural setzen. Aber ich bin doch so viele ... ein eigentümliches Wir. Nirgends bin ich mir fremd.
Erzählungen sind viel lebendiger als der Roman. Man taucht nicht weg in eine womöglich frem- de oder fremd gewordene Welt, Erinnerung ordnend, rückblickend in eine Vergangenheit, als womöglich raunender Beschwörer des Imperfekts, nein, man schaut sich rasch um im Gehen, entdeckt etwas, eine Begebenheit, und verharrt einen Augenblick von starker Intensität. Er- zählungen sind auch Kabinettstücke der Artistik. Manchmal dann sogar über Jahre liegenge- lassen, wieder aufgenommen, verworfen, vollendet. Keine schnellen Notate, kein Tagebuch.
Natürlich begleiten die Erzählungen die Arbeit am Roman. Die Romane, das sind Inseln im Strom des Erzählens. Eingekapselte Wucherungen. Erzählungen sind – auch – Metastasen. Oder – Keimzellen. Und ...
Spuren der Zeitgeschichte. Die sich abzeichnet in den Geschichten. Nicht reflektiert und kon- zipiert wie im Roman, nicht analytisch, didaktisch oder programmatisch wie in den Schriften, den Essays, sondern beinahe wie zufällig. Der Zu-Fall ist ausschlaggebend für die Erzählung. 1968 Bessere Zeiten. Beinahe noch Programm. 2024 Fernweh: zufällig geworden, als Ablenkung von der Spur des Romans, der noch werden soll. Haken schlagen. Den Ort verfehlen. Am Unort landen?
Eine Epoche der Utopien. Keine Hoffnung, aber Sehnsucht. Endstation! Wir wussten es doch von Anbeginn an. Desire ist genauer in der Vielfalt der Bedeutungen.
Bern, 20. September 2025 Christoph Geiser
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