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Große Kunst Hyperwachstum in der Studiopraxis

36,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

03.12.2025

Abbildungen

29, Abbildungen im Text, s/w

Verlag

Tentare Verlag

Seitenzahl

384

Maße (L/B/H)

20,9/13,5/3,5 cm

Gewicht

484 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-911804-02-8

Beschreibung

Rezension

Beate Scheder: Das Atelier, der mächtige Produktionsapparat. In ihrem Buch »Große Kunst« untersucht die Kunsthistorikerin Karen van den Berg das »Hyperwachstum in der Studiopraxis« (Rezension auf den Kulturseiten der taz, erschienen am 15.01.2026) (Auszug:) Karen van den Berg ist Professorin für Kunsttheorie & inszenatorische Praxis an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Die Kunsthistorikerin hat selbst zahlreiche Ausstellungen kuratiert und forscht insbesondere zu den Produktionsbedingungen von Kunst. In früheren Publikationen hat sie sich etwa mit Formen politischer Kunst beschäftigt. Für ihr neues Buch hat sie gemeinsam mit der Soziologin Ursula Pasero über einen Zeitraum von sechs Jahren zahlreiche Interviews geführt und Studiobesuche unternommen. Dabei widmete sie sich insbesondere jenen „unsichtbaren Händen“, die dafür sorgen, dass aus einem künstlerischen Konzept ein spektakuläres Werk wird, wie auch all den hochspezialisierten Dienstleistungs- und Fertigungsbetrieben, die daran beteiligt sind. Aufschlussreich ist van den Bergs Buch vor allem da, wo sie an konkreten Beispielen untersucht und kritisch zuspitzt, wie sich heutige Mega-Künstler:innen organisieren. Katharina Grosse wird dort aufgeführt, die selbst von ihrem „Apparatus“ spricht, dem sie stets ausführliche „Credits“ zuteilkommen lässt und dessen Zentrum sie selbst als Künstlerin bildet. Sie nennt auch El Anatsui und sein Studio im nigerianischen Nsukka. Dort knüpfen As­sis­ten­t:in­nen in Abertausenden Stunden Handarbeit Rohmaterial – von recycelten Aluminiumschraubdeckeln bis zu Schnapsflaschen – zu riesigen Gobelins zusammen. Das Studio sei „durch eine geteilte lebensweltliche Tiefe“ geprägt, „die es mit den Kleinbetrieben, Gebrauchsgegenständen und Alltagspraktiken der Umgebung verbindet“. Oder Ólafur Elíasson, der mittlerweile drei GmbHs betreibt, eine dreistellige Zahl an Mit­ar­bei­te­r:in­nen in slicken Design-Labor-ähnlichen Büro-Werkstätten beschäftigt und der „beinahe alles, was in seinem Studio passiert, zur experimentellen Forschung“ erklärt. All das hat vielschichtige Gründe, die van den Berg nachzuzeichnen versucht. Was bei alldem mitschwingt, ist die Frage, was es mit der Kunst macht, wenn sie in immer stärker durchprofessionalisierten Zusammenhängen entsteht. „Womöglich verliert sie nicht nur ihren Reiz, sondern auch ihre gesellschaftliche Funktion“, überlegt van den Berg. Und eine gewisse Freiheit. Hier finden Sie die vollständige Rezension:

Rezension von Michael Hauffen, Kunstforum International, N° 312, September 2026: "Karen van den Berg: Große Kunst. Hyperwachstum in der Studiopraxis"

Ein hervorstechendes Merkmal der massiven Verschiebungen, die im Kunstsystem kaum zu ignorieren sind, ist das enorme Größenwachstum. Was zeigt es an: neofeudale Dekadenz oder breite öffentliche Teilhabe? Mit dieser umfangreichen und gründlich recherchierten Studie werden maßgebliche Ursachen des Phänomens aus verschiedenen Perspektiven zusammengeführt. Hier etwa das neue Anforderungsprofil in Bezug auf hochambitionierte fabrikatorische Leistungen, die zudem finanziert werden müssen – dort die Frage, wie der Nimbus genialer Autorschaft noch aufrechterhalten werden kann. Welche Richtung nimmt also die Kunstproduktion angesichts des neuen Hyperreichtums der Wenigen, die sich auf einem boomenden Hochpreismarkt der Fetischobjekte zu überbieten suchen? Wird dabei die gesellschaftliche kreative Substanz aufgezehrt, oder wird sie technisch, und vor allem inhaltlich, auch bereichert? Kunstproduzierende sind ja nicht unbedingt nur willige Dienerinnen, sondern agieren eigensinnig und leisten sogar Widerstand. Aber können sie das auch noch, wenn sie nur willige Helferinnen im Schatten der Stars sind? Und was hält davon bei Letzteren Stand, wenn das Studio zum Ort eines eng getakteten Managements wird, das komplexe Prozesse termingerecht abwickeln muss?

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Buch den mehr oder weniger anonymen neuen Herstellersoziotopen, die sich im Kontext einer wachsenden Kreativindustrie herausbilden, und etwa als „Hintergrundkünstler*innen“ oder in „Fabricator“-Betrieben kenntnisreich und innovativ an der Realisierung der Werke mitarbeiten, aber nach Außen bloße Instrumente bleiben. Manchmal handelt es sich bei dieser Art der Aufteilung der Sichtbarkeiten um blanken Zynismus, wie etwa bei Damien Hirst, der seine ca. 1.500 Spot-Paintings in sweatshop-artigen Hallen fabrizieren ließ, sich aber medial als deren einsamer Schöpfer inszenierte. In anderen Fällen, wie bei dem Ghanaer El Anatsui, verbindet sich die transparent organisierte Produktion seiner Wandteppiche, die in Nigeria aus tausenden recycelten Flaschenverschlüssen zusammengesetzt werden, mit der Wertschätzung einer lokalen Überlebensstrategie.

Am Rande der Studie zeichnet sich allerdings noch eine radikalere Alternative ab: die der selbstorganisierten Kollektive. Ansätze wie Artistic Research oder aktivistischer Kunst, sind ja nicht nur zu Großprojekten in der Lage. Sie könnten sogar die Aporien des traditionellen Studios auf einer fundamentaleren Ebene lösen.

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

03.12.2025

Abbildungen

29, Abbildungen im Text, s/w

Verlag

Tentare Verlag

Seitenzahl

384

Maße (L/B/H)

20,9/13,5/3,5 cm

Gewicht

484 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-911804-02-8

Herstelleradresse

tentare Verlag
Obere Hauptstraße 38
85354 Freising
DE

Email: info@tentare.de

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