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Dror Mishani

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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Verkaufsrang

1731

Gesprochen von

Franz Dinda

Spieldauer

3 Stunden und 48 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

22.04.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

56

Verlag

Diogenes Verlag

Übersetzt von

Markus Lemke

Sprache

Deutsch

EAN

9783257696608

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Ja

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Verkaufsrang

1731

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Franz Dinda

Spieldauer

3 Stunden und 48 Minuten

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Ja

Erscheinungsdatum

22.04.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

56

Verlag

Diogenes Verlag

Übersetzt von

Markus Lemke

Sprache

Deutsch

EAN

9783257696608

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Von der Lüge und ihren Konsequenzen

Eternal-Hope aus Österreich am 25.05.2026

Bewertungsnummer: 3147989

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

"Nicht" von Dror Mishani ist ein Büchlein von nicht einmal 200 Seiten, das sich schnell und leicht liest, und trotzdem oder gerade deshalb tief nachhallt und es so richtig in sich hat. Worum geht es? Eli ist Anfang 50, verwitwet und mit erwachsenen Kindern, und kann sein Glück kaum fassen, als er die faszinierende Künstlerin Lia kennen lernt, sich in sie verliebt und eine Beziehung mit ihr beginnt. Wie schön, dass ihm noch einmal eine Chance auf so ein schönes Liebesglück gewährt wird! Doch genau genommen ist es eine Dreierbeziehung, denn eine sehr große Liebe gibt es schon in Lias Leben: ihren langjährigen treuen Begleiter, den Kanaan-Hund Felix. Eli hatte bisher nicht viel mit Hunden zu tun und weiß nicht wirklich etwas über den Umgang mit ihnen, doch Lia zuliebe ist er bereit, den Hund auch in sein Leben zu lassen und sagt sogar zu, sich während eines mehrtägigen Auslandsaufenthaltes seiner neuen Partnerin um diesen zu kümmern. Ein eigenwilliger, kräftiger Hund und ein etwas zögerlicher Mann, der nichts von diesen Tieren versteht... kann das gut gehen? Tut es natürlich nicht, und so kommt es, wie es kommen muss: der Hund läuft davon, kommt zu Schaden und ist erst einmal weg, als Lia von ihrer Reise zurückkehrt. Eli ist fest davon überzeugt, dass er nun sein neues Liebesglück mit Lia zerstören würde, wenn er ihr ehrlich gestehen würde, welchen Anteil er am Verschwinden des Hundes hatte und was wirklich geschehen ist. Und so erzählt er eine erste Lüge, die rasch weitere Lügen nach sich zieht, sodass er sich in ein ganzes Netz von Lügen verstrickt und immer weniger Möglichkeiten sieht, sich aus diesem zu befreien. Bis es zu einer unerwarteten Wendung kommt. Das, und vieles mehr, ist die vordergründige Handlung des Buches. Verfasst ist das Buch ungewöhnlicherweise in der Du-Form: "Du malst dir aus, wie du in vier Tagen zu einer Koryphäe für klassische Musik wirst, und wenn Lia aus Wien zurückkommt und dich fragt, was sollen wir heute Abend hören, sagst du: Das Streichquartett in g-Moll von Debussy würde zu unserer Stimmung passen, oder? Mittags läufst du durch ihr Viertel wie ein japanischer Tourist durch Venedig, suchst dir ein Café aus und bestellst einen Caprese-Salat und ein Glas Weißwein mitten am Tag. Du bist umgeben von Schränken, die du öffnen kannst und in denen sich Abschnitte ihres Lebens verstecken, von denen du nichts weißt - vielleicht sogar dunkle Kapitel oder gar Leichen - , aber du machst sie nicht auf, aus Respekt vor Lias Privatsphäre und für das Vertrauen, das sie dir schenkt." (S. 55/56) Diese Erzählweise wirft interessante Fragen danach auf, wer hier eigentlich die Geschichte aus welcher Perspektive erzählt. Und immer wieder schimmern, so wie auch in der oben zitierten Textstelle, Hinweise auf die verborgene Tiefe der mehreren Jahrzehnte Erwachsenenlebens, die beide schon ohne einander verbracht und durchlebt haben, und die damit möglicherweise verbundenen Prägungen und Geheimnisse durch. Es ist eben nicht das gleiche wie im jungen Erwachsenenalter, wenn sich zwei Menschen im mittleren Lebensalter neu kennen lernen und verlieben, und beide tragen wohl ihr Päckchen mit sich herum. Eli ist eben verwitwet, zu den Kindern hat er ein eher distanziertes Verhältnis und innerlich hat er in sich viele ungelöste Fragen, insbesondere in Bezug auf all das, was rund um den Tod seiner früheren Frau Oschra "nicht" passiert ist. Wenn man das Buch sorgfältig liest, findet man viele diesbezügliche Referenzen auf den Titel der deutschsprachigen Fassung des Buches, die zum Nachdenken anregen (man zähle z.B. in dieser Textstelle all die nicht/nichts/keine): "Oschra ist gestorben, weil sie nicht mehr leben wollte", formst du Worte, von denen du einen Augenblick zuvor noch nicht gewusst hast, dass du sie sagen würdest. Nicht wegen der Krankheit, an der sie litt. Sie hat gesagt, sie habe keine Gründe weiterzuleben. Dass sie nicht mehr würde tanzen können und ihre große Karriere ohnehin verpasst hatte. Aber ich denke, es gab noch mehr Dinge, die sie beeinflusst haben und von denen ich nichts weiß, weil sie mir nichts darüber erzählt hat. Ich habe alles versucht, was ich konnte, um sie zu überreden, sich behandeln zu lassen, aber sie wollte davon nichts hören, und mein Sohn verzeiht mir das bis heute nicht. Ich weiß nicht, ob er denkt, sie wollte wegen mir nicht mehr leben oder dass ich beharrlicher hätte versuchen müssen, sie am Leben zu halten. Aber ich habe es versucht. Und nicht geschafft. Ich weiß nicht, was ihr passiert wäre, wäre sie mit jemand anderem verheiratet gewesen. Sie hat gesagt, das Leben habe ihr genügt. Dass sie nicht wieder gesund werden wolle. Das hat sie gesagt, gleich als wir von der Ärztin kamen, beim ersten Mal. Auf der Straße noch. Dass sie nicht mehr leben wolle. Und das war es." (S. 182) Ich spüre beim Verfassen dieser Rezension, wie mich dieses Buch auch mehrere Wochen nach Beenden der Lektüre emotional tief berührt und mich zum Nachdenken auf verschiedenen Ebenen und über verschiedene Themen anregt. Da gibt es die vordergründige Handlung und die damit verbundenen Themen Vertrauen, Ehrlichkeit und Lüge in Beziehungen und die Frage, ob und unter welchen Bedingungen, vielleicht auch für welche Persönlichkeiten, sich auf einer kleinen Lüge, die weitere nach sich zieht, überhaupt eine tragfähige Beziehung aufbauen lassen kann. Doch darunter liegen weitere Fragen wie die nach einem Neuanfang in der Mitte des Lebens, der eine Neudefinition der eigenen Persönlichkeit verlangt, aber gleichzeitig so viel biografisches Untergrundmaterial hat, auf dem diese zwangsläufig aufbauen muss. Damit ist es auch ein Buch, das die Frage nach dem stellt, was wir nicht nur tun, sondern auch unterlassen, nach unserer Verantwortung und Schuld im Leben, nach dem Bedauern danach, und was all diese Gefühle mit uns machen und wie diese schwere Last der Vergangenheit die Leichtigkeit einer neuen Verliebtheit mitbeeinflusst. Es ist eine große Meisterschaft, in ein so kurzes und unterhaltsames Buch so viele tiefgründige existenzielle Lebensfragen einzubauen! Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und kann es allen, die philosophische und zweideutige Bücher mögen, die auf clevere Weise zum Nachdenken anregen, sehr empfehlen.

Von der Lüge und ihren Konsequenzen

Eternal-Hope aus Österreich am 25.05.2026
Bewertungsnummer: 3147989
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

"Nicht" von Dror Mishani ist ein Büchlein von nicht einmal 200 Seiten, das sich schnell und leicht liest, und trotzdem oder gerade deshalb tief nachhallt und es so richtig in sich hat. Worum geht es? Eli ist Anfang 50, verwitwet und mit erwachsenen Kindern, und kann sein Glück kaum fassen, als er die faszinierende Künstlerin Lia kennen lernt, sich in sie verliebt und eine Beziehung mit ihr beginnt. Wie schön, dass ihm noch einmal eine Chance auf so ein schönes Liebesglück gewährt wird! Doch genau genommen ist es eine Dreierbeziehung, denn eine sehr große Liebe gibt es schon in Lias Leben: ihren langjährigen treuen Begleiter, den Kanaan-Hund Felix. Eli hatte bisher nicht viel mit Hunden zu tun und weiß nicht wirklich etwas über den Umgang mit ihnen, doch Lia zuliebe ist er bereit, den Hund auch in sein Leben zu lassen und sagt sogar zu, sich während eines mehrtägigen Auslandsaufenthaltes seiner neuen Partnerin um diesen zu kümmern. Ein eigenwilliger, kräftiger Hund und ein etwas zögerlicher Mann, der nichts von diesen Tieren versteht... kann das gut gehen? Tut es natürlich nicht, und so kommt es, wie es kommen muss: der Hund läuft davon, kommt zu Schaden und ist erst einmal weg, als Lia von ihrer Reise zurückkehrt. Eli ist fest davon überzeugt, dass er nun sein neues Liebesglück mit Lia zerstören würde, wenn er ihr ehrlich gestehen würde, welchen Anteil er am Verschwinden des Hundes hatte und was wirklich geschehen ist. Und so erzählt er eine erste Lüge, die rasch weitere Lügen nach sich zieht, sodass er sich in ein ganzes Netz von Lügen verstrickt und immer weniger Möglichkeiten sieht, sich aus diesem zu befreien. Bis es zu einer unerwarteten Wendung kommt. Das, und vieles mehr, ist die vordergründige Handlung des Buches. Verfasst ist das Buch ungewöhnlicherweise in der Du-Form: "Du malst dir aus, wie du in vier Tagen zu einer Koryphäe für klassische Musik wirst, und wenn Lia aus Wien zurückkommt und dich fragt, was sollen wir heute Abend hören, sagst du: Das Streichquartett in g-Moll von Debussy würde zu unserer Stimmung passen, oder? Mittags läufst du durch ihr Viertel wie ein japanischer Tourist durch Venedig, suchst dir ein Café aus und bestellst einen Caprese-Salat und ein Glas Weißwein mitten am Tag. Du bist umgeben von Schränken, die du öffnen kannst und in denen sich Abschnitte ihres Lebens verstecken, von denen du nichts weißt - vielleicht sogar dunkle Kapitel oder gar Leichen - , aber du machst sie nicht auf, aus Respekt vor Lias Privatsphäre und für das Vertrauen, das sie dir schenkt." (S. 55/56) Diese Erzählweise wirft interessante Fragen danach auf, wer hier eigentlich die Geschichte aus welcher Perspektive erzählt. Und immer wieder schimmern, so wie auch in der oben zitierten Textstelle, Hinweise auf die verborgene Tiefe der mehreren Jahrzehnte Erwachsenenlebens, die beide schon ohne einander verbracht und durchlebt haben, und die damit möglicherweise verbundenen Prägungen und Geheimnisse durch. Es ist eben nicht das gleiche wie im jungen Erwachsenenalter, wenn sich zwei Menschen im mittleren Lebensalter neu kennen lernen und verlieben, und beide tragen wohl ihr Päckchen mit sich herum. Eli ist eben verwitwet, zu den Kindern hat er ein eher distanziertes Verhältnis und innerlich hat er in sich viele ungelöste Fragen, insbesondere in Bezug auf all das, was rund um den Tod seiner früheren Frau Oschra "nicht" passiert ist. Wenn man das Buch sorgfältig liest, findet man viele diesbezügliche Referenzen auf den Titel der deutschsprachigen Fassung des Buches, die zum Nachdenken anregen (man zähle z.B. in dieser Textstelle all die nicht/nichts/keine): "Oschra ist gestorben, weil sie nicht mehr leben wollte", formst du Worte, von denen du einen Augenblick zuvor noch nicht gewusst hast, dass du sie sagen würdest. Nicht wegen der Krankheit, an der sie litt. Sie hat gesagt, sie habe keine Gründe weiterzuleben. Dass sie nicht mehr würde tanzen können und ihre große Karriere ohnehin verpasst hatte. Aber ich denke, es gab noch mehr Dinge, die sie beeinflusst haben und von denen ich nichts weiß, weil sie mir nichts darüber erzählt hat. Ich habe alles versucht, was ich konnte, um sie zu überreden, sich behandeln zu lassen, aber sie wollte davon nichts hören, und mein Sohn verzeiht mir das bis heute nicht. Ich weiß nicht, ob er denkt, sie wollte wegen mir nicht mehr leben oder dass ich beharrlicher hätte versuchen müssen, sie am Leben zu halten. Aber ich habe es versucht. Und nicht geschafft. Ich weiß nicht, was ihr passiert wäre, wäre sie mit jemand anderem verheiratet gewesen. Sie hat gesagt, das Leben habe ihr genügt. Dass sie nicht wieder gesund werden wolle. Das hat sie gesagt, gleich als wir von der Ärztin kamen, beim ersten Mal. Auf der Straße noch. Dass sie nicht mehr leben wolle. Und das war es." (S. 182) Ich spüre beim Verfassen dieser Rezension, wie mich dieses Buch auch mehrere Wochen nach Beenden der Lektüre emotional tief berührt und mich zum Nachdenken auf verschiedenen Ebenen und über verschiedene Themen anregt. Da gibt es die vordergründige Handlung und die damit verbundenen Themen Vertrauen, Ehrlichkeit und Lüge in Beziehungen und die Frage, ob und unter welchen Bedingungen, vielleicht auch für welche Persönlichkeiten, sich auf einer kleinen Lüge, die weitere nach sich zieht, überhaupt eine tragfähige Beziehung aufbauen lassen kann. Doch darunter liegen weitere Fragen wie die nach einem Neuanfang in der Mitte des Lebens, der eine Neudefinition der eigenen Persönlichkeit verlangt, aber gleichzeitig so viel biografisches Untergrundmaterial hat, auf dem diese zwangsläufig aufbauen muss. Damit ist es auch ein Buch, das die Frage nach dem stellt, was wir nicht nur tun, sondern auch unterlassen, nach unserer Verantwortung und Schuld im Leben, nach dem Bedauern danach, und was all diese Gefühle mit uns machen und wie diese schwere Last der Vergangenheit die Leichtigkeit einer neuen Verliebtheit mitbeeinflusst. Es ist eine große Meisterschaft, in ein so kurzes und unterhaltsames Buch so viele tiefgründige existenzielle Lebensfragen einzubauen! Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und kann es allen, die philosophische und zweideutige Bücher mögen, die auf clevere Weise zum Nachdenken anregen, sehr empfehlen.

eine durch und durch rätselhafte Geschichte

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 20.05.2026

Bewertungsnummer: 3144310

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Das neue Buch des israelischen Autors Dror Mishani umfasst nur 192 Seiten. Laut Buchcover ein Roman, trägt es aber auch Elemente eines Krimis. Vielfach wird es als Kriminovelle bezeichnet und dem schließe ich mich an. Es geht zwar nicht um die Aufklärung eines Mordfalles, verhandelt wird jedoch ein Verhalten des Protagonisten Eli, das nach moralischen Maßstäben durchaus als verwerflich beurteilt werden kann. Eli verstrickt sich im Verlauf der Geschichte immer mehr in ein Konstrukt aus Lügen und der Leser rätselt, ganz ähnlich wie in einem Krimi, was hier eigentlich tatsächlich passiert ist und was auf einer rein erfundenen Geschichte beruht. Erzählt wird in der Du-Form, wobei unklar bleibt, ob Eli hier mit sich selbst per Du spricht oder eine andere Person zu ihm redet. Aber worum geht es ? Es geht um Eli, einen 52jährigen Witwer, von Beruf Übersetzer von Kriminalromanen. Der Tod seiner Frau hat ihn erschüttert und er glaubte lange Zeit nicht, noch einmal eine neue Liebe zu finden. Doch genau das geschieht, als er zufällig auf die Cellistin Lia trifft. Eli und Lia verlieben sich und es scheint, als würde sich für beide eine neue Chance für eine gemeinsame Zukunft eröffnen. Aber auch Lia lebt, wie Eli, allein, teilt ihre Wohnung nur mit ihrem über alles geliebten Hund Felix. Der Hund Felix spielt eine weitere zentrale Rolle in diesem Roman, was ihn besonders für Hundeliebhaber und die Gefühle, die durch den Plot bei Tiefreunden ausgelöst werden, interessant macht. Als Lia ihren Hund Eli für mehrere Tage anvertraut während sie auf eine Konzerttour nach Wien reist, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Durch Elis verhängnisvolles Verhalten während eines Gassigangs mit Felix wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die Eli einfach nicht mehr stoppen kann. Eine schreckliche Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Leser sieht Eli fassungslos dabei zu, wie er sich immer tiefer in eine ausweglose Situation zu manövrieren scheint. Etwas Unheilvolles schwebt über der ganzen Geschichte. Das ist sehr spannend zu lesen. Was geschieht hier, wohin führt uns der Autor ? Der Leser wird vor viele Rätsel gestellt. Alle möglichen Szenarien, viele Verläufe des Geschehenen sind denkbar. Zweifel werden gesät durch das Einflechten von Ereignissen aus Elis Vergangenheit, aus seiner Ehe mit der verstorbenen Ehefrau, seiner großen Liebe, aus seinem Verhältnis zu seinen erwachsenen Kindern. Auch Lias Vergangenheit ist bedeutungsschwer, hatte sie doch eine langjährige Beziehung zu dem Musiker Peter, der sie auf die Konzertreise nach Wien begleitet. Und woher rührt die Narbe auf ihrem Bauch ? Eine eindeutige Lösung der Rätsel à la Agatha Christie bietet der Autor nicht an und das muß man mögen ! Mich hat die Kriminovelle tagelang beschäftigt, gibt sie doch über tiefe Einblicke in die menschliche Psyche hinaus Anlass zum Sinnieren über die Grenzen von Wahrheit und Lüge, über subjektive Wahrnehmung und deren Einfluss auf das, was als Realität gelten kann und darüber, was tatsächlich die Basis menschlichen Zusammenlebens, wenn nicht sogar die Basis eines glücklichen Lebens, bildet. Auch sprachlich hat mir das Buch gefallen. Formulierungen wie “Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer” als Symbol für Elis Leben, finde ich einfach berührend. Eine klare Lesempfehlung für alle, die das Uneindeutige, das Philosophieren, nicht scheuen. Ich vergebe 5 Sterne.

eine durch und durch rätselhafte Geschichte

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 20.05.2026
Bewertungsnummer: 3144310
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Das neue Buch des israelischen Autors Dror Mishani umfasst nur 192 Seiten. Laut Buchcover ein Roman, trägt es aber auch Elemente eines Krimis. Vielfach wird es als Kriminovelle bezeichnet und dem schließe ich mich an. Es geht zwar nicht um die Aufklärung eines Mordfalles, verhandelt wird jedoch ein Verhalten des Protagonisten Eli, das nach moralischen Maßstäben durchaus als verwerflich beurteilt werden kann. Eli verstrickt sich im Verlauf der Geschichte immer mehr in ein Konstrukt aus Lügen und der Leser rätselt, ganz ähnlich wie in einem Krimi, was hier eigentlich tatsächlich passiert ist und was auf einer rein erfundenen Geschichte beruht. Erzählt wird in der Du-Form, wobei unklar bleibt, ob Eli hier mit sich selbst per Du spricht oder eine andere Person zu ihm redet. Aber worum geht es ? Es geht um Eli, einen 52jährigen Witwer, von Beruf Übersetzer von Kriminalromanen. Der Tod seiner Frau hat ihn erschüttert und er glaubte lange Zeit nicht, noch einmal eine neue Liebe zu finden. Doch genau das geschieht, als er zufällig auf die Cellistin Lia trifft. Eli und Lia verlieben sich und es scheint, als würde sich für beide eine neue Chance für eine gemeinsame Zukunft eröffnen. Aber auch Lia lebt, wie Eli, allein, teilt ihre Wohnung nur mit ihrem über alles geliebten Hund Felix. Der Hund Felix spielt eine weitere zentrale Rolle in diesem Roman, was ihn besonders für Hundeliebhaber und die Gefühle, die durch den Plot bei Tiefreunden ausgelöst werden, interessant macht. Als Lia ihren Hund Eli für mehrere Tage anvertraut während sie auf eine Konzerttour nach Wien reist, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Durch Elis verhängnisvolles Verhalten während eines Gassigangs mit Felix wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die Eli einfach nicht mehr stoppen kann. Eine schreckliche Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Leser sieht Eli fassungslos dabei zu, wie er sich immer tiefer in eine ausweglose Situation zu manövrieren scheint. Etwas Unheilvolles schwebt über der ganzen Geschichte. Das ist sehr spannend zu lesen. Was geschieht hier, wohin führt uns der Autor ? Der Leser wird vor viele Rätsel gestellt. Alle möglichen Szenarien, viele Verläufe des Geschehenen sind denkbar. Zweifel werden gesät durch das Einflechten von Ereignissen aus Elis Vergangenheit, aus seiner Ehe mit der verstorbenen Ehefrau, seiner großen Liebe, aus seinem Verhältnis zu seinen erwachsenen Kindern. Auch Lias Vergangenheit ist bedeutungsschwer, hatte sie doch eine langjährige Beziehung zu dem Musiker Peter, der sie auf die Konzertreise nach Wien begleitet. Und woher rührt die Narbe auf ihrem Bauch ? Eine eindeutige Lösung der Rätsel à la Agatha Christie bietet der Autor nicht an und das muß man mögen ! Mich hat die Kriminovelle tagelang beschäftigt, gibt sie doch über tiefe Einblicke in die menschliche Psyche hinaus Anlass zum Sinnieren über die Grenzen von Wahrheit und Lüge, über subjektive Wahrnehmung und deren Einfluss auf das, was als Realität gelten kann und darüber, was tatsächlich die Basis menschlichen Zusammenlebens, wenn nicht sogar die Basis eines glücklichen Lebens, bildet. Auch sprachlich hat mir das Buch gefallen. Formulierungen wie “Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer” als Symbol für Elis Leben, finde ich einfach berührend. Eine klare Lesempfehlung für alle, die das Uneindeutige, das Philosophieren, nicht scheuen. Ich vergebe 5 Sterne.

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