Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück
Eine Anleitung für die demokratische Offensive | Demokratie, Widerstand, Hoffnung | Aktivist und SPIEGEL-Bestsellerautor
Weg mit der Ohnmacht und Untergangsstimmung – es ist Zeit für die demokratische Gegenoffensive!
Vieles, was der Politik-Aktivist Arne Semsrott in seinem Bestseller »Machtübernahme« als düsteres Szenario einer rechtskonservativen Wende beschrieben hat, ist bereits bittere Realität – und das ganz ohne AfD-Regierungsbeteiligung. Unter der CDU/SPD-Koalition erleben wir ein hartes Grenzregime, die Herabwürdigung finanziell benachteiligter Menschen, Angriffe auf die demokratische Zivilgesellschaft, ein Ende des Klimaschutzes und eine Politik der Angst.
Die autoritäre Wende stoppen
Was tun? Arne Semsrott zeigt in seinem neuen Buch anhand zahlreicher konkreter Beispiele, wie wir aus der Defensive in die Offensive kommen , u. a. mit:
strategischen Rechtskämpfen,
solidarischer Sorgearbeit,
eigenen Räumen,
mutigen Streiks und dem Aufbau kollektiver Macht,
zivilgesellschaftlicher Krisenhilfe,
dem Kampf für eine gerechte Verwaltung statt des Bürokratieabbaus für Reiche,
Volksentscheiden,
Begeisterung und Humor.
Dieses Buch beweist: Wir haben alle Instrumente, um das Ruder herumzureißen. Wir müssen sie nur nutzen.
»In diesen überfordernden und erschütternden Zeiten zeigt Arne Semsrott, wie man handlungsfähig bleibt und worauf es wirklich ankommt. Dieser Text ist eine motivierende und entschlossene Kopfwäsche!« Alice Hasters
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
JuB
5/5
23.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Machtübernahme“ war das Werk zum Lauterwerden, „Gegenmacht“ ist das Werk zum Dranbleiben
Im März dieses Jahres habe ich das Buch „Machtübernahme“ von Arne Semsrott gelesen. Und war geflasht, denn endlich wurde ich wach und nutzte Werkzeuge (Argumente), warum Aussagen wie „Die AfD wird sich schon entzaubern“ oder „Lass sie doch einfach mal machen, was soll schon kaputt gehen?“ verdammt gefährlich sind. Seither höre ich immer mittwochs seinen Podcast „Gilda con Arne“ mit Gilda Sahebi. Es stand also außer Frage, dass ich sein neues Buch „Gegenmacht“ lesen und genau wie bei „Machtübernahme“ parallel das Hörbuch hören werde. Endlich habe ich es getan. Und ich bin begeistert. Mein Review wird also maximal emotional. Und auch irgendwie ein politisches Essay. Also schnapp dir ein Getränk deiner Wahl und viel Spaß!
Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden. Nein, da kommt keine zusätzliche Ausführung „für wen“ hinten dran. Ja, es ist ein politisches Buch. Ja, Politik ist nicht für jeden etwas, glaubt mir, ich fühle das so sehr. Jahrelang war ich nicht nur leise, sondern stumm. Ich habe den Kopf geschüttelt und mir auch so manche Mär aufbinden lassen. Aber dieser fahle Geschmack im Mund verschwand leider nicht, egal wie intensiv und lange ich mich politisch tot gestellt habe. Bekannte und Freunde haben Angst, dass ich mich „radikalisiere“ - ich habe Angst, dass sie durch ihre Starre unsere Freiheit und nebenbei unseren Planeten verspielen. Und hey, ich schmeiße maximal mit Gedankensteinen, weil ich durch Fakten-Checks aufkläre, Falschaussagen und Pauschalisierungen nicht einfach stehen lasse. Wie radikal ist das denn bitte? Ich boykottiere ja auch nicht einfach dm, weil dm-Chef Werner sich zwar von der AfD distanziert, aber seine Aussagen die Normalisierung von Rechtsextremen bewirken. Ich würde maximal Rossmann bevorzugen, wenn ich die Auswahl habe, weil Herr Roßmann selbst Annäherungen an die rechte Fraktion von Grund auf ablehnt. Ein Boykott schadet nämlich weniger Herrn Werner selbst, sondern in erster Linie seinen Beschäftigten - die für die Aussagen von Herrn Werner nun wirklich nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Seriously, ich bezeichne das eher als „bürgerliche Pflicht“, Fakten zu checken, mich näher zu informieren, daraus meine Handlungsentscheidungen abzuleiten, um nicht Wahnsinnigen auf den Leim zu gehen…
Seit März bin ich verstärkt politisch aktiv und ich habe gefühlt schon jede Phase der Resignation erlebt. Jede:r mit politischem und/oder sozialem Engagement wird bestätigen, dass das Kämpfen gegen Windmühlen sehr ermüdend ist. Gefühlt gibt es wöchentlich eine neue Schelle aus der Politik. Ich meine, wer kam bitte auf die Idee, Jens Spahn nach der immer noch nicht vollständig aufgearbeiteten Maskendeal-Affäre künftig im Haushaltsausschuss einzusetzen, sodass er sich jetzt selbst überprüfen darf, ob er Milliarden von Euro für überteuerte und unbrauchbare Masken verschleudert hat? Ich setze meinen Kindern ja auch keine volle Tüte Gummibärchen vor die Nase und sage „Aber nur zwei!“ und verlasse den Raum… Wie? Warum ist die Tüte leer? Also das hätte ich ja jetzt wirklich nicht gedacht! Entschuldigt bitte, ich schweife ab. Zurück zum Buch.
„Gegenmacht“ zeichnet sich dadurch aus, dass es sich nicht in der Problembeschreibung und Untergangsbeteuerung verheddert, sondern sehr konkrete Denk- und Handlungswerkzeuge den Leser:innen an die Hand gibt. Es ist faktenbasiert, natürlich mit Quellenangaben, und setzt konsequent auf Aufklärung statt Meinungsmache. Und gerade die Fakten und die Belege für erfolgreiche Einflussnahme der Zivilgesellschaft, also engagierte Mitmenschen, sind die Motivatoren, um sich aus der politischen Resignation zu erheben. Natürlich sind Erfolgsgeschichten medial nicht ganz so lukrativ wie die nächste Empörung, weswegen auch ich viel zu häufig das Gefühl habe, völlig alleine zu kämpfen. Spoiler: Nein, niemand ist allein, wir sollen es nur glauben, notfalls mit Gewalt, indem zivilen Einrichtungen Standbeine und Unterstützungen genommen werden. Der wohl wichtigste Satz des Buches in diesem Zusammenhang ist wohl folgender:
„[…] Dass die demokratische Zivilgesellschaft derzeit so massiv unter Beschuss steht, ist kein Zeichen ihrer Schwäche - sondern ein Beweis für ihre Wirksamkeit. […]“, S. 177
Auch sprachlich lehrte das Buch mich viel oder zumindest hilft die Wiederholung von essenziellen Punkten. So zeigt „Gegenmacht“ sehr deutlich und anschaulich, wie viel Verantwortung in Sprache und Wortwahl liegt. Informationslenkung ist auch eine Art der Machtkontrolle, egal, ob wir es nun als Framing, Vereinfachung, Wiederholung oder Zuspitzung benennen. Sie bestimmen, wie Debatten geführt werden und auch im engeren Sinne ihren Ausgang, ggf. unabhängig vom vordergründigen Ziel. Arne Semsrott schließt gleich auch ein passendes Beispiel an diese Aussage an, indem er gefühlt 500-mal wiederholt: „Die Reichen sind schuld“. Erklärend gibt es zwar den Nachsatz, dass per se nicht die Einzelperson schuld ist, sondern das konstruierte System drumherum, aber was eben hängen bleibt, ist „Die Reichen sind schuld!“ Arne Semsrott demonstriert exemplarisch mit diesem Beispiel, wie wirksam vereinfachte und wiederholende Pauschalisierungen und Propaganda sind, sowie dass sie immer kritisch evaluiert werden müssen.
Durch „Gegenmacht“ schöpfe ich neuen Mut, vertreibe das Ohnmachtsgefühl, erlange wieder ein Gefühl von Gemeinschaft, weil ich nicht allein bin und es nie sein werde. Und vielleicht am wichtigsten ist die Erkenntnis, dass Geschichte von jeder und jedem Einzelnen von uns beeinflusst und geschrieben wird.
Abschließend möchte ich euch eine meiner Lieblingsstellen im Buch zitieren. Sie ist ein schönes Hilfsmittel für die Frage, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken sollten, denn unsere Aufmerksamkeit ist unsere Währung, mit der wir letztendlich auch die Medien steuern - und das können wir nur kollektiv. Ihr findet das auf Seite 75f.
„[…] • Genießt die Person den Widerspruch? Ist sie vielleicht auf eine Reaktion angewiesen, weil sie nur auf diese Weise beruflich bestehen kann, beispielsweise in einer SPIEGEL-Kolumne? Hat sie womöglich einen Fetisch dafür, angeschrien zu werden, und laufen Sie Gefahr, durch Ihre Empörung diesen Fetisch zu befriedigen? → Ignorieren.
• Positioniert sich die Person offen menschenfeindlich? Sagt sie beispielsweise etwas Rassistisches? → Plattform entziehen. Wenn ein direkter Austausch keinen Sinn ergibt, gilt es, das Umfeld zu sensibilisieren - etwa den Arbeitgeber, ein Medium, das diesen Aussagen eine Bühne bietet, oder Parteimitglieder (wenn es sich um das Mitglied einer demokratischen Partei handelt). Der Widerspruch sollte sich an sie richten.
• Ist die Person (oder die Bewegung, aus der die Person stammt) Ihnen wichtig? → Direkter Dialog. Hier sollte man das persönliche Gespräch suchen, anstatt den Konflikt sofort öffentlich auszutragen.
• Handelt es sich um eine prominente Person, die keine formelle Macht besitzt, beispielsweise einen Ex-Politiker, einen Ex-Fernsehmoderator oder einen Ex-Intellektuellen mit Reichweite? → Nicht in einen Austausch gehen, sondern sich - wenn überhaupt - lustig machen.
• Bekleidet die Person eine Machtposition, etwa in einem Re-gierungsamt? Dann muss sie zunächst ernst genommen werden, weil sie ihren Worten Taten folgen lassen kann. → Breiter Widerspruch.
Zugegeben: Eine vollkommen ausgereifte Methodologie ist das nicht. Als Richtschnur ist sie aber hilfreich. Wenn wir sie in konkrete Beispiele übersetzen, bedeutet das etwa:
• Welt-Herausgeber Ulf Poschardt sagt etwas → Ignorieren.
• Die AfD sagt etwas → Plattform entziehen.
• Eine Freundin sagt etwas Blödes → Direkt ansprechen.
• Ein FDP-Politiker schreibt ein Buch → Sich lustig machen.
• Friedrich Merz hält eine Rede → Widerspruch (und dann vielleicht: sich lustig machen). […]“
Bewertung
aus Dortmund
5/5
12.06.2026
eBook (ePUB 3)
Wichtig und mutmachend
ARNE SEMSROTT: GEGENMACHT: DIE ZIVILGESELLSCHAFT SCHLÄGT ZURÜCK
Semsrott beleuchtet verschiedene Aspekte, wie wir als Gegner des Faschismus diesen (noch) verhindern und bekämpfen können.
Was mich besonders motiviert und mir Mut gemacht hat: es ist zwar spät, aber nicht zu spät. Vor allem, wenn man berücksichtigt, daß die Blaunen schon lange so gut wie keine kleinere Wahl mehr gewonnen haben (Bürgermeister, Landrat etc.)
Wenn jetzt noch der rechte Flügel der CDU mal nachdenkt und die Klappe hält, ist die nächste Schlacht noch nicht verloren.
Semsrott schreibt sehr anschaulich und mitreißend, was mich wieder motiviert hat und mir zeigt: wir Demokraten sind viele; nur müssen wir lauter werden.
Das Buch gibt es auch als Hörbuch, sehr gut vorgelesen von Alexander Pensel.
Beides zu empfehlen.
Auch, wenn ich leider sicher bin, daß die „Freunde der kommenden Diktatur“ dieses Buch nicht lesen werden oder nicht verstehen wollen.
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