Der Ich-Erzähler im neuen Roman von Stefan Sommer hat alles und nichts: Als erfolgreicher Techno-DJ wird er auf private Partys von Superreichen eingeflogen, lässt sich von Haute-Cuisine-Chefs bekochen, nächtigt in Grand Hotels. Ein luxuriöses Leben zwischen Helikopterflügen, Infinitiy-Pools, Champagner und den immer groteskeren Wünschen eines Superstars, der von sich und der Welt gelangweilt ist. Dazwischen: Loneliness. Designerdrogen und Schmerzmittel helfen nur vorübergehend, und auch Christian, ein verheirateter Mann, ist schnell wieder aus dem Leben des DJs verschwunden. Während seiner gnadenlosen Hetze um die Welt erkennt der Erzähler irgendwann, dass er davonläuft: Vor dem Verlust der Mutter, die Jahre zuvor verstorben ist. Seither trägt er ihre Lieblingsblumen als Tattoo auf der Haut – ein zarter Versuch, der Härte der Erfolgsindustrie etwas entgegenzusetzen.
Partypeople blickt mit kalter Komik in die Welt des großen Geldes: erzählt von Rich Kids, Tech-Oligarchen, performativer Männlichkeit und neuem Kapitalismus. Man hofft auf einen Ausweg, und ahnt doch, dass es keinen geben kann.
Der Gesellschaftsroman unserer Zeit – im Takt der Social-Media-GenerationRadikal zeitgenössisch: über Selbstdarstellung, Erfolg und Erschöpfung im Zeitalter der permanenten Öffentlichkeit.
Zwischen DJ-Pult in Versailles und Luxushotels auf Mykonos – ein sprachmächtiges Feuerwerk voller Provokation und Glamour.
Für Leser:innen, die den popkulturellen Gesellschaftsroman der Gen Z suchen.
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Popkulturelles Knallbonbon
MarieOn am 24.02.2026
Bewertungsnummer: 3056201
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sie stehen im Lustpark von Schloss Versailles. Er, Monsieur infrarot, der ihm während der Wartezeit auf seinen Auftritt einheizt und Monsieur Umbrella, der ihm im Schneeregen das Haupt trocken hält. Der Tech-Riese aus Palo Alto, der das Event für den Launch eines E-SUV Herstellers finanziert hat, scheint es so gewollt zu haben. Die Tickets kosteten im Early-Bird Vorverkauf 170 € und scheinen ausverkauft.
Und dann geht es auch schon los. Er betritt den Platz hinter seinem Mischpult. Ein weißer Lichthagel flackert im Raum, zuckt sachte hin und her. Er schiebt seinen Scandisc-USB-Stick in den CDJ 3000 Nexus und hebt die Hände gen Himmel, so als würde er das Licht beherrschen. Aus den Lautsprechern erklingt eine Ouvertüre. Er lässt den Beat nicht einsetzen, sondern stoppt den Sound. Stille. Elektrische Spannung breitet sich im Publikum aus. Dann Playtaste, die Vokals setzen ein, Lichtblitze wie Trommelwirbel. Die Kickdrum peitscht die Leute hoch. Manche schließen die Augen und lassen sich in die tieferen Frequenzen fallen.
Als er einen Tick zu spät, mit schulterfreiem Netzhemd und den Darkwashed-unisex-Baggy-Jeans über das Rollfeld stolpert, brüllt der Pilot ihn wegen der Verspätung an, als ob ihm das zustünde. Er wäre lieber mit dem Hubschrauber zum nächsten Event nach Mykonos geflogen, aber das war wohl nicht drin. Jetzt muss er seine Givenchy- und Versace-Handtasche, einschließlich der Birkin Reisebag auf engstem Raum verstauen.
Fazit: Stefan Sommer peitscht seinen namenlosen Ich-Erzähler durch die Welt der Reichen und Schönen. Der homosexuelle Protagonist hat sich auf elektronische Musik spezialisiert und ist damit so erfolgreich, dass er für geschäftliche Events ebenso gebucht wird wie für Geburtstagsfeiern bekannter Milliardäre. Er kommt in den Genuss von Champagner und Gänsestopfleberpastetchen, die Drei-Sterne-Köchinnen persönlich kredenzen, nächtigt in luxuriösesten Resorts und lebt von der reuelosen Geldverschwendung seiner Protegés. Allerdings ist die Luft dort oben im Musikhimmel dünn und die Konkurrenz groß. Der Stress, das 2. Album zu liefern, durch die Welt zu jetten und sich mit Propofol, Ecstasy, Benzodiazepinen und viel Alkohol auf den Beinen zu halten, eine Herausforderung. Wenn man dann noch hofft, dass ein verheirateter Mann sich zu einem bekennt, dann hat man schon einiges zu bewältigen. Stefan Sommer ist ein Charakter gelungen, der mir mit seinen klugen, authentischen Bemerkungen ans Herz gewachsen ist. Er ist frech, charmant, mutig und so kaputt, wie man nur sein kann, wenn man das kapitalistische System, das einen füttert, bei Laune halten muss. Der Autor hat mich in eine Welt entführt, die ich als alte, weiße, cis Frau nicht mehr kennenlernen werde. Danke dafür. Ich mochte übrigens sein Debüt Trabant sehr, aber das hier ist ein ganz besonderes popkulturelles Knallbonbon.
Exzess, Leere und die Suche nach Halt
buecherboy am 04.05.2026
Bewertungsnummer: 3128500
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Party People von Stefan Sommer ist ein greller, zugleich melancholischer Roman über Exzess, Leere und die Suche nach Halt in einer Welt aus Beats, Schein-Kontakten und grenzenlosem Konsum. Im Mittelpunkt steht ein namenloser Ich-Erzähler, ein gefeierter DJ, der zwischen internationalen Auftritten, luxuriösen Hotels und endlosen Nächten lebt – und dabei zunehmend an der eigenen Sinnlosigkeit seines Lebens zerbricht. Besonders die Trauer um seine verstorbene Mutter hinterlässt eine Leerstelle, die er trotz aller Ablenkung nicht zu füllen vermag.
Sommer zeigt eindringlich eine Szene voller Oberflächlichkeit, hinter der sich Einsamkeit, Selbstzweifel und ein fragiler Umgang mit dem eigenen Körper verbergen. Ergänzt wird dies durch die Beziehung zu einem Mann, der in einer heterosexuellen Partnerschaft lebt – geprägt von Unsicherheiten, unterschiedlichen Lebenswelten und zugleich einer spürbaren, faszinierenden Anziehung.
Sprachlich ist der Roman intensiv und bildgewaltig, durchzogen von popkulturellen Referenzen und Anglizismen. Das Cover und die Innenseiten sind „brat coded“, was für mich mit einer gewissen Erwartungshaltung einhergeht. Überzeugt wurde ich jedoch nicht ganz – der Protagonist erscheint weniger widerspenstig als vielmehr überheblich und bewusst „cool“ inszeniert. Aus diesem Grund hätte ich auf die Charli XCX Referenz verzichtet. Party People ist ein schonungsloser Blick in eine faszinierende, zugleich erschreckend leere Welt – laut, exzessiv und von einer tiefen inneren Leerstelle geprägt.
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