Produktbild: Chaos

Chaos Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

01.06.2026

Verlag

Eichborn

Seitenzahl

269 (Printausgabe)

Dateigröße

422 KB

Auflage

1. Auflage 2026

Originaltitel

Härverk

Übersetzt von

Susanne Dahmann

Sprache

Deutsch

EAN

9783751791588

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ePUB

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  • Sprachkennzeichnung vorhanden
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Erscheinungsdatum

01.06.2026

Verlag

Eichborn

Seitenzahl

269 (Printausgabe)

Dateigröße

422 KB

Auflage

1. Auflage 2026

Originaltitel

Härverk

Übersetzt von

Susanne Dahmann

Sprache

Deutsch

EAN

9783751791588

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  • Bewertung

    aus Hamburg

    5/5

    17.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zwischen Ordnung und Zerfall – Eine besondere Reise durch Chaos von Andrea Ager-Hanssen

    Manche Bücher erzählen eine Geschichte. Andere stellen Fragen. Und dann gibt es Bücher wie Chaos, die ihre Leserinnen und Leser bewusst herausfordern, irritieren, berühren und lange nach dem Zuschlagen nicht mehr loslassen. Andrea Ager-Hanssen hat mit diesem Roman ein Werk geschaffen, das sich nicht einfach konsumieren lässt, sondern aktiv gelesen, durchdacht und interpretiert werden möchte. Dies ist ein Buch wo man viel markieren und herausschreiben möchte. Es ist ein Buch, worüber man reden möchte, wenn man es gelesen hat!! Bitte unbedingt vor dem lesen des Buches Triggerwarnungen lesen!! Chaos ist kein Buch, das einem alle Antworten so direkt oder einfach serviert. Stattdessen fordert es aktiv dazu auf, zwischen den Zeilen zu lesen, Zusammenhänge selbst herzustellen und auch einmal um die Ecke zu denken. Es ist unglaublich komplex, vielschichtig und etwas völlig anderes! Genau das macht diesen Roman so besonders – und gleichzeitig zu einer Lektüre, die nicht für jeden geeignet ist. Im Zentrum der Geschichte stehen familiäre Beziehungen, persönliche Konflikte, Erinnerungen, Wahrnehmung und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit unser heutiges Leben prägt. Dabei entfaltet sich die Handlung nicht geradlinig oder nach klassischen Erzählmustern. Vielmehr setzt Andrea Ager-Hanssen auf eine vielschichtige Struktur, die den Leser immer wieder dazu zwingt, aufmerksam zu bleiben und die einzelnen Puzzleteile selbst zusammenzufügen. Die Geschichte entwickelt sich dabei langsam, aber intensiv und voller Tiefe. Nach und nach entstehen neue Perspektiven auf Figuren, Situationen und Konflikte. Gerade dadurch gewinnt der Roman an viel emotionaler Kraft, welche den Kopf und die Gedanken völlig einnimmt. Der Schreibstil gehört zweifellos zu den größten Besonderheiten des Buches. Andrea Ager-Hanssen schreibt intelligent, anspruchsvoll und oft sehr atmosphärisch. Sie verzichtet auf einfache Lösungen und vertraut darauf, dass ihre Leserschaft bereit ist, sich auf die Geschichte einzulassen, zu hinterfragen und um die Ecke denken kann bzw. auch möchte. Das Lesen fühlt sich stellenweise fast wie das Entschlüsseln eines Rätsels an. Gedanken, Erinnerungen, Gefühle und Beobachtungen greifen ineinander und erzeugen ein Gesamtbild, das sich erst nach und nach erschließt. Wer leichte Unterhaltung sucht, könnte sich davon überfordert fühlen, es ist nicht Cozy oder leicht! Wer jedoch Freude daran hat, Literatur aktiv zu erleben und selbst Verbindungen herzustellen, wird hier definitiv reich belohn mit einem ganz besonderen Buch! Die Handlung beschäftigt sich mit den komplexen Dynamiken innerhalb einer Familie und den Spuren, die vergangene Entscheidungen hinterlassen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Vater. Was auf den ersten Blick wie eine persönliche Familiengeschichte wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einer tiefgründigen Betrachtung von Nähe, Distanz, Erwartungen und Verletzungen. Die Ereignisse entfalten sich nicht nur auf einer äußeren Ebene, sondern vor allem emotional und psychologisch. Dadurch entsteht eine sehr intensive Geschichte, die weniger von spektakulären Wendungen lebt als von den Entwicklungen ihrer Figuren. Das Herzstück des Romans ist die Beziehung zwischen Tochter und Vater. Gerade diese Dynamik macht das Buch so bewegend und relevant. Viele Menschen kennen die schwierige Balance zwischen familiärer Liebe und persönlichen Enttäuschungen. Eltern prägen ihre Kinder oft stärker, als beiden Seiten bewusst ist. Gleichzeitig entstehen Konflikte, wenn Erwartungen, Wünsche und Lebensrealitäten aufeinanderprallen. Andrea Ager-Hanssen zeigt diese Spannungen mit großer Ehrlichkeit und bemerkenswerter emotionaler Tiefe. Die Beziehung der beiden Figuren ist geprägt von Nähe und Distanz, Verständnis und Missverständnissen, Zuneigung und Verletzungen. Dadurch wirken die Konflikte nicht konstruiert, sondern erschreckend real. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen beginnen, familiäre Muster kritisch zu hinterfragen und offen über generationenübergreifende Konflikte zu sprechen, besitzt dieses Thema eine enorme Aktualität. Das Buch macht deutlich, dass Liebe innerhalb einer Familie nicht automatisch bedeutet, dass Beziehungen unkompliziert sind. Die Protagonistin wirkt authentisch, verletzlich und gleichzeitig stark. Ihre Gedanken und Gefühle stehen häufig im Mittelpunkt der Geschichte. Sie beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und ihre Beziehungen neu zu betrachten. Dadurch entsteht eine nachvollziehbare und berührende Charakterentwicklung. Der Vater ist keine eindimensionale Figur. Andrea Ager-Hanssen zeichnet ihn mit all seinen Stärken, Schwächen und Widersprüchen. Gerade weil er nicht ausschließlich als Held oder als Schuldiger dargestellt wird, entsteht eine glaubwürdige und menschliche Figur. Viele der emotionalsten Momente des Romans entstehen aus den Begegnungen und Konflikten zwischen ihm und seiner Tochter. Auch die Nebenfiguren erfüllen weit mehr als reine Nebenrollen. Sie spiegeln unterschiedliche Sichtweisen wider, erweitern die Themen des Romans und tragen dazu bei, die Hauptfiguren besser zu verstehen. Chaos behandelt zahlreiche Themen, darunter: * Familie und Herkunft * Eltern-Kind-Beziehungen * Generationenkonflikte * Identität und Selbstfindung * Erinnerungen und Vergangenheit * Schuld und Verantwortung * Vergebung * Kommunikation und Schweigen * Verlust und emotionale Verletzungen Besonders eindrucksvoll ist dabei die Frage, wie Menschen mit den Prägungen ihrer Kindheit umgehen und ob es möglich ist, alte Wunden wirklich zu heilen. Dieses Buch erzeugt keine oberflächlichen Emotionen. Stattdessen regt es zum Nachdenken an. Während des Lesens wechseln sich Mitgefühl, Frustration, Verständnis, Traurigkeit und Hoffnung immer wieder ab. Viele Szenen wirken deshalb so intensiv, weil sie sich nah an echten menschlichen Erfahrungen bewegen. Man ertappt sich dabei, über die eigenen Beziehungen, familiären Erfahrungen und ungelösten Konflikte nachzudenken. Genau darin liegt für mich die besondere Stärke des Romans: Er erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern schafft Reflexionsräume. Chaos von Andrea Ager-Hanssen ist ein ungewöhnlicher, anspruchsvoller und emotional tiefgehender Roman, der sich bewusst von vielen konventionellen Geschichten abhebt. Die Autorin erzählt nicht nur von familiären Konflikten, sondern von den Spuren, die Beziehungen im Laufe eines Lebens hinterlassen. Besonders die intensive Vater-Tochter-Dynamik verleiht dem Buch eine große emotionale Wucht und macht die Geschichte zugleich zeitlos und hochaktuell. Wer bereit ist, sich auf einen komplexen Aufbau, einen besonderen Schreibstil und viel emotionale Tiefe einzulassen, wird mit einem Roman belohnt, der lange nachhallt und zahlreiche Gedanken mit auf den Weg gibt. Ein kluges, berührendes und außergewöhnliches Buch über Familie, Erinnerungen und die oft schwierige Suche nach Verständnis – anspruchsvoll, intensiv und absolut lesenswert.

  • Bewertung

    5/5

    04.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Chaos- anspruchsvoll, berührend und nachdenklich

    Chaos“ thematisiert zentral das Thema Schwangerschaftsabbruch nach Komplikationen in der Frühschwangerschaft. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches ist deshalb durchaus berechtigt – nicht, weil die Ereignisse besonders drastisch geschildert werden, sondern weil der Roman eindrucksvoll zeigt, welche emotionalen Folgen es haben kann, wie wenig Verständnis Betroffene manchmal erfahren und welche nicht immer gesunden Bewältigungsstrategien daraus entstehen. Trotz dieser ernsten Themen ist das Buch nicht durchgehend schwer oder bedrückend. Heddas ironische und sarkastische Sicht auf ihr Leben sowie die Rückblicke auf ihre Familie lockern die Handlung immer wieder auf. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr ihr Aufwachsen und die Dynamiken innerhalb ihrer Familie ihr heutiges Handeln prägen. Insgesamt ist „Chaos“ kein Roman für leichte Unterhaltung, sondern ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Gerade die Mischung aus ernsten Themen, Humor und einer ungewöhnlichen Erzählweise macht es besonders und lesenswert.

  • Bewertung

    aus Wertingen

    5/5

    30.05.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Chaos

    Ein Buch, das eine Triggerwarnung hat und vom Leser einiges abverlangt. Hedda lebt mit Björn zusammen und arbeitet schon ewig an ihrer Masterarbeit, ohne jemals diese zu Ende zu bringen. Als sie dann aber auch noch eine Fehlgeburt erleidet, entgleitet ihr ihr Leben total. Sie tut so weiter, als ob sie schwanger wäre, kauft Babykleidung und verschuldet sich total, steckt den Kopf in den Sand verhält sich, als ob alles in Ordnung wäre. In dem Buch wird dann immer wieder auf ihre Jugend und Kindheit zurück geschwenkt. Ihr Vater, Millionär im Kaufrausch, von sich total eingenommen, verschwindet plötzlich, dafür kommt der Gerichtsvollzieher ins Haus. Später erscheint der Vater wieder und tut so, als ob nichts gewesen wäre. Die Mutter, nikotinsüchtig, erscheint wenig, Hedda hatte kaum Freunde. Auch ihr Bruder hat eine gescheiterte Beziehung, in der Familie läuft alles aus dem Ruder. Die Autorin hat einen eigenwilligen Stil, jedoch gewöhnt man sich sehr schnell in deren Schreibweise und nimmt an dem Leben dies chaotischen schwedischen Familie teil. Hedda und ihr Bruder haben noch nie feste Strukturen kennen gelernt, kaum hatten sie sich an etwas gewöhnt, wurden diese Dinge entsorgt, neues wurde angeschafft, egal ob die Kinder an diesen Sachen gehangen haben. Der verschwenderische Lebensstil wurde dann wieder gebremst, man hatte dann durch irgendwelche falschen Aktionen des Vaters, nur noch das Nötigste. Und Hedda ist auch als Erwachsene nicht fähig, ein normales Leben zu führen. Ich fand das Buch mehr als interessant, denn es zeigt hier ganz genau, wie wichtig die Erziehung und das Erleben in der Jugend für einen Menschen ist. Hedda kann da nur von Glück sagen, dass Björn mit beiden Beinen im Leben steht. Das Cover ist wunderschön, es gleicht einem Gemälde, auf dem eine erschöpfte Frau den Kopf auf die Tischplatte legt. Vielleicht hören wir von der Autorin bald noch mehr, da Chaos ist erster Roman it.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    4/5

    29.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Kann man verwöhnt sein, wenn man nie das bekommt, was man haben will?

    Heddas Leben ist ein Chaos: Sie ist schwanger, ihr Freund Björn und sie freuen sich sehr auf ihr erstes Kind, er unterstützt sie sehr. Doch der Druck, ihre Masterarbeit fertigzustellen, setzt ihr sehr zu. Ausgerechnet jetzt taucht plötzlich ihr Vater wieder auf: Der ehemalige Dotcom-Milliardär ist kein einfacher Mensch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Seine Geschäfte waren immer an der Grenze der Legalität und Heddas Kindheit alles andere normal. Diese Vergangenheit holt sie nun wieder ein.  Wie der sprichwörtliche Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt, trifft auch Hedda einige fragwürdiger Entscheidungen und alles beginnt, gründlich schiefzugehen. Kann Hedda sich aus den destruktiven Dynamiken ihrer toxischen Familie befreien?   „Chaos“ von Andréa Ager-Hanssen ist ein sehr spezielles Buch, das nicht einfach zu lesen war. Er spielt im Wechsel heute, während Heddas aktueller Lebenskrise, und in der Vergangenheit. Gerade diese Rückblicke in ihre Kindheit fand ich besonders stark! Eine Kindheit wie Heddas mag man sich gar nicht vorstellen. Was macht es mit einem Kind, das in absurdem Reichtum lebt, aber dennoch nie das bekommt, was ihm selbst wichtig ist? „Kann man wirklich verwöhnt sein, wenn man niemals das bekommt, was man haben will???“   „‘Ist es nicht schön? Es ist eines der größten Häuser in der ganzen Gegend. Man könnte auf der Rückseite auch einen Pool bauen, mit Schieferplatten drumherum. Es gibt auch ein fantastisches Gewächshaus.’ ‘Warum können wir nicht einfach weiter zu Hause wohnen?’, frage ich und hebe einen gelben, vertrockneten Ast vom Boden. Die liegen hier überall herum, umgeben von Löwenzahn und anderem Unkraut. ‘Warum konntest du nicht einfach das alte Haus zurückkaufen?’ Papa fängt an zu erklären, dass das Haus auf ein Unternehmen eingetragen war, das in Konkurs gegangen ist, aber dann unterbricht er sich. ‘Es hat keinen Sinn, in alten Sorgen zu verharren, das ist nicht gut fürs Gehirn.’ Er zeigt auf eine Reihe Fenster, rubinrote Rhomben mitten im Glas. ‘Hast du so was Schönes schon mal gesehen?’ ‘Ich dachte, du würdest am Existenzminimum leben’, sage ich. ‘Existenzminimum?’ Papa lacht auf. ‘Dass ich am Existenzminimum lebe?’ ‘Ja.’ Er schüttelt den Kopf. ‘Maximum’, antwortet er. ‘Das ist das Einzige, woran wir leben, Hedda. Am Existenzmaximum.’“   „‘Man muss aber doch kein wertloser Mensch sein, nur weil man Geld in einem Steuerparadies unterbringt‘, sagte ich. Es passierte etwas mit der Luft, sie wurde dick. Alle um den Tisch waren sprachlos. […] Er lachte kurz auf, dann sah er mich wieder ganz ernst an. ‚Menschen, die auf diese Weise leben, sind Nihilisten. Nichts hat irgendeinen Wert. Das ist tatsächlich die Definition von einem wertlosen Menschen, wenn er nicht länger eine in der Wirklichkeit verankerte Auffassung von unterschiedlichen Werten besitzt. Wenn wirtschaftliche Begriffe die Welt lenken, dann sickert das auch in alles andere ein, nicht einmal enge Beziehungen bedeuten mehr etwas.‘ ‚Aber alle Beziehungen sind Transaktionen‘, erwiderte ich. Er riss die Augen auf, der Mund war ein wenig geöffnet. […] Ich räusperte mich. ‚Es ist doch klar, dass alle Beziehungen auf irgendeine Weise Transaktionen sind. Eine Art Arbeit, die im besten Fall zu Liebe führt, und dann sind es Aufmerksamkeit, Zeit und Loyalität, die man investiert. Alle Beziehungen sind auf eine Art Tauschhandel gegründet.‘ Sie sahen mich schweigend an. Mir war, als hätte ich eine große, eitrige Beule mitten im Gesicht. […] Es fing an, hinterm Stirnbein und in die Augen hinunter zu drücken. Ich sah, wie meine Hände auf dem Tisch vor mir ein wenig zitterten. ‚Ich finde, du hast eine sehr kindliche Art und Weise, die Klassenproblematik zu betrachten, Thomas‘, sagte Danielle. ‚Das Problem sind in diesem Fall nicht notwendigerweise die Menschen, sondern die Gesellschaftsstrukturen, die Ungerechtigkeiten schaffen. Das heißt nicht, dass alle reichen Menschen auf individuellem Niveau schwarze Schafe sind. Man kann das alles hier problematisieren, aber man kann nicht sagen, dass Kinder im Kopf verbrannt sind, denn seine Eltern sucht man sich schließlich nicht aus.‘“   „Chaos“ von Andréa Ager-Hanssen ist wirklich ein etwas chaotischer, recht anspruchsvoll zu lesender Roman; mir hat er insgesamt gut gefallen.   Vielen Dank an den Eichborn Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

  • Bewertung

    4/5

    05.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Anspruchsvoll, konfus und auf schmerzhafte Weise gut

    Wie der Klappentext bereits verrät steckt Protagonistin Hedda in Andréa Ager-Hanssen‘s Roman „Chaos“ ziemlich in einer Lebenskrise. Dabei schildert Ager-Hanssen Heddas inneres, wie äußeres Chaos klug, pointiert und teilweise selbst sehr chaotisch mal in rückblickenden Kapiteln (immer mit Überschrift), die uns Aufschluss über Heddas Kindheit geben und Kapiteln die im Jetzt spielen (ohne Überschrift). Die einzelnen Kapitel wirken teils, wie der Titel vermuten lässt, leicht chaotisch angeordnet an. Warum was wann kommt und in welcher Zeit wir gerade sind will sich dem Leser/der Leserin zunächst nicht so recht erschließen. Gekonnt wird so nach und nach jedes Kapitel zu einem Puzzlestück für Heddas inneres Erleben, ihren Raum. Das Buch ist definitiv nichts für „Kopf aus, Buch raus und entspannen“, sondern mehr etwas für Leute die auch über das Gelesene nachdenken wollen, es eine Weile mit sich tragen möchten um dann die ein oder andere Erkenntnis zu haben. Ager-Hanssens Schreibstil ist auf den ersten Blick auf den Punkt und pointiert, bei genauerer Betrachtung jedoch mit vielen Andeutungen und Metaphern versehen. Mir hat es Spaß gemacht diese zu entdecken. Dabei ist die Autorin absolut nicht zimperlich mit so mancher Beschreibung. Mir tat das Buch stellenweise fast körperlich weh beim Lesen. Zum einen fast wortwörtlich an einer Stelle (man sollte definitiv die Triggerwarnungen lesen und ernst nehmen) und zum anderen dabei zu zu sehen wie Hedda immer weiter abrutscht. Hedda selbst ist eine Protagonistin die man nicht unbedingt mögen muss um mit ihr zu leiden. Man kann sie (wie in meinem Fall) auch einfach aus der Ferne betrachten um die Geschichte in sich aufnehmen zu können. So richtig sympathisch war mir hier keine Figur und trotzdem hat mir das Buch auf seine Art gefallen. In der ersten Hälfte wirkte es oft noch konfus und plätscherte mal nach hier und mal nach dort. Zeigte mir also wortwörtlich Chaos. Doch gerade die zweite Hälfte des Buches zog aus meiner Sicht noch einmal ordentlich an, wodurch das Buch aus meiner Sicht stark an Kraft gewinnen konnte. Für mich kein komplettes 5 Sterne Buch, dafür war es dann doch zu konfus hier und da, aber 4 Sterne allemal. Ein Buch für eher anspruchsvolle Leser:innen, die gern mitdenken und für die ein gutes Buch nicht immer darin besteht, dass eine Reihe an Sympathieträgern am Ende fröhlich in den Sonnenuntergang reiten.

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