Lagos, 1960er Jahre: In einer Stadt voller Energie und Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, lernt die selbstbewusste Margaret den in Großbritannien geborenen Benjamin kennen, der eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Sie verlieben sich und entdecken schon bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Aber dann wird Margaret psychisch immer labiler, und die Schatten jahrzehntealter Ereignisse in einem kleinen Dorf weit weg von Lagos bringen langsam aber unaufhaltsam den Bruch ... Ein mitreißender Roman über Schuld, Glaube und kulturelle Identität - und die Stärke der Frauen in einer patriarchalischen Welt.
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Wenn die Vergangenheit keine Ruhe lässt
Bewertung am 06.04.2026
Bewertungsnummer: 3101092
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Lagos in den 1960ern: Nigeria hat gerade seine Unabhängigkeit errungen, und die Luft ist geschwängert von Aufbruch und neuen Möglichkeiten. In diese elektrisierende Atmosphäre hinein erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret und Benjamin – zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich trotzdem finden. Oder vielleicht gerade deswegen.
Was diesen Roman so besonders macht, ist seine Vielschichtigkeit. Eze erzählt nicht einfach eine Liebesgeschichte, sondern webt daraus etwas viel Komplexeres: eine Familiengeschichte über Schuld, Glaube und die Last von Geheimnissen, die sich über Generationen schleppen.
Margaret ist eine starke, faszinierende Figur – und gerade deshalb trifft es umso mehr, wenn man beobachtet, wie sie zunehmend ins Straucheln gerät.
Die Zeitsprünge verlangen durchaus Aufmerksamkeit. Man muss sich wirklich einlassen und konzentriert lesen – aber Eze macht es einem zum Glück leicht, denn jedes Kapitel gibt einem direkt zu Beginn den zeitlichen Anker.
Sobald man den Rhythmus des Buches verinnerlicht hat, fügt sich alles wie ein Puzzle zusammen, und genau das ist eines der großen Vergnügen dieses Romans.
Wer bereit ist, sich auf dieses erzählerische Muster einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die noch lange nachhallt. Ein beeindruckendes Debüt.
Auf der Suche nach den Wurzeln
Bewertung am 01.04.2026
Bewertungsnummer: 3097114
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein intensives Romandebüt der nigerianischen Schriftstellerin und Juristin Tochi Eze.
Diese Familiensaga, die über 100 Jahre von 1905-2005 währt, hat es in sich: Sie ist multiperspektiv, anspruchsvoll,es gibt Zeit – und Ortswechsel, Nigeria, Großbritannien oder auch die USA, dörfliche Umgebung oder Großstadt, und immer stehen andere Figuren im Vordergrund. Doch letztendlich befinden sich Margarete und Benjamin im Zentrum, ein ungleiches Liebespaar, das Grenzen und Vorbehalte überwinden muss, das höchstes Glück und tiefstes Leid erfährt, Zuversicht, Liebe, aber auch Distanz und Zerrüttung. Entgegen den Vorstellungen und Wünschen Margaretes Familie werden die beiden ein Paar, heiraten und bekommen eine Tochter. Aber das Glück ist ihnen nicht hold, ein Fluch oder vielleicht auch eine Krankheit werfen ihre Schatten voraus.
Dieser Roman ist äußerst spannend und vielschichtig, er nimmt mit auf eine Reise in andere kulturelle Dimensionen, es geht um Tradition und Moderne, um Herkunft und Identität, Schuld und Glaube, Kolonialisierung, Vergangenheit und Zukunft. Eine wichtige Frage wird schon im Anfang beim Zitat aus Ezechiel angesprochen, ob der Mensch für die Vergehen der Vorfahren verantwortlich ist, ob Schuld vererbt werden kann, welche Auswirkungen daraus resultieren können. In diesem Kontext geht es auch um die Ursachen psychischer Krankheiten und den Umgang mit dem Betroffenen, um langfristige Auswirkungen über Generationen hinweg.
Ein kluger, ungewöhnlicher und mitreißender Roman, dessen einzelnen Stränge erst gegen Ende zusammenführen, deutlich werden lassen, wie weit die Schicksale miteinander verwoben sind, dass man sich nicht von seiner Vergangenheit und von seinen Vorfahren völlig lösen kann. Der Text fordert heraus, ist teilweise verwirrend, schafft aber durch die Überschriften (Orts- und Zeitangaben) eine Struktur, die hilft, den Inhalt einzuordnen und den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren. "Es ist alles gut. Es wird alles gut werden."
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