Produktbild: Vor uns die Zeit

Vor uns die Zeit Im Ruhestand wird endlich alles gut. Oder nicht? — Roman

9

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

37177

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.02.2026

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

336

Maße (L/B/H)

20,9/12,8/3,5 cm

Gewicht

465 g

Farbe

Mokka / Beige

Auflage

2

Originaltitel

Greengates

Übersetzt von

Rainer Moritz

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-00635-5

Beschreibung

Rezension

»Es tut einfach gut, in diesen verwirrend unfreundlichen Zeiten ein so leises, liebevolles und irgendwie sogar komisches Buch zu lesen. Ich bin ganz sicher, dass sehr viele Leser sich in Edith und Tom wiedererkennen, ob 1936 oder heute! Herrlich frisch von Rainer Moritz übersetzt.« ("Kölner Stadt-Anzeiger")
»R. C. Sherriff bringt etwas unglaublich Menschenfreundliches in seine Romane . Vor uns die Zeit ist eine sehr fein und genau beobachtete Geschichte, Sherriff ein Meister der Szene. Vor fast 100 Jahren erschienen, ist der Roman gar nicht gealtert, Sherriff beschreibt Zwischentöne und Menschen so, dass man denkt, sie könnten einem auch heute begegnen. Wenn ein Kollege, eine Kollegin Pension geht, sollte man diesen Roman verschenken.« ("Deutschlandfunk")
»Wie geht eigentlich Ruhestand? Das muss Tom Baldwin, der Held von R. C. Sherriffs Glücksfall von wiederentdecktem Roman, erst noch lernen. Mit viel Liebe zu seinen Figuren beschreibt er das vertraute Miteinander der Eheleute Baldwin, ihre kleinen und größeren Sorgen und Nöte – und gönnt ihnen einen Neuanfang. Ein warmherziger Roman aus der Welt der kleinen Leute.« ("Buch-Haltung")
»Dieses Buch rührt ungemein und ist ein versöhnlicher Blick in eine Zukunft, die jedem von uns bevorsteht.« ("HR2 Kultur")
»R. C. Sherriff beschreibt detailreich, einfühlsam und humorvoll die Sorgen und Nöte der Protagonisten. Der Autor zeichnet einen vom Leben enttäuschten Mann, der wieder in Schwung gerät und glücklicher wird als je zuvor. Ein beschaulicher Roman, der die Idylle beschwört.« ("ekz Bibliotheksservice")
»Unwiderstehlich und gemütlich: Vor uns die Zeit ist ein berührender, liebenswerter Roman, eine Ode an die Vororte und ein faszinierendes Stück Sozialgeschichte.« ("The Guardian")
» Vor uns die Zeit von R. C. Sherriff ist ein Buch, das nicht überwältigt, sondern begleitet – ein stiller, aber nachhaltiger Begleiter, der seine Wirkung im Nachhall vollständig entfaltet.« ("Kulturthemen.de")
»Als Mr Baldwin in den Ruhestand geht, beschließen er und seine Frau, in eine neue Siedlung zu ziehen – und dieser zarte Roman handelt von diesem Prozess. In den Händen nahezu jeden anderen Autors wäre dieser Stoff nichts – in Sherriffs Händen ist es ein Meisterwerk.« ("Stuck in a Book")

Produktdetails

Verkaufsrang

37177

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.02.2026

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

336

Maße (L/B/H)

20,9/12,8/3,5 cm

Gewicht

465 g

Farbe

Mokka / Beige

Auflage

2

Originaltitel

Greengates

Übersetzt von

Rainer Moritz

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-00635-5

EU-Ansprechpartner

Unionsverlag AG
mail@unionsverlag.ch

Herstelleradresse

Verlag C.H.Beck oHG
Wilhelmstraße 9
80801 München
DE
produktsicherheit@beck.de

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  • Kwinsu

    aus Salzburg

    5/5

    04.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Time for something new

    Tom Baldwin steht vor seiner Pensionierung, über 40 Jahre war er in der Versicherungsbranche tätig. Er träumt sich ein wundervolles Leben herbei, in dem er seinen großen Leidenschaften, wie Geschichte, Archäologie und der Bearbeitung seines Gartens nachgehen kann. Doch die Realität ist ernüchternd und langsam verfällt er in depressive Episoden. Bis er eines Tages mit seiner Frau Edith beschließt, einen Ausflug in das Wendental zu machen. Dort haben sie eine Begegnung, die ihr Leben tiefgreifend verändern wird: ein junger Immobilienmakler führt ihnen ein Musterhaus vor und das Ehepaar weiß: das ist ihre Zukunft. Der Roman "Vor uns die Zeit" von dem Theaterautor, Drehbuchschreiber und Schriftsteller R.C. Sherriff erschien unter dem Namen "Greengates" das erste Mal im Jahr 1936. Das Buch strotzt vor britischer, gutbürgerlicher Attitüde seiner Zeit und ist dennoch erstaunlich zeitlos. Es ist so absolut nachvollziehbar, dass das plötzliche Loch, das einen durch den Eintritt ins Rentenalter mit hässlicher Fratze lachend entgegenstrotzt, in eine tiefe Depression stürzen kann. Die Beziehungsverhältnisse, wie sie bisher waren, können so nicht weitergehen: die Ehefrau, die sich stets um Haus und Garten kümmerte und nichts mehr liebte, als ihr kurzes Nachmittagsnickerchen, ist in ihrer Routine erschüttert, genauso wie ihr Dienst"mädchen" Ada, die plötzlich ihre Arbeit nicht mehr nach gewohnten Mustern verrichten kann. Und der Pensionär selbst weiß nichts mit seiner neu gewonnenen Zeit anzufangen. Der Autor Sherriff weiß mit feinem Humor eine Charakterstudie der Protagonist*innen nachzuzeichnen, die vor Beobachtungsgabe und zeitloser Modernität nur so strotzt. Alles ändert sich nach dem Ausflug ins Wendental: das Ehepaar verliebt sich Hals über Kopf in das Musterhaus und trotzdem sie bisher sehr auf Sparsamkeit bedacht lebten, sind sie gewillt ihr Erspartes und Geerbtes für einen neuen Lebensabschnitt in einem Haus, das allen modernen Komfort der Zeit bietet, zusammenzukratzen und würden am liebsten gleich dort einziehen. Lustigerweise haben sie kaum noch Geduld um abzuwarten, dort einzuziehen. Auch als Leserin fiebert man mit, dass alles wirklich so gut gehen wird, wie sich das Ehepaar so erhofft - ohne dabei von irgendjemanden übers Ohr gehauen zu werden. Als es endlich so weit ist, werden die beiden gleich ins nächste Projekt gezogen und widmen ihr Leben nun der Gemeinschaft, in Form eines partizipativen Klubs. Es ist erstaunlich, wie fein und tiefgehend der Autor seine Figuren zeichnet, sich mit einem Augenzwinkern über sie lustig macht, ohne sie jemals bloßzustellen oder die Augenhöhe zu verlieren. Großartig gelingt es ihm, ein eigentlich recht fades Leben mit Enthusiasmus und liebevollen Standesdünkel zu würzen und die Charaktere absolut glaubhaft und authentisch darzustellen. In keinem Moment kommt Langeweile auf und es ist herrlich mitzuverfolgen, wie Tom über seine eigene Entwicklung reflektiert - und staunt. Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass der Roman vor 90 Jahren das erste Mal veröffentlicht wurde und nichts an Aktualität verloren hat - wenn man von dem dargestellten, gutbürgerlichen Milieu mit starkem britischen Akzent einmal absieht. Die Charaktereigenschaften von Tom sind humorig schrullig, er weiß sich standesgemäß zu benehmen und ist anfänglich auch den Umständen entsprechend genügsam. Trotzdem der Hauskauf sie vor finanzielle Herausforderungen stellt, kommt er keine Sekunde auf seine Idee, etwas von ihrem bisherigen Lebensstandard - beispielsweise auf seine Haushälterin - zu verzichten. Äußerst amüsant ist es auch mitzuverfolgen, wie plötzlich ihr jahrzehntelang gewohntes Haus vom einst geliebten Zuhause zu einer hässlichen, ungemütlichen und unkomfortablen Bude heranwächst, nachdem ihnen ihr neues Zuhause vor Augen steht. Auch die Befindlichkeiten und Meinungen anderen Menschen gegenüber, beispielsweise dem kolonialistischen und leicht unsympathischen Mr. van Doon, sind bezeichnend, aber erstaunlich versöhnlich und offen. Mein Fazit: "Vor uns die Zeit" ist ein absolut empfehlenswerter Roman, der schon 90 Jahre auf dem Buckel und nur wenig an Aktualität verloren hat. Er besticht durch feine Charakterbeobachtungen und zum Schmunzeln bringenden Humor, ohne dabei die Figuren ins Lächerliche zu ziehen. Es ist ein meisterliches Werk britischer Literatur, die alle lesen sollten, die der britischen upper middle class gewogen sind und sich für die tiefgehenden Veränderungen interessieren, die passieren, wenn man das Arbeitsleben hinter sich gelassen hat.

  • Eternal-Hope

    aus Österreich

    5/5

    24.03.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Vom Ruhestand und der Bereitschaft zu Veränderung

    Was macht es mit Menschen, wenn sie in den Ruhestand gehen und auf einmal "vor ihnen die Zeit" liegt? Wenn jahrzehntelange Routinen dadurch auf einmal zu einem Ende kommen und es eine Neuausrichtung braucht? Wenn sich auch eine eingespielte Partnerschaft neu ordnen muss? Worin liegen die Gefahren, aber auch die Chancen dieser Lebensphase? Und was können wir vom Beispiel anderer lernen, so wie aus diesem Roman? Diese universellen Fragen, die viele Menschen in verschiedenen Zeiten und Lebenslagen bis heute beschäftigen, behandelt der zeitlose Klassiker "Vor uns die Zeit". Die Originalausgabe des Werks ist unter dem Titel "Greengates" im Jahr 1936, also vor 90 Jahren, erschienen. Nun wurde das Buch von Rainer Moritz in moderner und zugänglicher Sprache übersetzt und im Unionsverlag neu herausgebracht. Auch wenn die Charaktere des Buches natürlich in der damaligen Zeit und in ihrer Region in der Nähe von London verortet sind, ist das Buch auch für heutige Menschen aus anderen Regionen ein großartiges Lesevergnügen, das nicht nur unterhält, sondern auch viel Weisheit in sich trägt und zum Nachdenken anregt. Es geht um das große Thema des Sinnfindens im eigenen Leben und der Herausforderung und Chance, die freie Zeit selbst so zu nützen, dass sie einem nicht verschwendet vorkommt - und das nach einem langen Arbeitsleben, in dem man darauf konditioniert wurde, fremdbestimmten Rhythmen zu folgen und sich vielleicht auch nur zu gerne bequem den immer gleichen Gewohnheiten hingegeben hat. Wir begegnen Tom Baldwin an seinem letzten Arbeitstag. Jahrzehntelang hat er im gleichen Unternehmen gearbeitet, nun ist die Zeit seines Ruhestands gekommen, er wird ehrenvoll verabschiedet und bekommt als Abschiedsgeschenk ausgerechnet eine Uhr. Dann kommt Tom nach Hause in sein altes Anwesen "Grasmere", das ihm auf einmal dunkel und abgewohnt erscheint, und bringt dort erst die Routinen seiner nicht erwerbstätigen Frau Edith und der Haushälterin Ada gehörig durcheinander. Außerdem hat Tom ehrgeizige Pläne für seinen Ruhestand und nun sieht er die Zeit gekommen, diese endlich verwirklichen zu können: "Er würde Historiker werden. Kein bloßer Stubenhocker, sondern einer, der hinausging, erforschte und entdeckte. Das verlieh Winter- und Sonnentagen eine herrliche Fülle. Tausende faszinierender Bücher galt es zu studieren, tausend Ausgrabungen an der englischen Küste, die römischen Festungen und die normannischen Schlösser." (S. 25) Doch bei beidem stößt er an innere und äußere Grenzen und realisiert nach einigen Rückschlägen, dass er diesen Traum nicht wie geplant verwirklichen kann: "Ein Hirn, das sechzig Jahre lang das Leben begierig aufgenommen hat, ist am Rande seines Fassungsvermögens angekommen. Man kann sich großzügig daraus bedienen und es wieder auffüllen mit dem, was es gewohnt ist, doch man kann es nicht komplett ausmisten und mit neuen Dingen unterschiedlicher Form und Größe wieder füllen. Dafür ist es einfach nicht geschaffen, es stößt das Neue entweder ab oder bricht unter der Belastung zusammen." (S. 88) So geht ein Jahr ins Land und Tom wird immer deprimierter, auch der Paarbeziehung tut sein Ruhestand nicht sehr gut: "Als sich der erste Winter, in dem ihr Mann im Ruhestand war, seinem Ende zuneigte, begann Mrs Baldwin allen Glauben daran zu verlieren, dass sie ihm helfen könnte. Es wurde ein Ding der Unmöglichkeit, wenn jedes Wort als Zurechtweisung oder Vorwurf der Trägheit aufgefasst und zornig zurückgewiesen wurde." (S. 96) Das sind die ersten knapp 100 Seiten des über 300 Seiten dicken Buches. Und wäre es so weitergegangen, hätte es eine äußerst deprimierende Beschreibung des möglichen körperlichen und geistigen Niedergangs im Ruhestand werden können. Aber zum Glück kommt es anders, denn das Ehepaar Baldwin trägt wesentlich mehr Flexibilität, Veränderungswille und Tatkraft in sich, als man vielleicht erst einmal vermutet hätte. Als eine Gelegenheit auf die beiden zukommt, ihr eigenes Leben grundlegend zu verändern und an einem anderen Ort neu zu starten, Kontakte zu knüpfen und für eine Gemeinschaft aktiv zu werden, packen die beiden diese beim Schopf und stürzen sich mutig und unerschrocken in die Veränderung, lassen sich auch von Hürden nicht von ihrem Weg abbringen und mobilisieren alles, was nötig ist, um noch einmal ganz neu zu beginnen. Das macht sich bezahlt: während im alten Haus alles abgewohnt und alt wirkte, mobilisiert das neue Haus an einem anderen Ort positive Gefühle in den Baldwins: "...Tom und Edith Baldwin empfanden all die Freude, Frische und Steigerung ihres Selbstwertgefühls, die sich einstellen, wenn man mit sauberen, neuen Dingen Umgang hat." (S. 277) Damit ist es insgesamt ein nicht nur äußerst vergnüglich und unterhaltsam geschriebenes Werk und ein sehr interessantes Zeitporträt des Kleinbürgertums im England der 1930er Jahre, sondern auch ein weises und inspirierendes Buch, in dem sich viele Ideen dazu finden, wie der Lebensabschnitt nach dem aktiven Berufsleben sinnvoll gestaltet werden könnte. Es kann zu Recht als Klassiker bezeichnet werden, aus dem sich auch für die heutige Zeit viel lernen lässt und das ich einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen kann!

  • Bewertung

    aus Baden-Baden

    5/5

    20.03.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wunderbare Wiederentdeckung

    Viele freuen sich auf ihren wohlverdienten Ruhestand, haben hochfliegende Pläne, was sie alles mit ihrer freien Zeit anfangen werden, und fallen bald in ein emotionales Loch. Plötzlich fehlt die tägliche Struktur, der Kontakt mit den Kollegen und Kolleginnen, eine sinnvolle Aufgabe. Vor dieser Herausforderung steht auch der Protagonist in dem 1936 erschienenen Roman „Vor uns die Zeit“. Einundvierzig Jahre lang hat Tom Baldwin als Angestellter in einer Londoner Versicherung gearbeitet. Nun ist sein letzter Arbeitstag gekommen. Es gilt noch die Abschiedsrede des Direktors und die freundlichen Wünsche der Kollegen hinter sich zu bringen, dann ist er ein freier Mann. Endlich kann er sich diversen Projekten zuwenden, für die bisher die Zeit fehlte. Der Garten hinterm Haus ist arg vernachlässigt und bedarf dringend intensiver Pflege. Und für Geschichtliches hat er sich schon immer interessiert. Nun kann er richtig Studien betreiben, Exkursionen unternehmen und eventuell sogar Vorträge zu verschiedenen Themen ausarbeiten. Doch alles, was er beginnt, scheitert bald. Das stellt den häuslichen Frieden auf eine harte Probe. Nicht nur Ehefrau Edith fühlt sich in ihren gewohnten Abläufen gestört; auch das alt gewordene Dienstmädchen verteidigt ihren Bereich. Das führt zu manch absurd- komischen Situationen. Es sieht so aus, als würden sich die bösen Vorahnungen bestätigen. Baldwin wird immer unglücklicher, die Stimmung im Haus immer trüber. Doch ein Spaziergang zu einem früheren Lieblingsort bringt das Paar auf eine kühne Idee. Erst sind sie ganz entsetzt, dass sich in dem schönen Tal von einst eine moderne Neubausiedlung breitmacht. Aber bald träumen auch sie von einem neuen Haus. Wie wäre es, das dunkle heruntergekommene Heim im Londoner Vorort zu verkaufen und hier nochmals neu zu beginnen. Eifrig werden Pläne geschmiedet, alles durchgerechnet und dann riskieren sie den Schritt. Man befürchtet das Schlimmste, so vieles kann hier schiefgehen. War das Ganze doch nur eine verrückte Idee, die zum Scheitern verurteilt war? Riskieren sie den finanziellen Ruin? Doch der Autor meint es gut mit seinen Figuren und seiner Leserschaft. Er zeigt uns eine Möglichkeit, das Alter sinnvoll zu gestalten und zwar, indem man sich wieder einbringt in die Gemeinschaft. R.C. Sherriff konnte mich schon mit seinem zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman „Zwei Wochen am Meer“ überzeugen. Und was mir dort gefiel, finde ich auch hier wieder. Eine ruhige Erzählweise und einen liebevollen Blick auf seine Protagonisten. Sherriff fühlt sich gut ein in ihre Befindlichkeiten, betrachtet ihre Verschrobenheiten mit leisem Humor, aber ohne sich über sie lustig zu machen oder sie zu diffamieren. Mit großer Sympathie beobachtet er das alte Paar, das mit den Veränderungen in ihrem Leben klarkommen muss. Zu Beginn seines Ruhestands fühlt Tom sich noch „ wie ein alter Kanarienvogel, dessen Käfigtüre offen stand und der auf dem hintersten Ende seiner Stange kauerte.“ Aber obwohl er eher zaghaft, zweiflerisch ist, seine festen Gewohnheiten braucht, wagt er den Neustart. Dabei unterstützt ihn Ehefrau Edith mit Wort und Tat. Auch wenn der Abschied vom Vertrauten beiden nicht leicht fällt. Das alles beschreibt der Autor einfühlsam und realistisch, mit einem genauen Blick auf die Details und leicht ironisch. Dabei gibt es einiges zu schmunzeln, manches mag einem vertraut erscheinen. Anderes wiederum hat Symbolcharakter, wie z.B. die Uhr, die Tom Baldwin von seinen Arbeitskollegen zum Abschied geschenkt bekommt. Soll der tägliche Blick darauf ihn an die zurückliegende Zeit erinnern? Oder soll die Uhr eine Ermahnung sein, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen? Zumindest macht sie sich gut in der neuen Wohnung. „Vor uns die Zeit“ ist eine wunderbare Wiederentdeckung, die mir sehr viel Freude bereitet hat. Und obwohl wenig Spektakuläres geschieht, hält der Autor die Spannung bis zum Schluss. R.C. Sherriff hat mit diesem Roman einen Klassiker geschaffen, weil er zeitlose Themen anspricht. Dabei ist ihm ein Roman gelungen, der Mut macht, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Lesenswert und lobenswert ist ebenfalls das aufschlussreiche Nachwort von Rainer Moritz, der den Roman stimmig übersetzt hat.

  • Alrik Gerlach

    Thalia Book Circle Community

    4/5

    23.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn der Ruhestand plötzlich zu laut wird

    Ruhestand klingt erstmal wie ein Versprechen. Endlich Zeit, endlich Luft, endlich man selbst sein. Und dann sitzt man da plötzlich am Frühstückstisch und merkt, dass die Stille ziemlich laut sein kann. Genau da setzt dieses Buch an. Mister Baldwin ist raus aus dem Arbeitsleben und voller Hoffnung. Nur spielt das Leben nicht ganz so mit. Die Tage ziehen sich, Gespräche versanden, und irgendwo zwischen Tee und Zeitung schleicht sich diese unbequeme Frage ein: Wer bin ich eigentlich ohne das Ganze drumherum? Was richtig gut funktioniert, ist diese leise Ehrlichkeit. Keine großen Dramen, kein künstliches Aufblasen. Stattdessen kleine Momente, die plötzlich ziemlich groß wirken. Ein Blick, ein Satz, ein unausgesprochener Gedanke. Hat mich öfter erwischt, als mir lieb war. Und dann kommt dieser Perspektivwechsel mit dem Haus im Weldental. Fast wie ein kleines Aufatmen. Da keimt Hoffnung auf, so ein vorsichtiges Vielleicht. Genau diese Mischung aus Melancholie und Aufbruch macht den Reiz aus. Man muss sich auf das Tempo einlassen. Wer Action sucht, wird hier nicht glücklich. Wer aber Geschichten mag, die unter die Oberfläche gehen und noch lange nachhallen, der findet hier ein echtes Stück Leben.

  • begine

    aus Lemwerder

    4/5

    20.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Nach der Arbeit

    Vor uns die Zeit ist ein Roman von R. C. Sherriff und wurde im Original 1931 geschrieben. Der Roman liest sich auch heute noch gut. Es ist eine ruhige Geschichte. Es geht um einen Mann, der in Pension geht, sich aber noch zu jung fühlt. Das Ehepaar zieht in ein neues Haus und gemeinsam mit Nachbarn wird ein Club gegründet, in dem Tom alles dokumentiert und ordnet. In dieser Arbeit geht er auf. Es ist ein nett geschriebener Roman, der gefällt.

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