Hamburg in den 1970ern: Tom "Katze" Katzenberger, ein 17-Jähriger mit Kamera und großen Träumen, landet als jüngster Polizeireporter bei der »Hamburger Morgenpost«. Bald ist der gefeierte Nachwuchsreporter immer der Erste am Tatort - und mittendrin in einer Welt voller Gewalt, Gier und Glanz. In der harten Realität des Rotlichtmilieus wächst er zum Chronisten von St. Pauli heran. Doch die Jahrzehnte fordern ihren Preis: Machtkämpfe und persönliche Verluste bringen Katze an seine Grenzen. Als ein alter Bekannter ihn um Hilfe bittet, muss er sich entscheiden: Hält er Abstand oder lässt er sich auf ein letztes gefährliches Spiel ein?
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Hamburger Kiez in den 1970ern
Bellis-Perennis aus Wien am 03.06.2026
Bewertungsnummer: 3156912
Bewertet: eBook (PDF)
Autor Tim Sohr entführt seine Leserinnen und Leser in das Hamburg der 1970er und 1980er Jahre, also in jene Zeit, in denen auf St. Pauli die Messer tief fliegen und Banden das Rotlichtviertel mit brutaler Gewalt regieren. Tom „Katze“ Katzenberger ist ein knapp 15-jähriger Schüler, der heimlich den Polizeifunk abhört und bei der Eröffnung der Köhlbrandbrücke grandiose Fotos schießt, die er an die „Hamburger Morgenpost“, kurz MoPo schickt und wenig später, zunächst als freier Mitarbeiter, dann als Polizeireporter regelmäßig Aufsehen erregende Fotos schießt. Katze ist fast immer früher als die Konkurrenz am Ort des Geschehens. Während Fotos anderer Fotografen ziemlich voyeuristisch sind, hat Katze einen etwas anderen Blick und lässt den Opfern ihre Würde.
Gleichzeitig lenkt Tim Sohr unseren Blick sowohl auf die Polizisten, die auf der berühmten Davidwache Dienst tun, als auch auf Zuhälter und Prostituierte. Es ist kein weichgezeichnetes Bild der Reeperbahn, sondern blutiger Alltag. Im Lauf der Jahre hat sich Katze an die harte Realität genauso gewöhnt, wie die Polizisten an ihren bestechlichen Chef, der billigend den Tod des einen oder anderen Kollegen im Dienst in Kauf nimmt. Daneben haben die Zuhälter ihre eigenen Regeln, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. So sind Schusswaffen verboten. Man regelt alles per Faust oder Messer. Als ein neu Generationen von Zuhältern den Kiez übernimmt, gelten die alten Regeln plötzlich nicht mehr. Die alten Gangster, soferne sie überlebt haben, können nur mit Wehmut in die Vergangenheit zurückblicken - mit Blues eben.
Meine Meinung:
Als erklärter Hamburg-Fan habe ich dieses Buch, das der Autor als Roman und nicht als Krimi bezeichnet, gerne gelesen. Der Roman ist an einige reale Ereignisse angelehnt. So gibt es für den fiktiven Tom „Katze“ Katzenberger ein echtes Vorbild. Dieses Buch ist keine Romantisierung der Menschen und der Zeit. Viele sterben, andere geben auf und verlassen den Kiez, oft auch die Stadt Hamburg.
Der Hamburger Kiez ist heute für viele Hamburg-Besucher eine Vergnügungsmeile vielfältiger Art, die auch familientauglich ist. In den 1970er- und 1980er-Jahren ging es da aber ziemlich rau zu. Touristinnen, die auf der Reeperbahn flanieren, wurden scheel angesehen und häufig blöd angemacht.
Die Charaktere sind häufig widersprüchlich angelegt. Dieses Leben zeichnet alle Figuren.
So meint Zuhälter Frankie fast philosophisch: „Was man seinem Kind vorlebt, das nimmt es auch an. Wenn das Kind sieht, dass der Vater sich gewalttätig verhält oder Geschäfte betreibt mit dementsprechenden Leuten, dann wird das auf den Jungen abfärben.“
Wenig später widerspricht er sich selbst, wenn er einen Streit mit der Mutter des Sohnes mit einem Bügeleisen beendet - mitten im Gesicht der Mutter.
Vielleicht ist die Darstellung der Gewalt nicht jedermanns Sache.
Fazit:
Tim Sohr ist mit "KiezBlues" ein ebenso rauer wie schneller sowie unterhaltsamer Roman gelungen, der kein Märchen sondern den harten Blues von St. Pauli erzählt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Ein Stück Hamburg
Jürg K. am 12.05.2026
Bewertungsnummer: 3135864
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
1970 landet Tom „Katze“ Katzenberger 17-jährig mit Kamera und grossen Träumen, als jüngster Polizeireporter bei der »Hamburger Morgenpost«. Bald ist der gefeierte Nachwuchsreporter immer der Erste am Tatort und mittendrin in einer Welt voller Gewalt, Gier und Glanz. Was mich besonders berührt hat, ist die Art, wie der Roman die 1970er in Hamburg einfängt. Nicht nostalgisch verklärt, sondern mit all ihren Brüchen. Gewalt, Gier, Glanz alles liegt dicht beieinander, und Katze bewegt sich dazwischen wie jemand, der gleichzeitig fasziniert und überfordert ist. Seine frühen Erfolge als Polizeireporter wirken wie ein Rausch, aber einer, der einen hohen Preis fordert. Man spürt, wie jeder Tatort, jede Begegnung mit dem Rotlichtmilieu eine Spur in ihm hinterlässt. Mit den Jahren wird Katze vom neugierigen Jungen zum Chronisten eines Milieus, das sich ständig selbst verschlingt. Und genau darin liegt die Tragik. Er ist zu nah dran, um unbeteiligt zu bleiben, zu weit drin, um jemals wirklich Abstand zu gewinnen. Die persönlichen Verluste, die Machtkämpfe, die Einsamkeit hinter der Kamera, all das macht ihn zu einer Figur, die man nicht nur beobachtet, sondern versteht. Der Moment, in dem ein alter Bekannter ihn um Hilfe bittet, ist für mich der emotionale Wendepunkt. Für mich ein Roman über Loyalität, über die Versuchung des Abgrunds und über die Sehnsucht, trotz allem ein guter Mensch zu bleiben. Ein Stück Hamburg, das nach Bier, Meer und Herzblut schmeckt und das lange nachhallt.
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