Die Geschichte von einem, der alle zu blenden vermag Felix Krull, Schaumweinfabrikantensohn »aus feinbürgerlichem, wenn auch liederlichem Hause«, ist ein Meister des schönen Scheins und hat das Täuschen und Betrügen zu einer Kunstform erhoben. In einem Pariser Luxushotel ist der junge Liftboy und spätere Oberkellner von reichen Leuten umgeben, die sich mit Freuden von ihm blenden, bestehlen oder verführen lassen. Der große Erzähler Thomas Mann hat sein literarisches Lebenswerk mit einem heiteren Schelmenroman voller skurriler Gestalten und wunderbar unmoralischer Begebenheiten beschlossen.
»Welch eine herrliche Gabe ist nicht die Phantasie, und welchen Genuß vermag sie zu gewähren!« Thomas Mann
Thomas Mann beließ sein letztes Werk als Romanfragment. Zur Weiterführung von Felix Krulls Lebensweg äußerte sich der 79-jährige: "Wie, wenn der Roman weit offen stehen bliebe? Es wäre kein Unglück meiner Meinung nach."
Thomas Mann strebte eine travestierende Übertragung des Künstlertums ins Betrügerisch-Kriminelle an und rückte den Künstler humoristisch in die Nähe des Hochstaplers. Er parodiert den klassischen Bildungs- und Entwicklungsroman und steht in der Tradition des Abenteuer- und Schelmenromans
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Doppelter Zauber
Bewertung am 20.05.2026
Bewertungsnummer: 3143815
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Doppelter Zauber
Wenn es einen Text Thomas Manns gibt, mit dem er sich den Beinamen „Zauberer“ verdient hat, dann ist dies zuvorderst seine Novelle „Der Tod in Venedig“. Der Zauber wirkt hier doppelt: auf den Helden und auf den Leser.
Die Verwandlung Gustav von Aschenbachs vom pflichtbesessenen, an Ruhm, Ehre und Willensstärke orientierten Großkünstler, steif, unnahbar, auf Etikette bedacht, allem Sinnlichen abhold, zum pflichtvergessenen, willenlos-triebgesteuerten Lüstling, der sich schminken und die Haare färben lässt, und der seine Tage damit verbringt, dem Objekt seiner Begierde durch Venedig nachzusteigen - diese Wandlung ist Ergebnis einer Verzauberung. Verzaubert wird er von Tadzio, einem Knaben, der „vollkommen schön“ ist, „von so einmalig persönlichem Reiz“, dass er überzeugt ist, „weder in Natur noch bildender Kunst etwas ähnlich Geglücktes angetroffen zu haben“. (S. 42)
Und es ist ganz große Kunst, wie der Zauber geschildert wird, der von diesem Knaben auf den älteren Herrn ausgeht, wie ein anfänglich scheinbar „interesseloses Wohlgefallen“, eine „fachmännisch kühle(n) Billigung“ (S. 48) des reinen Schönen schrittweise umschlagen in Verzücken, Verliebtheit, Besessenheit; wie eine anfänglich harmlos-heitere Stimmung zunehmend ins Bedrohlich-Düstere umschlägt.
Wie das im Einzelnen dramaturgisch und sprachlich subtil gemacht ist, wie es Thomas Mann gelingt, auch den Leser in einen erzählerischen Zauberbann zu schlagen, dazu sind extrem hilfreich die erläuternden Anmerkungen und das kluge Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Hanns Frericks.
Aber das ausführliche Nachwort hilft nicht nur beim Erkennen, Verstehen und Genießen der Novelle als Kunstwerk, ihrem Bau und reichen Motivgeflecht, ihrer Rhetorik, Symbolik und Semantik. Es gibt auch ergiebig Antwort auf die Frage, was den Autor zu dieser Novelle bewogen hat, wie erfahrungsgesättigt der Text ist und wie es ihm gelingt, immerhin zur Endzeit des deutschen Kaiserreichs, einen Text, der von homoerotischer Liebe, ja, von Pädophilie handelt, zu publizieren, ohne einen literarischen Skandal zu provozieren.
Vor allem aber öffnet das Nachwort die Augen des Lesers für all jene Facetten der Novelle jenseits der Geschichte einer unglücklichen, verbotenen Liebe. Denn es geht auch hier um die Dialektik von Künstler und Bürger, um den Umschlag vom Sokratischen zum Dionysischen, um eine Theorie des unbedingten Schönen, um Theorie und Praxis der Ästhetik und der Moral. Es geht, wie stets in großer Literatur, um Eros und Thanatos. Und schließlich spielt im Hintergrund selbst das Politisch-Ökonomische eine Rolle, wenn die administrative Verschleierung der sich ausbreitenden Seuche aus kommerziellen Gründen im wahrsten Wortsinn über Leichen geht.
Diese Ausgabe der Novelle „Der Tod in Venedig“ ist nicht zuletzt besonders zu empfehlen, weil sie handwerklich schön gemacht ist: mit Leineneinband, Titelvignette, Bildern und einer erhellenden Zeittafel.
Wow!
Beat (also schnon Ü55) aus Meilen am 25.08.2025
Bewertungsnummer: 2576580
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich verstehe nicht, wieso Thomas Mann den Nobelpreis nicht für dieses Buch bekommen hat, sondern für Buddenbrooks. Denn dieses Buch ist ein Meisterwerk. Ich habe es auf meiner Neuseeland-Reise gelesen, in einsamen Berghütten fünfzehn Seiten gelesen und danach zwei Stunden meinen Gedanken nachgehangen. Und das mit einem Buch, das vor hundert Jahren erschienen ist!
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