Es beginnt in der Morgendämmerung. Alva bricht auf, um den Churer Hausberg Calanda zu besteigen. Vor ihr liegen knapp zweitausend Höhenmeter. Sie hat eine Nachricht erhalten, die ihr Leben verändern wird. Möchte sie zurückkehren? Schritt für Schritt dem Gipfel entgegen erinnert sie Momente ihres Lebens. Da ist der Engadiner Cla, Vater ihrer Tochter, und der Istanbuler Baran, Vater ihres Sohns. Alva ist alleinerziehend und lebt doch eine familiäre Dreiecksbeziehung. Wie kann sie eine gute Mutter bleiben? Wie viel Belastung verträgt die Liebe, die Freundschaft zu Baran und Cla, die einmal ein Paar waren? Und Alva erinnert sich an ihre Großmutter, die Flucht und Vertreibung erlebte und deren Stärke durch die Generationen hinweg Alva Kraft gibt. Sie erkennt, dass die eigene Schwäche annehmen Stärke sein kann. Ein intimes, ein mutiges Buch, das fragt, was ein lebenswertes Leben ausmacht.
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Alva lernt sterben – ALS – Alva liebt sich
Boockpicker (Mitglied der Orell Füssli Book Circle Community) am 29.04.2026
Bewertungsnummer: 3124405
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Alva besteigt den Calanda, nicht zum ersten, aber vermutlich zum letzten Mal. Für sie, die mit Baran und manchmal mit Cla und ihren beiden Kindern in Chur lebt, ist die Welt nicht mehr dieselbe nach der Diagnose. Aber sie bewegt sich, bewegt sich den Berg hinauf, bewegt sich durch ihre Erinnerungen, bewegt sich durch ihr Leben, durch das was, ihr lieb geworden ist: ihre Kinder Florinda und Mavi, der Igel im Garten, Seraina, Baran, Cla. Intensiv nimmt sie alles wahr, trotz Nebel beginnt sie klarer zu sehen, wie alles begonnen hat, mit ihrer Grossmutter, mit ihrer Schulfreundin Seraina, wie schön sie ihre Nähe empfunden hat, und wie sie sich selbst in ihrer Verzweiflung und Ratlosigkeit näherkommt, ihr Leben, so wie es nun eben ist und sein wird, lieben kann, sich ihr Leben nimmt und sich sorgfältig auf den Rückweg macht.
Eine stille, intensive Auseinandersetzung mit dem, was Leben ist und sein kann, mit dem, was einen angesichts einer tödlichen Krankheit erwartet und mit dem, was man bisher gelebt und geliebt hat. So intensiv wie sie die Umgebung wahrnimmt, so behutsam formuliert sie ihre Gedanken, hin und her, zwischen Angst und Zuversicht, Todesangst und Liebe zum Leben.
Beeindruckend, tiefsinnig, absolut lesenswert.
«Und sie hatte den Kindern zugesehen und sich an ihnen gefreut mit jener eigenen Intensität die in Abschieden lag». (53)
«Und schon war sie wieder da, diese Schwere, die sie durchschnitt und ihr kurz den Atem nahm. Das Sterben war noch neu. Ganz fremd. Sie kannte sich nicht mit ihm aus» (103)
«Mein Stolpern könnte ein passendes Ende sein. Ein Stolpern so im Weitergehn zwischen Versehen und Verstehen». (110)
«Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns». (145)
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