Loyal und diskret, immer im Hintergrund und doch stets zur Stelle: Buttler gehören zu unserem Bild der englischen Oberschicht wie five o'clock tea, Whiskey und feiner Humor. Die Beziehung zwischen den britischen Royals und ihren Bediensteten war dabei schon immer ganz besonders geheimnisumwittert. Was geschieht hinter den verschlossenen Türen der feinen Herrenhäuser und Schlösser? Wie sieht der Alltag eines royalen Butlers aus? Grant Harrold, der ehemalige Butler von König Charles III., enthüllt in dieser fesselnden Biografie zum ersten Mal seine Geschichte und berichtet aus erster Hand über seine Zeit im Dienste der Königsfamilie. Er erzählt zugleich die Geschichte eines kleinen Jungen, der mit einer Leidenschaft für das Königshaus aufwuchs und schließlich seinen Traum verwirklichen konnte. Ein mitreißendes Memoir, geschrieben von einem der führenden britischen Königshaus-Experten. Mit einem extra Kapitel zum 1 x1 der guten Manieren.
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Durch eine Brille in königlichem Rosarot
VolkerM am 08.05.2026
Bewertungsnummer: 3132518
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Grant Harrold hatte schon mit 13 Jahren ein Ziel: Er wollte Butler in königlichen Diensten werden und dieses Ziel verfolgte er mit Zielstrebigkeit und auch einer Portion Glück, wie es eben nur die Zielstrebigen haben. Über verschiedene Stationen schaffte er es bis zur Position des Unterbutlers auf Highgrove, der Residenz von Prinz Charles. Er traf in seinen Diensten viele gekrönte Häupter und Berühmtheiten aus Film und Fernsehen, profitierte von den Privilegien, die er hatte und tanzte sogar einmal mit der Queen.
In seiner Biografie erzählt er von seinem Kindheitstraum und wie er ihn realisierte, mit viel Engagement und einer geradezu abgöttischen Verehrung für das Königshaus. Snobismus ist, entgegen einem weitverbreiten Irrtum, nicht nur das Ausleben gesellschaftlicher Überlegenheit, sondern auch das kritiklose Akzeptieren der eigenen gesellschaftlichen Minderwertigkeit. In dieser Definition ist Grant Harrold der perfekte Snob, der seine dienende Position völlig verinnerlicht hat. So ist er voll des Lobes für die warmherzige Reaktion der Queen auf Dianas Tod (habe ich da vielleicht irgendwas verpasst?), fühlt sich privilegiert, als ihm der Prinz einen Schokoladentaler zum Geburtstag schenkt und als er 2013 aus dem königlichen Dienst entlassen wird, geht er ohne Groll und widmet sich neuen (durchaus erfolgreichen) Projekten. Zumindest in seiner Biografie. Der Presse kann man dagegen entnehmen, dass er den königlichen Haushalt auf Mobbing verklagte. Man einigte sich außergerichtlich. Aber davon schreibt er nichts, denn auf Königs lässt er nun mal nichts kommen. Er verliert z. B. kein böses Wort über Harrys Eskapaden und über das Privatleben der Royals erfahren wir quasi nichts, was den Glanz der Monarchie trüben könnte, außer dass man bei Hofe offenbar einen reichlich kindischen Humor pflegt, indem man das Personal gerne mal mit Wasserbomben bewirft. Kein Kinderstreich, sondern einer von erwachsenen Männern. Und wen wundert‘s, Grant fühlt sich natürlich geehrt, Ziel der königlichen Scherze geworden zu sein und empfindet es tatsächlich als „Begegnung auf Augenhöhe“. Da muss man erst mal drauf kommen.
Seine Erlebnisse in Highgrove und anderen Residenzen sind interessant, allerdings wiederholen sich irgendwann die Begegnungen und die Missgeschicke, die ihm widerfahren, zeigen ihn als von eher kindlichem Gemüt. Eine profunde Allgemeinbildung war jedenfalls keine Einstellungsvoraussetzung auf Highgrove. Sehr interessant war für mich die unglaubliche Detailversessenheit der königlichen Tagesplanung. Für eine Minute Begegnung mit der Queen sind kumuliert etwa drei Arbeitsstunden Vorbereitung nötig, so die Faustregel. Das läuft ab wie ein Uhrwerk, von dem die Royals allerdings nichts mitbekommen. Ihnen gelingt tatsächlich eine sehr ausgeglichene Work-Life-Balance, wenn man den Schilderungen Harrolds glaubt.
Das Buch ist interessant, indem es einen winzigen Blick hinter die Kulissen erlaubt. Die Unterwürfigkeit, die Harrold an den Tag legt, ist sicher eine Voraussetzung, um einen solchen Job lange zu machen, aber es ist gewöhnungsbedürftig, so etwas auf jeder Seite in ähnlichen Formulierungen zu lesen. „Ich fühlte mich geehrt“ ist ein immer wiederkehrender Topos und irgendwann glaubt man es ihm dann auch. Aus Sicht von Harrold schildert das Buch sicher nur die Wahrheit, aber es ist die Sicht durch eine Brille in königlichem Rosarot.
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