Spannend und abgründig - der Zukunftsthriller des internationalen Bestsellerautors Brandon Sanderson
'Ich heiße Stephen Leeds, und ich erfreue mich vollkommener geistiger Gesundheit. Aber meine Halluzinationen sind allesamt ziemlich verrückt.' Auch die besten Detektive haben ihre dunklen Seiten. Stephen Leeds, unvergleichliches Genie und zurückgezogener Einzelgänger, hat gleich mehrere dieser Seiten. Neue Sprachen und Fähigkeiten kann er sich in kürzester Zeit aneignen - indem er sie als weitere Persönlichkeiten in seine Psyche integriert. Als Leeds den Auftrag erhält, eine gestohlene Kamera zu finden, die angeblich Bilder von der Vergangenheit machen kann, sind sämtliche Aspekte seiner facettenreichen Persönlichkeit gefordert, und er macht eine Entdeckung, die nicht nur die Fundamente der Wissenschaft erschüttern wird, sondern auch alles, was Stephen Leeds über sich selbst zu wissen glaubte. Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen.
Ein Teil dieses Romans ist bereits unter dem Titel 'Legion' in dem Sammelband 'Die Seele des Königs' auf Deutsch erschienen.
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4.0/5.0
Sue
aus Uelzen
4/5
20.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Genie oder Wahnsinn
"Verraten Sie mir, warum Sie mich als wahnsinnig ansehen, nicht aber den Mann, der es in keinem Job aushält, der seine Frau betrügt und sein Temperament nicht zügeln kann?"
"Was wäre, wenn sich die Halluzinationen eines Menschen als hilfreich für sein Leben erweisen, statt eine Ablenkung für ihn darzustellen?" Mit dieser Frage beschäftigt sich Brandon Sanderson in seinem Buch "Legion", das alle drei Novellen rund um den Detektiv Stephen Leeds enthält. Übersetzt wurde das Ganze aus dem Amerikanischen von Michael Siefener.
"Sie erschaffen diese Trugbilder, damit Sie ihnen alles Mögliche unterschieben können. Ihre Brillanz zum Beispiel, die Sie als Last empfinden. Ihre Verantwortung - die Halluzinationen drängen Sie dazu, anderen Menschen zu helfen. Dadurch können Sie so tun, als wären Sie normal, Mr. Leeds. Aber DAS ist das wahre Trugbild."
Doch wer ist Stephen Leeds eigentlich? Man sagt, er sei ein überaus genialer Detektiv. Ein unvergleichliches Genie. Es gibt aber auch viele Stimmen, die ihn einfach nur für wahnsinnig halten. Manch einer würde vielleicht nicht so weit gehen ihm Wahnsinn zu unterstellen und Leeds lefigöuch exzentrisch nennen. Auf jeden Fall finden ihn Psychologen ungemein interessant. Generell erträgt Stephen andere Menschen nicht so gut und lebt sehr zurückgezogen auf einem großen Anwesen. Natürlich stellt sich da die Frage, wozu braucht ein einziger Mann, der nie Gäste empfängt ein Anwesen mit über 50 Zimmern? Nun ja, genaugenommen ist Leeds nicht ganz allein. Er hat eine Vielzahl von halluzinierten Persönlichkeiten, die alle ein Zimmer benötigen - der Preis für seine Genialität. Jetzt mag manch einer denken, das ist ein klarer Fall von dissoziativer Identitätsstörung, doch dem ist nicht so. Leeds' Psychologe sagt, er "leide" an einer besonderen Form der Schizophrenie, auch wenn er nicht wirklich in ein bestimmtes Profil passt. Denn seine Halluzinationen - Leeds selbst nennt sie treffender Aspekte -, sind Teile seiner selbst, die er in verschiedene Personen aufgespaltet hat. Sie sind seine Erinnerungen und sein gesammeltes Wissen. So kann Stephen sich in kurzer Zeit neue Fähigkeiten oder auch Sprachen aneignen, indem er diese als neue Persönlichkeit in seine Psyche integriert. Ich finde das ganze Konzept mega spannend.
"Die formelle Definition des Wahnsinns ist ziemlich unscharf. Zwei Menschen können sich im gleichen Zustand von gleicher Intensität befinden, doch der eine wird nach offiziellen Standards als geistig gesund betrachtet, während der andere als krank angesehen wird. Man überschreitet die Grenze zur Verrücktheit, wenn einen der geistige Zustand davon abhält, korrekt zu funktionieren und ein normales Leben zu führen."
In den drei Novellen bekommt Stephen Leeds verschiedene Aufträge. Da gibt es zum Beispiel den Auftrag eine gestohlene Kamera zu finden, die angeblich Bilder der Vergangenheit machen kann. Leeds ist sofort klar, dass das gefährlich sein könnte, da sie sämtliches vermeintliche Wissen im Nu zerstören könnte. Mit dieser Kamera könnte man ganze Regierungen und Religionen zerstören. In der zweiten Novelle geht es um eine Entdeckung, die die Fundamente der Wissenschaft zerstören könnte und in den falschen Händen fatal wäre. In der letzten Novelle geht es neben virtuellen Realitäten vor allem um Leeds selbst. Um seine psychische Gesundheit.
"Wer zugleich Wissenschaftler und religiös ist, erschafft in sich selbst einen brüchigen Waffenstillstand. In der Wissenschaft geht es darum, nur das als Wahrheit anzusehen, was bewiesen werden kann. Im Glauben hingegen wird die Wahrheit als unbeweisbar angesehen."
Ich bin ein großer Fan von Sandersons Werken und liebe seinen Ideenreichtum und seine Kreativität. Dieser Mann ist wirklich unglaublich und ich würde manchmal nur zu gerne einen Blick in seinen Geist werfen. Wer Sandersons Bücher kennt, der weiß dass seine Helden oft mit persönlichen Problemen zu kämpfen haben, seien es Depressionen oder Identitätsstörungen, Sanderson macht ihnen das Leben nicht leicht. Ich mag das sehr gerne, denn obwohl es ihnen nicht gut geht und sie manchmal in ein tiefes Loch fallen, schaffen sie es doch immer wieder sich daraus zu befreien und sich nicht gehen zu lassen. In "Legion" zeigt uns Brandon Sanderson wie viel wichtiger es ist, wie wir uns selbst sehen und einschätzen und wie wir das nutzen, was uns gegeben ist. Talent und Geschick sind nur zweitrangig.
"Und niemand konnte sich in meine Welt vergraben, ohne ein wenig von ihr ... berührt zu werden."
Und am Ende bleibt die Frage: Was ist Stephen Leeds? Ein Genie oder ein Wahnsinniger? Meine Meinung steht fest, eure müsst ihr euch selbst bilden, indem ihr das Buch lest. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß mit Stepho und vor allem auch mit J. C.
(4⭐️ von 5⭐️)
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