Das Elternsein von Eve und Hendrik gestaltet sich schwieriger als erwartet. Erst mit dem Au-Pair Juna erkennen sie, wie Familie noch funktionieren kann.
Eve und Hendrik haben sich fest vorgenommen, sich anders zu lieben als ihre Eltern. Sie wollen besser miteinander kommunizieren und ihren Alltag gleichberechtigt gestalten. Doch mit der Geburt ihrer Tochter Mia fallen sie zunehmend in alte Rollenmuster. Er arbeitet viel in seinem Verlag, sie kümmert sich zu Hause um das Kind. Um der Erschöpfung und der drohenden Bürgerlichkeit zu entkommen, engagieren sie Juna, ein Au-Pair aus Südamerika. Ihre Anwesenheit stellt alle Gewissheiten in Frage und Eve vor eine Entscheidung: Folgt sie einem alten Skript oder gelingt ihr eine neue Sprache der Liebe?
Angie Volks zweiter Roman führt tief hinein in das Bewusstsein einer Frau, die sich mit den Konventionen der Mutterrolle nicht zufriedengeben will. Wir spüren ihre Zweifel, wir fühlen ihr Begehren und wir feiern ihre Befreiung.
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Die Kategorien sprengen: Starker Roman über Mutterrollen & Frausein
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 01.02.2026
Bewertungsnummer: 3032496
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eve und Hendrik, deren Elternsein nur „so halbwegs“ geplant war, müssen feststellen, dass der Alltag als Familie schwieriger als gedacht ist. Henrik ist beruflich in seinem Verlag stark eingespannt, so dass vor allem Eve überfordert ist mit den Anforderungen als Mutter.
„Als Hendrik nach zwei Wochen wieder zurück in den Verlag ging, gab Eve sich Mühe, sich ihren Schock nicht anmerken zu lassen. […] Die Überforderung kam in den nächsten Wochen schleichend, breitete sich wie ein dunkler Nebel langsam in der Wohnung aus. Zwar schlief das Baby viel, sah dann verquollen aus, friedlich und roh. War es aber wach, trank es aus Eve in tiefen, gierigen Schlucken, halbstündig, manchmal ununterbrochen, Tag und Nacht, wollte nicht allein liegen, lag stattdessen auf ihrem Brustkorb, ihren Oberschenkeln, ihrem weichen, leeren Bauch. Die Unmöglichkeit, auch nur für einen kurzen Augenblick allein, ganz bei sich selbst zu sein, traf Eve wie eine Ohrfeige.
[…]
Sie irrte durch die immer chaotischer werdende Wohnung, kam nicht klar auf ihren müden, blutenden Post-partum-Körper, sehnte sich nach grundlegenden Dingen: Kontrolle, Kraft, dem Gefühl, auf zwei Füßen fest auf dem Boden zu stehen, nach einer Dusche, danach, alleine pinkeln zu gehen, innezuhalten, ohne einzuschlafen.“
Um der Erschöpfung entgegenzuwirken und sich als Paar nicht zu verlieren, nehmen sie Juna, ein Au-Pair aus Südamerika, auf. Junas Anwesenheit erleichtert den Alltag, weckt aber auch ungeahte Gefühle in Eve …
Es dauerte ungefähr zwei Kapitel, dann war ich voll in der Geschichte drin. Dass hier aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, ist eine der Stärken des Romans. Der Schreibstil von Angie Volk gefällt mir sehr gut. Ich konnte mich in alle Frauenfiguren sehr gut hinenversetzen.
In Zeitsprüngen lesen wir von Eve und Hendrik als Eltern der kleinen Mia, aus Junas Perspektive und aus Sicht von Eves Mutter Gabriele, auch die inzwischen erwachsene Mia kommt zu Wort.
Besonders Juna hat mir als Charakter sehr gut gefallen, aber auch Eve und Mia fand ich sehr gut dargestellt.
Dass auch die Nebencharaktere eine eigene Geschichte bekamen (Juna auf der Suche nach ihrer Mutter, die sie als Kind verließ bzw. Gabriele, die an ihre Zeit als Mutter zurückdenkt), fand ich ebenfalls sehr gelungen.
Insgesamt ein starker Roman über Muttersein, Schwangerschaft, Geburt (und Fehlgeburt), aber auch über Begehren und Befreiung aus vorgegebenen Konventionen.
„Die Kategorien sind zu klein und zu groß,
sie sind brüchig wie Plastik,
wir passen längst nicht mehr in sie hinein,
lasst sie uns sprengen,
lasst sie uns füllen mit allem, was wir auch sind,
Körper in Bewegung,
über alle Ränder tretend,
lasst uns die werden,
die wir bereits sind,
lasst uns einander genügen,
auch wenn das,
was uns geboten wird,
längst nicht genug ist.“
Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
Mutterschaft und Mutter-Tochter-Beziehungen im Spiegel des Zeitgeistes
Eternal-Hope aus Österreich am 14.02.2026
Bewertungsnummer: 3046113
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch beginnt stark, mit einem eindringlichen Gedicht zum Thema Mutterschaft, in dem sehr viel Wahrheit steckt: "Mutterschaft macht müde, Mutterschaft macht zornig, weich, angreifbar, unzuverlässig, unpünktlich, ungehalten, Mutterschaft macht wütend. Und niemand will eine wütende Mutter sehen." (S. 10)
Doch leider handelt es sich dabei nur um ein Manuskript, das bei dem Verlag, den zwei der Hauptcharaktere betreiben, eingereicht, und von diesem abgelehnt wird. Worum geht es in diesem Buch sonst? Um Eve, die mit Hendrik ein Baby bekommt, Tochter Mia, und gerne eine gleichberechtigtere Aufteilung der Care-Arbeit hätte: doch das klappt nicht, Hendrik ist zu beschäftigt mit den Aufgaben im Verlag, den er gemeinsam mit seiner Kollegin Anthea leitet. Anthea ist kinderlos, Eltern gegenüber nicht sehr aufgeschlossen, und außerdem bisexuell.
Letzteres wird, den Zeitgeist bedienend, auch sonst ein großes Thema in diesem Buch sein: denn Eve bekommt zur Unterstützung Au-Pair-Mädchen Juna aus einem spanisch-sprachigen Land, aber perfekt Deutsch sprechend und auch sonst nicht sehr authentisch wirkend, zur Seite gestellt, und wird mit dieser eine lesbische Affäre beginnen.
Ansonsten gibt es noch die Perspektiven der erwachsenen Mia, die eine Fehlgeburt verarbeiten muss und sich mit dieser Erfahrung von ihrem Partner Tom unverstanden und allein gelassen fühlt. Und die von Gabriele, Eves Mutter, die eine sehr traditionelle Beziehung mit ihrem verstorbenen Mann führte und von ihren beiden Töchtern schon abgelehnt wurde, als diese noch recht kleine Kinder waren. Ja, selbst, als sie mit ihnen schwanger war, hat sie schon wahrgenommen, um was für andersartige Wesen im Vergleich zu ihr es sich bei diesen handeln würde, und danach wurde es nicht besser: "Sowohl Eve als auch Clara wurden in Windeseile zu Töchtern, die ihre Mutter als unnötige Last wahrnahmen, sich von ihr zu lösen versuchten wie Tiere, die sich gegen das Zähmen wehrten." (S. 100)
Ich könnte noch einiges aus dem Inhalt erzählen, aber darum geht es hier nicht. Und ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, aber ich finde die Figuren einfach nur klischeehaft, den Zeitgeist bedienend bis unglaubwürdig. Ich war genervt davon, dass auch in diesem Buch wieder an vielen Stellen unbedingt lesbische Liebesbeziehungen und dementsprechende erotische Szenen eingebaut werden mussten ("Eve, die dem Bedürfnis widersteht, mit ihrem Mund Junas Nacken zu berühren, stattdessen ein Messer aus der Schublade holt, sich auf die Unterlippe beißt wie ein Kind, das sich schamhaft ertappt fühlt, viel zu fest", S. 159).
Insgesamt konnte ich auch keinen wirklichen Spannungsbogen finden, der mich gefesselt hätte. Die Kapitel sind aus verschiedenen Frauenperspektiven erzählt, aber auch das hat das Buch für mich nicht retten können.
Ich gebe dem Buch 2,5 Sterne, die ich mit viel Nachsicht für die gute Absicht, Mutter-Tochter-Beziehungen und die Problematik moderner Mutterschaft darzustellen, und insbesondere für das einprägsame Gedicht am Anfang, auf 3 aufrunde.
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