Eine Road-Novelle der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo
Sie sind auf dem Weg zum Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der »Cap Arcona«, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung. Am Ende des Tages wird Brockhaus nicht mehr leben, und Monate später wird Amata vor Gericht stehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
5 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Otoo überwältigt erneut mit präziser Sprache und immenser Dichte
nessabo (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 28.05.2026
Bewertungsnummer: 3151788
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Nach „Adas Raum“ ist dies mein zweiter Roman der Autorin und ich komme aus der Begeisterung gar nicht mehr heraus. Dieses schmale Werk könnte dichter nicht sein, während es Unterhaltung und politische Schlagkraft präzise ausbalanciert.
Allein der Aufbau der Geschichte ist fantastisch! Wir kennen das Ende und werfen von da aus einen Blick in die Stunden bevor Amata ihren Chef Brockhaus umbringt. Doch es wird noch besser! Otoo hat sich für eine raffinierte Erzählstruktur entschieden, welche die Ich-Erzählerin, Kommentare aus dem Off und ergänzende Anhänge höchst unterhaltsam miteinander verbindet.
In vier Kapiteln arbeitet sich Amata auf atemlose Weise zunächst an verschiedenen Dimensionen der Wahrheit entlang, schweift immer mal ab und ist dabei eine spannende sowie vielschichtige Figur. Die Erzählweise ist fast schon nüchtern, was hervorragend zum absoluten Schuldeingeständnis der Protagonistin passt. Ergänzt wird ihr Monolog durch Anmerkungen der Herausgeberin, sodass es sich beim Lesen anfühlte, wie ein Buch im Buch zu lesen.
Absolut grandios wird es dann in den Anhängen, die zum einen ein Nachwort der Herausgeberin sowie die äußerst ausschweifende Audiotranskription des Opfers umfassen. Letztere gibt uns einen SEHR guten Eindruck davon, was Amata während der gemeinsamen Autofahrt ertragen musste - ich habe mich quasi in Rage gelesen! Ob Amatas Konsequenz dann schlussendlich gerechtfertigt scheint, darf dank der geschickten Ergänzungen offen debattiert werden.
Das Werk fasst nicht einmal 150 Seiten und ist entsprechend unfassbar dicht geschrieben. Otoo setzt ihre Worte wie kaum eine andere. Jedes Wort trifft, jeder Satz ist wohlüberlegt. Die Autorin macht einen gesellschaftskritischen Rundumschlag, der seine Wirkung nicht verfehlt, aber überhaupt nicht trocken ist. Kurze Geschichten funktionieren für mich nicht immer, aber hier könnte es besser nicht sein. Ein Roman, der mich atemlos gefesselt und restlos begeistert hat. Definitiv eine Empfehlung, die sicherlich auch von einem wiederholten Lesen profitiert, um die volle Dimension des Geschriebenen erfassen zu können.
Ein Roman, der weniger erklärt, aber spürbar macht
Jürg K. am 29.04.2026
Bewertungsnummer: 3123538
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sharon Dodua Otoo Roman ist mir wegen dem Cover aufgefallen. Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt, weil er eine alltägliche Situation, eine Autofahrt, ein heisser Tag, zwei Menschen, die sich kaum kennen, in etwas Unausweichliches verwandelt. Sharon Dodua Otoo schreibt mit einer Ruhe, die fast trügerisch wirkt. Unter der Oberfläche brodelt jedoch alles. Geschichte, Schuld, familiäre Last und die Frage, wie viel ein Mensch ertragen kann, bevor etwas in ihm bricht. Amata ist eine Figur, die mich sofort berührt hat. Ihre Eile, ihre Pflicht gegenüber der Mutter, die jährliche Erinnerung an die Cap Arcona Katastrophe, all das trägt sie wie ein unsichtbares Gewicht. Und dann sitzt sie neben Brockhaus, einem Mann, der redet, redet, redet, ohne zu merken, wie sehr er sie bedrängt. Die Spannung baut sich langsam auf, dass man fast vergisst, dass man auf eine Katastrophe zusteuert. Was mich besonders fasziniert an diesem Roman ist, dass er nicht urteilt. Er zeigt, wie ein Tag, eine Hitze, ein Gespräch, ein Leben voller unausgesprochener Erwartungen zu einem Moment führen können, der alles verändert. Amatas Zusammenbruch wirkt nicht wie ein Krimiereignis, sondern wie ein menschlicher Kollaps, der sich schon lange angekündigt hat. Für mich ist es ein Roman, der weniger erklärt als spürbar macht und gerade deshalb lange nachhallt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.