Wenn Recht nicht reicht. Neue Fälle zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Schuld und Verschweigen, Wahrheit und Lüge
Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen. Doch die düsteren Schatten ihrer Fälle reichen bis in ihr Privatleben hinein. In packenden Tableaus leuchtet Elisa Hoven in »Feine Risse« juristische wie biographische Dunkelzonen aus: Sicherheit ist Illusion, ein Urteil bleibt immer nur eine Annäherung an die Wahrheit. »Feine Risse« führt ins Dickicht der Zufälligkeiten bei der Entstehung von Straftaten. Die Ursachen verstecken sich oft tief in einer Vorgeschichte - und liegen manchmal so nahe, dass sie umso leichter übersehen werden.
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tolles Buch
angie_molly aus Karlsruhe am 03.06.2026
Bewertungsnummer: 3157341
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Elisa Hoven knüpft mit dieser Geschichte an ihren vorherigen Roman Dunkle Momente an und erzählt weitere Fallgeschichten der erfahrenen Strafverteidigerin Eva Herbergen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die juristische Aufklärung der Fälle, sondern vor allem um die Grauzonen zwischen Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Verschweigen sowie Wahrheit und Lüge.
Eva Herbergen möchte sich langsam aus ihrem Berufsleben zurückziehen und gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter den neuen Lebensabschnitt genießen. Doch die Schatten ihrer Fälle reichen weit in ihr Privatleben hinein. Immer wieder wird sie mit Situationen konfrontiert, in denen das geltende Recht und ihr eigenes moralisches Empfinden nicht miteinander vereinbar scheinen. Durch die Gespräche mit Peter dringen die belastenden Erfahrungen zunehmend in ihr persönliches Umfeld vor.
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an begeistert und komplett mitgerissen.
Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und angenehm leicht zu lesen. Die Fälle sind spannend, abwechslungsreich und wirken dabei durchweg realistisch. Man möchte einfach immer weiterlesen und wünscht sich, dass das Buch nicht endet. Bei einigen Fällen konnte ich die Wendungen erahnen, andere haben mich völlig überrascht. Dabei wirkte keine Entwicklung konstruiert, sondern stets nachvollziehbar und überzeugend.
Besonders gut gefallen hat mir die Art, wie die Autorin Evas Privatleben in die Handlung einwebt. Die Beziehung zwischen Eva und Peter wirkt warmherzig, authentisch und angenehm unaufgeregt. Viele ihrer Gedanken über das Älterwerden, verpasste Chancen und Lebensentscheidungen haben mich persönlich berührt. Einige Passagen wirken noch lange nach.
Besonders gelungen fand ich außerdem, wie sich am Ende die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbinden und frühere Fälle wieder aufgegriffen werden. Dadurch entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das weit über eine reine Sammlung einzelner Geschichten hinausgeht.
Das Ende fand ich wunderschön, berührend und absolut passend.
Zwischen Schuld und Wahrheit entstehen die feinsten Risse
xxholidayxx am 07.06.2026
Bewertungsnummer: 3160721
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Moral und Recht sind nicht immer das Gleiche.” (Zitat Seite 263, E-Book)
Zwischen Schuld und Verantwortung, Wahrheit und Perspektive erzählt Elisa Hoven in „Feine Risse“ (ET: 27.05.2026 im S. Fischer Verlag, 288 Seiten) von den feinen moralischen Bruchstellen unserer Gesellschaft — und davon, wie schnell aus kleinen Rissen menschliche Abgründe werden können. Nach „Dunkle Momente“, das für mich ein echtes Jahreshighlight war, war ich unglaublich gespannt auf diesen neuen Roman – und kann direkt sagen: Elisa Hoven hat mich erneut überzeugt.
Worum gehts?
Im Mittelpunkt steht wieder die Strafverteidigerin Eva Herbergen, die sich langsam aus ihrem Berufsleben zurückziehen möchte. Doch die Fälle, mit denen sie konfrontiert wird, reichen tief hinein in Fragen von Schuld, Verantwortung und Wahrheit – und irgendwann auch in ihr eigenes Privatleben. Zwischen Gerichtsprozessen, moralischen Grauzonen und persönlichen Abgründen entfaltet sich ein Roman, der weit mehr ist als klassische Spannungsliteratur.
Meine Meinung
Was Elisa Hoven meiner Meinung nach besonders gut gelingt, ist die Balance zwischen den einzelnen Fällen und Evas persönlicher Geschichte. Die verschiedenen Verfahren stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen ineinander, spiegeln sich gegenseitig und werfen immer neue Fragen auf: Was ist gerecht? Reicht Rechtsprechung aus? Und wie eindeutig kann Wahrheit überhaupt sein? Schon früh zeigt der Roman, wie schnell Menschen auf wenige Informationen reduziert werden, die zu folgeschweren Entscheidungen führen kann: „Fünf Informationen, und es entsteht das Porträt eines Menschen.“ (S. 17)
Überhaupt steckt dieses Buch voller kluger Gedanken, die mich nachhaltig beschäftigt haben. Elisa Hoven schreibt sehr differenziert über Täter:innen, Opfer und unser Rechtssystem – nie vereinfachend, nie sensationsheischend. Stattdessen geht es um Ambivalenzen, um menschliche Abgründe und darum, dass viele Wahrheiten unbequem bleiben. Und genau darin liegt die große Stärke dieses Buches. Es zwingt einen nicht zu klaren Antworten, sondern dazu, Unsicherheiten auszuhalten.
Auch die scheinbar nebensächlichen Gespräche zwischen Strafverteidigerin Eva und ihrem Mann Peter fand ich unglaublich stark, weil sie viele philosophische Fragen über Schuld, Verantwortung und das (eigene) Älterwerden aufwerfen.
Im Vergleich zu „Dunkle Momente“ hatte ich diesmal allerdings häufiger das Gefühl, die Auflösungen früher zu durchschauen. Der Überraschungseffekt war für mich deshalb etwas geringer. Vielleicht auch, weil mir die erzählerische Grundidee bereits vom ersten Buch vertraut war. Trotzdem hat das meiner Spannung beim Lesen kaum geschadet, weil die eigentliche Stärke ohnehin nicht im klassischen „Whodunit“ liegt, sondern in den moralischen Konflikten dahinter.
Fazit
„Feine Risse“ ist ein starker, atmosphärischer Roman über die Bruchstellen zwischen Recht und Gerechtigkeit. Elisa Hoven erzählt ruhig, präzise und gleichzeitig emotional eindringlich. Für alle, die literarische Spannung mit gesellschaftlicher Tiefe mögen und Bücher lieben, die noch lange im Kopf bleiben. Wer einen klassischen Thriller mit permanenten Twists erwartet, ist hier aber falsch. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!
Vielen Dank an NetGalley.de und den S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!
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