Die Künstlerin Kira, Mitte Vierzig, lebt mit ihrem Ehemann Vau und zwei jugendlichen Söhnen in Berlin. Eines Tages verabschiedet Vau sich mit den Worten: Ich liebe dich nicht mehr. Und als wäre das nicht genug, hat er auch noch eine Neue, jünger und bald auch schwanger. Kira muss sich entlieben, doch wie soll das nach 20 Jahren Ehe gehen? Von nun an schlägt sich Kira durch den Alltag, macht eine Weiterbildung - das Künstlerinnendasein allein reicht zum Leben nicht -, hat neue und wiederkehrende Liebhaber, versucht, eine gute Mutter zu sein, uns stellt fest, dass sie sich zwar nie trennen wollte, mit jedem Tag des Getrenntseins aber auch Erleichterung verspürt. Irgendwann erkennt sie: es ist höchste Zeit, neuen Mut zu fassen und das Leben mit Karacho zuzulassen.
Unverstellt und eindringlich erzählt Susanne Schirdewahn vom Frau-Sein, vom Mutter-Sein, vom Scheitern und Wiederaufstehen, und fragt sich dabei, wie frau es schaffen kann, im eigenen Leben die Hauptrolle einzunehmen.
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Ein Buch über Trennung, aber nicht nur.
Bewertung am 11.05.2026
Bewertungsnummer: 3135301
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
INHALT | 20 Jahre Ehe. Zwei Söhne. Und dann nur dieser eine Satz: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Während er direkt weiterzieht – mit einer jüngeren Frau – bleibt Kira zurück. Zwischen Affären, neuem Job und dem Versuch, sich selbst wiederzufinden.
Und ganz ehrlich? Dieses Buch trifft. Hart.
„Ist das also das Totschlagargument: sie hat mich nicht glücklich gemacht? Geht es in einer Beziehung nicht auch mal darum, Unglück auszuhalten?„ Uff. Genau diese Sätze sind es, die hängen bleiben. Die wehtun. Die man markieren will, nochmal liest, nochmal fühlt.
Die Autorin schreibt roh und echt – mal poetisch schön, im nächsten Moment vulgär, direkt, fast schon schmerzhaft ehrlich. Diese Mischung? Hat mich komplett abgeholt. „Ich habe immer seine Distanz genauso deutlich gespürt wie meine Sehnsucht.“
Man steckt mitten in Kiras Gedankenchaos, in diesem Strudel aus Verlust, Wut, Sehnsucht und diesem verdammten „Ich muss funktionieren“. Für sich. Für die Kinder. Für ein Leben, das einfach weitergeht, obwohl man kurz stehen bleiben will.
Und gleichzeitig ist da diese leise Entwicklung: zwischen „Ich kann sein Glück nicht ertragen“ und einem vorsichtigen „Vielleicht geht es doch weiter“.
Ein Buch über Trennung, aber nicht nur.
Über Verantwortung. Über Mutter sein. Über das verdammte Aushalten. Und darüber, sich selbst irgendwo zwischen all dem wiederzufinden.
„Scheiß auf die Angst… man muss nur den Koffer packen und die Tür hinter sich schließen.“
Karacho ist kein leises Buch. Es ist intensiv, ehrlich und manchmal fast zu nah. Aber genau deshalb konnte ich es nicht aus der Hand legen.
Weibliche Selbstermächtigung
MarieOn am 14.04.2026
Bewertungsnummer: 3108751
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich liebe dich nicht mehr. S. 7
Das sind die Worte, mit denen Vau nach zwanzig Jahren Ehe Kiras Träume zerschossen hat. Jetzt muss sie sich entlieben und hat keine Ahnung, wie das geht. Vor drei Wochen sagte er ihr, dass er etwas Neues, etwas anderes braucht. Jetzt ist er Vegetarier. Sie fühlt sich wie eine gelöschte Festplatte, weiß plötzlich nichts mehr. Wie kann man ein halbes Leben mit zwei Kindern einfach auflösen?
Natürlich hat sie sich Vaus Instaprofil genauer angesehen und weiß jetzt, sie hat einen Namen und sie ist blond. Vau spaziert derweil mit so einem debilen Verliebtheitsgrinsen durch den Tag und trägt jetzt einen jugendlichen Schimmer auf der mittelalten Haut. Kira fühlt sich unattraktiv.
Vau hatte sie protegiert und ihr zur Kunst geraten, darin ist sie wirklich gut. Leider verdient sie damit nicht genug Geld. Sie wird weiter erdulden müssen, dass Vau zwischenzeitlich übernächtigt „nach Hause“ kommt, um sich mal richtig auszuschlafen. Warum hat sie sich nicht mehr für sich engagiert und ist durchgestartet? Hat sie zu sehr nach seinen Wünschen gelebt?
Wie sie als Kind jeden Adrenalinkick mitnahm. Tennis wollte sie spielen und lieh sich von Britta das Outfit. Dann stand sie auf dem Platz, sollte sich beweisen und dachte, so schwer kann das nicht sein. Dann flogen die Bälle nur so aus der Maschine, dass sie sich wegducken musste. Sie traf keinen einzigen, spürte aber den mitleidigen Blick Brittas in ihrem Rücken. Tennis hat sie nicht gelernt, dafür eine Lektion fürs Leben.
Fazit: Susanne Schirdewahn, bildende Künstlerin und Autorin, verhandelt die Trennungsphase einer Frau von ihrem Ehemann. Ihre Protagonistin hat versucht, in der Kunstwelt Fuß zu fassen und eine gute Mutter zu sein. Nach dem Bruch ist das Selbstmitleid groß. Unverständnis und verletztes Ego quälen sie. Doch dann geht Kira auf Spurensuche, wer sie einmal war und wie sie sich dem Familienleben angepasst hat. Schließlich siegt der Wunsch, unabhängig und frei zu werden. Die Erzählung ist richtig amüsant, voller Selbstironie und gespickt mit Metaphern und Einsichten. Die Sprache ist frisch und spritzig. Was mich fasziniert hat ist, wie die Autorin zunehmend das Tempo erhöht. Ihre quirlige Protagonistin weiß, was sie will und zieht durch. Sie findet Nebenjobs, Ausstellungsmöglichkeiten und Liebhaber. Sie tankt Selbstbewusstsein und steigt in ihrem eigenen Ansehen. Sie findet heraus, was sie braucht und setzt das um. Ich sitze da, bewundere sie und beobachte, wie sie ähnlich eines Marathons in die Zielgerade einbiegt. Ich feuere sie an, schwenke Fähnchen und am Ende ist sie die Kira, die sie immer schon hätte sein sollen und ich bin atemlos und glücklich. Dieser Roman ist enorm unterhaltsam und sehr motivierend. Das war emotionales Kino zum Thema weibliche Selbstermächtigung.
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