Ist Malina eine Liebesgeschichte? Eine Hommage an die Stadt Wien? Ein Krimi? Der Krankheitsbericht einer missbrauchten Frau? Eine Gesellschaftssatire? Eine höchst persönliche Abrechnung mit Max Frisch? Ingeborg Bachmanns einziger Roman ist all das und noch viel mehr.
Auch die Titelfigur wirft Fragen auf: Handelt es sich bei Malina um einen Liebhaber in einer Dreiecksgeschichte, einen platonischen Freund oder den männlichen Doppelgänger der Ich-Erzählerin? Bis heute bleibt das Opus Magnum der österreichischen Dichterin rätselhaft und vieldeutig. Bachmann selbst nannte es »eine Autobiographie , aber nicht im herkömmlichen Sinn. Eine geistige, imaginäre Autobiographie «.
Neben dem Romantext enthält die Neuausgabe einen Kommentar, der die zahlreichen versteckten Zitate und Anspielungen entschlüsselt, den überraschend hohen Realitätsgehalt vieler Details erhellt und das Buch in Bachmanns Gesamtwerk verortet. Im Nachwort erläutert die Herausgeberin unterschiedliche Interpretationen und Lesarten.
Dennoch wird Malina nie all seine Geheimnisse preisgeben.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
S.Malz
aus Soderstorf
5/5
19.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Briefwechsel zwischen…
Der Briefwechsel zwischen Bachmann und Frisch liegt mir als Print-Vorgabe sowie als Hörbuch vor. Die Printausgabe umfasst zunächst über 578 Seiten den eigentlichen Briefwechsel sowie über weitere fast 500 Seiten Kommentare, Nachweise, Zeittafeln, Fotos, Namensregister und Werkregister. Alles in allem ein monumentales Werk, welches hier von Suhrkamp und PIPER gemeinsam herausgegeben wurde. Im Abitur habe ich (klassischerweise) Homo Faber gelesen und war schockverliebt. Stiller, Andorra, Gantenbein etc. - wie man heute sagen würde - habe ich gefeiert. Über das Privatleben von Max Frisch habe ich mir damals wenig Gedanken gemacht - Google gab es noch nicht. Somit wusste ich über Ingeborg Bachmann und die Beziehung der beiden nichts. Im Laufe der Jahre stand Frisch (mit seinen Gesammelten Werken) in meinem Regal - aber es gibt ja noch weiteren guten Lesestoff. Dann fand ich zufällig das hier besprochene Buch und musste es haben Ich hatte mich bereits an die ersten Seiten gemacht, als ich auf das Hörbuches aufmerksam wurde - umgesetzt von Lowspeak - grandios gelesen von Johanna Wokalek und Matthias Brandt. —— Zum Inhalt Im Frühjahr 1958 schreibt Max Frisch an die „junge Dichterin“ Ingeborg Bachmann einen Brief, weil er von ihrem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ begeistert ist. Mit Bachmanns Antwort beginnt ein Briefwechsel, der in fast dreihundert überlieferten Schriftstücken Zeugnis ablegt von der bis 1963 währenden schwierigen Liebe eines der bekanntesten deutschen Schriftstellerpaare. Nähe und Distanz, Bewunderung und Rivalität, Eifersucht, Fluchtimpulse und Verlustangst prägen die intimen Mitteilungen, die zugleich Weltliteratur sind. Eine Anmerkung des Verlags Nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2024 in der Kategorie "Das besondere Hörbuch" Begründung der Nominierungsjury: "Um diese Briefe vortragen zu können, die zwei Menschen sich schrieben, die einander verzweifelt geliebt und dabei tief verletzt haben, sind Johanna Wokalek und Matthias Brandt in die innersten Winkel eigener innerer Wahrhaftigkeit und Abgründe gestiegen. Beim Lesen der Briefe könnte man auf Distanz bleiben, beim Hören dieses außergewöhnlichen Kunstwerks entfaltet sich eine Ahnung von Liebesunfähigkeit, die nicht nur Ingeborg Bachmann und Max Frisch betrifft, sondern uns alle." —— Ich kann zum Inhalt eigentlich kaum mehr sagen. Zur Beziehung zwischen den beiden, kann man viele Quellen bemühen (heutzutage auch Google); die Tiefe, Komplexität und Kompliziertheit ergibt sich aber erst aus diesen Briefwechseln. Ich würde vorgreifen, wenn ich eine Färbung meiner Meinung äußern würde. Jedoch kann ich sagen, dass ich schwer beeindruckt, zum Teil erschüttert zugehört, gelesen habe, in welcher Form Bachmann und Frisch sich missverstanden haben, in welcher eigenen Welt (heute würde man sagen Bubble) sie sich jeweils bewegt haben, während die sie glaubten, den anderen zu verstehen, selbst aber missverstanden zu werden - und später ernüchtert oder auch weiterhin fehlgeleitet die Realität oder auch die Gedankenwelt des/der anderen wieder anders zu verstehen - und auch die eigene. Man sieht, ich finde kaum die Worte, hier etwas zusammenzubringen, ohne dass ich den vielleicht interessierten Leser oder Hörer beeinflussen würde. Von meiner Warte aus kann/muss ich sagen, dass ich Frisch noch einmal anders erleben durfte; und auch Bachmann, deren Werke mir bis dato nicht bekannt waren/sind. Beide zeigen sämtliche menschliche Facetten der Liebe und der Beziehungskrisen auf - wobei man auch gut erkennt, dass Liebe, Sehnsucht, Hass, Misstrauen, Verzweifung und Hoffnung verdammt eng beieinander liegen können. Als Print - mit dem immens großen Anhang - ein große Leistung! Als Hörbuch - mit zwei Stimmen, die sehr überzeugen und eingestreuten richtig gesetzten Kommentaren - noch einmal mehr eine grandiose Leistung! Die Nominierung für den Hörbuchpreis ist mehr als gerechtfertigt! Von meiner Seite 10/10 - in beiden Fällen.
Bewertung
5/5
30.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sprachgewaltig und ausdrucksstark
Ich finde Briefwechsel von Schriftsteller:innen generell inspirierend, so auch diese Neuerscheinung. Interessant bei diesem Briefwechsel für mich war, was so brilliante Schriftsteller:innen wie Ingeborg Bachmann in Worte fassen kann und doch vieles ungesagt bleibt. Es bleibt die Frage inwieweit man sich alles sagen kann und wie Sprachloses zur Sprache gemacht werden kann und wo die Grenzen sind.
www.susanne-eichholz.de
aus Frankfurt
4/5
08.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Entwicklung dieser…
Die Entwicklung dieser Beziehung von starker anfänglicher Faszination bis zur hochkomplizierten, zermürbenden Trennung ist aus meiner Sicht ein insgesamt hochkomplexes, literarisch wertvolles Beispiel für etwas, das es kaum noch gibt: Briefkultur.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
19.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein besonderer Briefwechsel
Der Briefwechsel einer ganz besonderen Liebesbeziehung. Nämlich der zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch.
Lange habe ich mit mir gekämpft, ob ich diese Texte wirklich lesen möchte. Wollte Ingeborg Bachmann doch nie, dass diese öffentlich gemacht werden sollten. Und nun bin ich so froh. Gleichzeitig aber auch erschüttert und sehr mitgenommen darüber, wie sich die Beziehung dieser zwei doch sehr speziellen Menschen entwickelt hat. Welche Gefühle dahinter stecken kann man trotzdem natürlich nur erahnen, bekommen wir doch nur einzelne, kleine Schnipsel dargeboten. Und trotzdem steckt in diesen schon so viel Kraft.
Bewertung
1/5
30.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wären die AutorInnen dieser Briefe mit der Veröffentlichung einverstanden?
Antwort: Ziemlich sicher nein. Somit kommt es für mich nicht in Frage, dieses Buch zu lesen. Dass jemand mit einer solchen Veröffentlichung Geld verdienen möchte, ist nicht in Ordnung.
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