Martina und Gustav treffen sich als junge Studierende im Stockholm der Siebziger und werden schnell ein Paar. Doch während Gustav Halt und Beständigkeit sucht, sträubt sich Martina gegen Konventionen und gesellschaftliche Erwartungen. Ihre Beziehung hält Gespräche und Konflikte, Trennungen und Neubeginne aus. Es geht um Nähe und Intimität, um Sex und Treue, ums Sprechen und ums Schweigen - und vor allem um die Frage: Kann man geliebt werden, ohne sich selbst aufzugeben?
Die beste aller Beziherungen ist eine scharfsinnige, zugleich bittersüße Reflexion über Liebe, Freiheit und Verantwortung. Gun-Britt Sundström erzählt mit Witz und Klarheit darüber, wie man leben und lieben kann, ohne die eigenen Überzeugungen zu verraten.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
AerdnaLiest
5/5
14.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eindrucksvoller Roman von zeitloser Aktualität.
Die beste aller Beziehungen ist ein Roman, den ich gerne weiterempfehle.
Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich mit einer Rezension schwer getan habe, weil es so komplex daher kommt.
Es ist ein echter Wälzer, ein Schmöker, eine brobdingnagische Aufgabe.
Es ist schwer, es ist anstrengend, es fordert heraus. Denn Protagonistin Martina hinterfragt wirklich jede Regung, jedes Wort.
Und es ist wundervoll.
Mit der Feststellung im Vorwort, es sei „auf eine vollkommen andere Art ungeschminkt“, denn „ungeschminkt“ bedeute heute etwas grob Intimes, nahezu Pornografisches, konnte ich zunächst unter großem Widerstand nicht ganz mitgehen - denn wo führt es uns hin, die ursprüngliche „ungeschminkte Wahrheit“ derart zu „radikalisieren“, sie in ein Extrem hineinzudenken?
Doch vielleicht liegt hierin tatsächlich der Kern einer Wahrheit unserer Zeit.
Wenn authentische und integre Ehrlichkeit, wie die unserer Protagonistin es oft ist, zu etwas stilisiert wird, das heute zwangsläufig als etwas grob Intimes, Pornografisches gefühlt werden muss, ist es dann nicht kein Wunder, dass sie selten wird, verpönt, kritisiert, dass sie Angst macht und wir mit ihr nicht mehr vertraut sein können?
Gerade in Zeiten des wieder zunehmenden sozialen Misstrauens, einer dialoggestörten Zeit?
Dass eine Martina als „herausfordernd“ kategorisiert werden muss, weil sie „ihre Beziehungen ernst nimmt“, weil sie sie reflektiert, durchdenkt, gestalten will - aber eben auch auf den Prüfstand stellt, hinterfragt, kritisiert, anzweifelt und sich damit verletzlich zeigt, angreifbar?
Weil sie aus der Reihe tanzt?
„Grob intim“, „pornografisch“ als Klassifizierung dafür, wie wir ehrlich, wahrhaftig sein einordnen: Krasser, absoluter, extremer; das ist ein Symptom unserer Zeit. Aber auch: ängstlicher, feiger, narzisstischer, kränkbarer, distanzierter, isolierter. Wenn wir Offenheit und Authentizität so empfinden.
Vielleicht ist es das, was den Ansatz dieses Buches so interessant macht. Eben weil er uns zeigt, wie es sein kann, wie es sein darf, wenn wir lieben, wenn wir in Beziehung gehen. Welche auch immer, übrigens.
Ein Buch von 1976, neu aufgelegt. So aktuell jetzt, wie schon seinerzeit. Das scheint erstaunlich.
Ich denke, es ist ganz genau das, was immer schon dem „Ungeschminkten“ inhärent war, woran wir uns heute wieder erinnern dürfen. Ehrlichkeit. Echtheit. Integre Authentizität.
Ein Zurück zur echten Verbindung, statt zur ängstlichen Distanz, zur gelebten Akzeptanz und dem Erforschen von Unterschieden, statt zum Erzwingen von Gemeinsamkeit als Konformität. Ein Miteinander, statt eines Gegeneinanders. Im Dialog.
Zu einem „Normal“-Denken, statt einer empfindlichen Übersteigerung der Begrifflichkeiten, die uns letztlich voneinander entfernt und ausbrennt. Denn: was darf man eben dann noch sagen, wenn jede Ehrlichkeit des eigenen Fühlens und jede Gestaltung der eigenen Beziehungen als „grob“ intim, mit einem nahezu pornografischen Charakter automatisch auch als potenziell grenzverletzend, übergriffig, weil eindring-lich, bewertet wird? Als Angriff; auf den Anderen, das Andere, die Anderen? Als Rütteln am auf tönernen Füßen gebauten Selbstbild; des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft?
„Ungeschminkt“ ist nicht grob intim, pornografisch, oder ungeschont, grob, verletzend. Es ist echt. Es ist verbindend. Es ist nah. Und es ist sicher dringend an der Zeit, dass wir die Angst vor dem Nah-Sein wieder ablegen. Und dafür eben auch die Angst vor Konfrontation, vor Verletzlichkeit, Echtheit. Wir haben verlernt, uns sichtbar zu machen und wir haben verlernt, die volle Verantwortung für uns selbst und unsere Beziehungen zu übernehmen. Auch für die zu uns selbst.
Martina, einfach als Kind ihrer Zeit, aber auch als Vorreiterin dieser, geht uns da ganz gut voraus. Natürlich weit überspitzt hier und da, doch dieser Roman hat eine zeitlose, allgemeingültige Wahrheit, die ganz unabhängig seines zeitlich-politischen Kontextes stattfindet; auch wenn selbiger durchaus interessant nachzuvollziehen ist.
Wir sind in einer Zeit in Beziehung, die uns, individualistischer denn je, vor die Frage stellt, wie man trotz Freiheit lieben kann. Eben jene Frage, die Martina andersherum stellt: wie kann man trotz Liebe frei sein? Am Ende ist es einerlei, die Antwort bleibt gleich. Wir müssen reden. Miteinander und auch mit uns selbst. Ein Hoch also auf Martina und ihr mutiges Beispiel, aus dem wir heute wie damals so viel mitnehmen können. Es ist der Mühe wert.
Marie
5/5
26.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit ihm oder ohne ihn?
Martina und Gustav - das ist die Beziehung, um die es in diesem Roman geht. Beide treffen sich als Studenten. Obwohl anfangs Martina kein Interesse zeigt, gibt Gustav nicht auf. Es stellt sich heraus, dass sie unglaublich viele gemeinsame Interessen haben.
Dieser Roman wurde 1976 erstmals veröffentlich und passt doch so wunderbar in unsere Zeit. Die Balance in einer Beziehung zu finden, gehört zum wahrscheinlich Schwierigsten überhaupt. Gun-Britt Sundström erzählt in ihrem über 600 Seiten umfassenden Buch, wie schwierig das für Martina und Gustav ist. Martina möchte ihre Unabhängigkeit behalten, immer wieder macht sie Rückzieher, um keine zu feste Bindung einzugehen. Sie sucht eine Form der Beziehung, die anders als die konventionelle ist. Gustav hingegen möchte eine geordnete feste Bindung. Verschiedene Aspekte ihrer Beziehung passen einfach nicht zusammen. Beide haben andere Liebeleien, vermissen aber einander, sobald sie sich nicht mehr regelmäßig sehen. Dieser Roman beschreibt dies in aller Ausführlichkeit und ist doch niemals langweilig. Auch die Tatsache, dass Martina nicht weiß, was sie beruflich genau mit ihrem Leben anfangen will, passt in unsere Zeit. Ich würde dieses Buch nicht unbedingt als Liebesroman bezeichnen, mehr als Gesellschaftsroman.
Dieser "Wälzer" ist wie gemacht als Urlaubslektüre oder aber auch als Ansatz zum Nachdenken über die eigene Beziehung. Was will man und wie kann man das in einer Beziehung verwirklichen ohne die andere Person zu überfordern. Nie war es so schwierig, wie in dieser chaotischen, social-media-lastigen Welt, eine gesunde Lebensgemeinschaft zu führen.
Ein Buch, dessen Kauf sich auf jeden Fall lohnt.
Bewertung
5/5
24.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sprachliche Sensibilität
Das Buch „ die beste aller Beziehungen“ geschrieben von er Autorin Gun-Britt Sundström hat mir aus mehreren Gründen gefallen. Zum einen finde ich, dass das Cover zum lesen einlädt. Mir gefällt die Farbwahl aber auch die Neuger, die hinter der Illustration steckt.
Worum gehts? Es geht um zwei Menschen, Martina und Gustav, die unterschiedlicher nicht sein können, jedoch eine Beziehung miteinander führen. Die Autorin schreibt warm, herzlich und mit Tiefgang wie eine solche Beziehung standhaft bleibt und beschreibt Themen wie Trennung und Neubeginn, Erwartungen, Konflikte und das alltägliche leben zweier Menschen.
Besonders gefällt mir an dem Buch, dass es zum nachdenken anregt und Probleme einer völlig normalen Beziehung aufnimmt. Geschrieben ist es scharfsinnig, mit viel Humor und einer Leichtigkeit.
Ich habe es gerne gelesen und kann es weiterempfehlen.
Katharina
5/5
21.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine lange Reise durch zwei Leben
"Verheirate dich, du wirst es bereuen; verheirate dich nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen."
Mit diesem Zitat von Kierkegaard starten wir in die äußerst komplexe Beziehung zwischen Martina und Gustav. Die beiden streiten sich um Freiheit und ums Gebundensein, um den Sinn der Liebe, der Heirat, der Bedeutung von Sexualität, der Monogamie, der Politik und des restlichen Lebens. Die Debatten, die darum entstehen, sind in den Jahrzehnten seit der Ersterscheinung 1976 kein bisschen weniger relevant geworden. Nur gibt es jetzt weniger Anstandsdamen.
Zwischendurch wird der Roman etwas langatmig, was aber sehr gut zur steigenden Frustration und Eskalation zwischen Gustav und Martina passt. Man kann dadurch richtig mitfühlend, wie nervenzehrend die gemeinsame Geschichte eigentlich ist.
Fazit: Das Konzept der Situationship gab es auch schon in den 1970ern und es war auch da schon kacke.
Arienette
5/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Analytischer Blick auf die Liebe
Der Roman "Die beste aller Beziehungen" von Gun-Britt Sundström ist bereits 1976, der Zeit feministischer Debatten, erschienen und wurde mehrfach neu aufgelegt. Er hat auch noch heute in Schweden "Kultstatus" und ist aufgrund seines Themas immer noch aktuell.
Aus Martinas Perspektive wird über die Beziehung zwischen Martina und Gustav erzählt, die sich im Stockholm der 1970-er Jahre kennen- und liebenlernen. Sie lehnt die traditionellen Erwartungen von Liebe und Ehe ab. Ihre Beziehung ist geprägt von Diskussionen über Treue, Sexualität, Nähe und Unabhängigkeit.
Martina hinterfragt alles, analysiert ehrlich, offen und schonungslos. Darunter leidet natürlich ein wenig ihre Spontanität. Eine Sympathieträgerin ist sie sicher nicht, aber das macht sie mit ihren Zweifeln und Widersprüchen interessant und auch glaubwürdig. Sie ist sich bewusst, dass ihre Lebenseinstellung für eine Beziehung nicht gerade hilfreich ist. Auch Gustav, der sich mehr Nähe wünscht, ist glaubwürdig gezeichnet.
Während Gustav sich mehr Stabilität wünscht, sorgt Martina sich um ihre Freiheit. Sie schwankt zwischen Nähe und Distanz zu Gustav, leidet unter Selbstzweifeln.
Ständig diskutieren die beiden über ihre Beziehung zueinander, was natürlich Konflikte mit sich bringt.
Sie probieren neue Beziehungsmodelle (wie z.B. Polygamie) aus.
Es ist kein Liebesroman im traditionellen Sinne, sondern eher ein analytischer Roman über die Frage, was Liebe bedeutet. Kann man lieben ohne sich selbst aufzugeben? Inwieweit muss man Kompromisse schließen und seine Freiheit beschneiden? Was bedeutet Treue?
Dabei ist der Roman reflektierend, manchmal humorvoll und oft auch ironisch. Als ironisch könnte man den Buchtitel interpretieren.
Ein wenig straffer hätte der Roman sein können, so ist der Roman doch ein wenig ausladend.
Das Buch zeigt, dass jede Beziehung ein ständiger Konflikt zwischen Nähe und Freiheit ist und das es keine perfekte Lösung gibt.
Es birgt viel Diskussionsmaterial.
Lesen sollten all jene den Roman, die keine Probleme haben, sich mit unangenehmen Überlegungen über komplizierte Beziehungsgeflechte auseinanderzusetzen
4,5
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.