Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten – aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
brauneye29
Thalia Book Circle Community
5/5
02.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mir sehr gut gefallen
Zum Inhalt:
Der mittlerweile betagte Filmproduzent Curtis wird von Alpträumen geplagt und braucht dringend Schlaftabletten, doch ohne Psychoanalyse bekommt er diese nicht und so geht er nun regelmäßig zur Therapie und erzählt dem Psychologen, wenn auch widerwillig, sein Leben.
Meine Meinung:
Ich kann gar nicht so genau sage, was mich an dem Buch so faszinier hatt, aber das Buch hat etwas, was einen in den Bann zieht. Es ist ein Buch, dass tatsächlich nur aus der Perspektive von Curtis erzählt wird, ohne dass der Psychologe einmal zu Wort kommt und ich glaube das macht auch den Reiz des Buches aus. Irgendwie sind die Geschichten sind irgendwie interessant. Ich habe das buch wirklich genossen.
Fazit:
Hat mir sehr gut gefallen
Alrik Gerlach
Thalia Book Circle Community
4/5
13.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein alter Filmfuchs auf der Couch
Hollywood, Psychoanalyse und ein alter Mann, der eigentlich nur Schlaftabletten will. Klingt erstmal nach einem ziemlich schrägen Setup, aber genau daraus macht Charles Lewinsky einen Roman, der mehr kann, als nur hübsch historisch herumzublenden.
Curtis Melnitz liegt auf der Couch seines Psychiaters und erzählt. Widerwillig, bissig, manchmal eitel, manchmal bitter, oft so, dass man denkt: Mein Freund, du bist wirklich kein einfacher Zeitgenosse. Aber gerade das macht ihn spannend. Er ist kein Held zum Umarmen, eher einer, bei dem man mit hochgezogener Augenbraue zuhört und trotzdem nicht wegkommt.
Besonders stark fand ich diese Mischung aus altem Hollywood, Berliner Wirklichkeit und den dunkleren Kapiteln des 20. Jahrhunderts. Da flimmert auf der einen Seite noch die stumme Traumfabrik, auf der anderen Seite knallt einem die deutsche Geschichte ziemlich ungeschönt vor die Füße. Lewinsky erzählt das nicht trocken wie aus dem Geschichtsbuch, sondern über Erinnerungen, Ausflüchte, kleine Gemeinheiten und diese typische menschliche Fähigkeit, sich selbst die eigene Vergangenheit schönzureden.
Ganz ehrlich: Warm wurde ich mit Melnitz nicht immer. Dafür ist er zu sperrig, zu zynisch, zu sehr alter Grantler mit eingebautem Abwehrsystem. Aber langweilig? Keine Sekunde. Jede Sitzung fühlt sich an wie ein neues Stück Lebensbeichte, nur eben mit mehr Filmstaub, mehr Ego und deutlich mehr Schatten.
Eine andere Geschichte ist kein Roman zum schnellen Wegatmen. Eher einer, der sich langsam festsetzt. Klug, unbequem, elegant erzählt und mit genug Witz, damit man zwischen all dem historischen Gewicht nicht komplett untergeht.
Sabine
aus Köln
4/5
29.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine andere Geschichte
Charles Lewinsky ist ja vor allem bekannt durch seinen Familienroman „Melwitz“ – verwirrt hat mich daher zunächst, dass auch in diesem Buch ein „Melwitz“ im Mittelpunkt steht. Aber - es ist ein eigener Roman und kann oder sollte auch alleine gelesen werden; denn wie der Titel schon sagt: Es ist „Eine andere Geschichte“.
Im Mittelpunkt steht Curtis Melnitz im Los Angeles des Jahres 1959. Den betagten Filmproduzenten plagen Schlafstörungen durch schwere Alpträume. Sein einziger Ausweg sind Schlaftabletten, doch diese erhält er nur unter einer Bedingung: Er muss sich der Psychoanalyse bei Dr. Cowan unterziehen. Widerwillig spielt er das Spiel mit und beginnt zu erzählen.
Jede Sitzung bildet ein Kapitel seines Lebens, das sich zwischen der aufstrebenden, noch stummen Traumfabrik Hollywoods und der grausamen, lärmenden Realität Deutschlands im frühen 20. Jahrhundert aufspannt. Und so lernt man Melwitz kennen, sein Leben, das selbst wie ein gewaltiges Drehbuch wirkt.
Die Art und Weise, wie der Roman aufgebaut ist, hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mich anfangs erst mal einfinden musste – denn tatsächlich ist jedes Kapitel eine Station im Leben Curtis‘ oder eine Anekdote seines Lebens. Dann aber hat mich die Art, wie die Geschichte ausgerollt wird, richtig gepackt. Mit jedem Kapitel bin ich Curtis Melwitz ein bisschen näher gekommen und habe auch eine Menge über Filmgeschichte gelernt – es fallen bekannte Namen wie Sam Goldwyn oder Louis Mayer oder er berichtet von Klassikern wie „Ben Hur“ oder Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ mit seiner besonderen Ohne-Schnitt-Kameratechnik.
Sehr gelungen ist für mich der Kniff, die gesamte Handlung konsequent nur aus Curtis’ Perspektive zu erleben. Dass Dr. Cowan nie selbst spricht und nur indirekt durch Curtis’ Reaktionen spürbar wird – etwa wenn er sagt, dass er ihn bestimmt langweile –, hat mich beim Lesen unglaublich nah an das Geschehen herangeholt.
Der Schreibstil ist gewinnend, angenehm und leicht lesbar, dabei auch sehr atmosphärisch. Im Mittelteil war es mir dann zeitweise doch zu „filmlastig“, das aber ändert sich dann im letzten Viertel. Hier rücken Schilderungen aus dem Weltkrieg in den Vordergrund - es ändert sich damit natürlich auch der Erzählton – die oft leichten und belustigenden Schilderungen werden abgelöst von schrecklichen und belastenden Eindrücken, die schließlich die notwendige Erklärung für Curtis’ tiefe Traumata und seine heutige Schlaflosigkeit liefern.
Einige Kapitel habe ich als Hörbuch gehört und war von dem Sprecher Christian Heller sehr begeistert. Er verleiht den Anekdoten eine Lebendigkeit, die mich noch tiefer in die Geschichte hineingezogen hat.
Der Schluss des Romans hat mir dann auch sehr gut gefallen, denn die Therapie wird in einer besonderen Art beendet – mehr verrate ich natürlich nicht.
Herbstrose
Thalia Book Circle Community
4/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben hat nicht nur Schönes zu bieten
Curtis Melnitz, ein in die Jahre gekommener Filmproduzent, leidet Nacht für Nacht unter schrecklichen Albträumen, gegen die nur Schlaftabletten helfen. Bisher bekam er das Rezept dazu von seinem Hausarzt, doch nun schickt der ihn zum Psychiater Dr. Cowan zur Gesprächstherapie. Widerwillig lässt sich Melnitz darauf ein, denn er braucht seine Pillen. Doch statt des erhofften Rezeptes bekommt er von Dr. Cowan nur so viele Schlaftabletten, wie bis zur nächsten Sitzung nötig sind. Allmählich gewöhnt er sich an die regelmäßigen Besuche und beginnt, nach und nach Episoden aus seinem bewegten Leben zu erzählen. Er erzählt von den Anfängen des Films, von berühmten Stars in Hollywood und Berlin, von den Gefahren denen er und seine jüdische Verwandtschaft in der NS-Zeit ausgesetzt waren und von seinen Erfolgen im Filmgeschäft. Er bleibt nicht immer ganz bei der Wahrheit, flunkert dann und wann, schweift vom Thema ab um dann mit den Worten „das ist eine andere Geschichte“ zu seinen Erinnerungen zurück zu kommen. Er erzählt viel, doch über seine nächtlichen Albträume schweigt er eisern, kann und will sie nicht preisgeben …
Charles Lewinsky, geb. 1946 in Zürich ist ein Schweizer Schriftsteller jüdischer Herkunft. Er studierte in Zürich und Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft. 1984 veröffentlichte er sein erstes Buch, es folgten zahlreiche weitere Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Bei uns richtig bekannt wurde er 2020, als sein Roman „Der Halbbart“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde. Lewinsky wohnt in Zürich und im französischen Vereux.
Der im Roman „Eine andere Geschichte“ (2026) beschriebene Protagonist hat tatsächlich gelebt. In Wikipedia ist zu lesen: „Curt Melnitz, auch Curtis Melnitz, (geboren am 2. Mai 1879 in Leipzig, Deutsches Reich als Kurt Chmelnitzki, gestorben am 14. Oktober 1962 in Los Angeles, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-amerikanischer Pressevertreter, Studio-Repräsentant, Firmenmanager und Filmproduzent.
Mit viel Humor und gutem Gespür für die seelischen Zustände des Protagonisten erzählt uns Charles Lewinsky vom bewegten Leben des Curt Melnitz. Gekonnt bedient er sich dabei der Gespräche auf der Couch des Psychiaters. In einer Art Monolog lässt er nur den Patienten reden, die Antworten des Psychiaters erschließen sich dem Leser durch das weitere Gespräch. So ganz nebenbei erfahren wir auch einiges über die wenig ruhmreiche Deutsche Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, über die Anfänge der Filmgeschichte, die ersten Stars der Stummfilmzeit sowie über die damaligen Zustände in Hollywood.
Das Buch liest sich sehr flüssig, gespannt folgt man dem weiteren Geschehen. Schnell merkt man, dass der Protagonist auf der Couch nicht immer bei der Wahrheit bleibt, sich gewitzt selbst in Szene setzt und dabei etwas wankelmütig ist. Überraschend für mich ist auch, wie tiefgründig die äußerst interessanten und erstaunlich unterhaltsamen Gespräche sind.
Fazit: Ein lesenswerter Roman, intelligent und humorvoll, mit gut recherchierten historischen Fakten.
A.Basan
aus Garbsen
4/5
29.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eiterbeulenmomente
Der alternde Filmproduzent Curtis Melnitz ist etwas ungehalten, als sein Hausarzt ihn zu dem Psychiater Dr. Cowan schickt, statt ihm einfach weiter Schlaftabletten zu verschreiben. Notgedrungen lässt sich Melnitz auf eine Gesprächstherapie ein, denn der Psychiater verordnet immer nur so viele Pillen, dass sie bis zu seinem nächsten Besuch reichen. Allmählich findet Melnitz tatsächlich Gefallen an der Sache, er macht Witze und erzählt kleine Lügen. Er gerät ins Plaudern, schweift immer wieder ab und kommt mit den Worten "das ist eine andere Geschichte" auf seine Lebensbeichte zurück, Er bewegt sich sprachlich gern in Filmtermini: Aufblende, Abblende, Saallicht an. Denn Dr. Cowan, so spürt er, ist sein letztes Publikum. Dabei ist eine Ironie, dass Cowan nicht ins Kino geht und mit vielen berühmten Namen nichts anfangen kann. Melnitz erkennt, dass es hilft, alte Erinnerungen hochkommen zu lassen und sie wie Eiterbeulen aufzustechen. Doch den wahren Grund für seine Alpträume, die ihn am Schlafen hindern, will er nicht nennen.
Der Roman ist wie ein Zwiegespräch zwischen Melnitz und Dr. Cowan geschrieben, wobei man aber nur Melnitz sprechen hört. Die Antworten des anderen muss man sich erschließen, Dennoch liest das Buch sich sehr flüssig. Der Leser hat gleichsam das Gefühl, Melnitz heimlich zu belauschen. Man verfolgt gespannt seine Lebensgeschichte, die geprägt ist von Antisemitismus und seiner großen Liebe zum Film. Privat hat er nichts vorzuweisen. Seine beiden Ehen scheiterten und Kinder hatte er nicht. Auch eine große Karriere als Filmproduzent bleibt aus. Was bleibt sind "Eiterbeulenmomente".
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