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Mischka Drei Porträts

3

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

27.01.2026

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

112

Maße (L/B/H)

20,9/13/1,6 cm

Gewicht

214 g

Farbe

Rot

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-28225-4

Beschreibung

Rezension

»Honigmanns Werk ist auf bescheidene Art selbstbezogen, aber handelt auf der abstrakten Ebene von den seltsamen Verirrungen aller Menschen. Das macht es zu großer Literatur.« Zelda Biller, Die Zeit, 26.03.26
»Das Buch führt vor Augen, dass Geschichte nicht einfach endet, auch wenn man sie beschweigt.« Carsten Hueck, Deutschlandfunk, 05.05.26
»Barbara Honigmann ist Buch für Buch zu einer der großen autofiktionalen Erzählerinnen der Gegenwart geworden.« Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 02.02.26
»Aus Barbara Honigmanns neuem Buch lässt sich erfahren, welch strenge Schönheit und unprätentiöse Würde in der Erinnerung liegen.« Marko Martin, Jüdische Allgemeine, 29.01.26
»Ein eindringliches Porträt ... Geschrieben ist es in einer geschmeidigen, humorvollen Prosa – mit Satzgirlanden, die so verschlungen sind wie die erzählten Lebenswege.« Oliver Pfohlmann, SWR Kultur, 25.01.26
»Honigmanns Porträts machen diese Zeitzeugnisse zu Sinnbildern menschlicher Existenz, voller Herzenswärme und mit jenem erzählerischen Esprit, der Barbara Honigmanns Schreiben von Anfang an auszeichnet.« Michael Braun, Kölner Stadt-Anzeiger, 23.01.26

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

27.01.2026

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

112

Maße (L/B/H)

20,9/13/1,6 cm

Gewicht

214 g

Farbe

Rot

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-28225-4

Herstelleradresse

Carl Hanser Verlag
Vilshofener Straße 10
81679 München
DE

Email: info@hanser.de

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Porträts in knapper Form

Bewertung aus Buchen am 19.02.2026

Bewertungsnummer: 3050912

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mit Mischka setzt Barbara Honigmann ihre Reihe von Büchern über Familie und Bekannte fort. Sie schreibt in ihren gewohnten sachlichen Stil. Es ist mehr Porträt als Erzählung. Doch die Emotionen sind da, nur nicht so offensichtlich im Vordergrund. Mischka war für die 19490 geborene Barbara Honigmann eine mütterliche Freundin aus Russland, deren Leben von Gefangenschaft und Verbannung geprägt er, aber auch von ihrer Stärke. Honigmann zeigt ihr Leben in knapper, aber eindringlicher Form. Es ist ein Leben, dass von den Repressionen der Sowjetunion erzählt. Damit wird es auf gewisse Art auch zu einem sehr zeitgenössischen Text. Es folgen im Buch noch 2 weitere Porträts, aber Mischka ist das wichtigste. Barbara Honigmann ist nicht umsonst eine vielfach preisgekrönte Autorin.

Porträts in knapper Form

Bewertung aus Buchen am 19.02.2026
Bewertungsnummer: 3050912
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mit Mischka setzt Barbara Honigmann ihre Reihe von Büchern über Familie und Bekannte fort. Sie schreibt in ihren gewohnten sachlichen Stil. Es ist mehr Porträt als Erzählung. Doch die Emotionen sind da, nur nicht so offensichtlich im Vordergrund. Mischka war für die 19490 geborene Barbara Honigmann eine mütterliche Freundin aus Russland, deren Leben von Gefangenschaft und Verbannung geprägt er, aber auch von ihrer Stärke. Honigmann zeigt ihr Leben in knapper, aber eindringlicher Form. Es ist ein Leben, dass von den Repressionen der Sowjetunion erzählt. Damit wird es auf gewisse Art auch zu einem sehr zeitgenössischen Text. Es folgen im Buch noch 2 weitere Porträts, aber Mischka ist das wichtigste. Barbara Honigmann ist nicht umsonst eine vielfach preisgekrönte Autorin.

Ein familiärer Kreis, Kosmos, Universum, und ein Labyrinth

Bewertung aus Quickborn am 03.03.2026

Bewertungsnummer: 3064617

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mein Interesse an „Mischka“ wurde schon mit dem Namen der Autorin geweckt. Ihre Bücher sind in meiner Erinnerung, ganz besonders „Georg“ hatte es mir angetan. Dass sie wie ich auch, der sogenannten zweiten Generation angehört, wie ich in Ostberlin aufwuchs, das verbindet mich auch gedanklich mit ihr. Nun wieder etwas Neues von Barbara Honigmannzu lesen, darauf freute ich mich. Drei Porträts sind angekündigt im Untertitel und auf dem Umschlag gibt es schon Vorschusslorbeeren von der FAZ. Jetzt ist es Anfang März 2026, es wurden seit Erscheinen im Januar bereits unzählige Rezensionen veröffentlicht. Ich habe sie nicht gelesen, werde das erst tun, wenn meine eigene Rezension beendet ist. Die Genrebezeichnung Porträt hat bei mir jedenfalls andere Erwartungen aufkommen lassen. Auch das noch ein zweites Mal gelesene Porträt der „Wilhelmine Hermannova Slawusdkaja [so] hieß sie [Mischka] nämlich in aller Länge, geborene Magidson“ hat meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Die Autorin erinnert sich an Mischka, verwebt eigene Eindrücke, Erinnerungen und Erlebnisse mit den Kenntnissen von Mischka und verliert sich im Labyrinth der sowjetischen Dissidenten und der Intelligenzia. Man braucht eine gehörige Portion Geschichtswissen und Geduld, um das Porträt der Mischka daraus hervortreten zu lassen. Personen, Namen, Gedanken und Ereignisse umgeben die Porträtierte wie ein flirrendes Licht. Ich habe mich selbst jahrelang bei Recherchen zur Biografie meines Vaters mit den 1950er bis 1970er Jahren beschäftigt; DDR, Staatssicherheit, KGB, Gulag, Tauwetter, Westemigranten, DPs, Abschottung, Kalter Krieg, Noel Field, Achmatowa usw. tauchen auch in Mischkas Porträt auf, hinzu kommen unzählige Namen wie Sacharow, Solschenizyn, Kopelew, Meyerhold, andere aus der Theater-, viele auch aus der Kunst- und Kulturszene der damaligen Sowjetunion. Es gibt Insiderwitze und Insiderwissen, hier habe ich es mit einem Insiderbuch zu tun. „Drei Porträts“. Ein Roman ist es leider nicht geworden, ein Essay würde ich es auch nicht nennen. Was dann? Für wen? Wen interessieren all die Namen und Gegebenheiten, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen, ihren Ursprung vor weit über 100 Jahren haben. Mich lässt das beinahe ratlos zurück, all die Namen verhallen noch beim Lesen. Bis ich auf einen Bekannten treffe, Richard Pietraß, mit dem ich Mitte der 1970er Jahre im Verlag Neues Leben zusammenarbeitete. Er wurde gegangen, ich ging freiwillig. Erst beim zweiten Lesen über Mischka, ich habe dabei bewusst nur noch das sie Betreffende für mein Gehirn herausgefiltert, finde ich die Frau, die über hundert Jahre alt wurde und ein wahnsinnig interessantes, aber auch entbehrungsreiches Leben lebte. Sie wurde in Riga geboren, war in großbürgerlichen Verhältnissen zu Hause und wendete sich in sehr jungen Jahren dem Kommunismus zu. „Mischka war aus Moskau von der Partei nach Berlin delegiert worden.“ Dort wurde Inprekorr, die Zeitschrift der Komintern, herausgegeben, und das ganz im Sinne der sowjetischen Ideologie und Führung aus Moskau. Mischka wird später wieder nach Moskau zurückbeordert und gerät in das Getriebe aus Verrat und Denunziation, wird noch vor der „Großen Säuberung“ verhaftet und nach dem Schreckensparagraphen 58, in dem alles steckt, was ein Richter benötigt, zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Aber sie wird nicht entlassen im Jahr 1944, als feindliche Ausländerin bleibt sie bis 1946 in Gefangenschaft, es folgen unmenschliche zehn Jahre Verbannung. Ihren ersten Mann, den deutschen Kommunisten Kutschi (Kurt Müller) wähnt sie schon lange tot, sie heiratet Naum, einen Mithäftling, und beide überstehen die eisigen Jahre der Verbannung. Ich kann es mir auch bei wiederholtem Lesen einfach nicht vorstellen, was diese tapfere Frau, was Millionen anderer Menschen im Namen des Kommunismus und Stalinismus geschah. Es ist die Hölle auf Erden. Honigmann, die all das in der kleinen Küche von Mischka in Moskau erfährt, schreibt „All das hörte ich und davon las ich, und all das hörte dann endlich auch die ganze Welt, und wer will jetzt sagen, was schlimmer war, Auschwitz oder Workuta, das Butyrka-Gefängnis oder das Zuchthaus Brandenburg?“ Es steht mir so wenig wie anderen zu, diese Grauen miteinander zu vergleichen, mein Großvater wurde in Auschwitz ermordet, mein Vater war jahrelang im Zuchthaus Brandenburg, dass es Orte von menschengemachtem Unrecht, von Mord und Knechtschaft waren, ist aber Tatsache. Wichtig ist, dass es nie vergessen wird, dazu trägt auch dieses Buch bei. Mischka wird die Moskauer Mama für Barbara Honigmann und diese herzliche, zutiefst menschliche und intellektuelle Verbindung gibt beiden einen großen Halt. Bis zu Mischkas Tod werden sie eng befreundet und verbunden bleiben. Das Ziehkind setzt der Mama ein ehrwürdiges Denkmal. Das zweite Porträt widmen sich dem Ehepaar Max und Yvette, die die Autorin erst in Straßburg, ihrer Wahlheimat, kennenlernt. Hier wird vor allem vom Überlebenskampf während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg berichtet, von all denen, die lang erwartet nie mehr aus dem Osten zurückkamen und von denen, die nach dem Krieg in Straßburg ein neues jüdisches Leben aufbauten, das bis heute fortbesteht. Auch hier sind es die Erfahrungen und Erinnerungen der Autorin, die den Text zusammenhalten, das jüdische Leben beschreiben, Gemeinsamkeiten und Trennendes in der zusammengewürfelten Gemeinde kurz und klar benennen. Außenstehende befassen sich eher selten mit den Unterschieden zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden, so ist das auch ein sehr lehrreiches Porträt geworden. Dann folgt das Kapitel „Peter Thomas Klaus Wolfgang“, kein Porträt einer einzelnen Person, sondern einer Gruppe, der Gruppe der zweiten Generation, ihrer Schicksalsgemeinschaft, die bis heute nicht aufgelöst ist und sich teilweise in der dritten Generation (Enkelgeneration) wiederfindet. „…das Gemeinsame ist nur unser Herkommen, aber zumeist ohne eine Tradition, ohne Überlieferung, ohne Religion sowieso…“ Die Elterngeneration bemüht sich um Assimilation, die Namen der Kinder sind nicht auffällig, wie man in der Kapitelüberschrift sieht. Ich war wohl mit dem Vornamen Judith eher eine Ausnahme von dieser Regel. Th. hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen, sah im Suizid den Ausweg. Barbara Honigmann schreibt über ihn und die anderen mit Wehmut, keines der Nachkommen kann die Zeit zurückdrehen, die Eltern bleiben schicksalbeladen, manche haben sich vom Stalinismus verabschiedet, manche haben ihn fürs Leben verinnerlicht. In diesem Konglomerat aus Erfahrung und Bürde seinen Weg zu finden, ist zumindest Barbara Honigmann mit ihren Büchern gelungen. Kritisch anmerken will ich, dass ich ein Personenverzeichnis – insbesondere für Mischkas Porträt – als hilfreich angesehen hätte. Einen Anhang über diese Personen, der einige biografische Details aus dem Inhalt wiederholt und Zusätzliches genannt hätte, würde aus dem kleinen Buch der drei Porträts ein zeit- und kulturhistorisches Nachschlagewerk machen. Vielleicht war das nicht der Ansatz, den die Autorin verfolgt hat, aber mir hätte es gut gefallen. Wenn man, wie ich, etwas mehr wissen will über einzelne Personen, ist das Internet dann die erste Wahl, interessant die Seite, auf der man Kurzbiografien z. B. von Mischka und ihrem ersten Ehemann Kurt Müller findet, aber auch von Naum Slavutzki, Jewgenija Ginsburg oder Alexander Solschenizyn. Fazit: Interessante Menschen hat Barbara Honigmann für ihr Buch ausgewählt, die Fülle an Namen und Informationen im Porträt „Mischka“ hat mir die Annäherung an die Porträtierte etwas erschwert. Das Porträt „Max und Yvette“ hat mir einen neuen Blick auf die jüdische Gemeinschaft nicht nur in Straßburg gewährt, das Porträt der sog. „Zweiten Generation“ wäre aber intensiver ausgefallen, wenn der Fokus nur auf eine Person aus diesem Kreis gerichtet worden wäre. So verschwindet am Ende diese Gruppe aus meinem Gedächtnis wieder, ohne einen tiefen Eindruck zu hinterlassen.

Ein familiärer Kreis, Kosmos, Universum, und ein Labyrinth

Bewertung aus Quickborn am 03.03.2026
Bewertungsnummer: 3064617
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mein Interesse an „Mischka“ wurde schon mit dem Namen der Autorin geweckt. Ihre Bücher sind in meiner Erinnerung, ganz besonders „Georg“ hatte es mir angetan. Dass sie wie ich auch, der sogenannten zweiten Generation angehört, wie ich in Ostberlin aufwuchs, das verbindet mich auch gedanklich mit ihr. Nun wieder etwas Neues von Barbara Honigmannzu lesen, darauf freute ich mich. Drei Porträts sind angekündigt im Untertitel und auf dem Umschlag gibt es schon Vorschusslorbeeren von der FAZ. Jetzt ist es Anfang März 2026, es wurden seit Erscheinen im Januar bereits unzählige Rezensionen veröffentlicht. Ich habe sie nicht gelesen, werde das erst tun, wenn meine eigene Rezension beendet ist. Die Genrebezeichnung Porträt hat bei mir jedenfalls andere Erwartungen aufkommen lassen. Auch das noch ein zweites Mal gelesene Porträt der „Wilhelmine Hermannova Slawusdkaja [so] hieß sie [Mischka] nämlich in aller Länge, geborene Magidson“ hat meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Die Autorin erinnert sich an Mischka, verwebt eigene Eindrücke, Erinnerungen und Erlebnisse mit den Kenntnissen von Mischka und verliert sich im Labyrinth der sowjetischen Dissidenten und der Intelligenzia. Man braucht eine gehörige Portion Geschichtswissen und Geduld, um das Porträt der Mischka daraus hervortreten zu lassen. Personen, Namen, Gedanken und Ereignisse umgeben die Porträtierte wie ein flirrendes Licht. Ich habe mich selbst jahrelang bei Recherchen zur Biografie meines Vaters mit den 1950er bis 1970er Jahren beschäftigt; DDR, Staatssicherheit, KGB, Gulag, Tauwetter, Westemigranten, DPs, Abschottung, Kalter Krieg, Noel Field, Achmatowa usw. tauchen auch in Mischkas Porträt auf, hinzu kommen unzählige Namen wie Sacharow, Solschenizyn, Kopelew, Meyerhold, andere aus der Theater-, viele auch aus der Kunst- und Kulturszene der damaligen Sowjetunion. Es gibt Insiderwitze und Insiderwissen, hier habe ich es mit einem Insiderbuch zu tun. „Drei Porträts“. Ein Roman ist es leider nicht geworden, ein Essay würde ich es auch nicht nennen. Was dann? Für wen? Wen interessieren all die Namen und Gegebenheiten, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen, ihren Ursprung vor weit über 100 Jahren haben. Mich lässt das beinahe ratlos zurück, all die Namen verhallen noch beim Lesen. Bis ich auf einen Bekannten treffe, Richard Pietraß, mit dem ich Mitte der 1970er Jahre im Verlag Neues Leben zusammenarbeitete. Er wurde gegangen, ich ging freiwillig. Erst beim zweiten Lesen über Mischka, ich habe dabei bewusst nur noch das sie Betreffende für mein Gehirn herausgefiltert, finde ich die Frau, die über hundert Jahre alt wurde und ein wahnsinnig interessantes, aber auch entbehrungsreiches Leben lebte. Sie wurde in Riga geboren, war in großbürgerlichen Verhältnissen zu Hause und wendete sich in sehr jungen Jahren dem Kommunismus zu. „Mischka war aus Moskau von der Partei nach Berlin delegiert worden.“ Dort wurde Inprekorr, die Zeitschrift der Komintern, herausgegeben, und das ganz im Sinne der sowjetischen Ideologie und Führung aus Moskau. Mischka wird später wieder nach Moskau zurückbeordert und gerät in das Getriebe aus Verrat und Denunziation, wird noch vor der „Großen Säuberung“ verhaftet und nach dem Schreckensparagraphen 58, in dem alles steckt, was ein Richter benötigt, zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Aber sie wird nicht entlassen im Jahr 1944, als feindliche Ausländerin bleibt sie bis 1946 in Gefangenschaft, es folgen unmenschliche zehn Jahre Verbannung. Ihren ersten Mann, den deutschen Kommunisten Kutschi (Kurt Müller) wähnt sie schon lange tot, sie heiratet Naum, einen Mithäftling, und beide überstehen die eisigen Jahre der Verbannung. Ich kann es mir auch bei wiederholtem Lesen einfach nicht vorstellen, was diese tapfere Frau, was Millionen anderer Menschen im Namen des Kommunismus und Stalinismus geschah. Es ist die Hölle auf Erden. Honigmann, die all das in der kleinen Küche von Mischka in Moskau erfährt, schreibt „All das hörte ich und davon las ich, und all das hörte dann endlich auch die ganze Welt, und wer will jetzt sagen, was schlimmer war, Auschwitz oder Workuta, das Butyrka-Gefängnis oder das Zuchthaus Brandenburg?“ Es steht mir so wenig wie anderen zu, diese Grauen miteinander zu vergleichen, mein Großvater wurde in Auschwitz ermordet, mein Vater war jahrelang im Zuchthaus Brandenburg, dass es Orte von menschengemachtem Unrecht, von Mord und Knechtschaft waren, ist aber Tatsache. Wichtig ist, dass es nie vergessen wird, dazu trägt auch dieses Buch bei. Mischka wird die Moskauer Mama für Barbara Honigmann und diese herzliche, zutiefst menschliche und intellektuelle Verbindung gibt beiden einen großen Halt. Bis zu Mischkas Tod werden sie eng befreundet und verbunden bleiben. Das Ziehkind setzt der Mama ein ehrwürdiges Denkmal. Das zweite Porträt widmen sich dem Ehepaar Max und Yvette, die die Autorin erst in Straßburg, ihrer Wahlheimat, kennenlernt. Hier wird vor allem vom Überlebenskampf während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg berichtet, von all denen, die lang erwartet nie mehr aus dem Osten zurückkamen und von denen, die nach dem Krieg in Straßburg ein neues jüdisches Leben aufbauten, das bis heute fortbesteht. Auch hier sind es die Erfahrungen und Erinnerungen der Autorin, die den Text zusammenhalten, das jüdische Leben beschreiben, Gemeinsamkeiten und Trennendes in der zusammengewürfelten Gemeinde kurz und klar benennen. Außenstehende befassen sich eher selten mit den Unterschieden zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden, so ist das auch ein sehr lehrreiches Porträt geworden. Dann folgt das Kapitel „Peter Thomas Klaus Wolfgang“, kein Porträt einer einzelnen Person, sondern einer Gruppe, der Gruppe der zweiten Generation, ihrer Schicksalsgemeinschaft, die bis heute nicht aufgelöst ist und sich teilweise in der dritten Generation (Enkelgeneration) wiederfindet. „…das Gemeinsame ist nur unser Herkommen, aber zumeist ohne eine Tradition, ohne Überlieferung, ohne Religion sowieso…“ Die Elterngeneration bemüht sich um Assimilation, die Namen der Kinder sind nicht auffällig, wie man in der Kapitelüberschrift sieht. Ich war wohl mit dem Vornamen Judith eher eine Ausnahme von dieser Regel. Th. hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen, sah im Suizid den Ausweg. Barbara Honigmann schreibt über ihn und die anderen mit Wehmut, keines der Nachkommen kann die Zeit zurückdrehen, die Eltern bleiben schicksalbeladen, manche haben sich vom Stalinismus verabschiedet, manche haben ihn fürs Leben verinnerlicht. In diesem Konglomerat aus Erfahrung und Bürde seinen Weg zu finden, ist zumindest Barbara Honigmann mit ihren Büchern gelungen. Kritisch anmerken will ich, dass ich ein Personenverzeichnis – insbesondere für Mischkas Porträt – als hilfreich angesehen hätte. Einen Anhang über diese Personen, der einige biografische Details aus dem Inhalt wiederholt und Zusätzliches genannt hätte, würde aus dem kleinen Buch der drei Porträts ein zeit- und kulturhistorisches Nachschlagewerk machen. Vielleicht war das nicht der Ansatz, den die Autorin verfolgt hat, aber mir hätte es gut gefallen. Wenn man, wie ich, etwas mehr wissen will über einzelne Personen, ist das Internet dann die erste Wahl, interessant die Seite, auf der man Kurzbiografien z. B. von Mischka und ihrem ersten Ehemann Kurt Müller findet, aber auch von Naum Slavutzki, Jewgenija Ginsburg oder Alexander Solschenizyn. Fazit: Interessante Menschen hat Barbara Honigmann für ihr Buch ausgewählt, die Fülle an Namen und Informationen im Porträt „Mischka“ hat mir die Annäherung an die Porträtierte etwas erschwert. Das Porträt „Max und Yvette“ hat mir einen neuen Blick auf die jüdische Gemeinschaft nicht nur in Straßburg gewährt, das Porträt der sog. „Zweiten Generation“ wäre aber intensiver ausgefallen, wenn der Fokus nur auf eine Person aus diesem Kreis gerichtet worden wäre. So verschwindet am Ende diese Gruppe aus meinem Gedächtnis wieder, ohne einen tiefen Eindruck zu hinterlassen.

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