Manchmal musste sie sich selbst daran erinnern, dass sie ja tatsächlich eine Affäre hatte .
Wie viel Einfluss haben wir auf unser eigenes Leben, wenn ein unaufhaltsames Verlangen sich seinen Weg bahnt? Tage des Lichts erzählt in Anlehnung an den Bloomsbury-Kreis um Virginia Woolf ein achtzigjähriges Frauenleben in sechs Tagen: von Liebe, Schuld und dem Mut, das eigene Herz nicht zu verraten.
England 1938: Ivys Jugend ist vorbei, die 19-Jährige steht am Beginn eines neuen, ungewissen Lebensabschnitts. Soll sie Tänzerin werden? Malerin? Spionin? Nur eines weiß Ivy sicher: Ihre Zukunft muss besonders werden so besonders wie ihre ganze Familie, eine unkonventionelle Künstlerfamilie, die gegen den Strom der Zeit schwimmt. Doch ein tragisches Ereignis am Ostersonntag lenkt ihr Leben in überraschend gewöhnliche Bahnen: Sie heiratet, bekommt Kinder und führt ein angepasstes Leben. Erst als Ivy Jahre später Frances wiederbegegnet, die sie an eben jenem Ostersonntag zum ersten Mal traf, wird ihr bewusst, wie leer sie sich fühlt. Zwischen den beiden Frauen entfacht ein Verlangen, dem sie nicht nachgeben dürfen und das doch unausweichlich scheint.
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Wie Staub auf der Haut
Wortteufel aus Nufringen am 25.02.2026
Bewertungsnummer: 3057416
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Bücher, die laut sind. Und es gibt Bücher, die sich wie Staub auf die Haut legen – leise, fast unscheinbar – und dann nicht mehr weggehen.
Tage des Lichts gehört zur zweiten Sorte.
Megan Hunter erzählt kein spektakuläres Leben, sondern sechs entscheidende Tage. Und gerade diese Reduktion macht die Wucht aus. Ivy steht 1938 am Rand ihres Erwachsenwerdens – voller Möglichkeiten, voller Sehnsucht, voller unbestimmter Ahnung, dass ihr Leben „besonders“ sein soll. Und dann passiert das, was so oft passiert: Das Leben biegt falsch ab. Oder vielleicht einfach anders.
Was Hunter meisterhaft kann: Sie schreibt nicht über große Dramen im Außen, sondern über die feinen Risse im Inneren. Über Anpassung. Über das leise Verstummen von Träumen. Über diese seltsame Mischung aus Pflichtgefühl und Selbstverrat, die viele Frauenleben des 20. Jahrhunderts geprägt hat.
Die Liebesgeschichte zwischen Ivy und Frances ist dabei kein romantisches Feuerwerk. Sie ist still, schmerzhaft, unausweichlich. Kein Skandalroman, sondern eine Studie darüber, wie tief Sehnsucht gehen kann – und wie zerstörerisch das sein kann, wenn sie keinen Raum bekommt.
Was mich besonders getroffen hat: Die Frage nach Verantwortung für das eigene Leben. Wie viel wählen wir wirklich? Und wie viel lassen wir geschehen, weil es einfacher ist, Erwartungen zu erfüllen, als uns selbst treu zu bleiben?
Hunter schreibt klar, fast kühl. Keine überbordende Sprache, kein Pathos. Und genau dadurch tut es weh. Dieses Buch schreit nicht. Es schaut dich an – und fragt dich, an welchen Stellen du vielleicht selbst falsch abgebogen bist.
Kein Buch für Action. Kein Buch für schnelle Emotionen.
Aber ein Buch für Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich ehrlich zu fragen:
Wann habe ich aufgehört, mein eigenes Leben zu führen?
Und das ist unbequem.
Aber gute Literatur darf unbequem sein.
Unkonventionell und poetisch
Silke - Buchgespür - am 20.02.2026
Bewertungsnummer: 3052370
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ivy ist neunzehn, als ihr Leben an Ostern 1938 zerbricht. In einer kreativen Familie aufgewachsen, träumt sie von Freiheit und einem eigenen Weg, doch sie fühlt sich noch verloren. An diesem Ostertag stirbt ihr Bruder bei einem tragischen Unfall und dieser Verlust prägt alles, was folgt.
Der Roman erzählt Ivys Leben anhand weniger ausgewählter Ostertage in verschiedenen Jahren. Von Ostern zu Ostern wird sichtbar, wie Ivy versucht, ein normales Leben aufzubauen. Sie heiratet, wird Mutter und erfüllt Erwartungen, während in ihr Schuld, Sehnsucht und das Gefühl wachsen, sich selbst aufgegeben zu haben.
Später führen Begegnungen und Erinnerungen sie zurück zu dem, was sie einst wollte.
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⭐️ Bemerkenswertes:
Erinnerst du dich bei manchen Büchern mehr an ein Gefühl als an den Inhalt?
Für mich ist „Tage des Lichts“ eines jener Bücher, dass mich über die Atmosphäre und das Gefühl zurück zum Inhalt führt. Über das Licht, über die Landschaft, über das Anwesen, über Ivys Cottage, über die Natur, die sich anfühlt, als wäre sie ein reales Wesen. Ja auch über die Beschreibung so vieler Kinder, so lebendig und aufgeweckt, dass man sie beim Lesen fast lachen oder weinen hört.
Ich habe Ivys Leben voller Erwartungen verfolgt, mit echter Spannung. Ich wollte wissen, wie sie weitergeht, wie sie entscheidet, wie sie liebt, wie sie scheitert, wie sie wieder aufsteht. Einige Wendungen hatten es wirklich in sich und ich habe Ivy so sehr gewünscht, dass sie sich selbst und ihr Glück findet. Ich liebe es, wenn Autorinnen mit wenigen Worten, mit Andeutungen, mit einem Hauch von Gefühl schon lange vorher spürbar machen, was sich zwischen zwei Menschen anbahnt. Diese Gabe ist nicht in jedem Text gegeben und hier habe ich sie gefunden.
Was ich wirklich einzigartig fand, war der Blick auf das Jahr 1938. Megan Hunter zeigt eben nicht die Kriegsvorzeichen, sondern konzentriert ihren Blick auf unkonventionelle Menschen, die nicht angepasst, nicht geschniegelt, sondern frei sind. Kunst, Kultur, Affären, Polygamie, ein Leben jenseits dessen, was man damals als angemessen empfunden hat. Und sie zeigt Liebe in all ihren Facetten, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, ohne daraus ein großes Statement zu machen. Sie ist einfach selbstverständlich da.
Ich habe diese poetische Sprache geliebt. Und nachdem ich vorher „Die Harpyie“ gelesen habe, kann ich nur sagen, dass diese beiden Bücher schlichtweg nicht vergleichbar sind. Was für eine Bandbreite zwischen kalter Rachelust und Poesie.
Einzig die letzten Seiten von „Tage des Lichts“ wurden dann auch mir ein bisschen zu lang.
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