Supersaurio
Roman | Vom Praktikum zum tristen Büroalltag: Ein urkomischer Debütroman über den ersten Job und große Träume | Für Leserinnen und Leser von Beatriz Serrano, Andrea Abreu und Rufi Thorpe
Meryem ist jung, perfekt ausgebildet und so verzweifelt auf Jobsuche, dass sie ein schlecht bezahltes Praktikum im Büro der größten Supermarktkette Gran Canarias beginnt. Täglich pendelt sie mit Bussen, die selten pünktlich sind, nur um sich mit ihrer ignoranten Chefin und Kollegen rumzuschlagen, die ihren Namen nicht richtig aussprechen können. Um dem eintönigen Büroalltag zu entfliehen, schreibt sie in ihrer Freizeit Fanfiction, in der ihre Kollegen die Hauptrollen spielen. Wir folgen Meryem auf ihrem Weg von der Praktikantin ins gelobte Land der Festanstellung nur um festzustellen, dass sie dabei womöglich einen Teil ihrer Seele zurückgelassen hat. Eigenwillig und bestechend witzig erzählt Meryem El Mehdati von den Tücken des modernen Lebens und den alltäglichen Prüfungen einer ganzen Generation, die in die Arbeitswelt eintritt.
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Büroalltags-Satire vom Allerfeinsten
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 29.05.2026
Bewertungsnummer: 3152863
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Supersaurio“ von Meryem El Mehdati ist ein Debütroman, der mich wirklich positiv überrascht hat!
Vom Cover und Titel her hatte ich das gar nicht erwartet, aber diese Story hat es in sich.
Die 26-jährige Meryem hat ihr Sprachstudium beendet. Statt der erträumten Karriere als UN-Übersetzerin landet sie als schlecht bezahlte Praktikantin in der Zentrale von „Supersaurio“, der größten Supermarktkette Gran Canarias. Täglich kämpft sie sich mit unpünktlichen Bussen zur Arbeit mit sinnlosen, eintönigen Aufgaben. Im Großraumbüro trifft sie auf eine ignorante Chefin und Kollegen, die ihren Namen konsequent falsch aussprechen. In ihrer Freizeit schreibt sie Fanfiction mit ihren Kollegen in den Hauptrollen, um dem deprimierenden Büroalltag zu entfliehen.
Meryem war eine absolut authentische und sympathische Protagonistin, die mich vom ersten Moment an in den Bann gezogen hat.
„Mich hat keiner gefragt, ob ich geboren werden will. Wenn mich einer gefragt hätte, dann hätte ich Nein gesagt. Besten Dank, zu freundlich, das klingt echt interessant, aber ich passe. Stumm gestellt, weggeswipt, blockiert. Das Leben ist kompliziert. Man muss vorsichtig sein, wir sind zerbrechliche Wesen. Eben hast du noch auf den Unterarm deines Vaters gepasst, schon bist du fünfundzwanzig und heulst im Bus leise vor dich hin, hinten in der letzten Reihe, wo eigentlich nur Touris und die coolen Oberstufenkids sitzen, weil du zum fünften Mal im Bewerbungsprozess für ein Betriebspraktikum steckst. Du kommst erschöpft vom letzten Bewerbungsgespräch, fühlst dich komisch, hast Gliederschmerzen und bist dir sicher, dass du gar nichts wert bist.“
Der Schreibstil von Meryem El Mehdati hat mir ausgesprochen gut gefallen, ihre direkte und bissige Art, ihre feine Beobachtungsgabe. Sie bringt die Absurditäten des Berufslebens immer treffend auf den Punkt:
„Wirf einen Haufen Leute unterschiedlicher Herkunft als Gruppe zusammen und lass sie ein paar Stunden täglich gemeinsam in einem geschlossenen Raum verbringen. Gib jedem von ihnen eine Rolle, die ihrer Ausbildung, Erfahrung und ihrem Alter entspricht. Organisiere ihre Beziehungen hierarchisch. Schließ die Tür und guck, was passiert. Das Stanford-Gefängnisexperiment ist ein Witz verglichen mit den Dynamiken in einem gewöhnlichen Großraumbüro. Gib einer Person in so einem Büro auch nur ein Quäntchen Macht über die anderen, und du wirst sehen, wie sie sich über Nacht in einen comicreifen Böse wicht verwandelt. Ihre Untergebenen werden zu Menschen, denen sie all ihre Frustration und Ängste überstülpt, denen sie das Doppelte dessen abverlangt, was sie selbst leistet, die sie schlecht behandelt, wenn es nicht gut läuft, die sie schlicht nicht mehr als ihresgleichen betrachten muss. Und jetzt gib einem der Untergebenen ein Milligrämmchen Macht über die restlichen. Mach es dir bequem und schau, was passiert.“
Was bei Meryems Weg von der Praktikantin zur Festanstellung zunächst amüsant wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als schonungslose Darstellung von Ausbeutung und unwürdigen Arbeitsbedingungen.
„Von den fünf Sätzen, die ich am meisten zu meinem Chef sage, ist »Ja, klar« der allerhäufigste. Kannst du am Donnerstag eine halbe Stunde früher kommen? Ja, klar. Kannst du heute eine Stunde länger bleiben? Ja, klar. Kannst du diese Dokumente mal auf Fehler durchsehen? Ja, klar. Kannst du zwei Wochen lang Arbeit für zwei erledigen, weil Yolanda im Urlaub ist? Ja, klar. Kann ich nachtreten, wenn du heulend am Boden liegst? Ja, klar.“
Als sie die Festanstellung endlich erreicht, stellt sie fest, dass der Aufstieg einen hohen Preis fordert. Für die Jobsicherheit hat sie ein Stück ihrer eigenen Identität und Seele aufgegeben.
„Ich habe jetzt bereits fünfhundertsiebenunddreißig verschiedene Erfahrungen in dieser Firma gemacht. Eine schlimmer als die andere.“
Ich war wirklich begeistert von der Klugheit und Tiefe dieses Romans. Vom ersten bis zum letzten Satz hat für mich einfach alles gepasst, daher vergebe ich 5 von 5 Sternen für diesen tollen Debütroman!
Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
Authentisch, ehrlich, bewegend
Bewertung am 22.05.2026
Bewertungsnummer: 3145830
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Buch hat meine Erwartungen übertroffen. Rein vom Cover her hätte ich nicht erwartet, dass DAS dahinter steckt, wobei es hinsichtlich der Story absolut passend ist. Die ersten Seiten der Leseprobe hatten mich direkt überzeugt - letztlich habe ich das Buch an einem Tag durchgelesen, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Ich habe auf fast jeder Seite ein Zitat markiert, oft auch mal ganze Seiten.
Schreibstil und Gedankengänge der Protagonistin waren so deep, authentisch und realitätsnah, dass ich mich wieder und wieder angesprochen gefühlt habe.
Vor allem hat es zum Nachdenken angeregt. Darüber, was man vom Leben wirklich will und erwartet. Zu lesen, wie sie jeden Morgen aufsteht, roboterartig stundenlang unsinnige Aufgaben im Büro verrichtet, abends ko ins Bett fällt und am nächsten Tag von vorne beginnt, hat nicht nur sie erschrocken. Man fragt sich, was das System aus den Menschen macht und wie viel von ihrer Lebenszeit übrig bleibt bzw wofür sie sie eigentlich verkaufen.
Es war erschütternd, vor allem aber wahr.
Auch mit der Lovestory habe ich gefiebert und es war authentisch, dass es nicht als rosa Bubblegum weitergeht, auch wenn man es sich für die Prota gewünscht hat.
Einzig das Ende hat mich unglücklich zurückgelassen, weil sie sich in die Prs verwandelt hat, die sie das ganze Buch über am meisten verabscheut, und dann war es aus. Sie hat sooo viel reflektiert und hinterfragt, konnte sich letztlich aber nicht aus ihrem Kreislauf lösen. Es bereitet mir eine Gänsehaut, aber vlt macht es die Story nur umso realer.
Für mich ist es eine riesige Leseempfehlung, auch in feministischer Hinsicht & im Bezug auf Achtsamkeit ggü. Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Prota trägt den gleichen Namen wie die Autorin, weswegen ich hier von realen, erschreckenden Begebenheiten ausgehe. Mind. die misogynen haben wir Frauen alle schon erlebt.
Zwischendrin gab es winzige Längen.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie deep und relevant dieser Roman ist. Ich empfehle es allen, die im Alltagstrott gefangen sind und so ein bisschen das Gefühl haben, einen Teil ihrer Seele für ein kapitalistisches System zu verkaufen. Es ist definitiv ein Weckruf. Und hat mich in meinen eigenen Entscheidungen nochmal bestärkt.
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