Naid, Oliver und Ismat sind grundverschiedene Menschen.
Trotzdem verbindet sie etwas:
Tag für Tag begegnet ihnen Entmenschlichung.
Naid möchte sich mit seiner Frau eine Zukunft in Frieden im fremden London aufbauen - doch sein Umfeld sieht einen islamistischen Gefährder in ihm.
Oliver hingegen giert nach Ruhm und Anerkennung als berühmtester Amokläufer aller Zeiten - seine Wünsche finden bei skrupellosen Extremisten reichen Nährboden.
Ismat wünscht sich seinen Bruder zurück, der die Gefangenschaft in Abu Ghuraib mit dem Leben bezahlte - seine Verzweiflung macht ihn zur leichten.Beute für geschickte Verführer.
Alle drei geraten in den Abgrund des islamistischen Terrors. Gibt es ein Entkommen?
Eine eindringliche, brandaktuelle Erzählung.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Ursula Inamaka
aus Vöhringen
5/5
27.04.2026
eBook (ePUB)
Absolut wichtiges Thema, perfekt umgesetzt
Dieses Buch behandelt ein Thema, das wohl irgendwie immer aktuell ist. Keine leichte Kost, aber sehr einfühlsam geschrieben.
Naid war mir von Anfang an sehr sympathisch. Die geschriebenen Szenen lassen viel Liebe spüren.
Oliver mag ich nicht. Das ist so ein Mensch, mit dem ich nichts zu tun haben möchte. Sehr gut von der Autorin dargestellt.
Ismat ein junger Mann, der nicht so recht weiß, was er machen soll. Einige Schicksalsschläge machen es ihm wirklich nicht leichter.
Die Erzählung wechselt immer zwischen diesen drei Männern und erzählt von ihrem Leben. Ihrer Kindheit bis zum erwachsen sein. Die aktuelle Lebenslage zeigt, was macht das Umfeld, warum reagiert man in bestimmten Situationen unterschiedlich?
Lange fragt man sich, was haben die drei gemeinsam?
Der islamistische Terror ist der gemeinsame Nenner, aber trotzdem auf unterschiedliche Weise.
Das Ende hat mich zerstört. Die Tränen liefen mir übers Gesicht und viele Gedanken und Gefühle durchliefen mich.
Eine Geschichte, die mich wieder vom Schreibstil der Autorin überzeugt hat. Der aufzeigt ohne zu werten, der Gefühle transportiert ohne künstliches Drama, der so echt und lebendig rüber kommt.
Von mir eine ganz große Leseempfehlung.
Sabine
aus Köln
5/5
23.11.2025
eBook (ePUB)
Ein wichtiges Buch!
In Dehumanisation von Nina Casement habe ich drei sehr unterschiedliche Charaktere auf ihren Pfaden begleitet, Menschen, die auf tiefgreifende Weise mit der Entmenschlichung konfrontiert werden: Nahid, Oliver und Ismet. Nahid ist bestrebt, mit seiner Gattin in London ein Dasein in Sicherheit und Frieden aufzubauen. Jedoch wird er wiederholt als potenzieller Gefährder eingestuft, was sein erhofftes Glück stetig beeinträchtigt. Oliver hingegen sucht Bestätigung durch brachiale Gewalt und findet tragischerweise Anschluss an Gruppierungen, die seine radikalen Ansichten weiter schüren. Der Dritte im Bunde, Ismet, kämpft mit dem traumatischen Verlust seines Bruders, der die Gefangenschaft in Abu Ghraib nicht überlebte. In seiner tiefen Verzweiflung gerät er an Individuen, die ihn in eine gefährliche, extremistische Richtung drängen. Auf diese Weise geraten alle drei Hauptfiguren, unaufhaltsam und sukzessive, in den Bannkreis des islamistischen Terrors.
Ich habe das Werk als äußerst authentisch empfunden, wenngleich mir die Lektüre emotional nicht leichtfiel. Die Situationen, in die die Personen verstrickt werden, haben mich oft zutiefst betroffen gemacht. Ich verspürte das Bedürfnis, häufiger eine Unterbrechung einzulegen, um das Erfasste in Ruhe verarbeiten zu können. Ich spüre, wie der Roman mich dazu zwingt, mich intensiv mit den Komplexen der Entmenschlichung, tief verwurzelten Vorurteilen und dem Weg der Radikalisierung auseinanderzusetzen. Dabei gelingt es der Autorin, mich stets nah an der Innenwelt dieser Figuren zu halten. Die Zeichnung der Charaktere ist in diesem Roman aus meiner Sicht gelungen. Lediglich bei Oliver hatte ich Anlaufschwierigkeiten, seine Handlungen vollends nachzuvollziehen. Zwar werden die Ereignisse beleuchtet, die zu seiner Denkweise führten, doch die Verknüpfung zwischen seiner Kindheit, dem Wettstreit mit seiner Schwester und seinen radikalen Vorstellungen blieb für mich nicht restlos schlüssig.
Ganz anders erging es mir mit Nahid. Mit ihm konnte ich am stärksten mitfühlen. In seinem Alltag zeigen sich auf deutliche Weise die zahlreichen rassistischen Begegnungen, denen er ausgesetzt ist. Dennoch bemüht er sich, ein liebevolles und integres Leben zu führen. Seine innige Beziehung zu seiner Frau hat mich berührt, und ich habe seine Hilflosigkeit spürbar wahrgenommen, wenn es ihm nicht möglich ist, ihr das zu bieten, was er sich für sie erträumt. Auch Ismet hat mich bewegt. Ich habe ihn als jemanden kennengelernt, der im Grunde lediglich überleben will, seine Familie unterstützen möchte und gleichzeitig mit dem schweren Trauma um seinen Bruder ringt. Es war für mich schmerzhaft zu beobachten, wie dieser feinfühlige junge Mann, der einfach versucht, ein Leben zu meistern, Stück für Stück in den Extremismus abgleitet.
Der Schreibstil erschien mir passend für die jeweiligen Charaktere und die Thematik. Die kurzen Abschnitte verleihen dem Buch ein hohes Tempo, und dank der ständig wechselnden Perspektiven blieb ich den inneren Gedanken der drei Protagonisten nahe. Die klare Markierung der Kapitel empfand ich als angenehm und hilfreich, da ich so nie die Orientierung zu verlieren drohte. Die Sprache ist direkt und gut erfassbar, selbst wenn die transportierten Inhalte emotional sehr dicht sind. Ich habe wahrgenommen, wie die Autorin den Tonfall der jeweiligen Figur aufgreift, was mir einen intensiven Zugang zu ihren seelischen Konflikten und ihrer Gefühlswelt ermöglichte. Dadurch fühlte ich mich stark mit der Geschichte verbunden.
Mein Fazit
Für mich stellt Dehumanisation ein intensives, emotional forderndes, aber auch ein wichtiges Buch unserer Zeit dar. Ich bin dankbar für die tiefen Einblicke in diese drei Lebenswege, selbst wenn sie mich oft aufgewühlt und nachdenklich hinterlassen haben. Wer bereit ist, sich auf schwierige und gesellschaftlich brisante Themen einzulassen und die Sichtweise der Betroffenen nachzuempfinden, für den ist diese eindringliche Lektüre sehr empfehlenswert.
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