Eine revolutionäre Erfindung – und ihre ZukunftTim Berners-Lee ist der womöglich einflussreichste Erfinder der modernen Welt. Geboren im selben Jahr wie Bill Gates und Steve Jobs, teilte er seine Erfindung, das World Wide Web, ohne sie kommerziell zu verwerten. Auch deshalb konnte sich diese Technologie so schnell über den gesamten Globus verbreiten. Mit ihr wurde die Menschheit zur ersten digitalen Spezies: Hier, im Web, vernetzen wir uns, hier leben, arbeiten, streiten und träumen wir.In seinem Buch erzählt Berners-Lee, wie er als Ingenieur am Schweizer Forschungszentrum CERN auf die Idee kam, das damals noch junge Internet mithilfe von standardisierten Protokollen und Hypertext-Links in eine offene Plattform für alle und jeden zu verwandeln. Er läutete damit ein neues Zeitalter der Kreativität und Kollaboration ein. Zugleich aber wurden Kräfte entfesselt, die nichts mit der ursprünglichen Idee des Web gemein hatten: Staaten und Konzerne machten sich daran, das Internet für Macht- und Profitzwecke zu instrumentalisieren.Wann und warum geriet die Utopie, die hinter dem Web stand, ins Wanken? Und wie können wir diese Utopie nicht nur wiederbeleben, sondern auch Wirklichkeit werden lassen? Mit der Ankunft von KI stehen wir an der nächsten Schwelle der Entwicklung, entscheidende Weichen müssen gestellt werden. Tim Berners-Lee zeigt, worauf es dabei ankommt – und warum es sich mehr denn je lohnt, für eine freie und selbstbestimmte Zukunft im Web zu kämpfen.Das Hörbuch wird klarsichtig und packend gelesen von Wolfgang Wagner.
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VolkerM
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25.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tim Berners-Lee erzählt in…
Tim Berners-Lee erzählt in „This Is for Everyone“ die Entstehungsgeschichte des World Wide Web aus persönlicher Perspektive und zieht eine kritische Bilanz seiner Erfindung. Er beginnt mit Einblicken in sein familiäres Umfeld, das von Technik und Forschungsdrang geprägt war und seine frühe Neugier auf Informationssysteme förderte. Bei seiner Zeit am CERN führte die praktische Notwendigkeit, weltweit verteilte Forschungsdaten zu verknüpfen, 1989 zur Idee eines offenen Hypertext-Systems, aus dem das Web entstand. Nach der Veröffentlichung des Webs setzte Berners-Lee auf Offenheit statt auf proprietäre Kontrolle und half bei der Gründung des World Wide Web Consortium (W3C). Dort arbeitete er an der Entwicklung offener Standards, die Interoperabilität und Zugänglichkeit sichern sollen. Sein Leitgedanke war, ein Netz zu schaffen, das für alle funktioniert und auf gemeinsamen Regeln basiert („This is for Eyeryone“). Ab etwa 2012 beschreibt Berners-Lee eine Kehrseite: Große Technologieunternehmen gewinnen an Macht, zentrale Plattformen verdrängen dezentrale Strukturen, und das Individuum rückt aus dem Mittelpunkt. Diese Entwicklung bedroht die ursprüngliche „Seele“ des Internets. Ergänzend diskutiert er, wie KI die Suche und Informationsverteilung verändert, personalisierte Algorithmen Filterblasen verstärken und damit den demokratischen Diskurs belasten. Er geht detailliert auf die Chancen und Risiken der KI ein und bewertet sie neutral und nachvollziehbar. Parallel dazu sieht er einen massiven Vertrauensverlust in Medien, Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft, wodurch traditionelle Quellen an Autorität verlieren und eine aggressive Streitkultur aufkommt, die er als „feindseligen Aktivismus“ beschreibt. Als praktische Reaktion auf die Machtkonzentration stellt Berners-Lee sein Solid-Projekt vor, dass ihm sehr am Herzen liegt und vielversprechend klingt. Solid setzt auf persönliche Datenspeicher, sogenannte „Data Wallets“, in denen Nutzer ihre Daten kontrollieren und selektiv freigeben. Ziel ist, die Hoheit über persönliche Informationen vom Plattformbetreiber zurück zum Individuum zu verlagern. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz umfangreiche Nutzerdaten auswertet, erscheint dieses Konzept wichtig, um Privatsphäre, Transparenz und Selbstbestimmung im Netz zu stärken. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Idee von Berners-Lee durchsetzen wird und die Nutzer zukünftig wieder selbst über ihre Daten bestimmen können. Das Buch hat mich durch seinen persönlichen Ton, lebendige Sprache und größtenteils unterhaltsame Leichtigkeit überzeugt. Pointierte Anekdoten bereichern den Text und sorgen für angenehme Abwechslung. Die deutsche Übersetzung ist hervorragend gelungen und verwendet eine durchgehend genderneutrale Sprache. Technische Erklärungen sind bemüht einfach gehalten, können für weniger technikaffine Leser aber gelegentlich herausfordernd sein. Insgesamt gelingt es dem Autor jedoch, auch komplexe Themen verständlich zu vermitteln. Das Buch bietet eine persönliche, gut lesbare und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und Zukunft des Webs; leichte Verständnisschwierigkeiten bei technischen Passagen mindern den Wert nur geringfügig.
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