Theologisches und philosophisches, Dichtungen, Aufsätze und Betrachtungen
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
1 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
„Stehen und gehen“
Bewertung am 07.01.2026
Bewertungsnummer: 2695284
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieter Eiglers poetische Theologie des „Zwischen“ – „Stehen und gehen“ und „Das Einhorn ohne Horn“ als Schlüssel zu seinem Werk
Dieter Eigler ist ein Dichter der Schwelle, ein Theologe des Zwischenraums und ein Komponist der Stille zwischen den Tönen. Seine Texte – ob in „Schubladen“, „Fünfvierteltakt“ oder „Zwischen-Summe“ – sind keine literarischen Werke im herkömmlichen Sinn. Sie sind Räume, die man betritt, Atemzüge, die man mitgeht, und Fragen, die man nicht beantworten muss, um sie zu verstehen. Zwei seiner prägnantesten Motive – „Stehen und gehen“ und „Das Einhorn ohne Horn“ – fassen sein gesamtes Schaffen zusammen: Sie handeln von Werden, Einsamkeit und der Schönheit des Unfertigen.
1. „Stehen und gehen“: Kohelet als Metapher des schöpferischen Prozesses
Eigler beschreibt „Stehen und gehen“ als eine Faszination für das Werden einer Kreation, die mehr selbst wird, als dass sie konzipiert würde. Das erinnert an das Buch Kohelet – nicht als Zitat, sondern als gelebte Erfahrung. Für Eigler ist Kohelet kein Buch der Verzweiflung („Eitelkeit der Eitelkeiten“), sondern ein poetisches Manifest des Unterwegsseins:
Prozesstheologie in Reinform: Eiglers Kunst – ob seine Musik im Fünfvierteltakt, seine Schechina-Theologie oder seine Märchen – entsteht nicht nach Plan, sondern im Gehen. Wie sein Fünfvierteltakt, der keine geraden Takte kennt, sondern Atemräume schafft.
Schöpfung als Bewegung: Eigler steht nicht still. Er geht – wie seine Schechina, die nicht im Tempel wohnt, sondern im Alltag, im Dialekt, in der Geste eines Busfahrers, der wartet. Seine Texte sind wie seine Kompositionen: Sie enden nicht, sie klingen nach.
2. „Das Einhorn ohne Horn“: Die Schönheit des Außenseiters
Das „Einhorn ohne Horn“ ist kein Symbol der Schwäche, sondern der Einsamkeit, die zu sich selbst steht. Eigler zeigt hier, was sein gesamtes Werk durchzieht:
Einsamkeit als Stärke: Das Einhorn braucht kein Horn, um gesehen zu werden – genau wie Eiglers Schechina keine Macht braucht, um zu wirken. Es ist präsent in der Abwesenheit, wie seine Musik, die im Fünfvierteltakt Schwebezustände schafft.
Inklusivismus statt Exklusivismus: Das Einhorn steht allein, aber es ist nicht verloren. Es ist wie Eiglers Theologie: „Ich bin für beides“ (aus „Auf Seiten der Fünf“). Es grenzt nicht aus, sondern lädt ein.
3. Die Synthese beider Motive: Werden und Einsamkeit als zwei Seiten derselben Medaille
Eiglers Genie liegt darin, dass er Gegensätze nicht auflöst, sondern sie als Spannungsfeld stehen lässt:
„Stehen und gehen“ ist die Bewegung – das Werden, das nicht geplant werden kann (wie seine Schechina, die im Zwischen wohnt).
„Das Einhorn ohne Horn“ ist die Einsamkeit – das Sein, das kein Horn (keine Macht, keine Anerkennung) braucht, um gültig zu sein (wie seine Texte, die kein Zentrum haben, sondern Räume öffnen).
Zusammen ergeben sie seine Theologie des Zwischen:
Das Werk wird nicht gemacht, es wird (wie seine Musik, die im Fünfvierteltakt Atemräume schafft).
Das Einhorn steht nicht in der Herde, es steht zu sich selbst (wie seine Schechina, die nicht im Tempel, sondern im Alltag wohnt).
4. Warum diese Texte so typisch für Eigler sind
Eiglers Werk ist keine Literatur, keine Theologie, keine Musik. Es ist eine Kombination aus allem – und gleichzeitig etwas ganz Eigenes:
Prozess statt Perfektion: Wie in „Schubladen“ oder „Fünfvierteltakt“ zeigt er, dass Kunst nicht fertig wird, sondern lebt. Seine Texte sind wie seine Glossolalie in „Moses“: Sie enden nicht, sie klingen nach.
Einsamkeit als Kreativität: Das Einhorn ist wie Eiglers „geistige Nacht“ (aus „Durch die Dunkelheit“). Es ist nicht verloren, sondern frei – weil es kein Horn braucht, um gesehen zu werden.
Kohelet als „poetisches Buch“: Eigler zitiert nicht die Bibel, er lebt sie. Seine Texte sind wie der Fünfvierteltakt: Sie brechen die Erwartung – und schaffen neuen Raum.
5. Eine Einladung an die Leser:innen
Eiglers Texte fordern uns heraus:
Stehen wir still – oder gehen wir? (Wie in „Stehen und gehen“)
Brauchen wir ein Horn, um gesehen zu werden – oder reichen wir, wie wir sind? (Wie das „Einhorn ohne Horn“)
Können wir die Ambivalenz aushalten – oder suchen wir nach einfachen Antworten?
Seine Werke sind keine Bücher, die man liest. Sie sind Räume, die man betritt – wie ein Zelt der Begegnung, in dem man atmet, zweifelt und hofft.
Fazit: Warum Eigler ein einzigartiger Dichter-Theologe ist
Dieter Eigler schreibt nicht über das Leben. Er lebt es – in seinen Texten, seiner Musik und seiner Theologie. Seine Werke sind keine Antworten, sondern Einladungen:
Einladung, das Werden zu feiern (wie in „Stehen und gehen“).
Einladung, die Einsamkeit als Stärke zu begreifen (wie das „Einhorn ohne Horn“).
Einladung, im Zwischen zu wohnen – zwischen Frage und Antwort, zwischen Schweigen und Klang, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft.
Für wen sind diese Texte?
Für Suchende, die keine fertigen Antworten wollen.
Für Künstler:innen, die im „Zwischen“ arbeiten.
Für Theolog:innen, die Mystik und Moderne verbinden.
Für Menschen in Krisen, die lernen wollen, Ambivalenz auszuhalten.
Für Leser:innen von Eiglers anderen Werken („Zwischen-Summe“, „Fünfvierteltakt“), die den theologischen Kern seines Schaffens verstehen wollen.
Und zum Schluss:
Eiglers Texte sind wie seine Schechina: Sie wohnen nicht in den Worten, sondern im Raum, der entsteht, wenn man sie liest. Sie sind keine Bücher, die man schließt, sondern Räume, die man verlässt – und in die man zurückkehrt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.