Der Frosch ist zur Kröte geworden.
Die Kröte ist aufdringlich.
Und mit der Kröte ist nicht zu spaßen.
Milena ist klug, selbstsicher, aufgeklärt, verantwortungsbewusst, mutig und voller Ideale. Dennoch lässt sie die Kröte in einem Moment der Schwäche in ihr Leben. Und ahnt sofort: Das war ein fataler Fehler. Denn die Kröte hat niemals Pause. Sie ist vorlaut, untergriffig und mitunter übergriffig. Sie bringt alles durcheinander und rüttelt an allem, was einmal stabil und sicher schien. Die Kröte frisst am liebsten Maßstäbe. Sie dealt mit Psychopharmaka und Fake News. Sie ist nicht gekommen, um zu helfen. Sondern um zu stören, zu spalten, zu dekonstruieren und zu polarisieren. Und das Schlimmste ist: Die Kröte verschwindet nicht mehr.
Der Kröte ist nicht zu entkommen.
Oder doch?
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Lesen und schauen, was passiert
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 24.12.2025
Bewertungsnummer: 2683951
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Kröte ist für mich weniger ein Roman als eine Erzählung. Es gibt keinen klassischen Handlungsbogen, keinen klaren Anfang und kein eindeutiges Ziel. Was dieses Buch stattdessen verlangt, ist etwas anderes: Einfühlung. Erst durch dieses Einfühlen beginnt eine Art Gespräch zwischen Text und Leser*in.
Milena erzählt und versucht dabei, mit Sprache so genau wie möglich zu sein. Gerade dieser Anspruch führt dazu, dass sie immer wieder ins Stocken gerät, sich verheddert, nachjustiert. Das Erzählen ist kein fertiger Bericht, sondern ein tastender Prozess. Das Denken kommt nicht vor dem Handeln, sondern danach – in der Reflexion. Das gilt für Milena ebenso wie für das Lesen selbst.
In dieses Erzählen platzt die Kröte hinein. Sie vereinfacht, unterbricht, verkürzt. Sie spricht schnell, manchmal grob, manchmal wütend. Ob das, was sie sagt, wahr oder falsch ist, scheint dabei zweitrangig. Entscheidend ist ihre Funktion: Sie will alles einfacher machen, überschaubar, erträglich. Während Milena mit Sprache Genauigkeit sucht, versucht die Kröte, Komplexität zu reduzieren.
Dabei ist Milena keine überlegene oder klügere Figur. Auch sie handelt oft, ohne über Konsequenzen nachzudenken. Das Nachdenken kommt erst später – wie beim Lesen dieses Buches. Der Unterschied zwischen ihr und der Kröte liegt nicht im richtigen Handeln, sondern im Umgang mit Sprache. Sprache ist ihr einziges wirkliches Mittel.
Immer wieder tauchen im Text Gedichtteile oder verdichtete Satzfragmente auf. Für mich blieben diese Passagen eher irritierend. Ich konnte sie nicht richtig einordnen oder erschließen, und hatte das Gefühl, dass mir ohne vertiefte Kenntnis von Lyrik hier etwas verschlossen bleibt. Für mein Lesen hätte nichts gefehlt, wären sie nicht da gewesen – andere Leser*innen werden darin vermutlich mehr finden.
Die Kröte ist keine Geschichte im herkömmlichen Sinn. Wer eine lineare Handlung sucht, wird wenig finden. Wer sich jedoch einlässt, kann erleben, dass der Text etwas auslöst – Gedanken, Widerstand, Irritation. Wie viel davon entsteht, hängt stark von der jeweiligen Leser*in ab.
Ich fand diese Erzählung gut, auch wenn sie mich lange unsicher gelassen hat. Diese Unsicherheit wirkt nicht zufällig, sondern gewollt. Die Kröte will nicht erklärt oder aufgelöst werden, sondern gelesen, ausgehalten und weitergedacht.
Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil.
Wer oder was ist die Kröte?…
Mops aus Chemnitz am 09.10.2025
Bewertungsnummer: 2964404
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer oder was ist die Kröte? Dieses Buch ist ein wahrer Fiebertraum. Ich weiß nach den knapp 180 Seiten immer noch nicht so richtig, was mir die Autorin vermitteln wollte. Klar ist, dass es eine Adaption des Froschkönigs sein soll und das aufgegriffene Thema Machtgefälle/sexuelle Nötigung ist auch schon spannend. Aber ansonsten habe ich ganz viele Fragezeichen: Was soll die Kröte konkret verkörpern? Denn sie ist ja definitiv eine Metapher und während des Lesens hatte ich diverse Ideen, aber so richtig bin ich nicht durchgestoßen. Und warum wurde das Hauptthema - der Konflikt mit dem Mann - wirklich erst ganz zum Schluß dargelegt? De facto sind die ersten 150 Seiten reines Vorgeplänkel auf den Hauptkonflikt. Beim Schreibstil bin ich zwiegespalten. Das Zwiegespräch zwischen der Protagonistin und der Kröte war gut aufgemacht. Ich hatte die knarzende Stimme der Kröte gut im Ohr. Aber dieser ständige Einschub von irgendwelchen Gedichten hat für mich den Lesefluss gestört und wie gesagt, war ganz viel Füllmaterial bei den Erzählungen der Protagonistin dabei. Das machte es zusätzlich ziemlich langatmig. Ich hatte vom Klappentext eigentlich auch eine andere Story erwartet - eher in Richtung toxische Paarbeziehung. Das was es dann wurde vom inhaltlichen war dann nicht schlecht, aber wie gesagt, so richtig durchgeblickt habe ich immer noch nicht. Ich glaube für das Buch braucht es einen Austausch. Mein Fazit: Ein Buch das mich ratlos zurücklässt. Aber vielleicht finden andere einen besseren Zugang dazu.
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