Wien, Herbst 1948. Die Stadt blutet dreieinhalb Jahre nach Kriegsende immer noch aus vielen Wunden, und auch an David Bronstein ist diese Zeit nicht spurlos vorübergegangen, geht er doch seiner unwiderruflichen Pensionierung entgegen. Bald wird er nicht mehr gegen Verbrecher, sondern gegen Langeweile und Einsamkeit ankämpfen. Just da meldet man ihm die Entführung eines US-Amerikaners im sowjetischen Sektor, und Bronstein nimmt noch einmal Witterung auf.
Es zeigt sich rasch, dass das Opfer eigentlich ein jüdischer Mitbürger aus Wien gewesen war, dem 1938 gerade noch die Flucht gelang, während seine gesamte Familie von den Nazis in den Tod getrieben wurde. Die damaligen Täter, so findet Bronstein heraus, leben unbehelligt mitten in Wien. Bronstein nimmt sich der Sache mit aller Kraft, über die er noch verfügt, an, was bei seinem Vorgesetzten auf wenig Gegenliebe stößt. Der will lieber den Mord an einer Geheimprostituierten aufgeklärt wissen, während man die Vergangenheit ruhen lassen soll. Bronstein aber hat mit den Nazis noch seine ganz persönliche Rechnung offen.
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Oberst Bronstein ermittelt
Gertie G. aus Wien am 28.08.2025
Bewertungsnummer: 2579803
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Historiker und Autor Andreas Pittler lässt seinen Oberst David Bronstein ein letztes Mal in seiner aktiven Dienstzeit ermitteln bevor er im November 1948 in den Ruhestand übertritt.
Es sind nur mehr wenige Tage bis Bronsteins Ruhestandsversetzung, als der Mord an der Prostituierten Josefine Dangl die Wiener Polizei in Atem hält. Bronstein erhält den Auftrag im Milieu zu ermitteln, wohin er doch so gute Kontakte hätte, wie sein Chef Berner im Kommissariat Leopoldstadt süffisant bemerkt. Nahezu gleichzeitig meldet ein betagter Mann die Entführung eines offensichtlich jüdischen Mannes durch vier Personen auf der Praterstraße. Wenig später wird die Leiche jenes Mannes aus der Donau geborgen, den Bronstein und eine alte Frau als Herschel Apfelbaum identifizieren, der 1938 gerade noch emigrieren konnte. Was hat ihn veranlasst im Herbst 1948 in das zerstörte Wien zurückzukommen?
Bei seinen von Chef Berner nicht goutierten Recherchen deckt Bronstein ein abgrundtief hässliches Verbrechen aus dem Jahr 1938 auf. Die damaligen Täter sonnen sich in ihrem Bewusstsein, dass alle ihre Taten, die sie während des NS-Regimes begangen haben, nun amnestiert sind. Die aktuelle politische Lage, niemand will mit den Nazis etwas zu tun gehabt haben und man möge doch bitte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, macht es ihnen leicht.
Doch sie haben die Rechnung ohne Oberst Bronstein gemacht, dessen Gerechtigkeitssinn schon fast fanatisch zu nennen ist und der noch mit den Nazis noch eine sehr persönliche Rechnung offen hat. Wie häufig ermittelt er auf eigene Faust und kümmert sich wenig um die Anordnungen seines Vorgesetzten. Kann er die Sache Apfelbaum zu einem Abschluss bringen und anschließend in den Ruhestand gehen?
Meine Meinung:
Dieser 9. Fall für Oberst David Bronstein spielt im Jahr 1948 und ist daher zeitlich vor dem 8. Fall „Goodbye“ angesiedelt, der im Jahr 1955, dem Jahr in dem Österreich den lang ersehnten Staatsvertrag erhält und die die vier Besatzungsmächte endlich das Land verlassen, spielt.
Wie wir es von Historiker und Autor Andreas Pittler kennen, erklärt die Zusammenhänge der Politik ohne den Eindruck zu erwecken, Geschichtsunterricht zu erteilen. Diese unterschwellige Art historische Zahlen, Daten und Fakten zu vermitteln, ist die große Kunst des Andreas Pittler. Er vermittelt Geschichtsunterricht, ohne dass die Leser dies merken. Seine „Unterrichtseinheiten“ sind in den fesselnden Krimi eingebettet. Er bringt uns die Stimmung in Wien näher, ohne zu werten. Wir erleben die antisemitischen Ansichten zahlreicher historischer Persönlichkeiten wie von SPÖ-Innenminister Oskar Helmer und abwärts bis hin zur kleinsten und fiktiven Hausmeisterin. Geschickt verknüpft der Autor Fakten mit Fiktion.
Die Versorgungslage drei Jahre nach Kriegsende ist in Wien nach wie vor trist. Es mangelt an allem und jenem. Selbst wenn man über die entsprechenden Lebensmittelkarten verfügt, heißt das noch lange nicht, die aufgerufenen Güter des täglichen Lebens zu erhalten. Auch Zigaretten sind nur auf Karte (oder im Schleichhandel) erhältlich. Hier muss ich mich (obwohl ich Nichtraucherin bin) ein wenig empören, hat man doch den Frauen anfangs nur 20 Zigaretten pro Monat zugestanden, während Männer 40 Stück erhalten haben. Erst als eine Frau zu Gericht gegangen ist, um die gleiche Menge zu erhalten, hat man dem nachgegeben. Nun, immerhin soll mit Beginn des Jahres 1949 die Rationierung für Zigaretten aufgehoben werden. Ein kleiner Lichtblick für den starken Raucher Oberst Bronstein.
Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 26. Oktober und dem 5. November 1948. Bronstein ist getrieben, diesen letzten Fall aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen.
Die Charaktere sind wie gewohnt, authentisch beschrieben. So kann ich David Bronsteins Gedanken nach einem über 41 Jahre dauernden Berufsleben nachvollziehen, wenn er nicht weiß, was er mit seiner Freizeit anfangen soll. Frühere Weggefährten sind entweder ermordet worden oder einfach so gestorben oder wie sein ehemaliger Kollege und Freund Andreas Cerny in die Tschechoslowakei ausgewandert und hat dort Karriere gemacht. Die Jahrzehnte im Polizeidienst und die Politik haben Oberst David Bronstein zu einem einsamen Mann gemacht. Immerhin trifft er sich mit Heinrich, einem ehemaligen Polizisten zum Schach spielen - auch wenn Bronstein immer verliert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Fall für Oberst David Bronstein wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.
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