Herculaneum war einst ein wohlhabendes Städtchen an der Küstenstraße zwischen Neapolis und Pompeji. Die Stadt mit griechischen Wurzeln lag strategisch günstig am Golf von Neapel. Nach der Eroberung durch die Samniten wurde sie 89 v. Chr. römisches Municipium. Zahlreiche Villen der Aristokratie entstanden, darunter die berühmte Villa dei Papiri. 79 n. Chr. verschüttete der Vesuv die Stadt unter pyroklastischem Material – organische Funde wie Holz und Schriftrollen blieben erhalten. Seit 1709 liefern Ausgrabungen sensationelle Einblicke in Stadtstruktur, Infrastruktur und das Alltagsleben der Bewohner.
Umberto Pappalardo zeigt in diesem reich bebilderten Band, wie die Archäologie die Vergangenheit dieser einzigartigen Vesuvstadt entschlüsselt und zum Leben erweckt.
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VolkerM
5/5
02.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hervorragend strukturiert, kompakt und anschaulich
Herculaneum steht zu Unrecht immer ein wenig im Schatten von Pompeji. Ob das an der deutlich kleineren Ausgrabungsfläche oder den schlechten Parkmöglichkeiten liegt, sei dahingestellt, ein Versäumnis wäre es in jedem Fall. Herculaneum ist Pompeji in edel. Die herrschaftlichen Häuser sind zwar kleiner, aber die Ausstattung prächtiger, die erhaltenen Kunstwerke prunkvoller und viele Alltagsgegenstände aus Holz und Papier sind hier erhalten, während sie in Pompeji verbrannten. 20 Meter Tuff und Lava schützten Herculaneum fast 2000 Jahre lang vor der Wiederentdeckung, auch das ein Unterschied zu Pompeji, das bereits in der Antike zum Teil geplündert wurde.
Das Buch von Umberto Pappalardo ist eine kompakte aber sehr fundierte Darstellung, die auch neueste Erkenntnisse und Grabungsergebnisse berücksichtigt. Der Autor beschreibt zum einen die bedeutenden Gebäude und Raumstrukturen, wobei er Funktion und Ausstattung im Fokus hält. Die zahlreichen Fotos zeigen Übersichten und Details des Dekors, vor allem die prächtigen Wandmalereien und Mosaike, aber auch Einrichtungsgegenstände und Kunstwerke, die heute nicht mehr am Ort, sondern in teilweise weit entfernten Museen aufbewahrt werden. Sie geben einen sehr anschaulichen Eindruck von der Lebensrealität der Römer, noch ergänzt durch literarische und epigrafische Quellen, die Pappalardo in Übersetzung zitiert. Überraschend oft erwähnt er deutsche Autoren, von Goethe bis Winckelmann, und deren Eindrücke vom Beginn der Ausgrabungen im 18. Jahrhundert. Aber erst viel später wurde in Herculaneum Archäologie im heutigen Sinn betrieben, weshalb man von Glück reden kann, dass der Zugang zu den Ruinen durch die mächtigen Gesteinsschichten so sehr erschwert wurde, dass bis heute kaum ein Viertel der Gesamtfläche ausgegraben ist. Alleine die neuen Erkenntnisse seit den 1980er-Jahren sind enorm, als man den alten Strand und die Massengräber entdeckte. Pappalardo, als ehemaliger verantwortlicher Inspektor der Ausgrabungen, verschweigt allerdings, dass gerade Herculaneum durch Vernachlässigung fast ein zweites Mal vernichtet worden wäre. Erst als die antiken Häuser reihenweise zusammenfielen, besann man sich und begann mit der Rettung. Heute steht die Ausgrabung wieder deutlich besser da.
Der Autor verwendet für architektonische Elemente die Fachsprache, die aber in einem Glossar im Anhang erklärt wird. Dadurch bleibt der Text kompakt und präzise, dabei aber in Kombination mit den Fotos anschaulich und verständlich. Großen Wert legt Pappalardo auf den gesellschaftlichen Hintergrund der Stadt, die Zusammensetzung der Bevölkerung, die Hierarchien und Außenbeziehungen. So entsteht ein sehr lebendiges Bild einer Luxusstadt, die alle Annehmlichkeiten der römischen Kultur auf kleinem Raum vereint. Die nur 10000 Einwohner hatten ein eigenes Theater, mehrere luxuriöse Bäder, ein Forum, Tempel und Repräsentations- und Memorialbauten. Und das sind nur die Strukturen, die man bisher kennt. Das Theater liegt bis heute unterirdisch unter der modernen Stadt und ist nur in kleinen Teilen erschlossen. Würde es ausgegraben, wäre es das mit Abstand besterhaltene Theater der Antike. Und von diesen Superlativen hat Herculaneum noch mehr aufzuweisen.
Das Buch konzentriert sehr strukturiert und gut aufbereitet das aktuelle Wissen über die antike Stadt. Es eignet sich sowohl zur Vor- als auch Nachbereitung eines Besuchs oder einfach nur als fachlich fundierter und anschaulicher Bildband für die Daheimgebliebenen.
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