Von 1733 bis 1746 erbaute der Stuckateur, Bildhauer, Maler und Baumeister Egid Quirin Asam (1692–1750) die kleine, äußerst extravagante Kirche St. Johann Nepomuk im Herzen der Münchner Altstadt, direkt neben seiner Wohn- und Arbeitsstätte, dem „Asamhaus“. Sein noch berühmterer Bruder Cosmas Damian schuf 1735 das monumentale Deckenfresko – und dies alles als Privatinitiative mit eigener Familiengruft und einer Hausfassade als kunsttheoretischem Schaubild. Denn die Brüder waren nicht nur bedeutende Künstler, sondern auch hellwache Intellektuelle. So gibt es in der Kunst der Vormoderne wohl kein zweites Spitzenwerk, das die Absichten und Denkweisen seines Schöpfers so vollständig umsetzt wie das Ensemble in der Sendlinger Straße. Auch nach fast 300 Jahren schlägt es die Besucherinnen und Besucher mit seiner Prachtentfaltung im mystischen Halbdunkel noch immer in seinen Bann – ein „totales Kunstwerk“ eben.
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VolkerM
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28.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Asam-Kirche ist in vieler…
Die Asam-Kirche ist in vieler Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen gehört sie zu den seltenen Beispielen bürgerlichen Stiftertums, indem sie von den Asam Brüdern Egid Quirin und Cosmas Damian nicht nur gebaut, sondern auch privat finanziert wurde. Auch wenn sie sich damit finanziell überhoben, ist der barocke Prunk von Fassade und Innenraum im Bereich der Privatfrömmigkeit einzigartig, zumal das Wohnhaus Egid Asams zur Linken und das Priesterhaus zur Rechten ebenfalls zum Ensemble gehören. Aber nicht nur handwerklich besticht der Kirchenbau durch Perfektion, sondern das Bild- und Architekturprogramm steckt voller Überraschungen und zeugt vom hohen intellektuellen Niveau des Bauherrn, der die Wechselbeziehungen zwischen Raum und Dekor bewusst inszenierte. Die Monografie von Thomas Schauerte ist von unfassbarer Eindringtiefe, was besonders beeindruckt, wenn man weiß, dass er dieses Monumentalwerk neben dem Hauptberuf als Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg in seiner Freizeit schrieb. Sie ist übrigens die gekürzte Fassung seiner Habilitationsschrift. Schauertes Blick reicht weit über die eigentlichen Bauten hinaus, indem er sie in einem großen Kontext zwischen höfischer und privater Repräsentation verortet, wobei das religiöse Fundament Ikonografie und Zweckbestimmung zusammenhält. Die Asamkirche war als Egidus‘ Grabkirche, der Ort als neue Wallfahrtsstätte geplant, die für den Erhalt der Kirche und den Unterhalt des nebenan gebauten Priesterkonvents sorgen sollte. Trotz anderer, erfolgreicher Vorbilder erfüllte sich dieser Plan nur zeitweise und in Teilen. Thomas Schauerte untersucht im Detail die Parallelen zum Werk der Asambrüder und berücksichtigt dabei auch externe Einflüsse, insbesondere von italienischen Baumeistern der Zeit, sowie der Mentoren Karl Meichelbeck und Franz Xaver von Wilhelm. Dem Nepomuk-Kult als spirituellem Fundament des Bildprogramms kommt besondere Bedeutung zu und das, wie Schauerte zeigt, nicht erst seit dem Bau der Asam-Kirche. Der Autor erkennt, dass sich das Konzept der Künstler-Grabkirche auf mehreren Ebenen spiegelt: Asam baut „für die Ewigkeit“, aber Haus und Kirche waren selbstverständlich auch Signale an Asams Zeitgenossen, als unübersehbare Referenz inmitten der Residenzstadt, die auch in diesem Sinn gelesen wurde. Der Künstler lebt in seiner Kunst und lebt in ihr fort, als „totales Kunstwerk“. Kritisch sieht der Schauerte Teile der Restaurierungen nach den Kriegszerstörungen, insbesondere beim Wiederaufbau des Chores mit dem heute völlig anders konzipierten Emporenaltar und der neuen Lichtöffnung, die das Gesamtbild des Innenraums wesentlich verändert hat. Da wünschte man sich, eine Monografie von diesem Format hätte schon damals zur Verfügung gestanden - manche „Sünde“ wäre wohl nicht passiert. Schauerte konstatiert zu Recht, dass die Düsternis im Kircheninneren von Asam als Todesreferenz beabsichtigt und nicht das Resultat enger städtischer Bebauung war, die man „kurieren“ musste. Die These wird unterstützt durch das im Bereich des Chores nur in Teilen erhaltene originale Bildprogramm, das ebenso komplex wie stimmig war und in der Apotheose des Johannes seinen Höhepunkt findet. Text- und Bildteil sind voneinander getrennt, mit den bekannten Vor- und Nachteilen. Die Illustrationen haben aber einen derart großen Umfang, dass der Textfluss bei einer Integration wohl stark fragmentiert worden wäre. Enzyklopädisches Wissen in eine Struktur und Sprache zu fassen, der ein Leser mühelos folgen kann, ist eine große Kunst. Thomas Schauerte beherrscht sie aufs Eleganteste.
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