Ein Roman, so schnell erzählt wie "Kill Bill" von Tarantino! Ein spektakulärer Kunstraub. Verschollene Gemälde. Eine kurdische Hochzeit. Ein Scharfschütze, der einen Schuss abfeuert. Eine Familie zwischen den Niederlanden und Kurdistan, für die nichts mehr ist, wie es war. Im Stil eines Actionfilms mit schnellen Cuts erzählt Cemile Sahin die Geschichte eines Verrats, von Liebe, Freundschaft und Leben im Exil, so auf der Höhe der Zeit, wie nur sie es kann. "Es gibt wenige Autorinnen, die so liebevoll und ernst vom Schicksal ihrer Helden erzählen und gleichzeitig ein so ausgeprägtes Gefühl für absurde Komik haben." - FAS. "Cemile Sahin verwandelt filmische Unmittelbarkeit in mitreißende Literatur. Das Buch vermisst, trauert, liebt und ist dabei rasend schnell." - DER SPIEGEL. "So temporeich, unverfroren und leichtfüßig erzählt gerade niemand über Migration, Flucht und alte sowie neue Heimaten." - DEUTSCHLANDFUNK BÜCHERMARKT. "Ein kluges, aktuelles und wirklich witziges Meisterwerk." - MDR. Authentisch interpretiert von der Autorin.
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Ein experimenteller Roman voller Überraschungen
Hanna (text.reisen) am 07.04.2025
Bewertungsnummer: 2460134
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist definitiv ein Leseerlebnis der besonderen Art, deswegen will ich hier auch gar nicht zu viel über den Inhalt verraten: Es geht um die Geschwister Korkmaz und ihre Familien, die von Kurdistan in die Niederlande ausgewandet sind. Der Einstieg in das Buch ist recht unmittelbar und es bleibt zunächst noch unklar, worauf die Geschichte hinausläuft: Man lernt die verschiedenen Personen der Familie Korkmaz kennen und erfährt auch ein bisschen etwas über ihre Vertreibung und die Emigration nach Rotterdam, bevor es dann zu einer rasanten Wendung nach der anderen kommt; vor allem am Ende musste ich dann auch an die Serie „Haus des Geldes“ denken
Der Stil des Romans erinnert an ein Drehbuch. Die kurzen, präzisen Sätze wirken teilweise wie Regieanweisungen und es werden Wendungen wie „Zoom auf …“ verwendet. Auch die Kapitel beginnen ähnlich wie Szenen in einem Film oder Theaterstück jeweils mit der Auflistung von Handlungsort, -zeit und den darin vorkommenden Personen. Ich habe zwar ein bisschen gebraucht, um in das Buch hineinzufinden, wenn man sich jedoch ganz darauf einlässt, macht das Lesen richtig Spaß und man kann sich die einzelnen Szenen sehr lebhaft vorstellen. Besonders gut gefallen hat mir auch die Darstellung der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Geschwister; mit kleinen anekdotenhaften Details schafft es Cemile Sahin sehr lebendige Charaktere zu schaffen.
Ein originelles, vielschichtiges Buch, das migrantisches Leben von einer etwas anderen Seite zeigt und viele Überraschungen für seine Leser:innen bereit hält. Große Leseempfehlung!
Kreativität um ihrer selbst…
Bories vom Berg aus München am 04.09.2025
Bewertungsnummer: 2957772
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kreativität um ihrer selbst willen Der dritte Roman der kurdischen Künstlerin Semile Sahin mit dem Titel «Kommando Ajax» wurde von den Feuilletons recht unterschiedlich bewertet. Im Frühjahr wurde er für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, hat ihn aber nicht erhalten. Bei den Leser-Kommentaren im Online-Buchhandel gibt es derzeit drei Jubel-Rezensionen mit fünf Sternen unter den Überschriften «Bestes Buch seit langem», «Treffender geht es nicht» und «Packender Roman». Dabei weisen diese frühen Kommentare, einer sogar noch vor dem offiziellen Erscheinen des Buches am 17.9.2024, ziemlich eindeutig auf literarische Claqueure hin! Und bis heute, ein Jahr später, gibt es auch keinen einzigen neuen Kommentar mehr, das muss doch zu denken geben! So gar nicht in den Jubel passen übrigens auch die an gleicher Stelle mit derzeit 25 Prozent ungewöhnlich vielen, absolut negativen Bewertungen ohne ergänzende, schriftliche Begründung! Ein so noch nicht da gewesenes, wahrhaft zwiespältiges Echo mithin! Der turbulente Plot dieses Romans aus lose ineinander verwobenen Action-Elementen und Migrations-Problemen handelt von einer nach Rotterdam emigrierten Familie aus Kurdistan. Er beginnt mit einer typisch kurdischen Hochzeit, bei der einer der Brüder aus der im Mittelpunkt stehenden Familie Korkmaz von einem Scharfschützen erschossen wird. Wie in einem Actionthriller geht es um einen Verräter, um Kunstraub alter Meister, um Rache, Liebe und um Zusammengehörigkeit innerhalb der großen kurdischen Familie in einem ausländerfeindlichen Umfeld. Stilistisch stellt der Roman dieser äußerst vielseitigen Künstlerin ein ziemliches Novum dar mit seiner drehbuchartig an einen Spielfilm erinnernden, temporeichen Erzählweise, in der die Sprache, chronologisch unbekümmert, wie bildersatte, wilde Schwenks mit der Kamera gehandhabt wird. Ebenso unkonventionell ergänzt wird diese manchmal amüsante, kreative Prosa durch viele darin eingestreute, bunte Bild- und Texttafeln, an ein Kinderbuch erinnernd. Hinter all der vordergründig erscheinenden Action steht sinnstiftend die nachdenklich machende Geschichte von der schwierigen Migration einer kurdischen Familie in den als ausländerfeindlich beschriebenen Niederlanden. Die dort alltäglich spürbare Diskriminierung wird im Roman sinniger Weise «Europakrankheit» genannt. Es gehört viel Mut dazu, Genregrenzen missachtend sämtliche Erzähl-Konventionen über Bord zu werfen und damit ja auch weitverbreitete Leser-Erwartungen zu negieren. Die an sich inhaltlich absolut nichts Neues bietende Geschichte wird stilistisch derart extravagant erzählt, dass man wirklich Vergleichbares kaum finden wird. Dieses den Roman narrativ kennzeichnende Alleinstellungs-Merkmal wird viele Leser gleichwohl kaum beglücken können, zu verstörend und oft auch irritierend ist die stakkatoartige Erzählweise der experimentier- und risikofreudigen Autorin. Man ist als Literaturfreund zuweilen ungut an die Sprachblasen in einem banalen Komikheft erinnert. Dieser Roman ist regelrecht überkonstruiert in dem erkennbaren Bemühen seiner Autorin, einen popartigen, unverwechselbar eigenen Stil zu kreieren, - l'art pour l'art, Kreativität also um ihrer selbst willen!
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