Nach dieser Sache befindet sich Anna, die Heldin des Romans, in einem Sanatorium. Dort trifft sie auf Marija, die ständig Monologe über ihre tote Mutter hält, auf Elif, die sich jeden Tag ein neues Märchen ausdenkt, und auf Katharina, die Bundeswehr-Soldatin, die jede Nacht Rotwein mit Wodka trinkt. Und dann ist da noch Pepik, der blasse Flamingo aus dem Kurpark, dem Anna von ihrer Emigration erzählt, von der Zeit, als ihre Mutter aufhörte, ihr unsichtbare Kreise auf die Wange zu zeichnen, und der Vater sich kaum noch blicken ließ. Vor allem aber spricht Anna mit Pepik tagtäglich über die Liebe. Denn Liebe gibt es überall, gerade und sogar an einem derart deprimierenden Ort wie einer Klinik.Elegant und in klarer, präziser Sprache erzählt Anna Prizkau von Menschen, die das Glück suchen, ohne es wirklich finden zu wollen. Von dem Fremden und Verlorenen, von Rollen und Erwartungen. Und immer und vor allem von der Kraft des Erzählens.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Jürg K.
5/5
21.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrückliche Geschichte mit Tiefgang
Die Protagonistin Anna hatte einen psychischen Zusammenbruch und befindet sich nun in einem Sanatorium. Hier begegnet sie einigen komisch wirkenden Mitpatientinnen. Marija, die ständig Monologe mit ihrer Mutter hält. Elfi die für jeden Tag ein anderes Märchen ausdenkt. Die Bundeswehrsoldatin Katharina die Nacht für Nacht Rotwein mit Wodka trinkt. Da ist noch Pepik, der blasse Flamingo aus dem Kurpark. Mit ihm spricht Anna täglich über die Liebe. Anna Prizkau erzählt eine Geschichte ohne Schnörkel die poetisch, aber auch schmerzhaft und sehr direkt ist. Die Erzählerin verarbeitet ihre Kindheit in Russland und das Fremdsein in Deutschland auf sehr eindrückliche Art. Das Lesen dieses sehr gut geschriebenen Buches ist nicht ganz einfach aber sehr eindrücklich und sachlich. Dies hat mir sehr gefallen. In der Geschichte wird das Sanatorium wird zum Spiegelbild innerer Zerrissenheit. Die einzelnen Schilderungen der Protagonistinnen sind manchmal zerstörend, aber sehr tiefgründig. Diesen anspruchsvollen Roman kann ich sehr empfehlen.
ancla_books4life
aus Schwerte
4/5
29.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leise, einfühlsam und nachdenklich
**** Mein Eindruck ****
Ein durchdachtes, zartes Buch, das leise Töne voller Menschlichkeit, Scham, Schmerz, Bedürftigkeit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion anschlägt – und diese auf berührende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte ist gut geschrieben und sehr nachvollziehbar. Besonders das Miteinander der Figuren und ihr Aufeinandertreffen an einem besonderen Ort habe ich mit großer Freude verfolgt.
Das Gefühl von Abgrund und zerbrechlichem Glück wird intensiv, aber niemals überzogen oder gar triggernd behandelt. Stattdessen bleibt der Ton ernst, respektvoll und einfühlsam – genau das hat dieses Buch für mich besonders gemacht. Für ein ganz großes Highlight fehlte mir an einigen Stellen etwas mehr Raffinesse und Feinschliff. Trotzdem lässt mich die Geschichte nachdenklich zurück. Gerade das Ende empfand ich als starkes Highlight und als gelungene Idee, die sicher viele Leserinnen und Leser auf ganz unterschiedliche Weise ansprechen wird.
**** Empfehlung ****
Wer Lust auf eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Themen wie Verletzlichkeit, Hoffnung und Begegnungen auf Augenhöhe hat, wird hier eine bewegende und nachwirkende Lektüre finden.
Silke - Buchgespür -
4/5
23.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Realistische Erzählung
Anna will nicht mehr leben. Ihr Plan, sich mit dem Fahrrad von einem Auto erfassen zu lassen, misslingt und so landet sie in der Hans-Lewitt-Klinik, einem Sanatorium für psychisch Kranke. Dort begegnet sie anderen Frauen, die wie sie mit tiefen Verletzungen und Verlusten ringen. Da ist Elif, die ihre Trauer in immer neuen Märchenbildern erzählt. Marija hält lange Monologe über ihre verstorbene Mutter. Katharina, eine Soldatin, greift zum Alkohol, um Erinnerungen zu verdrängen.
Zwischen Medikamenten, Therapiesitzungen und Routinen versucht Anna, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Halt findet sie merkwürdigerweise bei einem Flamingo im Klinikpark, dem sie ihre Gedanken über ihre Kindheit, über das Auswandern und über ihre Sehnsucht nach Glück anvertraut. Doch die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Erinnerung und Einbildung verschwimmen immer stärker.
___
Ich war besonders gespannt auf diesen Roman. Großen Respekt habe ich vor der Autorin, die das Leben in einer Klinik beschreibt, ohne die altbackenen Klischees einer Irrenanstalt zu bedienen, die Menschen nur abschrecken und Angst machen. Sehr eindrücklich fand ich, wie deutlich wird, woher die seelischen Wunden der Frauen kommen, das ist nachvollziehbar beschrieben. Auch der Tagesablauf und die Veranstaltungen sind realistisch geschildert.
Die Geschichte der vier Frauen wird nacheinander erzählt. Niemand fragt direkt nach dem Grund, warum jemand in der Klinik ist, doch nach und nach erfährt man es indirekt. Besonders Anna selbst lässt dabei tief durchblicken. Sie setzt sich mit ihren Mitpatientinnen auseinander und gibt deren Geschichten so wieder, wie sie sie von ihnen hört, immer mit der Unsicherheit, ob alles wirklich so geschehen ist. Diese schriftstellerische Herangehensweise fand ich sehr interessant. Unterstützt wird das Ganze durch die Sprache, die die jeweilige Erkrankung widerspiegelt und die Stimmen der Frauen unverwechselbar macht. Eindrucksvoll ist zudem, wie Annas eigene Herkunft eingeflochten wird: ihre Kindheit in Russland, die Migration nach Deutschland und das Gefühl des Fremd-Seins, das sie bis heute begleitet.
Und dennoch bleiben meine Gefühle für den Roman zweigeteilt. Anna war mir nicht wirklich nah. Ab und an fiel es mir schwer, die vier Frauen klar auseinanderzuhalten und die Geschichten nicht durcheinanderzubringen. Die Krankenschwester spricht und handelt für mich so unsensibel, dass es kaum vorstellbar ist, solches Personal dort anzutreffen. Vor allem aber habe ich mir mehr Gefühl versprochen. Vielleicht ist es jedoch besser, diese Themen mit Distanz und Klarheit zu beschreiben, sonst hätten sie einer deutlichen Triggerwarnung bedurft.
Bewertung
aus Leipzig
4/5
24.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Welches Leben leben wir?
Welches Leben leben wir?
Die Idee hinter dem Buch hat mich sehr angesprochen und daher wollte ich das Buch gern lesen.
Denn Anna befindet sich in einem Sanatorium. Dort trifft sie auf ungewöhnliche Menschen. Zum Beispiel Elif mit ihren täglichen Märchen, Marija mit den Monologen über ihre Mutter und die Soldatin Katharina mit ihren nächtlichen Trinkritualen. Sie vertraut sich außerdem einem Flamingo an und spricht mit ihrem Vogel über die Liebe, die selbst an diesem merkwürdigen Ort spürbar bleibt. Es ist eine Geschichte über Suchende, Fremde und Verlorene sowie über die Kraft des Erzählens.
Ich kann es gar nicht genau beschreiben, aber ich konnte mich in dieses Buch fallen lassen. Auch wenn ich selbst bisher “nur” auf einer Kur war, konnte ich so manches nachvollziehen. Man versucht irgendwie dem Alltag zu entkommen und doch ist er immer präsent.
Man weiß selbst als Leser nicht so genau, was wahr ist und was nicht. Denn das Tagebuch, das Anna von ihrer Mitinsassen bekommt, enthält viele Geschichten - doch was davon ist Fiktion und was Wirklichkeit?
Wir sind im Kopf von Anna und genauso fühlt es sich auch an. Gedanken, die springen. Erinnerungen und dann sind wir wieder in der Gegenwart. Aber das macht es zum Teil auch schwer zu verstehen und der Geschichte an sich gut folgen zu können. Es war ein Leseerlebnis, aber ein bisschen mehr Struktur hätte es meiner Meinung nach dennoch vertragen können.
Und auch wenn ich Cover oft nicht beurteile, muss ich hier sagen, ich liebe es. Dadurch bin ich zuerst auf es aufmerksam geworden.
ISBN: 978-3498007324
Autorin: Anna Prizkau
Verlag: rowolth
Veröffentlicht. 15.07.25
Umfang: 304 Seiten
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
28.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr lesenswert!
FRAUEN IM SANATORIUM
Anna Prizkau
Darf ich heute mal anders beginnen – und zwar mit dem Fazit?
Danke
Fazit:
Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten fühlen lassen wie das Debüt von Anna Prizkau.
Wie kann etwas so zart und schön daherkommen - das Cover, die Sprache – und gleichzeitig so brutal und schonungslos sein? Unsere Protagonistin war mir so unfassbar unsympathisch, und doch hing ich an ihren Worten wie eine Süchtige an der Nadel.
Erzählte Märchen enden hier in Albträumen.
Aber ist das Leben immer fair? Und tut es nicht auch mal gut, von denen zu lesen, deren Realität nicht aussieht wie ein Bilderbuch?
Anna wird nach einem traumatischen Ereignis in ein Sanatorium eingewiesen.
Dort trifft sie auf ganz unterschiedliche Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie brauchen Hilfe.
Wir begleiten Anna in den Kurpark, an den See, zu einem blassen Flamingo namens Pepik, und lauschen ihren Geschichten zwischen Therapiesitzungen und fadem Kantinenessen.
Sie beobachtet, hört zu, erzählt – von Marija, die so stolz auf ihre Tochter ist, es ihr aber nie zeigen kann und sie diese ausschließlich kritisiert.
Von Elif, die sich lieber Geschichten ausdenkt, als die Wahrheit zu erzählen.
Und von Katharina, einer Soldatin, die ihre Wahrheiten in Wodka und Wein ertränkt.
Kein Wohlfühlbuch – aber läuft das Leben immer nach Plan?
Sehr lesenswert.
3½/5
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.