Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Während sich Ballina im Westen Irlands auf ein großes Fest vorbereitet, verschwindet Doll English nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos von einer Party. Sketch und Gabe Ferdia, Kleinstadt-Gauner mit einem Hang zu roher Gewalt, haben den Jugendlichen entführt. Dessen älterer Bruder, der örtliche Dealer Cillian hat seine Schulden nicht bezahlt. Ihr Cousin Dev scheint den Ferdias der ideale Gastgeber für die Geiselnahme zu sein, denn der sanftmütige Riese führt in ländlicher Abgeschiedenheit ein Leben unter dem Radar. Dev wird zum unfreiwilligen Komplizen, doch ausgerechnet er, die personifizierte Untätigkeit, ist Dolls beste Chance zu überleben. Auch Nicky wird in den Rachefeldzug hineingezogen. Verkatert und voller dunkler Vorahnungen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Freund. Wie Dev muss sie, um Doll zu retten, eine Entscheidung treffen.
Wilde Häuser ist ein Roman, »so beißend, witzig und bittersüß wie das Leben«, so die Jury des Booker-Preises. Die fiesen Ferdias, der rücksichtslose Cillian, Doll, Dev und Nicky – es ist Colin Barretts große Kunst, Charaktere zu erfinden, die den Leserinnen und Lesern trotz all ihrer Schwächen ans Herz wachsen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
10.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr atmosphärisch
WILDE HÄUSER
Colin Barrett
CT: 19.03.26
Im Westen Irlands liegt die Kleinstadt Ballina in angespannter Stimmung: Das Wochenende des großen Festivals steht bevor.
Nicky und ihr Freund Doll besuchen eine Party. Es wird Whiskey getrunken, geknutscht und gestritten — bis Doll die Feier wütend verlässt und nie zu Hause ankommt.
Erst einige Tage später wird klar, dass er von zwei Kleinganoven entführt wurde. Doll soll für seinen Bruder Cillian geradestehen, den Kleindealer der Stadt, der bei seinem Boss noch eine offene Rechnung hat.
Die Entführer, Gabe und Sketch Ferdia, verstecken Doll im Haus von Dev. Der gutmütige junge Mann hat vor einem Jahr seine Mutter verloren und verlässt seitdem kaum noch das Haus, außer für Spaziergänge mit dem Hund. Dev war schon immer ein Außenseiter. Freunde hatte er nie, obwohl er sich immer danach sehnte. Nun scheint sich ihm endlich die Möglichkeit zu bieten, Teil einer Gruppe zu sein. Doch seine Sanftmütigkeit steht ihm dabei immer wieder im Weg.
Wie die Geschichte endet, solltet ihr besser selbst herausfinden.
Colin Barretts neuester Roman Wild Houses wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Unter anderem stand er auf der Longlist des Booker Prize 2024.
Die liebe @carola und ich sind in unserem ersten #buddyread nahezu atemlos durch die Seiten geflogen und tief in das düstere Drogenmilieu Ballinas eingetaucht.
Barrett zeichnet seine Figuren nicht mit großen bildhaften Beschreibungen, sondern erschafft vielmehr eine bedrückende Atmosphäre, die ihre Hoffnungslosigkeit spürbar macht. Ähnlich wie in den Büchern von Claire Keegan aus dem Steidl Verlag dominiert auch hier eine allgegenwärtige Perspektivlosigkeit.
Fazit:
Ein spannender und atmosphärischer Roman, der das Leben im Westen Irlands eindrucksvoll einfängt. Fesselnd geschrieben, auch wenn ich mir beim Plot am Ende noch etwas Größeres gewünscht hätte. Große Leseempfehlung!
4,5/5
MarieOn
4/5
06.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dicht und atmosphärisch
Dev liegt auf dem Sofa, die Kopfhörer auf den Ohren. Schräg gegenüber im Sessel, den früher seine Mutter für sich beanspruchte, die Promenadenmischung Georgie. Ein in die Jahre gekommener räudiger Köter mit schlechter Laune, fettem Überbiss und immerzu flehentlichem Blick. Georgie hat seiner verstorbenen Mutter gehört und war nie Devs Freund. Da er jedoch akzeptiert, dass Dev nun das Sagen hat und Herr über das Dosenfutter ist, führt er Devs Befehle aus, sofern sie energisch genug herausgebellt kommen.
Schluss jetzt!, dämmt Dev Georgies Gekläffe ein. Die Scheinwerferlichter eines Autos gleiten über die Wohnzimmerwände. Dev steht auf und schiebt die Vorhänge zur Seite. Er erkennt den Wagen seines Cousins Gabe Ferida. Er hält an, steigt aus, gefolgt von seinem Bruder Sketch. Sie zerren einen Jugendlichen von der Rückbank und scheuchen ihn zur Hintertür. Dev öffnet und sieht in ein blasses Gesicht.
Sketch ist zwei Jahre älter als Dev. Seine trainierten Oberarme sind übersät mit Tätowierungen. Sein Kinn ist kantig, die blauen Augen leuchten launisch. Wenn ihm danach ist, zieht er Schwachköpfen eins über. Gabe ist vierzig, sieht aber zehn Jahre älter aus. Er besteht aus Haut und Knochen. Sein langes vernarbtes Gesicht rahmt die tief in den Höhlen liegenden Augen ein. Zehn Jahre Heroin hatten ihm übel mitgespielt. Gar nicht einfach in der tiefsten Provinz Irlands so draufzukommen. Sie arbeiten für einen Typen namens Mulrooney. Kommen immer mal wieder bei Dev reingeschneit und bringen Pakete, die Dev dann wahlweise im Keller oder der Scheune unterbringt, bis sie wieder abgeholt werden. Dev bekommt dafür ein bisschen Geld. Jetzt sitzt der Junge in seiner Küche, weil sein Bruder die Feridas abgezockt hat. Dreizehn Riesen schuldet er Mulrooney und Sketch und Gabe werden sie eintreiben, egal wie.
Fazit: Colin Barrett, mehrfach ausgezeichneter Autor, hat das Porträt dreier Kleinstadtganoven gezeichnet. Die Feridabrüder verticken Drogen, der behäbige Cousin Dev bietet sein Haus als Lager an. Eigentlich will Dev, der keine sozialen Kontakte hat, nur seine Ruhe. Doch dann schleppen sie ihm eine Geisel ins Haus, um von dessen Bruder zu erpressen, was ihnen zusteht. Die Mutter der Geisel setzt seinen Bruder unter Druck, der das Dilemma zu verantworten hat. Ich erfahre Devs Hintergründe und warum er unter Panikattacken leidet. Im Laufe der Geschichte nimmt die Geisel Einfluss auf den konfliktscheuen Dev und rettet damit ihr Leben. Der Autor hat die Gabe, szenisch zu schreiben, was die Geschichte atmosphärisch und dicht macht. Manchmal wurden mir die detaillierten Umgebungsbeschreibungen etwas viel, dennoch liest sich das Buch, als würde man einen Film schauen. Das war gute Unterhaltung und für alle Krimifans, die einen besonderen Schreibstil mögen genau das richtige Buch. Nicht zu vergessen, das Cover, die gesamte Umschlaggestaltung ist, wie bei allen gebundenen Steidl Büchern wieder ein besonderes Zusatzbonbon.
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