Produktbild: Blinde Geister

Blinde Geister Roman

31

20,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

21.08.2025

Verlag

C.H.Beck Digital

Seitenzahl

192 (Printausgabe)

Dateigröße

951 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783406837050

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Produktdetails

Format

ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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Nein

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

21.08.2025

Verlag

C.H.Beck Digital

Seitenzahl

192 (Printausgabe)

Dateigröße

951 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783406837050

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  • mimitatis_buecherkiste

    aus Krefeld

    5/5

    21.11.2025

    eBook (ePUB)

    Wenn Worte schweigsam sind

    »Ich kenne diese Stille. Musste sie als Kind so oft ertragen. Früher hat sie in den Sätzen selbst angefangen, in Antworten, die nicht mehr zu den Fragen passten, sich zwischen den Worten breitgemacht und so weiter ausgedehnt, bis irgendwann gar nicht mehr gesprochen wurde.« (Seite 103) - Karl und Rita gehen mit ihren Töchtern Martha und Olivia regelmäßig in den Keller. Es sind die 1950er Jahre in Deutschland, der Krieg ist vorbei, außer für Karl, der die Lebensmittelvorräte überprüft und permanent am Radio klebt, um zu hören, ob die Russen kommen. Lange Zeit glaubt Olivia, dies sei normal, erst als Erwachsene verarbeitet sie, was in ihrer Kindheit geschah. - Die Ich-Erzählerin Olivia fängt an über ihr Leben zu sprechen, da ist sie elf Jahre alt. Wirr und ungeordnet ist ihre Geschichte, die Erzählung springt von Ereignis zu Ereignis, so richtig schlau wird man anfangs nicht daraus. Dies ist stimmig und passend, versteht sie als Kind ja nicht wirklich, was da passiert, dieses Gefühl transportiert sie auf mich als Leserin und kommt mir so ganz nah. Je älter Olivia wird, desto weniger mag ich sie, kann nicht nachvollziehen, warum sie so handelt, wie sie es tut, bis sie erwachsen wird, mehr reflektiert und mit mir zusammen aus den vielen kleinen Stücken ein Ganzes erschafft. Langsam dämmert mir, was in Olivias Kindheit geschah, und erst da erschließt sich auch mir die gesamte Breite der Geschehnisse. Verständnis kommt auf und eine Versöhnung mit der Figur ist zum Greifen nah. - Der Debütroman von Lina Schwenk wurde für zahlreiche Preise nominiert, unter anderem für den Deutschen Buchpreis 2025. Zuletzt wurde das Buch mit dem Publikumspreis des Harbour Front Literaturfestivals 2025 ausgezeichnet. Für mich ein großartiges Werk über die Nachkriegsgeneration, die Sprachlosigkeit in den Familien, die Worte zwischen den Zeilen und darüber, ob und wie eine Heilung möglich ist. Sprachlich einfach meisterhaft lässt mich das Werk ergriffen und bewegt zurück. Grandios!

  • Bewertung

    aus Wermelskirchen

    4/5

    02.01.2026

    eBook (ePUB)

    Manche Kriege enden nie

    „Blinde Geister“ ist ein sensibel erzählter Roman über das, was lange nach dem Krieg in vielen Familien weiterlebte, nämlich die unausgesprochene Angst. Bombenkeller und Schützengräben sind Vergangenheit, doch das Grauen bleibt. Versteckt unter der Oberfläche einer scheinbar heilen 50er-Jahre Wirtschaftswunderwelt. In dieser Sprachlosigkeit wächst Olivia auf. Als Ich-Erzählerin blickt sie auf eine Kindheit, in der der Keller Zuflucht ist und Frieden nie wirklich ankommt. Selbst in der Schule erlebt sie unsagbar harte Drillmethoden. Der Vater prüft Vorräte, hört Radio und wartet auf die nächste Bedrohung. Die Mutter steht zwischen Liebe und Pflicht und dem Zerreißen an allem. Erst als Erwachsene beginnt Olivia zu verstehen, was ihre Kindheit geprägt hat und wie sehr die Ängste ihrer Eltern in die nächste Generation hineinwirken. Die Erzählung ist nicht chronologisch, oft wirr, sprunghaft und fordernd. Doch darin liegt die Kraft. Man liest wie ein Kind erlebt, ohne Worte für das, was geschieht. „Nächte sind mein Zuhause. Dreckige Monster sind mir mehr als vertraut und bleiben trotzdem hässlich und alt.“ (S.111) „Blinde Geister“ ist ein Roman über Kriegstraumata, über vererbte Angst und über die Frage, wie viel Raum wir der Angst geben, wenn sie lauter wird. Wie gehen wir heute mit Ängsten um, wie viel Raum geben wir ihnen und ab wann bestimmen sie unser Leben? „Blinde Geister“ erinnert daran, dass verdrängte Angst weiterwirkt. Es braucht Mut, der Angst nicht die Führung zu überlassen! Gerne empfehle ich dieses stille und beklemmende Buch, das nicht nur auf eine Familie schaut, sondern auch auf uns selbst.

  • Lesenswert

    aus Bielefeld

    4/5

    08.10.2025

    eBook (ePUB)

    Ein ganzes Leben auf 192 Seiten

    "Blinde Geister" von Lina Schwenk stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2025. Das hat mich veranlasst, diesen Roman näher zu betrachten. Olivia ist die Tochter von Rita und Karl, sie hat eine Schwester,, Martha. Wir begleiten ihr Leben von den 50ern bis in die heutige Zeit. Ihr Vater verfolgt die Nachrichten akribisch, immer wenn er meint, ein Krieg droht, zieht die Familie in den Keller umziehen. der einem Bunker gleicht. Dort verbringen sie manchmal mehrere Tage. An Lebensmitteln hapert es im Kellre nicht, der Vater Karl hortet auch diese. Olivia und Martha betrachten alles zunächst als Spiel. Die Urlaube der Familie finden als Camping statt, immer an Plätzen, an denen man weit und ohne Hindernisse schauen kann, ob ein Feind naht. Martha ist robuster als Olivia, diese hat Angst wie ihre Eltern, wenn auch in anderer Ausprägung. Als der Krieg in der Ukraine ausbricht, kommen Olivias Ängste wieder hoch und sie will ihre Tochter schützen. Der Roman ist kurz, zum Lesen benötigt man jedoch mehr Zeit. Ein ganzes Leben auf 192 Seiten zu schildern, ist aber eine besondere und hier auch gelungene Leistung. Die Handlung wechselt allerdings sprunghaft in den Zeiten, was den Lesefluss etwas erschwert. Aufmerksame Lesende finden sich trotzdem recht gut zurecht. Die Sprache der Autorin hat mir gefallen, sie schildert die Gefühle der Protagonistinnen Olivia und Rita sehr einfühlsam. Über Karl erfahren wir eher weniger, er spricht wenig und behält seine Gefühle für sich wie viele aus seiner Generation. Einerseits haben wir es mit einem Familientrauma über mehrere Generationen zu tun. Ich denke, es lässt sich aber nicht jedes Verhalten darauf reduzieren. Insgesamt ein Roman, der viel erklärt, aber auch zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Ich hätte gerne mit anderen diskutiert, ohne jeweils den Inhalt wiedergeben zu müssen. Eine Leseempfehlung ist es allemal, ich gebe dem Roman gute 4 Sterne!

  • wal.li

    4/5

    20.09.2025

    eBook (ePUB)

    Das Schweigen

    Olivia geht in den 1960ern zur Schule, ihre Schwester Martha ist vier Jahre älter als sie. Die Eltern der Beiden, Rita und Karl haben den Krieg überlebt. In ihnen sitzt aber immer noch die Angst vor dem nächsten Krieg. Besonders Karl, der nichts erzählt, überkommt manchmal die Angst. Dann geht es in den Keller, in dem Vorräte gelagert sind. Am Radio wird nachgehorcht, ob die vermeintliche Gefahr vorüber ist. Rita erkennt, dass diese Ausflüge in den Keller den Kindern nicht guttun. Und Martha seilt sich auf gewisse Art ab, indem sie irgendwann einfach nicht mehr mitkommt. Doch Olivia hat die Angst gepackt. Besonders Olivia hat die Ängste der Eltern mit aufgenommen. Rita muss sie förmlich aus dem elterlichen Haus rausschmeißen, um sie vor der familiären Umklammerung zu schützen. Doch gerade das nimmt Olivia nicht gut auf. In ihrer kleinen Wohnung findet sie sich überhaupt nicht zurecht. Die Balance zwischen Klammern und Freiheit will sich nicht einstellen. Olivia fällt ein wenig auseinander. Sie findet nirgends Halt. Und die Eltern suchen weiterhin Schutz im Keller. Diese ungewisse Angst will nicht aus Olivias Leben weichen, Der Kontakt zu Martha ist nicht besonders eng. Martha hat einen anderen wohl weniger angstbesetzten Weg gesucht. Mit Spannung hat man, durch die Longlist des Deutschen Buchpreises auf den Roman aufmerksam geworden, mit der Lektüre begonnen. Vielleicht hat man im Vorfeld auch kleine Parallelen zur eigenen Jugend gesehen. Doch zum Glück ist die eigene Jugend, wenn auch nicht in jedem Moment prickelnd, doch günstiger verlaufen. Eine große Angst hat man nicht empfangen. So wäre vielleicht interessanter gewesen, was Martha zu sagen gehabt hätte, die sicher nicht völlig unbeeindruckt war, aber doch anders reagiert hat. In Olivia leben die Ängste fort. Das überschattet ihr ganzes Leben. Das ist tragisch zu lesen und man freut sich, dass Olivia später wieder mit ihrer Schwester zusammenfindet. Auch wenn man persönlich nicht so den Erkenntnisgewinn hat, ist es wichtig und herausragend, dass die Autorin das Schweigen anspricht. Das ist etwas, was man selbst gut kennt.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    3/5

    29.11.2025

    eBook (ePUB)

    Wenn Familie zerbricht, macht es kein Geräusch: Vererbte Kriegstraumata

    „Blinde Geister“ von Lina Schwenk war auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 und thematisch hatte mich der Roman stark angesprochen.   Vorab bedanke ich mich herzlich beim Beck-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars über NetGalley. Die hier geäußerte Meinung zum Buch ist meine eigene.   Die Protagonistin Olivia wächst mit einem vom Krieg schwer traumatisierten Vater auf. Nach wie vor hat er Angst vor dem Krieg, dass die Russen wieder kommen könnten. Regelmäßig verbringt Olivia ganze Tage und Nächte mit ihrer Schwester und den Eltern im Keller.   „Der Keller, der Keller, der Keller. Unser geliebter Bunker. In den wir immer mitmussten, alle zusammen, während all der fernen Kriege. Es ist ständig irgendwo Krieg. Bloß stört das die meisten nicht. Für uns hieß das Familienzeit, die Füße in dicken Strümpfen, ohne Tageslicht zusammenhocken, nächtelang. Das erste Mal erinnere ich 1962, während der Kubakrise. Aber auch ’64, ’65, ’66, wir waren immer wieder unten. Karl wärmte Dosenravioli für uns auf, blieb in der Nähe des Radios und drehte sich durchs Rauschen. An den Wänden bröckelte der Putz. Wir lehnten uns oft so lange und fest dagegen, dass es juckende Abdrücke am Rücken gab. Martha und ich kratzten uns gegenseitig. Es war stickig und roch nach toten Ratten. Wir wollten wieder hoch. Aber Rita hob die Hand und sagte: „Als Familie bleiben wir zusammen.‘“   Es ist kaum verwunderlich, dass Olivia als Erwachsene selbst eine Angststörung entwickelt, viel Zeit in der Psychiatrie verbringt. Besser geht es ihr erst, als sie Paul kennenlernt und mit ihm eine Familie gründet.    „Trotzdem gibt es Dinge, die habe ich ihm nicht erzählt. Dass man einen Keller braucht. Dass es nicht falsch ist, eine gepackte Tasche im Schrank zu haben, mit Büchern und Batterien. Dass es mit Kind schwieriger wird, sich zu verstecken.“   Erst jetzt versteht Olivia richtig, wie das Trauma über Generationen hinweg vererbt wurde. Ihre Tochter Ava wächst frei von diesen Ängsten auf.   „‘Ich musste in der Schule keine russischen Flüsse auswendig lernen. Ich musste keine Schützengräben im Sportunterricht bauen. Mich auf Ellbogen zur nächsten Turnmatte ziehen. Meine Angst hält sich in Grenzen.‘ Sie klingt sarkastisch. Ich habe ihr zu oft efrzählt, wie blau meine Arme damals waren, dass ich mich im Bett nicht ohne Schmerzen drehen konnte. Ich hatte lange geglaubt, es auszusprechen, würde es irgendwann aus meinem Kopf lösen, würde Ava eine Angst nehmen, die sie noch gar nicht kannte. Doch trotz all der Jahre, in denen ich das Vergessen geübt hatte, fließen sie weiter durch meinen Kopf: Jenissei, Ob, Wolga, Amur, Ural, Irtysch, Kolyma, Don.“   Obwohl ich das Thema wie gesagt sehr interessant finde, konnte mich der Roman nicht so begeistert wie erhofft. Sprachlich fand ich das Geschriebene größtenteils gelungen, das generationenübergreifende Kriegstrauma authentisch dargestellt.    „Wie sollte sie sonst alles zusammenhalten? Wenn Familie zerbricht, macht es kein Geräusch. Es ist, als würden Wolken sich trennen.“   Doch leider fand ich das Buch wirklich schwer zugänglich. Die Kapitel sprunghaft aneinandergereiht, die Charaktere konnten mir auf den wenigen Seiten leider nicht wirklich nahekommen. Obwohl wir quasi Olivia von der Kindheit bis ins Alter begleiten, gibt es viele Lücken. Daher konnte mich dieses bewegende Thema in dieser Umsetzung leider nicht so begeistern und berühren, wie ich gehofft hatte.

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