Um den Petererhof in den Bergen über dem Inntal wuchern die Brennnesseln. Babette lebt hier nach dem Tod ihres Vaters und Bruders ein karges Leben. Brennnesseln sind ihr Nahrung, Heilmittel und Tierfutter zugleich. Wie diese unnahbaren Pflanzen verteidigt sie den Hof eisern gegen alle Ansprüche. Später, als ihr verlorener Sohn Simon zu dem verfallenden Hof zurückkehrt, wird er ihn zu seiner Heimat machen - gemeinsam mit der Künstlerin Luisa, die vor dem Stadtleben geflohen ist. Luisa ist es schließlich auch, die die Geschichten um den Petererhof niederschreiben wird.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
5/5
19.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Authentischer und tiefgründiger Roman
Ein wundervoll tiefgründiger Roman über harte Arbeit und genauso harten Entscheidungen, Entbehrungen, Familie und Liebe. Eine Geschichte über das Schweigen und Verschweigen innerhalb einer Familie und über das Ankommen im Leben, dort, wo das Herz zu Hause ist.
Es war eine besondere Atmosphäre in diesem Buch und ich empfand es als sehr authentisch beschrieben. Einfach eine wunderschöne Lesezeit und ich kann es absolut empfehlen!
Chris70
5/5
03.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend
Babett wohnt mit ihrem alten Vater auf dem Petererhof in den Bergen.
Die Arbeit ist hart, sie ist unehelich schwanger, der Bruder bleibt im Krieg.
Die Kusine Fanni ist in gesitteten Verhältnissen mit ihrem Alois, doch die Kinder bleiben aus. Sie überredet Babett, den Sohn Simon ihr zu übergeben und sie geht darauf ein.
Mit dem Knecht Franz lernt sie doch noch die Ehe kennen und bekommt ihren zweiten Sohn Johannes.
Doch die Ehe hat auch ihre Schattenseiten.
Diese erträgt sie und redet nicht darüber.
Ein Testament taucht auf, doch weder Babett noch ihr Sohn Johannes soll der Erbe des Petererhofes sein.....
Was kann ich anderes sagen, als dass es wieder einmal genau ein Buch nach meinem Geschmack ist.
Der Schreibstil ist leise, zart, authentisch.
Die Autorin beschreibt bildhaft die Umgebung in den Bergen und das karge, harte Leben auf einem Bauernhof. Über Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte wird nicht geredet.
Die Frau ist ohne einem Mann wenig wert.
Das Leben eines Menschen, der Babett, wird so beschrieben, wie es oft ist, es brennt, es schmerzt und doch kann es auch schon und heilsam sein. Das Symbol der Brennnessel, nicht nur als tagliches Teeritual von Babett, sondern als ein Sinnbild für ihr Leben.
Mich hat es berührt, sehr nachdenklich und dankbar gemacht.
Den Grund des abgrenzenden Verhaltens zu ihrem Erstgeborenen wird erst spät nachvollziehbar, aber passt gut zu dem damaligen Lebensverhältnissen.
Das immer wieder sehr vorsichtige aneinander Herantasten beider Brüder wird sehr gefühlvoll dargestellt.
Auflockernd und schön ergänzend, finde ich die Einschübe aus der Sicht der Künstlerin Luisa, die seit Kindertagen immer wieder durch ihren Vater vor Ort ist und später die Liebe zu Simon findet.
Der Schluss ist wundervoll zuversichtlich.
Fazit: Ein sehr bewegendes Lebensportrait eines kargen, einfachen Lebens auf dem Land.
Große Leseempfehlung!
Anna
5/5
19.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Genuss!
Dies ist die Geschichte von Babette, einer jungen Frau, die auf dem Hof über dem Inntal lebt. Ihr Bruder kehrt nicht aus dem Krieg zurück, der Vater ist alt und gebrechlich. Folglich schuftet Babette rund um die Uhr. Ihr uneheliches Kind gibt sie einer Verwandten, weil ihr das Gerede der Leute so zusetzt. Bald heiratet sie einen Zugezogenen und bekommt noch ein Kind.
Stur wie ein Esel ist sie, wortkarg und auf ihre Art eine starke Frau. Irgendwann ist sie allein auf dem Hof. Hier ist sie verwurzelt, niemals wird sie weggehen. Die Liebe zu ihrem Erstgeborenem ist festgefroren, so wie überhaupt viele ihrer Gefühle auf Eis liegen.
Diese Reduktion ist für mich das zentrale Thema. Das Schweigen, über das was wirklich ist. Wobei es die ganze Zeit wie ein Elefant im Raum steht.
Später erfahren wir noch was aus Simon, dem Erstgeborenen wird, und wie er seinen Weg auf den Hof zurückfindet.
Die Sprache ist einfach, fast karg, und passt genau zu dem Leben und zu der Geschichte. Gut beschrieben sind die Stimmungen in den Bergen im Spiegel der Jahreszeiten.
Die Geschichte hat mir ausgesprochen gut gefallen, regelrecht in mich hineingeflossen ist sie und hat sich ausgebreitet. Es war ein Genuss! Große Empfehlung für alle, die einen atmosphärischen Roman mit Tiefgang mögen.
Bewertung
5/5
07.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Atmosphärisch
Der Petererhof liegt in den Bergen über dem Inntal, abgelegen vom Dorf. Mit ihrem Vater lebt Babette hier. Den Vater plagt das Alter und Babette muss sich um Tiere, Hof und Haushalt irgendwann allein kümmern. Sie erwartet ein Kind, leichter macht es das nicht. Für das Neugeborene hat sie keine Zeit, einen Vater gibt es nicht. Später, als der Vater nicht mehr lebt, zieht wieder ein Mann auf den Hof um zu unterstützen. Die Bewohner und die Umstände ändern sich. Außer Babette, sie bleibt. Sie kämpft um ihren Hof, lebt ein raues, teilweise einsames Leben.
Über ein paar Jahrzehnte dürfen wir den Petererhof begleiten. Die Sprache ist ganz klar, manchmal rau und doch auch poetisch. Die Einfachheit und Einsamkeit waren spürbar. Beschwerlich war das Leben auf dem Hof. Für die Städter kaum vorstellbar. Und doch auch eine zärtliche Liebeserklärung an dieses bescheidene Leben, an diesem besonderen Ort. Babette hatte es nicht leicht. Sie musste viele Verluste und Enttäuschungen erleben. Die Beziehung zu ihren Söhnen war nicht ganz einfach. Ein großes Thema hier ist Heimat und die Zugehörigkeit. Ist Heimat nur ein Ort? Wie wichtig sind unsere Wurzeln für uns? Atmosphärisch dicht, mit ganz viel Tiefgang hat der Roman einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Leise und eindringlich hallt er nach, bleibt im Kopf.
Ich möchte euch diesen Roman ganz besonders ans Herz legen.
madamebiscuit15
5/5
03.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Besondere Geschichte über ein ganzes Leben
„Die Geschichte eines Hauses, die Geschichte eines Lebens. Und mir wurdes vieles klarer.“ S. 117
Ein Satz, der in seiner Einfachheit doch so viel aussagt und von großer Bedeutung ist. Für mich bringt er den Inhalt dieses Romans perfekt auf den Punkt.
Es geht um Babette, eine junge Frau, die mit ihrem Vater auf dem Petererhof in den Bergen lebt. Es ist ein anstrengendes, karges und mühsames Leben für die beiden. Wobei die Gebrechlichkeit des Vaters und ihre ungewollte Schwangerschaft die Situation zusätzlich verschärfen. Als Babette eine, für eine Mutter, unfassbar schwere Entscheidung treffen muss, bleibt ihr anschließend nur noch der Petererhof.
Mehrere Jahrzehnte begleite ich Babette und ihr Leben in den Bergen. Dabei kommt sie mir sehr nahe und ich kann ihr Handeln verstehen. Zugleich bedauere ich es sehr, dass sie in vielen Momenten nicht aus ihrer Haut kann und ihr somit engere Bindungen und menschliche Nähe verwehrt bleiben.
Die Autorin schafft es mit wenigen Worten unheimlich bildhafthaft die Szenerien vor meinem inneren Auge zu erschaffen. Dabei ist ihre Sprache reduziert und klar, zugleich aber entsteht eine unheimlich dichte, eindrückliche Geschichte in einem ganz besonderen Ton.
Für mich ein Volltreffer, der mir länger im Gedächtnis bleiben wird und den ich Euch sehr ans Herzen legen möchte.
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