Der Welterfolg ihres Antikriegsromans »Die Waffen nieder!« machte Bertha von Suttner 1889 schlagartig berühmt. Als Galionsfigur der internationalen Friedensbewegung reiste sie von nun an unermüdlich durch Europa und die USA, nahm an pazifistischen Kongressen teil und hielt mitreißende Vorträge, die tausende Menschen begeisterten. Wo immer sie war, sandte sie Postkarten an ihre treue Haushälterin Kathi Buchinger nach Wien. Diese kurzen, bislang unveröffentlichten Schreiben ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Leben der gefeierten Schriftstellerin auf Reisen. Zusammen mit den Einordnungen des Historikers Georg Hamann ergibt sich anlässlich des 120. Jubiläums der Nobelpreisverleihung ein überraschend neues Bild von Bertha von Suttner, deren Friedensbotschaft wieder besonders aktuell ist.
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Bewertung
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20.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mehr als ein Reisebuch
"Bertha von Suttner auf Reisen" ist weit mehr als ein Reisebuch, es ist eine vollwertige Biografie der Friedensnobelpreisträgerin, die geeignet ist, erneut Interesse an ihrem Leben und Werk zu wecken. Dass das nötig ist, steht angesichts der Konflikte unserer Zeit außer Frage. Bertha von Suttner setzte ihre ganze Kraft dafür ein, ihre Mitmenschen davon zu überzeugen, dass ein friedlicher Interessenausgleich zwischen den Nationen und Völkern möglich und notwendig und einer sich höher entwickelnden Menschheit angemessen sei. Auf unterschiedlichen Wegen verbreitete sie ihre Botschaft in der Welt, durch Beiträge und Kolumnen in der Presse, durch den Roman "Die Waffen nieder!", durch Gründung von Friedensgesellschaften und durch Vortragsreisen durch halb Europa und die USA.
Georg Hamann erzählt diese Biografie entlang der ausgedehnten Reisen Suttners, aber er bindet auch alle wichtigen Umstände ihres Lebens ein, so dass dem Leser ein genau recherchiertes, gut lesbares und reich illustriertes Buch vorliegt.
Der besondere Aspekt, der Hamanns Buch von bisherigen Suttnerbiografien absetzt, verbirgt sich im Untertitel "Postkarten an Haushälterin und Hund". Diese Postkarten schrieb Bertha von Suttner an Katharina Buchinger, ihre Haushälterin und Vertraute. Sie ermöglichen einen Blick auf eine besondere Frauenfreundschaft über Standes- und Altersgrenzen hinweg.
Katharina Buchinger bewahrte sorgfältig alle Briefe und Postkarten auf, die sie im Verlauf von etwa 10 Jahren von Suttner erhielt. Diese Schriftstücke zeigen die "große Frau", wie Bertha von Suttner oft bewundernd von ihren Anhängern genannt wurde, von ihrer privaten Seite als die "Frau Bertha", warmherzig, fürsorglich und witzig im Umgang mit ihrer Angestellten und deren Ehemann. Einen Eindruck davon bekommt man durch die im Buch veröffentlichten Postkarten mit ihren kurzen Botschaften an Katharina Buchinger durchaus. Die Postkarten stammen aus der privaten Sammlung von Brigitte Hamann. Es handelt sich dabei um ein Drittel des Bestandes aus dem Nachlass von Katharina Buchinger. Da der Verbleib der übrigen Postkarten noch nicht geklärt werden konnte, ist es umso erfreulicher, dass zumindest dieser Teil nun in kenntnisreichen Kontext veröffentlicht wurde.
Bewertung
aus Villach
5/5
20.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine erfrischende Biografie - wunderschön gemacht
Bertha von Suttner wurde 1843 im Palais Kinsky in Prag geboren. Sie verbrachte eine glückliche Kindheit mit ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrer Cousine, die ihre beste Freundin wurde. Mutter und Tante verprassten das Erbe beim Glücksspiel in unterschiedlichen Spielsalons in Europa.
Als sie in ihren Zwanzigern war, war vom Geld kaum mehr etwas übrig, so das sich Bertha eine Stelle suchen musste, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wurde als Gouvernante bei der adeligen Familie von Suttner eingestellt. Einer der Söhne sollte später, gegen den Willen der Familie, ihr Ehemann werden.
Als die Eltern von der Zuneigung der beiden erfuhren, wurde Bertha eine andere Stelle nahegelegt: ein reicher Mann in Paris suchte eine Assistentin mit ihren Fähigkeiten. Sie erhielt die Stelle bei Alfred Nobel. Diese Verbindung sollte ihr Leben lang halten und Nobel wird auch später Berthas Friedensbewegung maßgeblich finanziell unterstützen.
Anfänglich, um sich über Wasser zu halten, schrieb sie Artikel für Zeitungen, später ihre ersten Bücher, welche damals der sogenannten Salonliteratur zugerechnet wurden, unter einem Pseudonym – die bessere europäische Gesellschaft war Thema der Salonliteratur.
Erst mit der Auseinandersetzung über Krieg und Frieden wurde sie berühmt. Kriege waren in ihrer Zeit selbstverständlich, das Sterben von Soldaten für Kaiser und Vaterland wurde nie Frage gestellt. Bertha von Suttner sah den Frieden als Alternative und schrieb darüber unter anderem in „Die Waffen nieder“. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung, gründete die Friedensgesellschaft sowie den Verein zur Abwehr des Antisemitismus und erhielt prominente persönliche und finanzielle Unterstützung zB von Alfred Nobel, Peter Rosegger, Marie von Ebner-Eschenbach und vom Walzerkönig Johann Strauß.
Bertha von Suttner war maßgeblich beteiligt, dass Alfred Nobel einen Friedensnobelpreis stiftet und hatte damit gerechnet, diesen Preis als Erste überhaupt verliehen zubekommen – fünf Jahre musste sie aber darauf warten.
Eine Woche vor Ausbruch des 1. Weltkriegs starb Bertha von Suttner.
Ihre Biografie wird anhand von Reisen, Post- und Werbekarten erzählt. Das Buch wird mit vielen Bildern von Bertha, ihren Wegbegleiter*innen, Briefen und Karten aufgefrischt. Großartig zu lesen ist auch ihre Entwicklung vom jugendlichen, oberflächlichen und unpolitischen Mädchen, das vom Märchenprinzen träumte, durch Lesen und Lernen zu einer neuen Weltanschauung kam und sich für den Frieden einsetzte.
Was für eine erfrischende Biografie über die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, geborene Kinsky.
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