»Ein Rotschopf war sie. So süß wie sonst was. Wir wollten gerade heiraten, als sie mich aus dem Verkehr gezogen haben.« Bei Velma Valento, Nachtclubsängerin in Los Angeles, werden auch die toughsten Männer schwach. Zum Beispiel Moose Malloy. Doch als Moose aus dem Gefängnis kommt, ist Velma verschwunden. Er sucht nach ihr – und schon ist er selbst auf der Flucht. Schöne Frauen, harte Männer und lasche Gesetzeshüter: ›Lebwohl, mein Liebling‹ ist ein explosiver Cocktail aus Liebe und Verbrechen.
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Wenn Liebe im Rauch der Nacht verschwindet
Alrik Gerlach (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 25.03.2026
Bewertungsnummer: 3088699
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine schwere Hitze liegt über den Straßen von Los Angeles, während Zigarettenrauch durch dunkle Bars zieht und jede Begegnung ein kleines Risiko trägt. Zwischen verschwitzten Neonlichtern und brüchigen Fassaden entfaltet sich eine Geschichte, die nach Whiskey schmeckt und nach verlorener Liebe klingt. Raymond Chandler erschafft eine Welt, in der Hoffnung nur ein flackerndes Licht ist und jede Spur tiefer in ein Netz aus Lügen führt.
Die Suche nach Velma fühlt sich an wie ein langsames Abtauchen in einen Strudel aus Sehnsucht, Gewalt und gebrochenen Träumen. Moose Malloy wirkt roh und ungestüm, gleichzeitig tragisch und verletzlich. Hinter jeder Tür wartet eine neue Täuschung, hinter jedem Blick eine unausgesprochene Wahrheit. Besonders die Frauenfiguren schillern zwischen Verführung und Geheimnis, ohne jemals einfach zu sein.
Dichte Dialoge treiben die Handlung voran und verleihen dem Roman eine fast filmische Intensität. Bilder entstehen im Kopf, ohne laut zu sein. Der Fall wirkt nicht wie ein Puzzle, sondern wie ein dunkler Spaziergang durch moralische Grauzonen. Genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte, die weniger vom Ziel lebt als von der Atmosphäre unterwegs.
Zurück bleibt ein bittersüßer Nachhall. Eine Mischung aus Melancholie, Spannung und einem Hauch Nostalgie. Jeder Satz trägt den Klang einer Zeit, in der Liebe gefährlich war und Vertrauen ein Luxus. Ein Noir Klassiker, der sich langsam entfaltet und lange im Kopf bleibt.
Knapp daneben ist auch vorbei
VolkerM am 23.02.2026
Bewertungsnummer: 3055138
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Moose Malloy ist ein Tier. Breit wie eine Schrankwand und mit dem Langmut einer Zündschnur walzt er am Bodyguard des „Florian’s“ vorbei zu Mister Montgomery. Jetzt hat der Bodyguard einen gebrochenen Kiefer und Mister Montgomery ein gebrochenes Genick. Wer Malloys Fragen nicht beantwortet, bekommt keine zweite Chance und die Frage war ja auch nicht anstößig: Wo ist Velma? Philip Marlowe wird auf den Fall angesetzt und sucht ebenfalls nach Velma, denn wo Velma ist, wird Moose Malloy bald sein.
„Lebwohl mein Liebling“ ist eine der, wenn nicht die beste Geschichte von Raymond Chandler. Sein lakonischer Tonfall, die originellen Metaphern und coolen Dialoge waren stilprägend für den Underdog-Krimi der 30er- und 40er-Jahre und noch heute gibt es Schriftsteller wie Thomas Pynchon, die diesen Stil erfolgreich pflegen. Und damit komme ich zum Punkt: Chandler ist Stil! Eine Übersetzung muss also in der Lage sein, diesen Stil in die deutsche Sprache zu übertragen und übertragen heißt nicht, jedes Wort „richtig“ zu übersetzen, sondern „stilistisch richtig“ zu übersetzen. Und in diesem Punkt ist die Fassung von Melanie Walz aus meiner Sicht nicht gut. Ich gebe ein paar Beispiele gleich von den ersten Seiten, bei denen mir beim Lesen irgendetwas sprachlich „unrichtig“ vorkam, ohne dass ich sofort sagen konnte, woran es lag. Also habe ich mir das gemeinfreie englische Original angesehen und direkt verglichen. Und jetzt weiß ich, warum mir Melanie Walz‘ Fassung stellenweise so blutleer vorkam: Die Worte sind zwar „richtig“, aber aus der falschen Sprachkategorie gewählt.
Beispiel: Im Original heißt es „…I might have thought he was going to pull a stick-up.”
Walz übersetzt: „...hätte ich vielleicht gedacht, er wolle den Laden ausrauben.“
„To pull a stick-up“ ist aber ein umgangssprachliches Idiom, so dass die einigermaßen korrekte Sprachkategorie wäre: „...hätte ich vielleicht gedacht, er wolle den Laden hochnehmen.“ Eine interessante Beobachtung ist übrigens, dass DeepL die Passage genauso übersetzt wie Melanie Walz.
Noch ein Beispiel: Im Original heißt es „[he] made a high keening noise like a cornered rat.“
Walz: „[er] quiekte schrill wie eine Ratte in der Falle.“
Das Bild, das Chandler vermitteln will, ist aber ein anderes. Korrekt wäre „..wie eine in die Enge getriebene Ratte.“ Das ist viel bildhafter, spannender und der Satz klingt dann auch sprachmelodisch eleganter.
Dieses unbestimmte Gefühl, dass die Übersetzung am wahren Chandler vorbeigeht, hatte ich permanent. Immer wieder waren es holprige oder unscharfe Bilder, zu glatt für Chandler, zu wenig „Unterschicht“ die Sprache, zu wenig Coolness im Subtext. Harry Rowohlt war einer der Übersetzer, die es schafften, den Stil eines Autors (der seine Wellenlänge hatte) so ins Deutsche zu übertragen, dass es sowohl elegant klang, als auch originell blieb. Aus meiner Sicht schafft Melanie Walz diesen Schritt leider nicht. Knapp daneben ist eben auch vorbei.
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