Bianka Bleier setzt ihre beliebte Buchreihe fort und präsentiert wieder ein wunderbar erzähltes Tagebuch voller Herz, Ehrlichkeit, Lebenshunger und Charme - und mit einem Glauben, der sich gerade in den Hochs und Tiefs des Lebens als tragfähig zeigt: »Jede Zeit, jede Dekade meines Lebens hat ihr Schönes - auch die, über die mein Tagebuch hier erzählt! Ich habe noch so viel Lebenshunger, aber ohne Gier. Die Lieder von Reinhard Mey schenken meiner Seele sehr oft Worte. Sie kleiden ein Lebensgefühl in Musik, das ich mit meiner schwindenden Restlaufzeit immer intensiver empfinde: dass ich noch nie so gern über diese Erde gegangen bin wie jetzt, noch nie so bewusst den Boden unter meinen Füßen gespürt habe, noch nie die Natur lieber betrachtet habe. Dass ich noch nie so gern gelebt habe.«
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Trauer und Freude - Hand in Hand
Bewertung aus Attenhofen am 17.11.2025
Bewertungsnummer: 2656542
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In ihrem umfangreichen neuen Buch erzählt Bianka Bleier, wie sie die Jahre 2013 bis 2022 erlebt hat. Es fehlt lediglich das Coronajahr 2021.
Manche Einträge sind kurz, andere gehen über mehrere Seiten. Die Autorin beschreibt nicht alle Einzelheiten ihres Alltags, sondern erzählt von dem, was sie besonders freut, herausfordert oder zum Verzweifeln bringt. Dabei klingt sie stets authentisch. Sie verschweigt weder das Aneinanderreiben in der Ehe noch ihre Zweifel an Gottes Beistand.
Wiederkehrende Themen in diesem Buch sind das Älterwerden und der Tod. Sie stellt fest, dass ihr Körper sich verändert, Kräfte nachlassen, Krankheit und Schmerz eine immer größere Rolle in ihrem Leben spielen. Gleichzeitig muss sie den Tod von Menschen verkraften, die ihr nahestehen. Neben der Freude am Leben, die aus dem Titel herausklingt, ist dieses Buch darum von schmerzhaften, zweifelnden Gedanken geprägt. Für Leser ist es hilfreich, dass sie solche Gedanken in Sprache fasst und nach Antworten sucht.
Freudige Themen dagegen sind die neue Erfahrung, Großmutter zu sein sowie Erlebnisse in ihrem beliebten Café „Sellawie“, die ihr an manch finsterem Tag wie Lichtblicke erscheinen. Dazu kommt die zunehmende Selbstständigkeit eines Sohnes, der mit Beeinträchtigungen leben muss. Wie an vielen anderen Stellen, gibt es auch da wichtige Lernmomente, denn Bianka Bleier stellt fest: „Durch unseren behinderten Sohn habe ich endgültig verstanden, dass ich begrenzt sein darf und geliebt bin.“
Wie schön wäre es, wenn wir einander in christlichen Gemeinden nicht vorspielen würden, perfekt zu sein. Das Buch zeigt wohltuend offen, dass Glaube und Zweifel nebeneinanderstehen dürfen. Trotz Schwierigkeiten und Enttäuschungen hält die Autorin an Gott fest – nicht, weil sie alles versteht, sondern weil ein Weg ohne ihn für sie noch schwerer und vor allem sinnlos wäre. Sie macht sichtbar, dass es nicht auf jede Lebensfrage eine schnelle, fromme Antwort geben muss. So ist dieses Buch, trotz der schweren Themen, die angesprochen werden, ermutigend und hoffnungsvoll. Wertvoll sind auch die vielen Zitate und Hinweise auf hilfreiche Bücher.
Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, vor allem für Frauen ab 50. Offen und ehrlich, aufbauend und nachvollziehbar!
Höhen und Tiefen
Bewertung aus Bayreuth am 28.10.2025
Bewertungsnummer: 2639037
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Ich hab noch nie so gern gelebt“ umfasst Bianka Bleiers aufbereitete Tagebuchnotizen der Jahre 2013 bis 2022, die erste Hälfte des Zeitraums in gewohnt ausführlicher Form, die jüngeren Jahre nur noch sehr knapp zusammengefasst. Es schadet sicher nicht, auch die vorherigen Bände gelesen zu haben. Die betreffenden Jahre sind ein Lebensabschnitt der Autorin mit Höhen und Tiefen, vielen Herausforderungen und dennoch auch einigen neuen Chancen. Der schwere Abschied vom Vater und sein Verhältnis zu ihm nehmen viel Raum ein, hinzu kommen eigene gesundheitliche Probleme, die sich nicht verdrängen lassen und die Autorin in ihrer gewohnten Rolle als am liebsten von früh bis spät arbeitende Powerfrau erheblich ausbremsen. Auf der anderen Seite die neuen erfüllenden Enkel-Momente, ohne die üblichen mütterlichen Verpflichtungen. Des Weiteren ergeben sich überraschend einige räumliche Veränderungen und für die wachsende Großfamilie schließt sich gewissermaßen gleich in mehrfacher Hinsicht der Kreis.
Wer die bisherigen Bände mochte, wird denke ich auch von diesem hier nicht enttäuscht sein. Es ist kein gestreamlinedes Buch, kein schöngefärbter Vorzeigealltag. Manches wiederholt sich, hätte man vielleicht auch etwas straffen können. Doch das Buch hat auch viele starke Momente, bildet es doch das wahre Leben ab, mit seinen Irrungen und Wirrungen, dem eigenen Abwägen, Hadern und Zaudern – und bietet so an vielen Stellen Raum zum Innehalten und zur eigenen Reflexion.
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