1925 zog das Bauhaus von seinem Gründungsort Weimar nach Dessau um, die Bauhausmeister und ihre Frauen zogen mit. Ise Gropius übernahm Führungen und Veranstaltungen an der Schule, die Pianistin Lily Klee lud zu Hauskonzerten, Lou Scheper und ›El Muche‹ waren Malerinnen, Julia Feininger entwarf Puppen, Lucia Moholy-Nagy und Gertrud Arndt machten sich als Fotografinnen einen Namen, Anni Albers und Gunta Stölzl als Textilkünstlerinnen und Bauhausmeisterinnen.
Im frischen Wind der Moderne fanden die Frauen – oft zum Missfallen ihrer im Privatleben nicht immer fortschrittlich denkenden Männer – zu einem neuen Selbstverständnis, einer neuen Rolle und wurden zu lebendigen Vorbildern der »Neuen Frau«.
»So blieben wir halt die Dekorativen im Sternenbanner Bauhaus.« Gunta Stölzl
✶ Mit zahlreichen s/w-Fotos
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Heyerode
5/5
25.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Frauen ...
Ich mag die Reihe dieser kleinen kompakten blue-notes-Büchlein sehr gern. Neulich habe ich mir mal wieder eines gegönnt - es ist Band 120 - der Wahnsinn !!!
In diesem Band geht es um die Bauhaus-Frauen Dessaus. Die Bauhausschule - in Weimar gegründet - zog 1925 nach Dessau, die Frauen mit ihr. Bekanntester Charakter ist sicher Ise Gropius, aber auch Gunta Stölzl oder Anni Albers und Gertrud Arndt sind unvergessene Namen.
Das Buch ist perfekt gegliedert, hat mir auf angenehme Art und Weise jede Menge Informationen zum Bauhaus und seinen Frauen geliefert. Einige schwarz-weiß-Fotos sind auch enthalten.
Mir hat der Stil sehr gut gefallen, der die perfekt recherchierten und kompetent geschriebenen Inhalte trotz aller Sachlichkeit sehr angenehm an die Leserschaft bringt.
Leseprobe:
=========Es ist ein interessantes Detail, dass die neue Hausbewohnerin Gertrud Arndt das Badezimmer kurzerhand in eine Dunkelkammer umwandelte, wo sie ihre fotografischen Experimente machte. Gertrud Arndt, 1903 ...
Man spürt die Aufbruchstimmung, die Moderne, die diese Frauen brachten. Alles ist vor dem historischen Hintergrund sehr gut präsentiert und ich habe das Büchlein sehr gern und bestens unterhalten gelesen.
#frauenambauhausdessau
#ebersbachundsimon
#undahörner
#heidizengerling
Eva
5/5
16.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Ode an die Freiheit
Vor 100 Jahren, 1925, zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau. Die Frauen der Bauhausmeister sollten den neuen Standort maßgeblich prägen, sie fanden ein neues Selbstverständnis im Schnellzug der Avantgarde, der verstaubte Frauenbilder einfach zurückließ.
Wie viele Avantgarde-Bewegungen war das Bauhaus patriarchalisch organisiert. Wie groß die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sich angefühlt haben muss!
Wo Männer im Rampenlicht standen, waren Frauen oft dazu verdammt, im Verborgenen zu wirken.
Die Architektur des Bauhauses lässt sich in diesem Fall also auch metaphorisch lesen. Die Frau bleibt hinter den Wänden in einem gut funktionierenden Haushalt verborgen, die Männer strahlen in der Öffentlichkeit und ziehen, genau wie die neue Architektur, die Blicke auf sich.
Die Ideen von Revolution und Reform blieben also häufig hinter der Regierenden Realität zurück. Das Bauhaus revolutionierte das Denken über Kunst, sowie die Ästhetik selbst. Unter dem Dach der Architektur fanden alle Künste zu einer Symbiose, die die Wahrnehmung von Kunst grundlegend veränderte.
Nach aussen zeigte die Architektur die klaren Strukturen im markanten Design, innen sollte die Kunst das alltägliche Leben erheben und erleichtern. Dieses Verhältnis von innen und aussen spricht Bände. Um die Männer herrschte ein Meisterkult, die Frauen hatten keinen offiziellen Status, sahen sich mit Ablehnung und überholten Rollenbildern konfrontiert. Sie wurden kollektiv in die Textilklassen verbannt.
Wunderbar eindrücklich webt Unda Hörner die Lebensfäden der Bauhausfrauen ineinander. Ihre Mitarbeit, ihre Texte und ihre Fotos wurden oft weder gekennzeichnet noch respektiert, und doch leisteten sie Großes. Ise Gropius übernahm Führungen und Veranstaltungen an der Schule, organisierte Konzerte und sorgte für einen regen Austausch. Lucia Moholy-Nagy und Gertrud Arndt wurden anerkannte Fotografinnen, Anni Albers und Gunta Stölzl wurden Bauhaus-Meisterinnen und weltbekannte Textilkünstlerinnen.
Mit Zielstrebigkeit und Disziplin behauptete Lilly Reich ihren Platz in der von überholten Stereotypen geprägten Bauhaus-Welt. Sie kämpft mit dem Gegenwind der konservativen Gesellschaft, in der starke Frauen anecken.
Herrlich anschaulich im Wechsel von Zeitgeschichte und Biografie beschreibt Unda Hörner den Anteil der Meister-Frauen am Bauhaus als dem leuchtenden Stern am Avantgarde-Himmel. Gleichzeitig erzählt sie von selbstbewussten Individuen, die ihren Platz in der Kunst und in der Gesellschaft behaupteten und das Erbe ihrer berühmten Gatten verwalteten oder vor den Vernichtung retteten.
Frauen am Bauhaus Dessau ist ein weitreichender Einblick in einen bedeutenden Abschnitt der Kunstgeschichte und erzählt mit großer Kraft von mutigen Frauen, die sich ihr Recht auf Freiheit erkämpften, eine neue Art des Sehens schufen und und bis heute unvergessene Vorbilder sind.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
28.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Talentierte Frauen
Ein interessantes Buch zu den leider oft übersehenen Frauen am Bauhaus, der großen Kunst- und Architekturhochschule im Osten Deutschlands. Ihren Männern meist ebenbürtig, mussten sie sich oft auf ihre traditionelle Rolle beschränken. Das Buch ist sehr gut geschrieben und interessant zu lesen und gibt den einzelnen Frauen genügend Raum, bleibt jedoch ein Gesamttext und ist nicht in einzelne Biographien unterteilt. Sehr empfehlenswert.
Johanna
aus München
5/5
23.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Errungenschaften und Enttäuschungen der Frauen am Bauhaus
100 Jahre Bauhaus Dessau: "Es wäre nicht abwegig, wenn jemand sich entschlösse, etwas über die Rolle der Meisterfrauen zu schreiben, der Frauen der Bauhaus-Meister nämlich, die keinen offiziellen Status hatten und doch maßgeblich an der Geschichte und Nachgeschichte des Bauhauses beteiligt waren." (Lucia Moholy-Nagy)
Unda Hörner schreibt nicht nur über die Meisterfrauen, sondern über die Bewohnerinnen (und Bewohner) der Meisterhäuser in Dessau. Die Bewohner sind heute weltberühmt, die Bewohnerinnen sehr viel weniger. Die Autorin stellt sie in den Vordergrund und beschreibt ihre Tätigkeiten und Enttäuschungen. Ein sehr unterhaltsamer und informativer Überblick über das Leben am Bauhaus Dessau - aus weiblicher Perspektive. Vielleicht ein Anlass, wieder mal nach Dessau zu fahren!
Nachdem das Bauhaus von den Nazis gezwungen worden war, Weimar zu verlassen, ließ man sich in Dessau nieder. Zusätzlich zu dem neuen Bauhaus-Gebäude ließ Walter Gropius drei Doppelhäuser und ein Direktorenhaus für die Meisterfamilien bauen. Darin wohnten ab 1926 zeitweise Walter Gropius und seine Frau Ise, Oskar und Tut Schlemmer, Paul Klee und Lily Klee, Wassili und Nina Kandinsky, László und Lucia Moholy-Nagy, Lyonel und Julia Feininger, Hinnerk Scheper und Lou Scheper-Berkenkamp, Alfred und Gertrud Arndt, die Textildesignerinnen Gunta Stölzl und Anni Albers, Georg und El Muche, Mies van der Rohe und Lilly Reich, u. a.
Der Anspruch der Künstlerinnen und Künstler war hoch. Alle Künste sollten Teil eines Gesamtkunstwerks sein, welches das Leben der Menschen in vielerlei Hinsicht verbessern sollte. Die Wirklichkeit wurde dem Anspruch oft nicht gerecht. Obwohl theoretisch darauf Wert gelegt wurde, Männer und Frauen gleich zu behandeln, waren die Herren Künstler Kinder ihrer Zeit. Frauen waren bald nicht mehr gern gesehen als Architektinnen schon gar nicht. Man schob sie auch gegen ihren Willen ab in die Weberei.
Die Frauen der Meister agierten ganz unterschiedlich. Nina Kandinsky ordnete sich ihrem Mann vollkommen unter. Ise Gropius engagierte sich in der Organisation des Bauhauses, wurde "Frau Bauhaus", von ihrem Mann als süßer Helfer tituliert! Lilly Reich konnte sich in dieser toxischen Männerwelt als eine von wenigen als Künstlerin und Innenarchitektin durchsetzen, freilich nicht ohne große Widerstände.
"Die Bauhaus-Frauen hatten den Gemeinschaftsgedanken möglicherweise stärker verinnerlicht als die Männer, bei denen nicht selten die Eitelkeit das letzte Wort hatte. [...] Sie dachten wie Julia Feininger oder 'El Muche' ans Bauhaus als Kollektiv und zeigten sich solidarisch mit ihren Männern ..."
Die Solidarität wurde oft nicht belohnt. Lucia Moholy-Nagy beispielsweise, deren Fotografien des Bauhauses für dessen internationale Anerkennung sorgten, wurden erst spät und nach ihrer Flucht aus Deutschland von Gropius die Bildrechte an ihren Fotos zurückgegeben.
1932 musste das Bauhaus in Dessau schließen. Unda Hörner gibt am Ende ihres Buches einen Ausblick auf das weitere Schicksal und die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler im Exil und in Deutschland.
Spannend und lesenswert!
Der Platz in so einem Büchlein ist begrenzt, die thematische Vorgabe ebenso. Daher erwähnt Hörner ein paar wichtige Frauen nur am Rande oder gar nicht, etwa Alma Siedhoff-Buscher (bedeutende Spielzeug-Designerin), die das Bauhaus 1927 verlassen hat oder Marianne Brandt (berühmte Innenarchitektin und Designerin von Alltagsgegenständen), die kurzzeitig Leiterin der Metallwerkstatt war und das Bauhaus 1929 verlassen hat, oder die Textilkünstlerin Otti Berger, die als Vertreterin von Stölzl als Meisterin in der Weberei gearbeitet hat.
Tipp zum Weiterlesen: der Roman "Blaupause" von Theresia Enzensberger (erschienen 2017 bei Hanser) über die Erfahrungen einer Studentin am Bauhaus in Weimar und Dessau. Video-Tipp (im Buch besprochen): Filmserie des Bauhauses von 1926-28, insbesondere Teil 3, in dem die Meisterfrauen die avantgardistische Inneneinrichtung der Häuser zeigen (Bauhaus-Archiv bei Vimeo)
Gertie G.
aus Wien
5/5
19.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einblick in die Welt des Bauhaus in Dessau
Unda Hörner hat sich in ihren Büchern jener Frauen und Künstlerinnen angenommen, die zwischen 1919 und 1939 gewirkt haben. Diesmal verschreibt sie sich den Frauen am Bauhaus wie Ise Gropius, Nina Kandinsky, Gunta Stölzl und Lucia Moholy-Nagy, die 1925 gemeinsam mit ihren Männern von Weimar nach Dessau übersiedeln. Dort werden neben dem Schul- und Werkstättengebäude die sogenannten Meisterhäuser errichtet, in denen die Lehrkräfte - also sie Meister - mit ihren Familien leben.
Die Hoffnung der Lehrenden und vor allem weiblichen Studierenden nach dem Umzug in das kleiner Dessau zu einem neuen Höhenflug ansetzen zu können, erfüllt sich nicht. Die bunte Gruppe, die einen unkonventionellen Lebensstil führt, wird von den Einwohnern Dessaus scheel angesehen. Zumal auch hier antisemitische und antisozialistische Kräfte erstarken.
Das Bauhaus ist trotz aller moderner Ideen und Avantgardegedanken durch und durch patriarchalisch organisiert. So werden Frauen, entgegen aller Werbung, vorrangig in den Webereiklassen untergebracht. Weben, Wolle, Weib - diese Alliteration sollte bis zur Auflösung des Bauhauses 1932 das Credo sein. Frauen als Bildhauerinnen, als Architektin? Niemals, wenn es nach Gropius & Co geht. Lediglich die Fotografieklasse läuft unter dem Radar der Männer und kann sich, da Mann den Frauen nichts zutraut und daher keine Konkurrenz in ihr sieht, entwickeln.
Obwohl die Experiment des Bauhaus‘, eine Art Künstlerkolonie zu sein, als gescheitert bezeichnet werden muss, haben diese Jahre seiner Existenz zahlreiche Impulse für die moderne Kunst und das Kunsthandwerk gegeben. Eine Ähnlichkeit mit der Jahre zuvor von Josef Hoffmann und Koloman Moser angestrebten Erneuerung der Kunst in Symbiose mit dem Kunsthandwerk ist unübersehbar.
Meine Meinung:
Da ich einige Bücher von Unda Hörner kenne, habe ich mich auf dieses hier sehr gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Die Autorin beschreibt die Situation der Künstlerinnen, die manche Männer recht bald als Konkurrenz gesehen haben, recht gut. Als Musen und vor allem als zahlende Schülerinnen sind sie herzlich willkommen. Doch bevor sich die Frauen in ihren künstlerischen Ambitionen entwickeln können, werden sie in die Webereiklassen gesteckt. Nur das hält der Big Boss Walter Gropius für angemessen. Angemessen für wen? So gesehen ist es kein Wunder, dass das Experiment scheitert, ja scheitern muss.
Neben kurzen Biografien der Frauen, die durch Auszüge aus ihrer Korrespondenz ergänzt werden, erfahren wir, wie es ihnen nach dem endgültigen Aus des Bauhaus in Dessau ergangen ist. Zahlreiche Fotos geben uns einen Eindruck der Frauen.
Schade finde ich, dass keine Grundrisse der Meisterhäuser abgebildet worden sind. Diese sind nach dem Auszug der Bauhäusler dem Verfall preisgegeben, im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und ab 1990 saniert bzw. als Replik neu errichtet.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Einblick in die Welt des Bauhaus 5 Sterne.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.