In der Kleinstadt Wyalusing wird eines Winterabends eine Frau brutal ermordet aufgefunden. Neben der Leiche liegt Danny Bedford, der eine tragische Hirnverletzung erlitten hatte, die ihn in seinen geistigen Fähigkeiten einschränkt. Trotz seines zurückgezogenen Lebens hat seine einschüchternde Größe dazu geführt, dass er von den Nachbarn aus Angst vor seinen Taten gemieden wird. Als der Deputy Danny neben der Leiche entdeckt, ist es für ihn offensichtlich, dass Danny die Frau umgebracht hat. Eine unaufhaltsame Kette von Gewalt und Verbrechen durchziehen eine eisige Nacht. Angesichts eines drohenden Schneesturms arbeiten der örtliche Sheriff und ein State Trooper bis in die frühen
Morgenstunden, um den Anschein von Ordnung aufrechtzuerhalten, während sie ein kompliziertes Lügengeflecht offenlegen, das die Gemeinschaft in Wyalusing in Frage stellt. "Deep Winter" ist ein atmosphärisch dichter und raffiniert gezeichneter Kriminalroman, der bis zur letzten Seite überrascht.
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Du hättest weglaufen sollen Danny
claudi-1963 aus Schwaben am 31.05.2025
Bewertungsnummer: 2503935
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Kaum blickte er in ihre großen blauen Augen, konnte er nicht mehr wegsehen. Sie hielten seinen Blick fest, aber das Funkeln darin war verschwunden, und an ihren langen Wimpern hingen feine Blutstropfen." (Buchauszug)
Wyalusing, eine Kleinstadt in Pennsylvania, wird mitten im Winter vom brutalen Mord an Mindy Knoll erschüttert. Danny Bedford seit seinem tragischen Unfall, bei dem er eine Hirnverletzung erlitt, geistig eingeschränkt, findet man in Mindys Trailer vor. Für Deputy Mike Sokowski und seinen Kumpel Carl ist es offensichtlich, dass Danny sie getötet hat. Gewalt und Verbrechen werden dieser eisigen Nacht folgen. Angesichts des drohenden Schneesturms müssen Sheriff Lester und State Trooper Bill Taggert gemeinsam handeln. Werden sie diesen Mord lösen und womöglich ein Lügengeflecht aufdecken? Eine Schneise an Gewalt, Tod und Verderben wird die beschauliche Kleinstadt für immer verändern.
Meine Meinung:
Für mich ist es das zweite Buch dieses Autors und es hat auch diesmal wieder seine ganz eigene Sprache. Aufgewachsen ist der Autor ebenfalls in einer Kleinstadt, wahrscheinlich ähnlich sogar wie Wyalusing. Von daher sind für mich seine Beschreibungen von Natur und speziell den Menschen durchaus realistisch. Der triste Alltag in dieser Kleinstadt scheint für viele der Charaktere zum Problem zu werden. So ist es kein Wunder, warum einige ihre Süchte mit Rauchen, Alkohol, Gewalt oder gar Drogen stillen. Allen voran Deputy Mike Sokowski, ein Alkoholiker und jähzorniger Mensch, der sich immer nimmt, was er haben will. Nebenbei betreibt er illegale Geschäfte, von denen sein Sheriff nichts ahnt. Überhaupt sind gute Jobs eher Mangelware, und so büffeln die meisten Bewohner im großen Schlachthaus der Stadt. Tatsächlich wollte Mindy gleich nach dem College verschwinden, nur ihrer Mutter zuliebe ist sie geblieben und arbeitet nun im Friedenshutten. Das Friedenshutten ist Dannys Lokal, bei dem er täglich frühstückt und seine beste Freundin Mindy besucht. Mindy ist die einzige, die nett und geduldig zu Danny ist. Beide haben am selben Tag Geburtstag und Danny hat ihr ein besonderes Geschenk geschnitzt. Das ist auch der Grund, warum er so spät noch zu ihrem Trailer kam. Also warum sollte ausgerechnet er seine beste Freundin töten? Dieser Krimi zeichnet neben dem Mordfall ein düsteres Bild von Amerikas Kleinstädten auf, bei denen vieles schiefläuft. Wyalusing liegt für mich recht idyllisch, umgeben von viel Natur und den umliegenden Wäldern. Das Buch selbst dominiert von den einzelnen Kapiteln, in denen wir Einblicke in die verschiedensten Charaktere bekommen. Dabei scheut sich der Autor nicht, sich eine extrem authentische, bildliche Sprache zunutze zu machen. Diese ist allerdings nicht immer jugendfrei und mitunter sogar schroff und überaus vulgär. Man muss sich schon mit dieser Art Sprache anfreunden, um sie gut zu finden. Beim ersten Mal hat sie mir weniger gefallen, doch diesmal konnte ich mich bis auf eine Szene relativ gut damit anfreunden. Anderseits sind es gerade diese Beschreibungen und die Sprache, die einen in dieses Buch und dem darin beschriebenen Milieu eintauchen lassen. Ebenso wie die Sprache hat der Autor ein Faible für Alkohol und individuelle Charaktere, wie Danny einer ist. Wer also kein Problem mit einer etwas anderen Art von Krimi und der unfeineren Seite Amerikas hat, der ist hier gut aufgehoben. Von mir gibt es 4 1/2 Sterne dafür.
Sehr düsterer Krimi Noir mit außergewöhnlichem Antihelden & außergewöhnliches Gesellschaftsporträt
Eternal-Hope aus Österreich am 29.05.2025
Bewertungsnummer: 2502091
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Polar Verlag hat sich auf die Herausgabe und Übersetzung von anspruchsvollen Krimis spezialisiert, die mehr bieten wollen, als nur zu unterhalten. Ein solcher ist auch der Krimi Noir "Tiefer Winter", das Debüt des US-amerikanischen Autors Samuel W. Gailey. Wie während des Lesens und auch nochmal stärker im Nachwort klar wird: hier schreibt einer, der die Schattenseiten des ländlichen Amerikas selbst gut kennen gelernt hat und sie präzise zu beschreiben vermag.
Wir befinden uns in Wyalusing, einem gottvergessenen Nest irgendwo im ländlichen Pennsylvania. Hier gibt es kaum etwas, das schön oder ansprechend wäre. Die Menschen leben in Trailern oder heruntergekommenen Häusern. Nicht einmal Straßenbeleuchtung gibt es hier. Alkohol, Drogensucht, Gewalt und Korruption sind allgegenwärtig, da ist auch der Deputy selbst keine Ausnahme, im Gegenteil, er treibt die Verkommenheit dort noch auf die Spitze. Jobs gibt es kaum, schon gar nicht solche mit Perspektive. Wer überhaupt einen hat, arbeitet meist im lokalen Schlachthaus. Und alle, die etwas aus sich machen wollen und können, verlassen diese schreckliche Gegend spätestens nach der High School... wer den Absprung nicht geschafft hat, bereut es oft später.
Somit finden wir in Wyalusing ein Sammelsurium der im Leben gescheiterten Existenzen vor. Da gibt es den Antihelden der Geschichte, Danny, ein freundlicher, kindlicher Riese, äußerlich erwachsen geworden, aber kognitiv nach einem Unfall als Kind, bei dem er auf dem Eis eingebrochen ist und zu lange unter Wasser war, für immer auf dem Stand eines liebenswerten, aber etwas naiven etwa 6-jährigen Jungen eingefroren. Bei dem Unfall hat Danny außerdem seine Eltern verloren, die ihn retten wollten, und musste danach bei einem eher abweisenden Onkel aufwachsen. Vom Leben verwöhnt wurde Danny also wahrhaftig nicht, hat sich aber seine Freundlichkeit und Herzensgüte bewahrt. Er lebt in einem Zimmer, das ihm die Bennetts vermieten, ein freundliches Ehepaar, das außerdem einen Waschsalon betreibt, in dem Danny aushelfen kann. Von den meisten in der Gegend wird Danny gemieden und verspottet, außer den Bennetts gibt es nur noch seine ehemalige Schulfreundin Mindy, die freundlich zu ihm ist.
Diese will er an ihrem Geburtstagsabend besuchen, um ihr ein handgeschnitztes Geschenk zu überreichen. Leider ist Mindy schon tot, als Danny zu ihr kommt... und damit verliert Danny nicht nur eine ihm wohlgesonnene Person und liebe Freundin, sondern bösartige, skrupellose Menschen wollen ihm auch noch den Mord in die Schuhe schieben, was erst einmal zu gelingen scheint. Denn die Menschen sind, wie sie sind, haben ihre Vorurteile gegenüber Menschen mit Handicaps und sind schnell bereit, die Lügen über ihn zu glauben...
Es kommt zu einer Verhaftung Dannys, dann zu seiner Flucht und am Ende zu einem dramatischen Finale im Schnee.
Die Kunst des Autors besteht darin, gleichzeitig ein tiefgründiges, düsteres Gesellschaftsporträt des ländlichen Lebens zu zeichnen und einen spannenden Krimi Noir zu erzählen, der höchst unterhaltsam zu lesen ist, obwohl man sehr früh weiß, wer der Mörder ist und wer nicht. Die Hauptspannung besteht also im Gegensatz zu vielen anderen Krimis hier nicht in der Ermittlungsarbeit der Kommissare (davon gibt es mehrere, aber das sind ähnlich heruntergekommene Figuren wie alle anderen in diesem Buch), sondern in der Frage, ob und wie es Danny schaffen könnte, gegen alle Wahrscheinlichkeiten zu entkommen und zu überleben. Ein kognitiv beeinträchtigter und verletzter Mann mitten im tiefsten Winter Pennsylvanias, und gleich mehrere Verfolger, die ihm nachstellen!
Dabei vermittelt dieser anspruchsvolle Krimi Noir gleichzeitig ein eindringliches Bild dessen, wie hart und brutal das Leben in manchen vergessenen ländlichen Teilen der USA sein kann. Es ist ein Buch, das stellenweise sehr hart zu lesen sein kann und von blutiger Gewalt und Fäkalsprache nur so trieft. Doch das passt zu diesem Milieu und macht das Buch gleichzeitig authentisch, auch wenn man es als Leser/in aushalten können muss. Besonders sympathisch habe ich Danny gefunden, und seine Wahl zum Mittelpunkt des Buches speziell bei einem Debütroman außergewöhnlich und mutig.
Ich selbst habe das Buch sehr gerne gelesen, weil es gleichzeitig unterhaltsam ist und zum Nachdenken anregt. Es ist abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Personen geschildert, was ich ebenfalls sehr schätze und es für mich noch interessanter gemacht hat. Insgesamt erweitert es das Verständnis dafür, in welchen düsteren Lebenssituationen auch manche Wähler in den USA leben, was sicherlich ihre Weltsicht und Wahlentscheidungen mit beeinflusst. Eine Leseempfehlung für alle, die sich auch für die sehr düsteren Seiten des ländlichen Amerikas interessieren und sich von Gewalt und Fäkalsprache nicht abschrecken lassen.
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