1866. Preußisch-Österreichischer Krieg. Mittendrin, in Berlin, Lina Morgenstern (1830-1909). Viele Soldaten kommen verletzt aus dem Krieg, der Staat kümmert sich nicht. Spontan gründet Lina Lazarette und Volksküchen - und rettet damit tausende Soldaten. Freund und Feind. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratet sie Theodor. Eine Liebesgeschichte mit vertauschten Rollen: Als ihr Mann in die Pleite schlittert und die Familie mit fünf Kindern plötzlich brotlos dasteht, schreibt Lina in wenigen Wochen einen Bestseller, zehn weitere folgen.
Hinter der Maske von Linas quirligem Humor verbirgt sich die nervöse Unrast einer leidenschaftlichen Unternehmerin: Mit heißem Herzen und kühlem Verstand initiiert sie zahlreiche Wohlfahrtsvereine, die erste seriöse Frauenzeitung und den ersten "Internationalen Frauenkongress" auf deutschem Boden. Bis heute gilt sie als eine der wichtigsten Sozialreformerinnen und maßgebliche Begründerin der ersten Frauen- und Friedensbewegung. Eine Geschichte, die Mut macht.
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Literarisches Denkmal für eine humanistische Powerfrau
Dagmar Jenner aus Wien am 17.11.2025
Bewertungsnummer: 2656663
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie viel Tatendrang, Herzblut und soziales Engagement passen in ein Menschenleben? Im Fall der unglaublichen Lina Morgenstern: ganz schön viel! Dieses inspirierende Buch kann ich allen Lesenden mit Vorliebe für wunderbar erzählte Biografien außergewöhnlicher Menschen wärmstens empfehlen (Gerhard Rekels letztes Werk „Monsieur Orient-Express“ ebenso). Es holt Lina Morgensterns erstaunliches Schaffen in die Gegenwart.
Lina wer? So ging’s mir bis vor kurzem auch. Kein Wunder: Seit jeher wurden herausragende Frauen ignoriert, ihre Leistungen geschmälert, vergessen oder von Männern geklaut. Dass nun ausgerechnet ein Mann dieser Ausnahme-Frau ein literarisches Denkmal setzt, versöhnt ein klein wenig mit der patriarchalischen Geschichtsschreibung.
Dieses Buch verschränkt akkurat recherchierte Fakten mit einer erzählerischen Annäherung an Lina Morgenstern. Es liest sich wie ein spannender Roman, bei dem die Leserin die Protagonistin bei Erfolgen, Rückschlägen und Neustarts begleitet. Mit einem sehr feinen Gespür für Zwischentöne zeichnet der Autor das Porträt dieser Humanistin, Feministin und Unternehmerin. Der historische Kontext sorgt für erhellende Einblicke in die betrübliche Lebensrealität von Frauen dieser Zeit. Lina kümmerten gesellschaftliche Zwänge wenig: Sie war furchtlos, zäh und durchsetzungsstark. Auch starker Gegenwind oder antisemitische Anfeindungen hielten sie nicht auf.
Ihr soziales Engagement war grenzenlos: Sie versorgte die verarmte Berliner Bevölkerung in Suppenküchen, gründete eine Zeitschrift für Frauen, bildete Köchinnen aus, gründete Kindergärten, veranstaltete den internationalen Frauenkongress, schrieb Bestseller über Erziehung und Ernährung. Das alles in einem Menschenleben im 19. Jahrhundert! Obendrein setzte sie sich fürs Frauenwahlrecht und für die Friedensbewegung ein. Außerdem hatte sie fünf Kinder und einen liebevollen Mann. Linas Motto muss gewesen sein: geht nicht – gibt’s nicht.
Auf die klassische Frage „Welche historische Persönlichkeit würdest du gerne kennen lernen?“ wäre nach der Lektüre dieses Buches meine Antwort: Lina Morgenstern.
eine bemerkenswerte Frau
Bewertung aus Oberursel am 25.06.2025
Bewertungsnummer: 2523780
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich muss gestehen, der Name Lina Morgenstern (1830 – 1909) kam mir irgendwie dunkel bekannt vor, aber ich hätte dazu nichts Konkretes sagen können. Als mir die Agentur Buchcontact diese Biographie vorstellte, dachte ich mir, die Wissenslücke muss ich dringend schließen. Also Buch geordert :-)
Knapp 250 Seiten später bin ich schlauer, und muss sagen: wäre Lina ein Mann gewesen, wäre ihr Name in aller Munde, und man würde sie mit Gedenktagen feiern und in Ehre halten! Die Lady war ein Powerpaket, Gründungstalent, Unternehmerin mit Vorbildfunktion, und es ist eigentlich unfassbar, was sie alles auf die Beine gestellt hat und wie sie unser aller Alltag nachhaltig geprägt hat. Ich nenne jetzt einfach mal ein paar Stichworte zusätzlich zum Klappentext: Frau Morgenstern hat die Volks- und Suppenküchen in Preußen gegründet, die Armenspeisungen also – und die wurden in aller Welt vielfach kopiert, und ich gehe jetzt mal so weit zu sagen, das diese Küchen (abgesehen davon, dass sowas ja immer noch läuft ) auch ein Vorbild für die Tafeln waren; sie hat sich mit Erziehungswissenschaften befasst und war die Gründerin der Kindergärten, und so ganz nebenbei schrieb sie ein Buch nach dem anderen. Von Kochbüchern, Kinder- und Märchenbüchern bis zu feministischen Streitschriften war da alles dabei. Und 5 Kinder hat sie auch noch mit Theodor, der Liebe ihres Lebens bekommen. Ach ja, Theodor war übrigens Unternehmer, hatte u.a. zeitweise ein sehr großes Modehaus in Berlin, aber leider kein sonderlich glückliches kaufmännisches Händchen; das Ehepaar Morgenstern war diverse Male kurz vor der Pleite, und entweder Lina hat es wieder rausgerissen und einen Bestseller geschrieben – oder ja, man muss es sagen, Linas wohlhabender Papa hat dem insolventen Schwiegersohn auch schon mal aus der Patsche geholfen. Ungern, aber als das Modehaus vor dem Ruin stand, war das mal die Rettung. Womit wir natürlich auch gleich einen interessanten und mMn nicht unwichtigen Punkt in Linas Leben haben: einer wohlhabenden Familie entstammend, hat man durchaus eine andere Ausgangslage als wenn man in prekären Umständen aufwächst. Lina genoss sehr wohl eine gute Bildung, und hatte auch ein unternehmerisches, freidenkerisches Mindset – und ich behaupte mal, ein Mädel aus der Unterschicht hat genau dies eben nicht.
Eine bemerkenswerte Frau also. Sie hat Unglaubliches zustande gebracht in Zeiten, in denen Gleichberechtigung für die meisten Leute ein Fremdwort war, und was man auch nicht vergessen darf: Lina war Jüdin; und hatte sehr oft mit Antisemitismus zu kämpfen.
Und eine witzige (finde ich) Randnotiz: Bei all den Aktivitäten sah es im Hause Morgenstern wohl immer aus, als ob gerade ein Hurrikan durchgefegt hätte – der Autor zitiert hier Nachfahren, die sich wohl Jahrzehnte später immer noch lustig darüber machten, dass Hausarbeit für Lina nicht wirklich eine Priorität besaß :-). Und jetzt sag ich mal: das hat Lina im Gegensatz zu uns modernen Frauen richtig gemacht und erkannt – get your priorities straight. Entweder Unternehmen gründen und führen oder Staub wedeln zuhause. Beides gleichzeitig wird schwierig.
Ja, was soll ich sagen: ein super interessantes Leben. Und wie schade, dass so wenige heutzutage Lina Morgenstern kennen.
Und jetzt mal zur Aufmachung und Gestaltung des Buches: Das Buch ist optisch sehr ansprechend gemacht, mit sehr vielen Originalfotos, Zeichnung und Bildern und Zeitungsausschnitten. Das lockert den Text auf und ist super interessant. Der Autor hangelt sich in sehr vielen recht kurzen Kapiteln chronologisch in Linas Leben entlang, und greift immer wieder exkursmäßig auch einzelne Etappen heraus. Sehr gut gemacht; sehr gut zu lesen, flüssig geschrieben. Man hat hier weniger das Gefühl ein Sachbuch zu lesen, als vielmehr eine Art Memoir. Ich fand es auf jeden Fall eine sehr anregende und angenehme Lektüre. Am Ende gibt es zusammengefasst noch mal eine Zeittafel, und ein sehr ausführliches Quellenverzeichnis. Und ich muss gestehen, beim Durchsehen des Quellenverzeichnis sieht man durchaus, dass Lina eine historisch präsente Persönlichkeit war / ist – aber irgendwie trotz allem nicht wirklich im öffentlichen Bewusstsein präsent.
Ich würde mir wünschen, dass Lina Morgenstern mit dieser Biographie mehr Aufmerksamkeit bekommt, den diese hat sie mit Sicherheit verdient!
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