Ein kleines Kleidungsstück verändert die Welt - ein packender historischer Roman über die Erfindung des BüstenhaltersEin kleines Kleidungsstück verändert die Welt - ein packender historischer Roman über die Erfindung des Büstenhalters
Dresden 1908: Eine neue Zeit beginnt, die Jahre der großen Erfindungen sind angebrochen. Christine arbeitet als Therapeutin im weltbekannten Sanatorium Lahmann. Während ihrer Behandlungen fallen die feinen Damen in ihren engen Korsetts reihenweise in Ohnmacht – was Christine auf eine weltverändernde Idee bringt: Sie entwickelt den ersten Büstenhalter. Die ersten Modelle aus zusammengenähten Stofftaschentüchern und Hosenträgern finden zunächst wenig Anklang in der feinen Gesellschaft, die Damen lehnen das neue Kleidungsstück ab. Zum Glück gibt es Julia, Lotta und Amalie, die Christine bei der Weiterentwicklung des BHs unterstützen. Die vier Freudinnen leben in einem gemeinsamen Wohnhaus und befeuern sich gegenseitig beim Ausprobieren und Tüfteln an neuen Ideen. Und sie geben Christine Halt – ganz besonders als der charmante Franz im Sanatorium anreist, der jedoch in Begleitung von Johanna ist …
Ungekürzte Lesung mit Victoria Schätzle
9h 53min
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Eine Erfindung, die vieles verändert
Kieselelfe23 aus Hövelhof am 03.04.2026
Bewertungsnummer: 3098486
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Es gibt sie heute in allen möglichen Farben, mit oder ohne Bügel, mit Spitze oder ganz schlicht. Jede hat ihre eigenen Vorlieben. Doch der erste seiner Art bestand aus nichts weiter als Taschentüchern und Hosenträgern. Die Rede ist vom BH.
Christine Hardt hat 1908 dieses neuartige Kleidungsstück entwickelt. Anfangs begegnet man ihrer Idee eher mit Skepsis, denn der BH ist noch weit entfernt von dem, was wir heute kennen. Zum Glück hat Christine ihre Freundinnen an ihrer Seite. In Julia findet sie eine begabte Näherin und Stickerin, die den BH nicht nur mit ihr weiterentwickelt, sondern später wahre kleine Kunstwerke daraus macht.
Im Sanatorium, in dem Christine als Therapeutin arbeitet, braucht es zunächst einiges an Überzeugungskraft, bis die feinen Damen bereit sind, das ungewohnte Stück auszuprobieren. Doch sobald sie merken, wie befreiend es ist, nicht mehr ständig in Ohnmacht zu kippen wie im Korsett, beginnt sich etwas zu verändern.
Und mitten in all dem Trubel begegnet Christine auch noch Franz, einem jungen Mann aus wohlhabender Familie, der sich überraschend aufrichtig für sie interessiert. Trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede wirbt er um sie, und Christine muss sich fragen, ob sie bereit ist, sich darauf einzulassen.
Mein Fazit:
Für mich war dieses Buch eine wunderbare Mischung aus historischen Einblicken und einer berührenden Geschichte über vier Frauen, die unter einem Dach leben und sich mit echter Herzenswärme unterstützen.
Besonders gefallen haben mir die vielen unerwarteten Wendungen, die immer wieder neue Perspektiven eröffnet haben, und die liebevollen, sympathischen Beschreibungen der Charaktere.
Dazu kommt der beeindruckende Erfindergeist, denn es gibt noch eine zweite bahnbrechende Erfindung in dem Buch. Der Melitta-Kaffeefilter.
Fun-Fact dazu: Eigentlich sollte der Roman davon handeln, aber bei der Recherche stieß Elke Becker dann auf die Geschichte des Brusthalters und hat sich kurzerhand umentschieden.
Sehr lesenswert.
Frauenpower Anfang des 20. Jahrhunderts
Ilses Lesetipps aus Wien am 25.03.2026
Bewertungsnummer: 3089120
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Roman „Die Erfinderin der Freiheit“ von Elke Becker bietet ein anschauliches Gesellschaftsbild Anfang des 20. Jhdts, mit Fokus auf Bestrebungen von Frauen, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu erlangen.
Das Cover mit einer jungen Frau, die kein Korsett trägt, im Hintergrund die Katholische Hofkirche, stimmt bereits auf die Thematik und den Schauplatz des 2026 erschienenen Romans ein. Die Handlung spielt in den Jahren 1908/1909 in Dresden. Erzählt wird aus der Perspektive von drei Freundinnen, die im selben Mietshaus wohnen - Christine, Julia und Lotta. Geschickt werden historische Fakten und Biografien mit einer fiktiven Geschichte verbunden. Das Lokalkolorit, Dresdens Ambiente ist anschaulich geschildert.
Die jungen Frauen sind auf sich alleine gestellt. Christine, die als Physiotherapeutin in einem Sanatorium arbeitet, fiel auf, dass die engen Korsetts der Patientinnen Schuld an deren Ohnmachtsanfällen waren, und entwickelte die ersten Modelle von Büstenhaltern. Ihre Freundin Julia, Schneiderin und Stickerin, näht für Christine. Lotta arbeitet in einer Bäckerei und als Kellnerin. Sie wohnen im selben Mietshaus, ihre enge Freundschaft basiert auf Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt.
Obwohl Titel und Klappentext assoziieren, dass der Schwerpunkt der Handlung auf der Erfindung und Entwicklung des Büstenhalters liegt, bildet Christine Hardts bahnbrechende Veränderung in der Damenmode mehr oder weniger nur den roten Faden des Romans. Mit eingewoben ist die wohl fiktive Freundschaft mit Amalie Melitta Bentz, der Erfinderin des „Melitta“-Kaffeefilters, und die Begegnung mit dem Dresdner Unternehmer Karl August Lingner, der das Mundwasser Odol seit 1892 produzierte.
Abgesehen von diesen Neuerungen steht eigentlich die Einstellung zum Leben dieser Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Dennoch zeigen sie Selbstbewusstsein, streben Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Männern an. Dies zu einer Zeit, wo Männer Frauen nur in der Rolle der Hausfrau und Mutter sahen bzw. auch als Geliebte, und Ehefrauen ihren Männern mehr oder weniger rechtlos ausgeliefert waren. Frauen wie Christine und Amalie sind einfallsreich und geschäftstüchtig. Sie wollen arbeiten und vom Partner als ebenbürtig anerkannt werden. Sie erkämpfen sich ihren Traum.
Es sind die lebendig und authentisch wirkenden Charaktere und die sehr unterschiedlichen Schicksale der Frauen, die Perspektivenwechsel, die das Buch abwechslungsreich und spannend gestalten. Liebe in allen Facetten prägt die Handlung, von einer unglücklichen Affäre mit einem verheirateten Mann bis zur Liebe mit Milieuunterschied. Ängste; Zweifel und Liebesglück liegen eng beieinander. Neben einem Schuss Romantik ist es vor allem die innige Freundschaft, das gemeinsame Bewältigen von Krisen, wodurch einem die Protagonistinnen so ans Herz wachsen.
Mir hat dieser Liebesroman im Rahmen einer historischen Kulisse sehr gut gefallen. Einerseits waren die Informationen im Zusammenhang mit den Erfindungen und das damalige Gesellschaftsbild sehr interessant, andererseits bot er packende Szenen zum Mitfiebern, ebenso wie Romantik und Happy-End.
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