Alte Wut
Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste | Die bekannte Moderatorin begibt sich auf die Spur eines vererbten Traumas
Als Zehnjähriger floh Caro Matzkos Vater aus Ostpreußen. Er verlor seine Heimat, seine Kindheit und erlebte Dinge, die kein Mensch je vergisst. Achtzig Jahre später reist seine Tochter seine Fluchtroute zurück, auf der Suche nach Antworten. Sie will verstehen, wie sich die seelischen Verletzungen ihres Vaters in ihrem eigenen Leben fortpflanzen konnten. Wo liegt der Ursprung ihrer durchlebten Magersucht, ihrer Kämpfe gegen Depression und Burn-out? Und wie vererben sich Traumata von einer Generation auf die nächste? Mit schonungsloser Ehrlichkeit und unerschrockenem Humor - der auch nicht vor den Tragödien des Lebens Halt macht - erzählt die bekannte Journalistin und Moderatorin von einer schmerzhaften Reise, die ihr alles abverlangt hat.
»Tolle Frau, tolles Buch.« Jürgen von der Lippe
»Was für eine berührende Geschichte über die deutsche Geschichte und über eine von ihr berührte moderne Frau. Die darüber offen reden und schreiben will, und vor allem ihre damit verbundene eigene Geschichte brillant erzählen kann. Mit vollem Herzen. Caroline Suchmaschine hat mit diesem Buch das für uns Menschen Wichtigste gefunden: Frieden!« Hannes Ringlstetter
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Sehr berührend
Bewertung aus Dortmund am 24.10.2025
Bewertungsnummer: 2635134
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Das Buch hat mich sehr berührt.
Es ist ja schon länger erforscht, daß Traumata unbehandelt die Gene verändern können bis in die vierte Generation – und genau davon berichtet Caro Matzko, wenn auch in anderen Worten.
Was das Trauma der Flucht nicht nur in ihrem Vater, sondern auch in ihr bewirkt, ist zu Herzen gehend. Und es sind so viele betroffen …
Daß die Autorin sich damit auseinandersetzt, ist schmerzhaft und heilsam zugleich.
Ich kann das bis zum einem gewissen Grad nachvollziehen, denn meine Familie wurde Anfang 1946 von Polen aus Pommern vertrieben; das hat Spuren bei meinen Großeltern und Eltern bis zu ihrem Tod hinterlassen, und auch bei mir bemerke ich Anzeichen für Gefühle, die ich eigentlich gar nicht haben kann, weil es mir ja nicht passiert ist.
Was es für mich schwierig macht: obwohl der Vater auf seine Weise liebenswert ist und auch ein guter Vater und Opa, ist er der AfD sehr zugeneigt, was eigentlich unverständlich ist auf Grund seiner Erlebnisse. Zum Glück war und bin ich nicht in der Situation, und die Art und Weise, wie Caro Matzko damit fertig wird, ist bewundernswert.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Gertie G. aus Wien am 03.10.2025
Bewertungsnummer: 2614203
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Caroline Caro Matzko, die im deutschen Fernsehen bekannte Moderatorin, hat in ihrem Leben bereits einige Therapien gemacht, Klinikaufenthalte inklusive, um unter anderem ihre Magersucht, ihre Depression und ein Burn-out in den Griff zu bekommen.
Zudem herrscht in der Familie eine angespannte Stimmung in der der Vater, Jahrgang 1934, wie ein Feldwebel agiert. Während ihr zehn Jahre älterer Bruder recht bald auszieht, muss die kleine Caro den Vater aushalten. Ungefragt erzählt er jedem, über seine Flucht als Zehnjähriger aus Ostpreußen, erzählt, wie er mehrmals dem Tod gerade noch entkommt, wie er in die Mündung eines deutschen und auch eines russischen Gewehrs schauen muss und was er alles auf der Flucht erlebt hat. Er erzählt, dass sein Vater von den Russen abtransportiert worden ist. Jahre später kommt eine trockene Karte mit der Meldung über seinen Tod in einem Arbeitslager. Das kann ein Kind kaum verarbeiten, zumal man vor allem den Jungs damals Emotionen abtrainiert hat. Der „Erfolg“? Eine Generation von Kriegskindern und in weiterer Folge Kriegsenkel, die ihre Traumata mit sich herum schleppen und mehrheitlich nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.
Es scheint, als wären die vererbten Traumata ihres Vaters, eine der Ursachen von Caros eigenen Problemen. Nach Rücksprache mit einer ihrer Therapeutinnen packt Caro Matzko ihren Mann Rainer, die Tochter Fanny sowie den Familienhund und begibt sich auf ein dreiwöchige Reise zu den Orten, die ihr Vater einst als Heimat bezeichnet hat.
Stadt für Stadt, Dorf für Dorf bereisen sie seine Fluchtroute in die Vergangenheit zurück, bis sie in Osterode ankommen, wo Ekkehart Matzko mit seiner Familie gelebt hat und just in dem Hotel absteigen, das gegenüber dem 2016 abgerissenen Hotels der Matzkos errichtet worden ist und in dessen Treppenhaus das alte Hotel als Fototapete grüßt.
Die Reise ist für Caroline Matko nicht ganz einfach, hat sie doch selbst einige Vorurteile ihres Vaters im Gepäck, obwohl sie dessen politische Ansicht und Meinung nicht teilt. Doch beinahe überall begegnet sie Menschen, die ihr weiterhelfen, so wie die 90-jährige Roza, die einst Rosemarie hieß und ihren Namen in die polnische Variante ändern musste, um nicht vertrieben zu werden.
Wie es Touristen häufig machen, nimmt Caro Matzko ein paar Steine, die sie für Überreste des alten Hotels hält, sowie ein Sackerl voll (Heimat)Erde mit nach Hause, ohne zu wissen, dass sie damit ihrem Vater seinen Herzenswunsch erfüllt.
Nach der Rückkehr nach Deutschland, schreibt sie dieses Buch, in dem sie auch über Therapieansätze und Erfolge berichtet. Es scheint, dass sich dabei einige Knoten bei ihr gelöst haben.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem schnörkellosen und dennoch emotionalen Einblick in eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung 5 Sterne.
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