Lee, 18, träumt von einer Zukunft als Polizistin. Doch ein einziger Moment verändert alles: In Notwehr verletzt sie einen Jungen, der ins Koma fällt – und stellt fest, dass er nur helfen wollte. Als der Junge erwacht, entsteht eine zarte Liebe, doch seine Eltern erstatten Anzeige. Im Spannungsfeld von Jugendstrafrecht und Erwachsenwerden stellt der Roman die Frage: Was bedeutet es, jung zu sein – und wer entscheidet, wann wir erwachsen sind? Ein hochaktuelles Buch in einer präzisen Sprache, die ihresgleichen sucht.
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Ein schlanker Schatz voller sensibler Momente!
Bücherhausen aus Falkensee am 08.01.2026
Bewertungsnummer: 2696264
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es sind im Moment die unbekannteren Bücher, die mein Herz erobern. Nach "Was du nicht erwartest" aus einem kleinen, unabhängigen Verlag habe ich bei Beltz und Gelbert ein weiteres Kleinod entdeckt. In diesem Jahr möchte ich mich wieder mehr fernab vom Mainstream bewegen. "Stein schlägt Papier" von Christina Erbertz bietet hier einen wunderbaren Anfang. Ein schlanker Roman, der berührt und tief in die Seele junger Menschen blickt.
Zitat: „Lee würde der Sozialarbeiterin gerne antworten, aber sie kann nicht. Sie hat Angst, in tausend Scherben zu zerbrechen, wenn sie nur ein Wort von dem sagt, was sie sonst noch niemandem erzählt hat.“ Christina Erbertz: Stein schlägt Papier (Seite 93)
Die Autorin:
Christina Erbertz studierte Anglistik in Bochum und Drehbuchschreiben an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sie konzipierte und schrieb zahlreiche Fernsehserien für Kinder (u.a. Löwenzahn, Beutolomäus und Hexe Lilli). Bei Beltz & Gelberg erschienen von ihr bereits die Kinderbücher Freddy und der Wurm, Der Ursuppenprinz, Die Helikopterbande und das Raubtier aus China sowie der Jugendroman Drei (fast) perfekte Wochen, der mit dem Hans-Im-Glück-Preis ausgezeichnet wurde.
Inhalt:
„Lee, 18, träumt von einer Zukunft als Polizistin. Doch ein einziger Moment verändert alles: In Notwehr verletzt sie einen Jungen, der ins Koma fällt – und stellt fest, dass er nur helfen wollte. Als der Junge erwacht, entsteht eine zarte Liebe, doch seine Eltern erstatten Anzeige. Im Spannungsfeld von Jugendstrafrecht und Erwachsenwerden stellt der Roman die Frage: Was bedeutet es, jung zu sein – und wer entscheidet, wann wir erwachsen sind? Ein hochaktuelles Buch in einer präzisen Sprache, die ihresgleichen sucht.“ (Produktbeschreibung)
Gedanken zum Jugendroman:
Das Cover hebt sich vom Mainstream ab. Wir sehen hier die Silhouette zweier Personen – die Rücken einander zugewandt – die sich in einem Farbstrudel zu verlieren scheinen. Am unteren Rand eine junge Frau, die einen Taekwondo-Tritt ausführt. Ein wichtiges Element für die Geschichte.
Erzählt wird die Geschichte aus Lees Sicht. Sie ist eine sympathische und noch etwas kindliche Protagonistin, die aufgrund ihrer Vergangenheit schnell erwachsen werden musste, gleichzeitig aber mit ihren jungen 18 Jahren noch ein Kind ist. Der Sprachstil ist demnach einfach und jugendlich gehalten, was die kindliche Seite von Lee darstellt. Zugleich lebt sie bereits alleine, unterrichtet Taekwondo und hat sich eigenständig bei der Polizei für eine Ausbildung beworben.
Zitat: „Vielleicht sollte sie stattdessen die Gefängnisstrafe akzeptieren. Dann muss sie auch nicht so tun, als hätte ihre Mutter immer recht gehabt: dass Lee zu blöd ist, um allein für sich zu sorgen, dass sie jemanden braucht, dass sie noch ein Kind ist im Kopf.“ Christina Erbertz: Stein schlägt Papier (Seite 117)
Das Verhältnis zu Lees Mutter ist angespannt. Die Mutter hat ihr nie Sicherheit gegeben, sondern war so unberechenbar, dass sich Lee am liebsten vor ihr verschlossen hat. Lees Kanal für all diese Erlebnisse war die Wut, die sie nicht kontrollieren konnte und erst durch ihr Taekwondo-Training in richtige Bahnen lenken konnte. Aber alte Muster legt man nicht so schnell ab.
Jedes Kapitel ist mit einem Begriff aus besagtem Kampfsport betitelt und gibt zum Teil kleine Einblicke auf die Handlung. Das fand ich sehr außergewöhnlich und ich habe immer mal wieder die Begriffe (auch im Text vorkommende) aus dieser mir weniger geläufigen Kampfsportart nachgeschlagen, um mir eine bessere Vorstellung zu ermöglichen.
Zitat: „Wie froh Lee ist, dass der Nebel sich nun wieder in ihrem Kopf breitmacht. Dicht und dämpfend lässt er keinen Raum mehr für andere Gedanken und Gefühle.“ Christina Erbertz: Stein schlägt Papier (Seite 128)
Nach dem folgenschweren Ereignis im Park ist Lee hin und her gerissen. Sie möchte aufgrund der Erlebnisse in ihrer Kindheit dringend als Erwachsene angesehen werden, ihre Unabhängigkeit behalten, weswegen sie mit einer Strafe als Jugendliche hadert, sich dort nicht sieht, obwohl ihr Verhalten zeigt, dass sie in vielen Dingen noch recht unreif ist.
Fazit:
"Stein schlägt Papier" ist ein überaus eindringliches Buch, welches sich mit dem Erwachsenwerden und den Konsequenzen für das eigene Verhalten auseinandersetzt. Es zeigt auf berührende und tragische Weise, wie die Erlebnisse aus der Kindheit das Handeln von uns allen beeinflussen. Aber es zeigt auch, dass es Wege aus unguten Situationen gibt und dass selbst verletzte Menschen ihren ganz eigenen Part an dem Unglück erkennen – und auch, dass sie verzeihen können.
Stein, Papier – und wir mittendrin im Gefühlschaos
Alrik Gerlach aus NordWestMecklenburg am 05.09.2025
Bewertungsnummer: 2587658
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kaum ein Buch hat mich und meine Tochter so heftig durchgeschüttelt wie dieses. Normalerweise hänge ich ja gerne in Thrillern ab, wo alles ein bisschen überzogen wirkt – aber hier? Bäm, das sitzt. Christina Erbertz schmeißt uns mitten in eine Situation, die man niemandem wünscht: Lee will helfen, dann eskaliert es in Sekundenbruchteilen, und plötzlich steht ihr ganzes Leben Kopf. Meine Tochter hat beim Lesen ständig gefragt: „Papa, was hättest du gemacht?“ – und ganz ehrlich: keine Ahnung. Vermutlich Mist gebaut.
Wir haben die Kapitel teilweise im Wechsel gelesen und uns dann darüber gestritten, ob Lee jetzt cool gehandelt hat oder einfach kopflos war. Und genau da liegt die Stärke des Buches: Es macht dich nicht zum Zuschauer, es drängt dich mitten ins Dilemma. Ich wollte Lee manchmal schütteln, meine Tochter fand sie eher mutig. Buddyread-Diskussionen deluxe.
Der Schreibstil ist schnörkellos, fast frech, so direkt wie ein Schlag in die Magengrube. Kein Gelaber, keine unnötigen Schleifen – das zieht dich durch wie ein Krimi, aber mit Herz und Hirn. Und ja, das Herz klopft doppelt, sobald der Junge aus dem Koma erwacht und plötzlich mehr im Raum steht als nur Schuld und Strafe. Ich habe an einer Stelle laut gelacht, meine Tochter hat mich dafür angeguckt, als wäre ich verrückt.
Was hängen bleibt? Dieses Buch ist unbequem ehrlich. Es zeigt, dass Erwachsenwerden kein geplanter Spaziergang ist, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser. Für uns beide war klar: „Stein schlägt Papier“ hat sich in unser Regal geprügelt wie ein Klassiker. Und wir haben lange nach dem Ende noch weiterdiskutiert – was für mich das beste Zeichen ist, dass ein Buch richtig was kann.
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