Zwischen prächtigen Villen und den Elendsvierteln Berlins sucht eine junge Frau nach ihrer Bestimmung
Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht - ihre und Johanns kleine Tochter.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Streiflicht
Thalia Book Circle Community
5/5
14.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Berührende Zeitreise
Schon beim ersten Blick auf das Cover war ich neugierig. Ich kenne Berlin ganz gut, eine Freundin hat in Potsdam studiert und ich habe sie damals oft besucht. Ich mag Bücher, die mich in vergangene Zeiten entführen - vor allem auch, wenn es um Deutschland geht, denn oft kennen wir ja unsere eigene Geschichte gar nicht so gut. Das Kaiserreich war eine spannende Zeit mit vielen Umbrüchen. In dieser Welt leben Elise und Johann, die sich durchbeißen müssen.
Mich hat fasziniert, wie nah die Autorin uns an die Figuren herangeführt hat, wie sehr man mitgefühlt hat. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, teilweise sind die Seiten richtig geflogen. Ich fand es toll, wie Elise ihre Ziele verfolgt, sich weiterentwickelt und immer mutiger für sich und die ihren kämpft. Man erfährt nicht nur, wie wenig die Menschen aus den unteren Schichten verdienen, sondern auch, was “trockenwohnen” bedeutet, warum so viele Menschen krank waren und nicht alt wurden, wie wenig sich diese Unterprivelegierten sich wehren konnten und was sich die Adeligen und diejenigen mit Geld alles erlauben konnten. Ein beeindruckendes Bild des Kaiserreichs um 1890, das mich tief in seinen Bann gezogen hat!
Gleichzeitig war es auch spannend, mehr über die sozialen Ungerechtigkeiten in dieser Zeit und die Wohnungsnot - die ja zum Teil wieder aktuell ist - zu lesen. Klar, die vielen Gebäude mit Hinterhöfen in Berlin kannte ich schon, aber nicht ihre Geschichte, die zum Teil so traurig und krass ist. Umso faszinierter habe ich das Buch gelesen, dessen Geschichte zwischen den prächtigen Villen und den Elendsvierteln Berlins angesiedelt ist.
TochterAlice
aus Köln
5/5
16.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Tolles Buch über den Beginn des genossenschaftlichen Wohnungsbauss
Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen Viertel in Berlin, geradezu ein verwegener Wunsch. Doch sie lässt nicht locker und erhält durch Zufall tatsächlich eine Chance. Ebenfalls durch Zufall lernt sie den jungen Architekten Johann kennen, der sich für sozialen Wohnungsbau einsetzt und auch Möglichkeiten für ihre Familie darin sieht. Aber es gibt gegenteilige Interessen, die diese Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs unterbinden wollen, wodurch auch ihre Beziehung zu Johann gefährdet ist. Ein wichtiger Protagonist ist auch Johanns Freund Louis, ein engagierter Arzt aus “guter Familie”, durch dessen Einbindung auch ein fundierter Einblick in das Leben der Oberschicht, vor allem in das seiner Mutter, die anders als er nicht an Unterstützung der ärmeren Bevölkerung interessiert ist. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich deutlich, die ebenso wie der Kampf der Frauen um einen Platz in der Arbeitswelt immer wieder zur Sprache kommt.
Wie man sieht, sind soziale Aspekte ein zentrales Thema dieses Romans und sie sind derart gegenständlich und “hautnah” dargestellt, dass auch Rezipienten, die dieses Thema nicht zu ihren vorrangigen Interessen zählen, begierig jede Information dazu aufsaugen werden
Ein historischer Roman, der einen tiefen Einblick in die sozialen Verhältnisse des späten Kaiserreichs gibt und die Leser*innen verstehen lässt, warum die deutsche Geschichte den uns heute bekannten Lauf nahm.
Bewertung
5/5
14.03.2026
Buch (Taschenbuch)
fantastisches Buch
Wir befinden uns im Deutschen Kaiserreich Im Jahr 1890 und lernen die junge Elise kennen. Ihr großer Traum ist es, als Schneiderin berühmt zu werden. Sie hat das Glück, eine Anstellung in einem Modeatelier zu erhalten. Doch die damalige Zeit ist nicht einfach. Als sie den Architekten Johann kennenlernt verliebt sie sich in ihn. Er kämpft um genossenschaftliches Bauen. Doch sein Ziel, den Wohnungsbau voran zu bringen, kann er nicht selbst erfüllen. Elise nimmt dieses Thema in die Hand und möchte für bedürftige Menschen Unterkünfte erschaffen.Dabei hat sie jedoch eine Gegnerin, die Baronin von Rienäcker. Sie legt ihr einige Steine in den Weg.
Ich mochte Elise als Protagonistin sehr. Sie ist so engagiert und mutig und lässt sich nicht von ihrem Plan abbringen. Ich konnte sie mir als Person sehr gut vorstellen, ihre Handlungen und Gefühle waren für mich stets nachvollziehbar. Die damalige Zeit wird bestens geschildert. Gerade das Thema um die damaligen Zustände war ein Neues für mich und so habe ich viel Interessantes daraus gelernt. Die Seiten flogen nur so dahin, denn trotz des ernsten Themas ist das Buch sehr flüssig geschrieben. Ich habe durch dieses Buch die Autorin für mich entdeckt und freue mich schon auf weitere Werke von ihr.
NiniSte
aus Kiel
5/5
13.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Grandioses Lesehighlight!
Mit ihrem historischem Roman,, Das Haus in Charlottenburg " nimmt die Autorin Beate Sauer den Leser mit auf eine spannende Zeitreise Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin. Mitten in die so schnell gewachsene Stadt, daß Wohnraum nicht nur äußerst knapp , sondern auch noch von den kargen Einkünften kaum bezahlbar ist. So leben viele Menschen auf kleinstem Raum und unter oft erbärmlichen Umständen. Zudem sind die Mieter der Willkür der geldgierigen Vermieter ausgeliefert , werden die Mieten grundlos erhöht oder man muß von heute auf morgen ausziehen, auch wenn der Vertrag eigentlich noch gültig wäre. Selbst wenn man ein eigenes kleines Grundstück sein eigen nennt, ist man nicht sicher, wenn ein Immobilienspekulant genau dort eine Mietskaserne für viele Menschen bauen will. So erging es auch Elise und ihrer Familie, als ihr Vater bei einem Unglück ums Leben kam. Seitdem wohnt sie mit ihrer Mutter und den zwei jüngeren Geschwistern Willy und Marie beengt in einem Mietshaus. Ihr Lohn als gelernte Schneiderin reicht so gerade für das Nötigste. Ihr großer Traum ist es , eines Tages bei einem renommierten Modeatelier zu arbeiten. Bis dahin ist sie der Schikane und Ausbeutung ihrer Chefin ausgesetzt.
Auch der Architekt Johann kommt mit seinen Aufträgen nur so gerade eben über die Runden. Als er einen lukrativen Auftrag erhalten kann, lehnt er ihn ab. Denn eine Mietskaserne zu bauen, kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Mit seinem Freund , dem Professor Louis D'Arnaud , der an der Charité tätig ist, hat er stattdessen ein genossenschaftliches Wohnprojekt. Mit potentiellen Geldgebern und den eigenen Anteilen der zukünftigen Bewohnern möchten sie bezahlbares , komfortables und sicheres Wohnen möglich machen. Das will Baronin Leonora von Rienäcker, Louis Mutter, aus eigenem Interesse auf jeden Fall verhindern und dafür ist ihr jeder Weg recht.
Nachdem Elise und Johann mehrmals zufällig aufeinander treffen, entwickeln sich nicht nur zarte Gefühle, sondern auch eine wunderbare Freundschaft mit Louis, auch wenn sie aus so unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen. Das Wohnprojekt fasziniert Elise von Beginn an, da sie nie wieder in ihrem Leben ihr Zuhause verlieren möchte. Mit Eifer und Elan lassen sich die Freunde auch bei Rückschlägen nicht von dieser Vision abbringen. Wird ihr Traum vom Genossenschaftlichen Wohnen in Erfüllung gehen und damit den Menschen sicheren und zugleich bezahlbaren Wohnraum bescheren ?
Beate Sauer hat mich mit dieser Geschichte und ihrem hervorragend bildhaften Schreibstil von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Die abwechslungsreichen Erzählperspektiven von Elise, Johann und auch Leonore von Rienäcker ließen mich tief in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten eintauchen. Die Spannung wie es weitergeht steigerte sich mit jedem weiteren Kapitel, so daß ich das Buch gar nicht mehr aus dem Hand legen konnte. Es war wie ein Rausch, die Verstrickungen , Intrigen und unerwarteten Wendungen ließen mein Herz vor Aufregung klopfen. Bei einigen Situationen konnte ich die Tränen nicht zurück halten oder musste vor Freude lächeln . Die Charaktere sind liebevoll, detailliert und realistisch ausgearbeitet, mit allen Facetten von sympathisch, herzlich und liebenswert bis unheimlich und skrupellos.
Eindrucksvoll und erschreckend realistisch sind die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung in Berlin dargestellt, der Willkür von Vermietern und Arbeitgebern ausgesetzt. Wer sich zur Wehr setzt, hat mit dramatischen Konsequenzen zu rechnen. Im Gegensatz zur gehobenen Gesellschaftsschicht, in der auch der Adel eine große Role einnimmt, die in prächtigen Villen ihr sorgloses Leben genießen . Auch wenn der ein oder andere als Gönner darstellt, ist es doch meist mit Hintergedanken und dient zum eigenen Vorteil. Hervorragende recherchiert zeichnet Beate Sauer ein absolut authentisches und lebendiges Bild der Zeit. So wird Geschichte lebendig und beim Lesen lerne ich immer noch etwas dazu. Im Nachwort geht die Autorin nochmals auf die historischen Fakten ein, was ich zusätzlich immer sehr spannend finde.
Beate Sauer hat mich mit dieser großartigen Geschichte auf eine spannende und gefühlvolle Zeitreise nach Berlin entführt, mich in die Gefühle, Träume und Visionen aber auch in die tiefen Abgründe , Intrigen und Verbrechen der Personen gezogen . Ein absolutes Lesehighlight, welches ich von ganzem Herzen empfehle.
Danshi
5/5
03.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Eine Geschichte von Haltung, Herz und Vision
Das Cover ist schlicht und elegant und vermittelt sofort die Stimmung einer Epoche, in der Glanz und Elend eng nebeneinanderlagen. Die Geschichte spielt im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts, geprägt von sozialen Gegensätzen, wachsender Industrialisierung und schwierigen Lebensbedingungen für die unteren Schichten. Im Mittelpunkt steht Elise, eine junge Schneiderin, die für ihre Träume kämpft und zugleich Verantwortung für ihre Familie trägt.
Die Begegnung mit Johann, einem idealistischen Architekten, eröffnet ihr die Chance, ihre eigenen Ziele mit einer Vision für andere Menschen zu verbinden. Gemeinsam planen sie genossenschaftliches Wohnen, doch mächtige Gegnerinnen, insbesondere die skrupellose Baronin von Rienäcker, stellen sich ihnen immer wieder in den Weg.
Die Figuren sind lebendig und vielschichtig. Sie wirken glaubwürdig und authentisch. Beate Sauer erzählt elegant und flüssig, mit detailreichen Beschreibungen der historischen Stadt und ihrer Lebensverhältnisse. Die emotionale Tiefe der Charaktere wird ebenso greifbar wie die gesellschaftlichen Spannungen und Ungleichheiten Berlins. Besonders berührend ist Elises Entwicklung. Aus einer jungen Frau, die zunächst nur für sich kämpft, wird eine Persönlichkeit, die Verantwortung übernimmt und für Gerechtigkeit einsteht. Die Handlung bleibt spannend, weil Intrigen, Machtkämpfe und überraschende Wendungen geschickt eingewoben sind.
Historische Fakten zum Wohnungswesen und sozialen Aufstieg werden subtil vermittelt, ohne die Lesefreude zu hemmen.
Für Leserinnen, die tiefgehende historische Romane lieben, ist dies eine uneingeschränkt empfehlenswerte Lektüre.
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