Ein provokanter, brillanter Roman mit einer Protagonistin, die nirgendwo verwurzelt ist und alle Schubladen sprengt. Eine junge Emigrantin in New York City ringt mit einem Idealbild ihrer selbst, das unerreichbar scheint. Ihr geerbtes Vermögen ist für sie unzugänglich, ihr Heimatland Palästina existiert nur in der Erinnerung, ein Kindheitstrauma verfolgt sie hartnäckig. Und es fällt ihr zunehmend schwer, sich anzupassen. Als Lehrerin experimentiert sie mit unkonventionellen Unterrichtsmethoden und entwickelt zudem einen verrückten Plan, der ihr auf dem Schwarzmarkt zu Geld verhilft. Doch auf Fragen nach Wert und der Wahrhaftigkeit des Lebens findet sie keine einfachen Antworten. Durch obsessives Reinigen ihres Körpers mit teuren Produkten versucht sie, Kontrolle über ihr Leben zu erlangen.
»Auf absurde Weise komisch, wie das existenzielle Schwanken der Hauptfigur zwischen abgestumpfter amerikanischer Konsumhaltung und der Traurigkeit des Vertriebenwordenseins.« The New York Times Book Review
Ein wildes, radikal ehrliches Debüt darüber, wie es ist, nirgendwo verwurzelt zu sein und alle Schubladen zu sprengen.
»Auf absurde Weise komisch, wie das existenzielle Schwanken der Hauptfigur zwischen abgestumpfter amerikanischer Konsumhaltung und der Traurigkeit des Vertriebenwordenseins.« (The New York Times Book Review)
»Ein Meisterwerk« (Slavoj Zizek)
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Ein Jahreshighlight!
Bewertung am 26.10.2025
Bewertungsnummer: 2637215
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
INHALT
„Die ganze Nacht dachte ich an meinen schmutzigen Körper und an die Stelle, die ich nicht säubern konnte. Sie war auf meinem Rücken, zwischen meinen Schulterblättern, der einzige Teil meines Körpers, den ich weder richtig anfassen, noch richtig sehen konnte (...)“ S. 20
Dieses Buch hat mich von Seite 1 an gefesselt - eine Frau, die verschiedene Zwänge hat und mit ihnen lebt. Die Zwänge begangen in New York, im dreckigen New York. Dort, wo überall Müll herumliegt und einfach alles schmutzig ist. Die versucht nicht nur von außen rein zu sein, sondern auch von innen. Morgens trinkt sie ein warmes Glas Wasser, Zitronensaft und Kaffee. Dann entleert sie ihren Darm. Traumatische Erlebnisse und Flucht aus ihrer Heimat hinterlassen deutliche Spuren.
EINDRUCK UND FAZIT
Dieses Buch hat mich wahrlich überrollt, ich fing an zu lesen und konnte es nur einmal aus der Hand legen (weil ich eben erwachsen und bin und manchmal auch zur Arbeit muss :D), wenn ich gekonnte hätte, hätte ich es in einem Zug gelesen. Ich interessiere mich sehr für psychische Störungen, deren Entstehung und Entwicklung - dieses Buch ist sehr Ausschlussreich in vielerlei Hinsicht. Wir erhalten nicht nur ein Bild von der Entstehung der Zwänge, sondern auch von der Ausführung und dem Leid, den sie verursachen. „Ich dachte erneut über Selbstmord nach, aber der Selbstmord dachte nicht an mich, es gab keine Übereinstimmungen, wir waren nicht kompatibel.“ S. 265
Dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights, so still es doch daher kommt. Es hat mich unglaublich berührt, fasziniert und hin und wieder sprachlos zurückgelassen. Insbesondere das Ende und die Entwicklung der jungen Frau (ich finde, eine Mischung aus Zwang und Wahn), fand ich beeindruckend!
Befremdlich aber sehr unterhaltsam
MarieOn am 23.09.2025
Bewertungsnummer: 2604496
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sie begann im September an der Franklin School in New York City. Aisha hatte sie eingestellt, weil Sasha sie empfohlen hatte. Ein Beruf mit mehr Glamour hätte ihr besser gefallen, aber das Unterrichten machte ihr Spaß. Die Jungs waren noch sauber in ihren feinen Klamotten und sie war gerne mit ihnen zusammen. Zuvor war sie mit Sasha auf Kuba gewesen und er wusste, dass sie aus Palästina weg musste. Sie waren schon seit Jahren zusammen, aber er hatte keine Macht über sie. War er nicht anwesend, verschwendete sie keinen Gedanken an ihn. Es ist nicht so, dass sie darauf stolz ist, eine leidenschaftliche Beziehung wäre ihr lieber, aber sie blieb stets gerne mit einem Fuß auf dem Boden.
Sie hat eine Aversion gegen Schmutz und New York ist voll davon, voll von krankheitsverheißenden Erregern. Sie benutzt drei verschiedene Lotionen, um ihr Gesicht zu säubern, bevor sie sich schminkt, geht weder ungeduscht aus dem Haus noch ins Bett. Nach dem Aufwachen trinkt sie ein Glas Zitronensaft, danach lauwarmes Wasser und Kaffee. Dann entleert sie mühelos ihren Darm und ist außen wie innen sauber. Ihre Reinlichkeitsrituale sind zeitintensiv und geben ihr Sicherheit.
Beide Eltern starben bei einem Autounfall, weil der Vater eingeschlafen war. Ihr Bruder und sie überlebten. Sie erbten jeder die Hälfte des Vermögens 28.755.000 Dollar. Das Testament sieht allerdings vor, dass sie nur über einen geringen monatlichen Betrag verfügen kann. Sie ist gleichzeitig reich und arm.
Sasha wusste, dass meine Familie aus Bisan stammte. Ich habe keine Ahnung, wann oder warum ich ihm das erzählt habe, vielleicht in jenem ersten Stadium von Verliebtheit, in dem das Erzählen von einer schweren Tragödie einen zusammenschweißt und zu bedeutungsvollerem Sex führt. S. 198
Fazit: Yasmin Zaher hat in ihrem, mit dem Dylan Thomas Prize ausgezeichneten, Debüt, das Dasein einer emigrierten Palästinenserin verhandelt. Die Protagonistin wirkt kess, aufgeweckt, ein bisschen schnoddrig in ihren Interaktionen und sehr mit sich selbst beschäftigt, das ist allerdings nur die Oberfläche. Mit ihrer Zwanghaftigkeit versucht sie ihre Traurigkeit über die Vertreibung aus der Heimat, ihre traumatische Kindheitserfahrung und den Frust über das verschlossene Erbe zu kontrollieren. Ihre Beziehungen sind lieblos und geprägt von ihrer Manipulation. Es gibt keine Freundin an ihrer Seite. Ihr Bedürfnis, gut auszusehen, bestens gekleidet und sauber zu sein, entspringt dem Bedürfnis, besonders zu sein. Es ist so befremdlich, diesem anstrengenden Charakter bei seiner tendenziellen Selbstzerstörung zuzusehen, dass es schon wieder spannend ist. Ihre Kompensationsversuche nehmen immer schrägere Ausmaße an und so ist das Ende der Geschichte recht verstörend. Die Autorin hat großes Erzähltalent und rattert die Story zügig herunter, so als hörte ich einer augenscheinlich interessanten Frau bei ihren diversen Alltagsanekdoten zu. Schreiben und unterhalten kann sie definitiv. Ich muss gestehen, dass ich, was die Hauptdarstellerin angeht, viel interpretiert habe und das ist mein kleines Manko. Die Autorin lässt hinter der Oberflächlichkeit viel Raum für die Leserin, sich die Gründe zusammenzupuzzeln. Allerdings ist das Ganze auch sehr unterhaltsam und daher mein Jammern auf hohem Niveau. Lesenswert!
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