Das berührende Porträt einer verschlossenen Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavík, die ihre akademische Laufbahn an den Nagel hängt und aufs Land zieht. Von der Dorfgemeinschaft aus der Reserve gelockt, beginnt sie ein neues, ein ganz anderes Leben.
Alba ist Dozentin an der Universität von Reykjavík, als Expertin für aussterbende Sprachen fliegt sie von einer Konferenz zur nächsten. Wie viele Bäume muss ich pflanzen, fragt sie sich, um meinen CO2-Fußabdruck zu kompensieren? Wenig später erwirbt sie außerhalb von Reykjavík ein altes Haus mit einem Stück Land. Ihr Leben in der Hauptstadt interessiert sie immer weniger, es ist Zeit, sich neu zu erfinden. Immer mehr fügt sie sich in die Dorfgemeinschaft ein. Es ist, als hätte man dort nur auf sie gewartet. Chor und Theaterverein suchen neue Mitglieder und die im Dorf ansässigen Flüchtlinge brauchen eine Sprachlehrerin. Eine mütterliche Beziehung entsteht zu dem 16-jährigen Waisen Danyel, mit dessen Hilfe sie an ihrem Garten Eden baut - ihrem Zufluchtsort in einer immer chaotischer werdenden Welt.
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Große Liebe für dieses Buch!
Kwinsu aus Salzburg am 21.01.2026
Bewertungsnummer: 3019032
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Alba, Sprachwissenschaftlerin an der Uni in Reykjavík, begegnet einem Haus am Land, mit dem sich ihr Leben ändert. Kurzerhand beschließt sie, es zu kaufen, sie lässt sich ein auf die Dorfgemeinschaft und beginnt langsam ihr Leben zu verändern. Und wir Leser*innen dürften in Ausschnitten dabei sein.
Gleich vorweg: Auður Ava Ólafsdóttirs "Eden" ist eines meiner Jahreshighlights aus dem Jahr 2025! Ich liebe das Sprunghaftige an diesem Buch, die vielen Auslassungen, die einen stets überraschen, manchmal auch überrumpeln, die vielen Fragezeichen, die beim Lesen aufkommen, die offensichtliche Verdrängung diverser Tatsachen der Protagonistin, die Übergriffigkeit der Dorfgemeinschaft, die Alba völlig egal zu sein scheint, die Interaktion der Charaktere, die distanziert und gleichzeitig voller Inniglichkeit ist, die Atmosphäre der Landschaft, die in keinem isländischen Buch fehlen darf und das stimmige Ende. Es hat alles, was isländische Literatur ausmacht, es ist ein wenig schräg, teilweise unzugänglich (vor allem wenn man das Land nicht kennt), voller Philosophie, die Figuren sind zutiefst menschlich, schrullig und nachvollziehbar, fügen sich in die karge aber wunderschöne Landschaft, sind mit Tieren verbunden und dann gibt es auch noch dieses Etwas, was nicht zu beschreiben ist.
Wenn ich so darüber sinniere, merke ich, dass ich das Buch gleich wieder lesen will und eigentlich auch sonst alles von dieser Autorin. Die Geschichte ist voller schöner Begegnungen, einer ungewöhnlichen Normalität und Selbstverständlichkeit, fein beobachtet und festgehalten. Was nicht unerwähnt bleiben darf, ist der ganz eigene Humor, der immer mitschwingt, vor allem wenn Alba von der Presse immer und immer wieder auf einen Literaten hingewiesen wird, mit dem sie offensichtlich eine spezielle Verbindung hat und dies geflissentlich ignoriert und einfach unkommentiert stehen lässt.
Eden ist ein Leseerlebnis, das aufgrund seiner Schrulligkeit und bloßen Besonderheit bestimmt nicht jedem gefällt. Wer aber eine Vorliebe für fein Beobachtetes, Schräges, Schwarzhumoriges und kein Problem mit bewusst eingesetzten Auslassungen hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Ich muss sagen: ich liebe es!
Die Welt von oben sehen
liesmal aus Wilhelmshaven am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2674803
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Audur Ava Ólafsdóttir. Ich beginne mit dem Namen der Autorin, damit ich ihn nicht vergesse, denn ich möchte unbedingt mehr von ihr lesen.
Island kenne ich aus Erzählungen und Büchern. Für mich ist es ein faszinierendes Land, rau und weit, still und herzlich. Diese Eindrücke vertiefen sich durch die Protagonistin Alba, eine Sprachwissenschaftlerin, die ihr Leben in Reykjavik hinter sich lässt, um auf einem eigenen Stück Land in einem kleinen Dorf außerhalb der Stadt zu leben.
Die Menschen, deren Neugier für mich eher Mitmenschlichkeit bedeutet, kennen den Sinn von Integration. Mir gefällt die Ruhe, die über allem liegt. Vorsichtig versuchen die Dorfbewohner, Alba in ihre Gemeinschaft einzubeziehen. Dadurch sollen auch Flüchtlnge die Chance bekommen, die Sprache zu erlernen. Besonders die Beziehung zwischen Alba und dem Waisenjungen Danyel ist von Warmherzigkeit geprägt.
Mir gefällt dieses Buch, das ich nicht in einem Rutsch weglesen kann, sondern dem ich viel Zeit widme. Auf der einen Seite ist es Albas vielleicht berufsbedingte Art, sich immer wieder Gedanken zu machen über einzelne Wörter, das mag ich. Doch auch ihre Liebe zur Natur und ihre Überlegungen zu Menschen, Tieren, Pflanzen in einer Welt ohne Grenzen lassen mich träumen von einer friedlichen Welt. Wunderschön wird die Welt – von oben gesehen – beschrieben. Meine volle Leseempfehlung!
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